Der Schattenfürst

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 1996, Titel: 'Enemy of God', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Carsten Jaehner
Arthurs Tafelrunde mit leichten Schwächen

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Feb 2007

Britannien im 5. Jahrhundert. Arthur hat einen großen Sieg errungen und die große Schlacht bei Lug Vale ist geschlagen, aber noch immer herrscht kein Frieden. Im zweiten Teil seiner Artus-Trilogie erzählt Bernard Cornwell den Fortgang um Arthur und seinen Gefährten, und wieder ist einiges anders, als man allgemein vielleicht zu wissen glaubt.

Der Mythos geht weiter

Arthur, der Ich-Erzähler Derfel Cadarn und der oberste Druide Merlin stehen zu Beginn des Romans im Mittelpunkt. Merlin hat sich auf die Fahnen geschrieben, die zwölf Heiligtümer der Briten zusammen zu sammeln, die eigentlich alle aus Sagen stammen und an deren Existenz niemand so wirklich glauben will. Durch einen Eid an Merlin gebunden, hilft er ihm, einen goldenen Kessel zu holen, der dem Besitzer, der weiß, wie man damit umgehen muss, große Macht verleiht. Doch Merlin scheint nicht der Einzige zu sein, der es auf den Kessel abgesehen hat.

Derweil ist Lancelot sauer, dass seine Hochzeit mit Ceinwyn, einer Prinzessin, vor dem Altar geplatzt ist und sie zu Derfel, dem Erzähler, ging. Arthur schafft es, einige Stämme miteinander zu vereinen und für eine kurze Zeit den Frieden im Land zu sichern. In einigen Königreichen brodelt es allerdings, und es gibt mehr Feinde und falsche Freunde als echte Gefährten. Der eigentliche König Mordred wächst unter der Obhut von einigen Königen und später unter Derfel auf, doch entwickelt er sich nicht so, wie man es sich erhofft hatte. Zwar sind alle an den Eid gebunden, ihn an seinem 18. Geburtstag zum König zu krönen, doch zeigt sich immer mehr, dass ihn eigentlich niemand als König haben will.

Währenddessen spinnt Bischof Sansum neue Intrigen und heiratet sogar Merlins Schwester Morgan. Und auch Lancelot, der noch nie in einer Schlacht als Kämpfer hervorgetreten ist, ist im Hintergrund nicht untätig. Während Arthur durch die Lande zieht, beginnt sich seine Frau Guinevere zu langweilen, weiß aber Lancelot in ihrer Nähe. Und zudem hat sich König Tristan in die erst 15-jährige Frau seines Vaters verliebt. Sie hört auf den Namen Iseult ...

Intensive Erzählung

Es geht hin und her im Britannien des 5. Jahrhunderts und doch schafft es Bernard Cornwell, dem Leser die komplizierten politischen Machenschaften und Traditionen auf leichteste Weise nahe zu bringen. Mit dem zweiten Teil seiner Artus-Trilogie schließt er nahtlos an den ersten Teil "Der Winterkönig" an, in dem bereits alle wichtigen Personen vorgestellt und die Verhältnisse untereinander weitestgehend geklärt wurden.

Sprachlich zieht Cornwell wieder alle Register, sein Erzählstil ist trotz des finstersten Mittelalters bunt und variantenreich, gewürzt mit einer kleinen Prise Humor. Alle Charaktere werden so menschlich und von ihren sagenumwobenen Sockeln gestoßen. Wurde schon im ersten Teil die Sache mit dem Schwert im Stein geklärt, werden hier die Mythen von Camelot und die große Liebe von Arthur und Guinevere ins rechte Licht gerückt. Zu Hilfe kommt Cornwell dabei nicht nur seine geschickt gewählte Erzählperspektive, sondern auch die Rahmenhandlung, in der Lord Derfel der Königin Igraine seine Lebensgeschichte aufschreibt und so einen reflektierten Rückblick auf die Geschehnisse hält. Igraine bekommt so die Position des Lesers, der einige Details anders zu kennen glaubt als Derfel, der jedoch dabei war und daher alles aus erster Hand erzählt. So kommt niemand auf die Idee, dass alles nicht so gewesen sei.

Weniger Zusammenhang als im Vorgänger

Was allerdings anders ist als bei seinem Vorgänger, ist eine Vielzahl kleiner Geschichten, während man über eine längere Zeit einen roten Faden durch das Buch vermissen mag. Dass alles miteinander zu tun hat, das geht einem erst gegen Ende des Buches auf, wo alle Handlungsfäden recht spät, aber rechtzeitig miteinander verwoben werden. Zudem schafft es Cornwell, seinen Roman logisch zu beenden, dabei aber genug Spannung zu halten, die dann in den abschließenden Teil der Trilogie münden lässt.

Über 680 Seiten lässt Cornwell ein Britannien entstehen, in dem große und kleine Geschichten passieren. Niemals lässt er den Leser unwissend, allenfalls werden Andeutungen gemacht, wie es weitergehen könnte. Gerade im Mittelteil, wo die kleineren Geschichten sich häufen und es etwas konfus zu werden droht, malt er dabei aber schöne Bilder und schaut dem Volk in seine erbärmliche Hütte. Da zudem die Christen drohen, den Glauben an die alten Götter abzulösen, wogegen gerade Merlin immer wieder wettert und für eine Ohrfeige gut ist, sind Konflikte vorprogrammiert. Erst als die Geschichte von Tristan erzählt wird, nimmt der Hauptplot wieder Fahrt auf. Und auch Tristans Geschichte ist anders, als man sie von Gottfried von Straßburg oder von Richard Wagner zu kennen glaubt.

In diesem Roman passiert sehr viel, und daher soll an dieser Stelle auch nicht viel mehr verraten werden. Wer sich ein bisschen in der Mythologie um Arthur auskennt, der weiß, was kommen sollte, wird aber überrascht sein, wie es präsentiert wird. Man trifft die liebgewonnen Charaktere aus dem ersten Teil wieder und wird doch immer wieder überrascht. Natürlich werden nicht alle die letzte Seite des Buches lebend erreichen. Es wird viel taktiert und recht wenig gekämpft, aber spannend ist es allemal. Ein aufschlussreiches Nachwort und zwei Karten und Namenslisten zu Beginn des Buches runden den Roman ab.

Vom Gesamtzusammenhang kann der Roman nicht mit dem ersten mithalten, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Auch in einem vielleicht ein wenig schwächeren Buch ist Cornwell anderen Autoren immer noch weit voraus.

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