Winterhonig

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2016, Titel: 'Winterhonig', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Romeo und Julia im Paderborner Land

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Apr 2016

In den 30er Jahren wächst im Paderborner Land Mathilda als jüngstes Kind einer bäuerlichen Großfamilie auf. Mathilda, die gerade mal acht Jahre alt ist als ihre Mutter stirbt, leidet unter der lieblosen und streng katholischen Erziehung ihre älteren Schwestern. Der Vater ist mit dem Hof und der Erziehung seiner Kinder völlig überfordert, das Leben der Bauern ist hart und entbehrungsreich. Lediglich Karl, der als Pferdeknecht auf dem gräflichen Gestüt lebt, kümmert sich um die kleine Mathilda. Eine Freundschaft, aus der irgendwann Liebe wird. Doch Karl umgibt ein großes Geheimnis. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges müssen die Männer an die Front und die Frauen stehen mit der schweren Arbeit auf den Bauernhöfen alleine da. Auch Karl wird eingezogen und die beiden Liebenden halten in den nächsten Jahren über Feldpostbriefe Kontakt.  

Die Jugendbuchautorin Daniela Ohms betritt mit Winterhonig die Leserwelt der Erwachsenen. Inspiriert zu dieser Geschichte wurde sie durch die Aufzeichnungen ihrer Großmutter. Offensichtlich war das Leben ihrer Großmutter aber nicht ereignisreich genug, um einen ganzen Roman zu füllen, weshalb die Autorin, wie sie in ihrem Nachwort einräumt, die Geschichte ihrer Großmutter quasi neu erfindet und ihr mit Karl eine fiktive Figur zur Seite stellt. Die fiktive Mathilda hat also mit der Großmutter der Autorin nicht mehr viel gemein. Angesichts dieser Tatsache verwundert es dann aber, dass die Autorin nicht auch Mathildas Alter korrigiert und sie ein paar Jahre älter macht. Dann hätte die Tatsache, dass sich Karl unsterblich in ein vierzehnjähriges Mädchen verliebt und Mathilda über weite Strecken dieses Liebesromans gerade mal 16 Jahre alt ist, nicht diesen faden Beigeschmack.  

Das große Geheimnis um Karls Herkunft wird jeder aufmerksame Leser schnell durchschauen, was hier aber nicht unbedingt ein Nachteil ist, denn so lassen sich manche Handlungen und Sichtweisen Karls besser einordnen. Karl ist die mit Abstand stärkste Figur in diesem Roman und hier ist der Autorin im Gegensatz zu allen anderen Charakteren auch eine tiefgehende Figurenzeichnung gelungen. Bei Mathilda dagegen folgt die Autorin den einschlägigen Mustern der Liebesromanbranche, denn sie zeichnet Mathilda als eine jener genretypischen Heldinnen, denen mühelos alles gelingt. Sie dichtet dem sechszehnjährigen Landmädel Fähigkeiten an, die wenig glaubwürdig sind.  

Historischer Liebesroman

Jeder Leser, der dieses Buch zur Hand nimmt, muss sich also von Anfang an darüber im Klaren sein, dass er es hier mit einem historischen Liebesroman zu tun bekommt. Durch die den Großteil der Handlung dominierende Liebesgeschichte kommen besonders Fans dieses Genres auf ihre Kosten. Durchaus ansprechend erzählt, bietet der Roman jede Menge Gelegenheit zum Mitfiebern, Mitleiden und Mittrauern. Jedoch sollte der Leser auch ein Faible für pilchereske Herz-Schmerz-Prosa haben, in die die Autorin immer dann verfällt, wenn die Liebesgeschichte zwischen Karl und Mathilda die Hauptrolle übernimmt.

Die stärksten Passagen dieses Romans sind zweifellos diejenigen, in denen die Autorin die Geschichte aus Karls Perspektive erzählt und die von seinen Erlebnissen als Soldat des Boeselager`schen Reitertrupps getragen werden. Dass die Autorin hier eingehend recherchiert hat, ist nicht von der Hand zu weisen und vieles davon findet auch Einzug in Karls Geschichte. Im Gegensatz zur die Handlung dominierenden Liebesgeschichte, sind es gerade diese Passagen, die einen realistischeren Blick auf diese Zeit werfen und den Roman davor bewahren, völlig in die Liebesromanecke abzudriften.

