Eidergrab

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2016, Titel: 'Eidergrab', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88
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Carsten Jaehner
Spannende Vermisstenjagd in Nordfriesland

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Apr 2016

Amrum, 1846. Dina Martensen, Magd und inzwischen ein wenig erfahren in Sachen Kriminalistik, bekommt vom Ehepaar Simons den Auftrag, nach ihrer verschwundenen Tochter Immke zu suchen. So macht sich Dina auf den Weg nach Eiderstedt, wo sie beginnt, nach der jungen Milchmagd zu forschen. Schnell erfährt sie, dass eine weitere Magd vermisst wird. Als kurz darauf eine Frauenleiche gefunden wird, stellt sich heraus, dass es die andere Magd ist.

Nicht lange danach wird in den Fundamenten eines neu angelegten Weges die Leiche eines Mannes gefunden. Es stellt sich heraus, dass die Opfer ein Paar waren. Dina lässt sich als beim Hof einstellen und versucht, den Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

Doch sie ist nicht die einzige, die in den Fällen ermittelt. Neben Gendarmerie Leutnant Cornelius Asmus ist dies vor allem auch der neue Schulmeister Bernhard Albert Rose, der von allen vor Ort schräg angeschaut wird und es schwer hat, Fuss zu fassen. Werden sie den Mörder finden?

Friesische Atmosphäre

Dina Martensen wird von Autor Volker Streiter bereits zum zweiten Mal losgeschickt, einen verzwickten Mordfall zu lösen. Streng beäugt von allen dort lebenden Bewohnern und vor allem kritisch ihr als Fremde gegenüber, lassen sie sich nicht so leicht aus der Reserve locken und sind sehr verschlossen. Sie versucht, sich auf dem Hof zu verdingen, auf dem die Gesuchte gearbeitet hat, da sie erfahren hat, dass dort eine Stelle als Magd frei geworden ist. Damit kommt sie zwar genau richtig, aber das Misstrauen ihr gegenüber ist trotzdem allgegenwärtig, zumal sie doch sehr neugierig erscheint.

Das passt in das Gesamtgefüge, das Autor Volker Streiter als Kulisse für seinen Roman ersonnen hat. Die Menschen an der Nordseeküste sind verschlossen und eigen, und diese Atmosphäre fängt er exzellent ein. Wie die Menschen mit ihren Traditionen lebten, wie die Rangfolge auf einem Hof und die Rangfolge der Höfe in einem Dorf war, das ist gut recherchiert und entführt den Leser in eine Zeit, in der der Stand und die Arbeit noch wichtiger waren als persönliche Befindlichkeiten. Dass Eiderstedt damals noch zu Dänemark gehörte und somit die politischen Verhältnisse noch ganz andere waren, ist ein interessanter Aspekt, von derart Streiter so einige hervorgeholt hat und die den Roman zu einem besonderen Erlebnis machen.

Sperriger und spannender Kriminalfall

Land und Leute werden bildreich geschildert und so hat man während der gesamten Lektüre das Gefühl, wirklich in dieser Zeit vor Ort zu sein. Streiter nutzt seine Sprache, um die Menschen treffend zu charakterisieren und ihnen so Ecken und Kanten zu verpassen. Viele Personen ergeben auch viele Verdächtige, und die Suche nach dem Mörder aus drei verschiedenen Perspektiven erlaubt es dem Autor, immer wieder Cliffhanger einzubauen, die die Spannung beim Lesen hochhalten.

Der Kriminalfall selber entpuppt sich als zunächst sperrige Angelegenheit, da niemand mit den Ermittlern sprechen will. Nur nach und nach schält sich heraus, was damals passiert sein könnte. Die beiden Leichen waren miteinander bekannt, allerdings sind sie zu verschiedenen Zeiten ums Leben gekommen, wie sich feststellen lässt. Wer hier wen getötet hat und vor allem warum, das erfordert Dinas Gespür und das von Asmus und Rose, die zwar jeder einzeln für sich, doch aber letztlich gemeinsam den Fall lösen. Und für Dinas Herz ist auch was dabei.

Gerne mehr!

Das Ende des Romans schreit nach einer Fortsetzung, obwohl der Fall aufgeklärt wird. Die Leserschaft hat bestimmt nichts dagegen, wenn Dina noch das eine oder andere Mal ins Feld geschickt wird, um den einen oder anderen Mordfall aufzuklären. Wünschenswert wäre es jedenfalls.

Eine Karte der Ermittlungsgegend und ein Personenverzeichnis, das auch reale Persönlichkeiten von fiktiven unterscheidet, ergänzen den gelungenen Roman, in dem sogar der Dichter Theodor Storm eine winzige Rolle spielen darf. Eidergrab ist ein gelungener historischer Küstenkrimi, der bis zum Ende spannend beliebt und der die Leser vorzüglich in die Mitte des 19. Jahrhunderts entführt. Bleibt zu wünschen, dass man bald mehr von Autor und Protagonistin lesen darf.

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