Arthurs letzter Schwur

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 1997, Titel: 'Excalibur', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Carsten Jaehner
Das Ende einer Trilogie fernab des Mythos

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2007

Ende des 5. Jahrhunderts in Britannien. Nachdem Merlin alle Kleinodien Britanniens zusammen gesammelt hat, will er die Götter beschwören und wieder zusammen einen, damit sie das Land beschützen und ihm den großen Frieden bringen. Zusammen mit Nimue vollzieht er mit viel Feuer die Beschwörung, wird aber letztlich an der Vollendung gehindert, denn nicht jeder ist bereit, seinen Sohn zu opfern.

Derweil rüstet sich Arthur mit seinen Mannen zum Kampf gegen die Könige Cerdic und Aelle, die versuchen, mit Hilfe von Lancelots Armee Britannien unter sich zu verteilen. Arthur hat Derfel, Sagramor und auch seine wieder aufgenommene ehemalige Gattin Guenevere auf seiner Seite, und auch Bischof Sansom ist immer irgendwie mit dabei und schwirrt herum wie eine Motte um das Licht.

Arthur gelingt der Sieg, und es beginnt eine längere Zeit des Friedens. Derfel, Aelles Sohn und Ich-Erzähler des Romans, lebt mit seiner Frau Ceinwyn und seiner Familie in Ruhe dahin, doch im Hintergrund brodelt es bereits. Mordred, rechtmäßiger König Britanniens und Mitstreiter im Kampf gegen Cerdic und Aelle, rüstet gegen Arthur, seinen Lehrmeister und Erzfeind, und es geht dem großen finalen Kampf entgegen. Währenddessen hat Nimue die Macht über ihren ehemaligen Meister Merlin gewonnen und sucht ebenfalls, Arthur und Derfel zu vernichten. An der Südküste der britischen Inseln kommt es zur letzten Schlacht.

Von Helden, die nicht verklärt werden

Der Abschluß von Bernard Cornwells Artus-Trilogie gerät, wie auch seine beiden Vorgänger, recht düster. Jegliche verklärenden Mythen werden ausgespart und die Geschichte realistischer erzählt, als es manchem Leser vielleicht recht wäre. Kein Gral, kein heiligenscheintragender König Artus (der nie König war), ein feiger und kriecherischer Lancelot und ein griesgrämiger Merlin sind hier sinnbildlich für das fünfte Jahrhundert nach Christus, in dem eben diese Christen nach und nach ihre Religion auf die Insel tragen und die Vorherrschaft der bisherigen Götter zu verdrängen suchen.

Wieder holt Cornwell den Leser von der ersten Seite an in diese unangenehme Zeit und beweist sich erneut als hervorragender Erzähler. Nicht nur Schlachten bestimmen diese Zeit, sondern vor allem auch Taktiken und das Vor- und Nachgeplänkel vor einer Schlacht und die Überlegungen, ob man diese überhaupt schlagen sollte. Auch hier geht wieder Ehre vor Familie und Freundschaft, und einmal geschworene Eide dürfen nicht gebrochen werden. Da muss jemand aus der eigenen Familie getötet werden, und der Schwächling, in diesem Fall der wirkliche König Mordred, muss mit durchgezogen werden, da ihm Treue geschworen wurde. So beschreibt es Cornwell und taucht damit tief in die Sitten und Gebräuche der Zeit und des Landes ein, und das liest sich grauslig und spannend zugleich.

Arthurs letzter Kampf gegen Mordred

Zwar gibt es Hauptpersonen bei Cornwell, aber eigentlich keine wirklichen Helden. Jede der Hauptpersonen hat ihre Schwächen und Stärken, und gerade die eigentliche Hauptfigur der Trilogie, Athur, steht jenseits jeglicher Verklärung. Er hat sogar eigentlich mehr Schwächen als Stärken, da er an das Gute glaubt, das es zu dieser Zeit und in der Riege der Könige und Heerführer nicht gibt. Er ist ein Träumer, wissend, dass sein Traum eines friedlichen Britannien wohl nie in Erfüllung gehen wird, was daran liegt, dass er ja nicht König ist, weil Mordred es ist und er ihm damals die Treue geschworen hat. Dieser Konflikt ist letztlich die Basis der Trilogie und des ganzen Mythos um ihn, und Cornwell gelingt es wieder meisterhaft, dies in sein ihm eigene Sprache umzusetzen.

Wer letztlich wen tötet und wer wen am Leben lässt und wer am Ende übrig bleibt außer dem Ich-Erzähler Derfel, das wird mal mehr, mal weniger ausführlich erzählt und beschrieben. Doch sei zumindest erwähnt, dass Lancelots unrühmliches Ende nicht unbedingt spektakulär ausfällt, sondern eher sehr realistisch, wie auch einige andere nicht unbedingt den Heldentod sterben.

Schwächephasen in der Erzählung

Das Ende ist vielleicht nicht für jeden befriedigend, aber es ist ein Ende, das zur Geschichte passt. Cornwell erweist sich über weite Strecken als Erzähler mit Passion, vor allem in den Schlachten, wenn er minutiös, zeitweise gar in Zeitlupe, Taktiken und Kampfabschnitte für den Leser nachvollziehbar beschreibt. Doch gibt es auch ein paar Wermutstropfen zu finden. Gerade in diesem dritten Teil gibt es schwächere Phasen, in denen die Handlung stockt und nicht voran kommt. Fast kann man die Ratlosigkeit Arthurs auch bei Cornwell spüren, die Geschichte müsste weiter gehen, aber man weiß nicht, wie. Erst wenn es wieder auf ein Ziel, also eine Schlacht, zugeht, kommt wieder Fahrt in die Erzählung. Diese Phasen sind zwar kurz, aber es gibt ein paar davon, und daher fällt es auf und ins Gewicht.

Zwar ist dieser abschließende Teil der Trilogie wohl der schwächste der drei, dennoch bildet er einen guten und würdigen Schluß. Drei Karten, ein Personen- und Ortsverzeichnis sowie ein aufschlussreiches Nachwort, alles erfreulicher Standard bei Cornwells Romanen, sind eine schöne Ergänzung der Romans. Woher der Roman seinen deutschen Titel bekam, bleibt allerdings schleierhaft, der Originaltitel Excalibur kommt dem Inhalt viel näher. Auch wenn der Roman an die beiden ersten Teile nicht heranreicht, so ist dies doch Jammern auf hohem Niveau, das so mancher Autor vielleicht nie erreichen wird. Cornwell ist und bleibt ein hervorragender Erzähler, der seinen Lesern nichts erspart und nichts vorgaukelt. Eine lohnende Trilogie weitab des Mythos des Königs Arthur, die sowohl lesens-, als auch infolgedessen empfehlenswert ist.

 

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