Wenig Historie

Der historisch interessierte Leser geht bei Winterhonig dagegen nahezu leer aus. So zeichnet die Autorin zum Beispiel ein ziemlich verklärtes Bild des Landlebens jener Zeit. Hier wäre es sicher von Vorteil gewesen, sich nicht nur auf die Erinnerungen der Großmutter zu verlassen, sondern Zeitzeugen zu befragen, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg geboren wurden. Denn wer von den Lesern das Glück hatte, in einer ländlichen Großfamilie mit Großeltern aufzuwachsen, die während des Zweiten Weltkrieges Erwachsene waren, wird sehr schnell feststellen, dass der Blick der Autorin auf das Landleben jener Zeit ein ziemlich weichgezeichneter ist. Die Probleme der Landbevölkerung blitzen zwar hier und da durch, sie werden aber lediglich pauschal angerissen und kommen kaum zum Tragen. Als Beispiel sei hier nur das Thema Fremdarbeiter genannt. Die Vorschriften seitens der Nationalsozialisten waren hier sehr streng und jeder Fehltritt zog hohe Strafen nach sich. Deshalb wäre es unmöglich gewesen, dass sich die Gräfin bei den ihr zugeteilten Fremdarbeitern ungestraft über alle Vorschriften hinwegsetzt, hätte die Flucht eines Fremdarbeiters furchtbare Strafen für den Bauern nach sich gezogen, ganz zu schweigen für die Bauerntochter, die von einem Fremdarbeiter ein Kind erwartet. Im Roman bleiben diese Vorfälle ohne jede Konsequenz und verlaufen im Sand. Die Agrarpolitik der Nationalsozialisten sowie die durch den Vormarsch der Russen stetig zunehmenden Flüchtlingsströme aus den Ostgebieten, mit denen gerade die Landbevölkerung zu kämpfen hatte, werden hier überhaupt nicht erwähnt.

Winterhonig reiht sich ein in die Riege der historischen Romane, die einer Liebesgeschichte viel Raum geben und in die Zeitgeschichtliches nur in homöopathischen Dosen einstreut wird. Fans historischer Liebesromane dürfen bei diesem Buch also bedenkenlos zugreifen.   

Winterhonig

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Letzte Kommentare:
14.06.2016 21:35:52
dorli

„Winterhonig“ – der Titel klingt für mich nach Balsam und Trost und strahlt eine ganz besondere Wärme aus. Honig im Winter – das muss etwas ganz Besonderes sein, denkt sich die kleine Mathilda und versteckt dieses Geschenk von Karl in einer Kiste unter ihrem Bett. Es sind kleine Stückchen von dem Winterhonig, die Mathilda an glückliche Augenblicke denken lassen und sie in den traurigen Momenten während der kalten NS-Zeit trösten…

Daniela Ohms hat die historischen Ereignisse der 1930er und 1940er Jahre zusammen mit den Erinnerungen ihrer Großmutter und einer facettenreichen fiktiven Handlung zu einer spannenden Geschichte verflochten und ein sehr authentisches Bild der damaligen Zeit gezeichnet. Es ist nicht die große Politik, die in dieser Geschichte im Vordergrund steht, hier geht es um die Erlebnisse der Landbevölkerung im Paderborner Land und um die Erlebnisse eines jungen Soldaten im besetzten Frankreich und auf dem Russlandfeldzug.

„Winterhonig“ ist eine fesselnde, emotionale Familiengeschichte voller Licht und Schatten. Daniela Ohms erzählt sehr intensiv und kann die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten hervorragend vermitteln - man ist als Leser sofort mittendrin im Geschehen und erlebt die Schrecken und Gräuel der NS-Zeit und die Ängste und Sorgen der Dorfbewohner hautnah mit.
Die Darstellung der Schauplätze und die Schilderung der Geschehnisse sind Daniela Ohms ausgezeichnet gelungen. Man kann der Geschichte trotz wechselnder Handlungsorte und einer Vielzahl an Rückblenden und eingeschobenen Briefen bestens folgen und verliert zu keiner Zeit den Überblick.

Die Autorin beginnt ihren ersten historischen Roman mit einem ergreifenden Prolog – die gerade einmal 6-jährige Mathilda steht am Sterbebett ihrer Mutter. Für Mathilda beginnt eine einsame Zeit, denn bis auf ihren Bruder Joseph kümmert sich keines der zahlreichen Geschwister um das kleine Mädchen.

