Der Irische Löwe

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2014, Titel: 'The Lion's Courtship', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Atmosphärisch dichtes Prequel

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2016

In der Serie um Anna Kronberg, die im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts als Dr. Anton Kronberg im Guys Hospital arbeitet, erschienen bisher drei Romane. Teufelsgrinsen, Tiefer Fall und Die lange Reise haben überzeugt und zahlreiche Leser gewonnen, nicht zuletzt, da ein gewisser Sherlock eine wichtige "Nebenrolle" spielte. Verständlich, dass man gespannt ist, wie die Serie weiter geht. Doch in Der Irische Löwe erfahren wir stattdessen wie (fast) alles begonnen hat.

 

"Warum das Ganze? Warum die Geheimnisse? Warum hast du keinen Ehemann, keine Freunde?"

"Wenn die Leute von meinem Geheimnis wüssten, müsste ich einige Zeit im Gefängnis verbringen und dann England verlassen."

 

Wie lernten sich Anna Kronberg und ihr "Freund" Garret OHare kennen und - nicht zu vergessen - was hat es mit dem jungen Barry auf sich? Zwei Figuren, die in den bisherigen Romanen immer wieder vorkamen. Ach ja, Sherlock Holmes und einen gewissen Moriarty gibt es da auch noch; in den späteren Romanen jedenfalls. Stellt sich für Fans der Serie die alles entscheidende Frage, ob man das Prequel tatsächlich lesen muss?

Prostitution und Elend im 19. Jahrhundert

Ein klares "Jein" ist die Antwort. Klar, der Handlung der vorgenannten drei Romane kann man problemlos folgen, ohne hierfür Der Irische Löwe kennen zu müssen. Auch darüber hinaus hilft der vorliegende Roman nicht unbedingt weiter. Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Irische Löwe ist ein glänzendes Kleinod von rund 200 Seiten, welches atmosphärisch beeindruckend in die Lebenssituation der Unterschicht im Elendsviertel St. Giles einführt.

 

"In London gibt es etwa achtzigtausend Huren, jede hat ungefähr drei bis zehn Kunden täglich. Das sind eine Menge Londoner, die in den Armen von jemandem liegen, den sie in der Öffentlichkeit verachten."

 

Das bedrückende, erniedrigende Leben vor allem der Prostituierten, die sich bestenfalls in heruntergekommenen Häusern ihrer zahlungswilligen Kundschaft hingeben, in schnelleren Varianten aber auch einfach hinter eine Plakattafel stellen, wird gekonnt beschrieben. Überhaupt gibt es intensive Einblicke in das Leben des Bodensatzes der Gesellschaft und so überrascht es womöglich (nein, nicht wirklich), dass ausgerechnet Garret OHare ein weiches Herz hat.

 

"Ihre Profession hat sich herumgesprochen, mittlerweile wird sie oft gerufen. Häufig kann sie dann nur noch Diagnosen stellen: Syphilis, Tripper, Typhus, Schwindsucht. Es gibt kein Wunderheilmittel gegen diese Krankheiten; sie empfiehlt den Kranken Ruhe, gutes Essen und viel frisches Wasser, doch nichts davon existiert in den Slums."

 

Garret erfährt von einem Kumpel von der "Krankenschwester" Anna und kann sich schwer verletzt in deren Wohnung retten. Anna pflegt ihn und fortan fühlt sich Garret zu ihrem Beschützer berufen. Anna empfindet ebenfalls etwas für den großen, rotmähnigen Kerl, der zu ihrem Erstaunen sogar lesen kann. Man freundet sich zaghaft an, doch die Beziehung bleibt zunächst platonisch. Vor allem Anna hat (bekanntlich) ein äußerst zwiespältiges Verhältnis gegenüber Männern.

Ein Hauch von Jack the Ripper

Als in einem billigen Bordell die junge Prostituierte Poppy von einem vermeintlich gut situierten Herrn mit einem Messer im Gesicht misshandelt wird, ist Annas Gerechtigkeitssinn aktiviert. Damit begibt sie sich allerdings in höchste Gefahr und da die "Beziehung zu Garret eher auf Missverständnissen beruht, trifft Garret eine (folgenschwere) Entscheidung.

