Im Schatten der Königin

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • C. Bertelsmann, 2014, Titel: 'Sisters of Treason', Originalausgabe

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Annette Gloser
Leben in der Nähe des Throns

Buch-Rezension von Annette Gloser Mai 2016

Siebzehn Jahre ist Jane Grey alt, als sie im Februar 1554 im Tower von London enthauptet wird. Nur neun Tage lang war sie Königin von England. Auch Janes Vater muss den Weg zum Schafott antreten. Zurück bleiben ihre Mutter Frances Brandon und Janes Schwestern Katherine und Mary. Zwar sind sie noch Kinder, aber sie sind die nächsten Verwandten der neuen Königin, die vom Volk bald nur noch die Blutige Mary genannt wird. Überall im Land flammen Scheiterhaufen auf, verbrennt man die Anhänger der reformierten Religion. Für Katherine und Mary beginnt ein schweres Leben, denn der Anspruch der beiden Mädchen auf den Thron ist ebenso groß wie der Mary Tudors. Für die neue Königin sind beide eine Bedrohung. Und immer mehr wird deutlich, dass Königin Mary keinen eigenen Nachfolger zur Welt bringen wird. Katherine wäre eine legitime Nachfolgerin. Aber da ist auch noch Elizabeth, die Tochter Anne Boleyns, deren Ansprüche ebenfalls legitim sind. Als Königin Mary stirbt und Elizabeth den Thron besteigt, hoffen Katherine und Mary auf ein freieres und glückliches Leben. Doch auch Elizabeth fühlt sich durch die Grey-Mädchen bedroht. Heiratet eine von ihnen und bekommt ein eheliches Kind, so stände dieses Kind dem Thron näher als jeder andere Nachfolger, den Elizabeth ernennen könnte. Dies will die junge Königin auf jeden Fall verhindern. Aber Mary und Katherine sind auf der Suche nach ihrem eigenen Lebensglück.

Schon wieder die Tudors!

Elizabeth Fremantle ist nicht die erste Schriftstellerin, die sich an die Tudors heranwagt. Schon so viel ist über diese Dynastie geschrieben worden, über ihre Männer, über ihre Frauen. Und dennoch bietet Im Schatten der Königin noch einmal einen ganz neuen Blickwinkel auf die machtbesessene Familie. Zum einen ist dies auf dem deutschen Buchmarkt wohl der erste Roman, der sich mit den Grey-Schwestern beschäftigt, zum anderen gelingt hier ein ganz besonderer Blick auf die Königinnen Mary und Elizabeth. Wie schon ihr Großvater Heinrich VII. und ihr Vater Heinrich VIII. sind auch Mary und Elizabeth ausgiebig damit beschäftigt, lästige Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Eine Beschäftigung, die ihr Wesen verändert und sie zu grausamen Entscheidungen zwingt.

Elizabeth Fremantle lässt Katherine und Mary ihre Geschichten selbst erzählen. Für den Leser ist das kein Problem, denn jedes Kapitel des Buches ist mit einer Zeitangabe, dem Handlungsort und dem Namen der Erzählerin versehen. Da Mary und Katherine zwei sehr unterschiedliche Mädchen sind, ergeben sich daraus oft auch sehr differenzierte Sichtweisen auf ein und dasselbe Ereignis. Für den Leser ist das sehr interessant und es sorgt für zusätzliche Spannung. Eine weitere Perspektive bringt die Malerin Levina Teerlinc ein, die als Portraitmalerin bereits für Königin Catherine Parr arbeitete und auch später bei Hof angestellt war. Levinas Teil der Geschichte wird jedoch nicht von ihr selbst, sondern in einem neutralen Ton erzählt.

Starke Charaktere

Bis ins Detail schildert die Autorin das Leben am königlichen Hof und zeichnet dabei gleichzeitig ein sehr genaues Bild von der Politik, von Machtkämpfen und Intrigen. Schlaglichtartig beleuchtet sie die Königinnen, ihre Entscheidungen und die Gründe dafür. Damit bekommt der Leser einen tiefen Einblick auch in die Psyche dieser beiden Frauen. Offenbar hat die Autorin ein sensibles Gespür für Charaktere und ein großes Talent, sie in Szene zu setzen. Es ist ihr gelungen, das Seelenleben der lebenslustigen schönen Katherine ebenso einzufangen wie das der stillen, klugen Mary, die ein verkrümmtes Rückgrat hat und winzig klein ist. Elizabeth Fremantle lässt uns am Leid und an den Freuden dieser jungen Frauen teilhaben. So schmilzt die Entfernung zusammen, die sich in fast fünfhundert Jahren wohl aufbaut, und als Leser fühlt man sich Katherine, Mary und Levina Teerlinc nah, kann ihre Ängste nachfühlen, ihre Freuden miterleben. Selbst wenn man weiß, wie das Leben von Katherine und Mary verlaufen ist, so bangt man doch mit ihnen und hofft auf einen guten Ausgang der Geschichte, so, wie sie selbst es vor fünfhundert Jahren wohl ebenso taten. 

Die Autorin hält sich strikt an historische Vorgaben und so ist der Roman sehr informativ. Seine Stärke jedoch sind die tiefen Charaktere der Protagonisten. Es ist Elizabeth Fremantle gelungen, sie so zu gestalten, dass man als Leser geneigt ist zu sagen: Ja, so könnte es gewesen sein!.

Nicht nur für Tudor-Fans

Im Schatten der Königin wurde vom Verlag C. Bertelsmann als Hardcover herausgebracht und großzügig ausgestattet. Es gibt einen (nicht ganz vollständigen aber ausreichenden) Stammbaum der Tudors und der Stuarts am Anfang des Romans und ein Personenverzeichnis mit kurzen Erklärungen im Anhang. Elizabeth Fremantle hat an das Ende des Romans Anmerkungen gesetzt, die es wirklich zu lesen lohnt. Zudem gibt es Hinweise auf weiterführende Lektüre. Zwar dürfte kaum eines der genannten Bücher auf Deutsch erhältlich sein, jedoch wird hier deutlich, wie intensiv die Autorin recherchiert hat.

Mit seinen 450 Seiten ist der Roman kein Leichtgewicht fürs Fluggepäck, aber lohnende Lektüre ist er auf jeden Fall. Und für alle Tudor-Fans ein absolutes Muss im Bücherregal.

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