Mathilda ist neun, als sie den fünf Jahre älteren Karl kennenlernt. Karl arbeitet als Knecht auf dem Nachbargestüt. Mit ihm teilt Mathilda eine wunderbare Freundschaft, aus der nach einigen Jahren Liebe wird. Doch diese Liebe darf nicht sein, denn Karl hütet ein Geheimnis, dass nicht nur für ihn selbst, sondern auch für Mathilda und ihre Familie eine große Gefahr bedeutet. Karl zieht einen Schlussstrich, verlässt ohne ein Wort Fichtenhausen und geht zur Wehrmacht.

Zeitsprung ins Jahr 1940. Die 16-jährige Mathilda hat gerade ihr Pflichtjahr beendet und kehrt zu ihrer Familie zurück. Für ihren Bruder Joseph beginnt der Kriegsdienst und es ist mittlerweile zwei Jahre her, dass Karl sie ohne eine Erklärung zurückgelassenen hat.

Der Krieg hat für Mathilda und ihre Schwestern nicht nur schwere Arbeit auf dem väterlichen Bauernhof im Gepäck, auch die ständigen Entbehrungen, das Fehlen an nötiger Medizin und die Sorge um die Brüder und Freunde macht allen schwer zu schaffen. Auch die Atmosphäre im Dorf ist eine andere geworden. Furcht und Misstrauen sind nicht nur Fremden gegenüber groß, auch Bekannte und Nachbarn beäugen sich plötzlich skeptisch.

Mathilda flüchtet gedanklich immer wieder in die Vergangenheit und versucht, durch ihre Erinnerungen an die fröhlichen Zeiten mit Karl die schwierigen Monate und Jahre zu überstehen.

Auch Karl macht während des Krieges eine harte Zeit durch. Er teilt die Euphorie seiner Kameraden nicht, sieht den Krieg nicht als großes, spannendes Abenteuer. Er leidet mit jedem Tag mehr. Hinzu kommt die ständige Angst, dass er auffliegen und sein Geheimnis gelüftet werden könnte. Schließlich nimmt er wieder Kontakt zu Mathilda auf und es sind ihre Briefe, die ihn den Kriegsalltag ertragen lassen.

„Winterhonig“ lässt mich tief beeindruckt zurück. Diese mitreißende, lebendig erzählte Geschichte hat mir nicht nur Einblicke in die Lebensumstände der Landbevölkerung im Zweiten Weltkrieg ermöglicht, sondern hat mich auch intensiv an den guten und schlechten Zeiten der Akteure teilhaben lassen. Absolute Leseempfehlung!

01.06.2016 10:23:51
Orange

In ihren Roman „Winterhonig“ erzählt Daniela Ohms die Geschichte der Landbevölkerung im Paderborner Land während des zweiten Weltkriegs, die zum Teil auf Erlebnissen ihrer Oma beruhen.
Mathilda als jüngstes von zehn Kinder hat es nicht leicht, nachdem ihre Mutter so früh verstorben ist. Eigentlich hätte ihr der Platz des Nesthäkchens gebührt, aber so ist sie nur ein Anhängsel und steht meist im Weg. Einzig ihr Bruder Joseph nimmt sich ihrer an. Durch ihn lernt sie den Pferdeknecht Karl kennen. Die Freundschaft die sie mit Karl verbindet entwächst zu einer zarten Liebe. Doch bevor sich Mathilda dieser bewusst wird, ist Karl plötzlich fort. Denn er hütet ein Geheimnis, dass ihn das Leben kosten könnte.
Geschickt steigert die Autorin den Spannungsbogen zu diesem Geheimnis. Immer wieder gibt es kleine Andeutungen, die in die Geschichte eingebaut sind und sowohl Mathilda als auch der Leser decken das Geheimnis nach und nach auf.
„Winterhonig“ ist aber nicht nur die Geschichte von Mathilda und Karl. Es zeigt das Leben der einfachen Landebevölkerung vor und während des zweiten Weltkrieges. Das Bemühen, die eigene Familie zu ernähren, die fast nicht vorhandene medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung, das harte Soldatenleben mit allen Sinnlosigkeiten und Grausamkeiten eines Krieges. „Winterhong“ zeichnet dabei aber auch ein Bild der Hoffnung, des Zusammenhalts in schwierigen Zeiten und das es immer einen Grund gibt weiterzuleben.
Mit „Winterhonig ist Daniela Ohms ein wunderbarer Roman gelungen, der mir sehr nahegegangen ist, die mich weinen und lachen gesehen hat und der zeigt, dass es sich auch in der dunkelsten Zeit lohnt, für sein Leben und seine Liebe zu kämpfen.