Bei Der Irische Löwe hat sich Annelie Wendeberg auf der Suche nach dem Mann, der sich Poppy eindeutig zu stark genähert hat, von den Geschehnissen um Jack the Ripper inspirieren lassen; wenngleich um wenige Jahre zeitversetzt. Das Ende des Plots kann man somit voraussehen. Letztlich geht es jedoch um die sozialen Verhältnisse im London des Jahres 1885 und um die Entstehung der "Beziehung" zwischen Anna und Garret. Aber warum verschwindet Barry plötzlich aus der Handlung? Zum Verständnis der Serie entbehrlich, für Fans ein "Muss". Wer sich für die damalige Zeit interessiert, sollte ebenfalls zugreifen. 

Der Irische Löwe

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Letzte Kommentare:
08.05.2017 16:33:45
tassieteufel

London 1885: Anna Kronberg führt ein Doppelleben, tagsüber arbeitet sie als Dr. Anton Kronberg im renommierten Guy’s Hospital, abends und nachts behandelt sie als vorgebliche Krankenschwester in St. Giles Prostituierte und Arme umsonst. Als eines Nachts der irische Dieb Garret O’Hare bei ihr einbricht, um eine Schußwunde behandeln zu lassen, ändert sich Annas Leben grundlegend, denn die beiden kommen sich näher und Garret beginnt Anna zu beschützen, die bei ihren nächtlichen Behandlungsbesuchen auf die Spur eines brutalen Mannes kommt, der einer jungen Prostituieren das ganze Gesicht aufgeschlitzt hat.

Das Buch als vierten Teil der Anna Kronberg Reihe anzupreisen ist vom Verlag sehr irreführend, denn die Handlung ist eigentlich eine Vorgeschichte und spielt zeitlich noch vor dem ersten Teil der Serie, wer hier also eine Fortsetzung von "Die lange Reise" erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden. Eigentlich müßte man "Der irische Löwe" sogar als ersten Teil der Reihe betrachten.
Die Story ist insgesamt recht unterhaltsam, aber auch keine unbedingt notwendige Lektüre, da man inhaltlich die wesentlichen Punkte auch gut in "Teufelsgrinsen" erklärt bekommt. Hier wird lediglich Annas Beziehung zu Garret thematisiert und sehr schön der Widerstreit von Annas Gefühlen beleuchtet. Einerseits fühlt sie sich zu Garret hingezogen, hat aber auch Angst vor ihm, da sie ja sehr traumatische Erlebnisse mit Männern hatte und zum anderen auch ihre Geheimnisse nicht preis geben will und kann, da sonst ihre Leidenschaft, als Arzt und Bakteriologe zu arbeiten, gefährdet würde.
Die Autorin hat die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen den ungleichen Protagonisten sehr einfühlsam, realistisch und frei von kitschigen Szenen geschildert. Nebenbei kommt Anna einem berühmten Serienkiller auf die Spur, der hier ebenfalls quasi seine Vorgeschichte geschrieben bekommt. Eine wirkliche Lösung gibt es natürlich nicht, das ist wohl den realen Ereignissen geschuldet. Zwar wird der Name Jack the Ripper nie erwähnt, zu dem Handlungszeitpunkt des Buches hat der den Namen ja auch noch nicht, aber wer aufmerksam liest und sich schon mit der Thematik beschäftigt hat, weiß natürlich genau, wer gemeint ist und insgesamt liefert die Autorin auch eine sehr schlüssige und neue Möglichkeit für dessen Vorgeschichte. Leider wird die Suche nach ihm und die Hintergründe zu seiner Person nur am Rande gesteift, was ich schade fand, da auch dieser Handlungsstrang durchaus Potenzial für mehr gehabt hätte. So aber geht es hauptsächlich um Anna und Garret, die man in dieser Vorgeschichte noch besser kennen lernt. Eingebettet ist diese Geschichte in sehr stimmige und atmosphärisch dichte Schilderungen vom Leben im Elendsviertel St. Giles, das die Autorin mit viel Liebe zum Detail lebendig werden läßt!

FaziT: nette Vorgeschichte zur Anna Kronberg Reihe, in der man die Protagonisten besser kennen lernt und die bedrückenden Verhältnisse im Elendsviertel St. Giles von der Autorin sehr detailliert und plastisch geschildert werden, so dass man beim Lesen einen greifbaren und beklemmenden Eindruck dieser Zeit bekommt.
Irreführend ist allerdings das es sich hierbei um den 4. Teil der Reihe handelt, das sollte man beim Kauf beachten, dann wird man auch nicht enttäuscht.