Ich vergebe volle Punktzahl und spreche eine Leseempfehlung für alle aus, die gern intensive, sprachlich niveauvolle Romane lesen. Besonders hervorheben möchte ich die Detailtreue, und die sehr interessanten Einblicke in das Leben einer Großfamilie.

17.05.2016 18:23:52
Sagota

Bei dem Roman "Winterhonig" von Daniela Ohms handelt es sich um den ersten Roman im Genre "Historischer Roman" der Autorin und vorab ist zu sagen, dass dieses Histo-Début ein sehr gelungenes ist!Verlegt wurde der Roman (HC, gebunden) im Knaur Verlag (2016) und umfasst auf überwältigende und sehr berührende Weise ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte (1930 bis zur Nachkriegszeit 1947); veranschaulicht am Schicksal eines Liebespaares aus gesellschaftlich unterschiedlichem Stand und deren Familien. Verortet ist der Roman sowohl im Westfälischen, nach Kriegsbeginn dann auch in Nordfrankreich und in Russland.....

"Eine lebensgefährliche Liebe in einer harten, bäuerlichen Welt"(Quelle: Buchrückentext, Ausschnitt)
Das Glas Winterhonig symbolisiert im Roman die schmerzhaften Trennungen durch den Verlauf der Geschichte zwischen Mathilda und Karl, den beiden Hauptprotagonisten, aber auch die Hoffnung, von der beide durch die Kraft ihrer unerschütterlichen Liebe nicht ablassen....

Meine Meinung:


Daniela Ohms schafft es, den Leser in diese Geschichte mittels ihres wunderbaren Schreibstils, gekennzeichnet durch Klarheit und Emotionen, tief eintauchen zu lassen; die Lebenswelt Karls, der auf einem Gutshof und Gestüt im Paderborner Land arbeitet und 19 Jahre alt ist, als er die 14jährige Mathilda kennenlernt, sich zum einzigen Fürsprecher und Beschützer des Bauernmädchens, das als 10. Kind das Licht der Welt in der Familie Alvering erblickt, entwickelt. Das Leben Mathildas ist von Beginn an durch harte Arbeit, Verzicht, Disziplin und Gottesfurcht geprägt, die die Werte in der bäuerlichen Familie darstellen. Die Lebenswelten beider Protagonisten werden dem Leser anschaulich und fast plastisch vor Augen geführt und lassen Bilder entstehen, die den 30er Jahren entstammen..... Die drohende NS-Herrschaft und der Ausbruch und Verlauf des 2. Weltkrieges sind ebenfalls sehr authentisch am Leben der Familie Alvering und der der Gutsherren dargestellt:

Das plötzliche Verschwinden Karls und die sozialen Unterschiede ihrer Herkunftsfamilien und der Gutsherren stellt für Mathilda's Gefühlswelt immer wieder eine große Herausforderung dar; jedoch lernt sie durch Karl (und durch ihre eigene Intelligenz und Klugheit), Dinge zu hinterfragen und Vorurteile abzubauen...
Besonders gelungen fand ich die Tatsache, dass die Atmosphäre des Krieges - sowohl im Westfälischen auf dem Hof und dem Gestüt - als auch durch Karl selbst, der von Kindesbeinen an ein guter Reiter - in der Kavallerie der Wehrmacht zuerst in Nordfrankreich und später auf dem Ostfeldzug gen Russland berichtet, spürbar und nacherlebbar ist: Diese Hintergründe eines irrsinnigen Krieges, der NS-Diktatur und besonders der damit einhergehenden 'Rassengesetze' lassen den Leser schlucken; für mich war es keine leichte Kost, zumal es zu meiner eigenen Familiengeschichte (Mutter) Parallelen im Leben der Mathilda gab und ich daher emotional sehr eingebunden war...

Der 'rote Faden' der sehr engen und liebevollen Beziehung zwischen Karl und Mathilda bleibt über den ganzen Roman hin bestehen; die Gefahr dieser im Geheimen blühenden Liebe ebenso.

Der Stil von Daniela Ohms ist klar und flüssig zu lesen, emotional und stark berührend in den Dialogen wird der Leser zurecht nicht geschont, was die Gesetze der 'Braunhemden' an Auswirkungen für Juden und Zigeuner mit sich brachten...
Die Autorin hat durch umfassende Recherchen den 'Russlandfeldzug' der 6. Division der deutschen Wehrmacht nachgezeichnet und das Grauen für Mensch und Tier - hier das Pferd - in Worte gefasst: Emotional war für mich (wiederum, das habe ich selbst einmal recherchiert) die Tatsache schwer zu verkraften, dass Selma, ein wunderbares (ausgebildetes) Pferd Karls, zum Ende wie 1,4 Mio. (!!! lt. Schätzung, siehe Wikipedia) weiterer Pferde im WW II sein Leben ließ (und Pferde vertrauen ihrem Reiter)....
Nichts wurde geschönt dargestellt, zum Ende des Romans, der auch die Vernichtung und Ausgrenzung bis hin zur Ermordung ethnischer Minderheiten einbezieht, haben auch die daraus resultierenden Traumata der einstigen 'Täter' ihren Raum.

Durch "Winterhonig" wurde m.E. auch historischen Personen und Offizieren des Widerstands im Nationalsozialismus - hier in der Person von Gerhard von Boeselager (sowie seinem Bruder Philipp) posthum ein literarisches Denkmal gesetzt, das diese mehr als auch verdient haben (von Boeselager starb im Jahre 2008).

Fazit:

Ein sehr spannender, berührender, informativer und auf einer wahren Lebenserinnerung der Großmutter der Autorin beruhender historischer Roman, der inhaltlich und stilistisch seinesgleichen sucht; gut recherchiert ist, authentisch - und viele Gefühle der Trauer, aber auch der Hoffnung beim Leser hervorzurufen vermag: Dafür gibt es von mir 5 Sterne am Bücherfirmament und 100° auf der "Histo-Couch" mit einer klaren Leseempfehlung sowie einem großen Dank an die Autorin und den Verlag!
Ein sehr persönliches Nachwort gibt Aufschluss über real vorkommende historische Personen und Abgrenzung zu fiktiven Romananteilen: Auch sei auf die HP der Autorin hingewiesen, da sich dort weitere interessante Hintergrundinformationen zum Buch finden!

13.05.2016 18:25:45
Mohnblume

Eine Liebe in gefährlichen und schweren Zeiten


Arietta ( Mohnblume)


Inhaltsangabe:


"Winterhonig" erzählt von einer lebensgefährlichen Liebe in einer
archaischen, grausamen Welt, die noch gar nicht so lang Geschichte ist.
Inspiriert von den Erlebnissen ihrer eigenen Großmutter, lässt uns
Daniela Ohms die Zeit des Zweiten Weltkriegs aus Sicht der
Landbevölkerung erleben: Das harte, entbehrungsreiche Leben, das
Mathilda als zehntes Kind eines Bauern führt; die Anstrengungen, die der
junge Karl unternimmt, um seine Abstammung vor den Nazis geheim zu
halten; die Liebe der beiden, die nicht sein darf, bringt sie Mathilda
doch in große Gefahr; die Schrecken des Krieges, der drohende Tod durch
Bomben oder Verrat. Und über allem die Hoffnung.


Meine Meinung zur Autorin:

Daniela Ohms, ist ein hervorragender und Facettenreicher Historischer Roman über die 1933-1949 gelungen, über die dunkelste Zeit Deutschlands während des Nazi Regimes und des 2. Weltkrieges.

Es ist ihr mehr als vorbildlich gelungen, von der ersten bis zu letzten Seite die Spannung zu steigern. Ich habe beim Lesen das ganze geschehen wie einen Schwamm in mich aufgesogen, ein Buch das mich derart fesselte und nicht mehr los lies. Er wird zu den Höhepunkten des Jahres zählen und nicht mehr so leicht zu toppen sein. Man spürt beim Lesen wie viel Liebe, Arbeit und Mühe sie sich gegeben hat, das ganze Authentisch wiederzugeben. Ihre Recherche ist schon Akribisch, man erfährt so manches was man bisher nicht wusste. Ihre Geschichte ist zum Teil wahr , besonders die Historische Fakten und Persönlichkeiten, aber auch Fiktives hat sie mit hinein gearbeitet und schön mit einander verwoben. Das ganze basiert auf den Aufzeichnungen ihrer Großmutter, die sie auf die Idee brachte das ganze in Buchform wiederzugeben. Im Nachwort erzählt sie nochmal Ausführlich davon. Die ganzen Kriegsverläufe, die Wehrmacht, die Widerstandsgruppen, die Verfolgung von Juden und Zigeunern, der schreckliche Völkermord, hat sie sehr gut wiedergegeben. Auch das harte und nicht einfache Leben auf dem Lande, die Sorgen, Ängste und Nöte sind spürbar. Ihre Protagonisten kommen glaubhaft und real rüber, ebenso die einzelnen Charaktere sind gut heraus gearbeitet. Den Schreibstil fand ich klar, kraftvoll und sehr bildhaft, ein Buch das mich gefesselt hat und mir beim Lesen unter die Haut ging.


Seite 16: Das fand ich sehr Markant und berührend.

„Ach Mädel.“ Sie klang schwermütig. „ Der große Krieg hat uns unsere Männer genommen, und der neue Krieg wird euch jungen Mädchen die Männer nehmen.“


Meine Zusammenfassung zum Inhalt:


Ich konnte mich sehr gut in Mathilda hinein versetzen, die mit ihren 9 Geschwistern auf einem Bauernhof im westfriesischen aufwächst. Die Mutter stirbt als sie gerade mal 9 Jahre ist, die Ältere Schwester übernimmt das Regiment, die kleine hatte es wirklich nicht leicht, sie wird nur herumgeschubst und gestoßen, Liebe und Geborgenheit bekommt sie nur von Ihren Bruder Joseph. Als sie den Freund Karl , der als Stallknecht auf dem Nachbarguts arbeitet von Joseph kennen lernt, himmelt die 9 Jährige ihn an, auch er nimmt sie ernst und lehrt sie viel. Als Mathilda zur jungen Frau heranwächst, wird aus der Kindlichen Zuneigung Liebe. Eine Liebe die nicht sein darf, ihr Vater mag Karl nicht. Auch umgibt Karl ein Geheimnis, das nicht ans Tageslicht darf. Das schlimmste war für beide als der Terror der Braunhemden im Dorfe Einzog, sie Zeuge von der Verfolgung von Zigeunern werden, da ist die reale und grausame Welt plötzlich auch bei ihnen angelangt. Auch der Krieg hält Einzug und Karl und Joseph ziehen in den Krieg. Die Frauen müssen die Männer auf den Feldern ersetzen, ein harter und schwerer Job, der an den Kräften zerrt. Dann noch die Angst um die Männer in Russland, die fielen gefallenen und vermissten. Wird sie ihre große Liebe Karl und ihren Bruder Joseph jäh wiedersehen. All dies ist so ergreifend herüber gebracht. Ich hatte das Gefühl einen Teil der Geschichte zu sein.


"Ein Großartiges und bewegendes Buch über eine Liebe in gefährlichen Zeiten "

10.04.2016 17:34:31
Jana68

Von der ersten Seite an hat mich das Buch "Winterhonig" von Daniela Ohms gepackt; so sehr, dass ich bei jeder notwendigen Leseunterbrechung Mühe hatte, mich von der Geschichte zu lösen. Und auch jetzt noch sind mir Mathilda und Karl sehr gegenwärtig.
Die bildhafte, lebendige Sprache der Autorin hat mich tief eintauchen lassen in das harte Leben der einfachen Leute auf dem Land in der Zeit um den 2. Weltkrieg. Mathilda führt mit ihrer Familie ein entbehrungsreiches Leben auf dem Bauernhof. Sie ist gerade 6 Jahre alt, als ihre Mutter verstirbt. Als das jüngste von 10 Kindern ist sie nicht etwa das Nesthäkchen der Familie, sondern fühlt sich eher wie ein Anhängsel, das dauernd im Weg steht und für das die Älteren auch noch sorgen müssen. Einzig zu ihrem nur wenig älteren Bruder Joseph hat sie intensiveres Verhältnis. Durch ihn lernt sie Karl kennen, den neuen Stallburschen auf dem großen Nachbargut. Aus einer zunächst eher geschwisterlichen Freundschaft entwickelt sich über die Jahre eine tiefe, bedingungslose Liebe, die jedoch gefährlich und verboten ist und dennoch die Grausamkeit der Kriegsjahre, des Hasses, der Ausgrenzung und Verfolgung übersteht...
Daniela Ohms zeichnet ein großartiges und authentisches Bild jener Zeit. Insbesondere die Darstellung Karls in seiner Zerrissenheit sowohl vor als auch während des Krieges ist großartig gelungen. Auch Mathilda ist so wunderbar "porträtiert", dass man ihr in Herz und Seele blicken kann, mit ihr gemeinsam die Schmetterlinge im Bauch spürt und tief enttäuscht weint, wenn sich ihre Sehnsucht nicht erfüllt.
Sehr schön fand ich auch, wie die Familie in Zeiten der Not und des Unglücks zusammen wächst, sich mehr und mehr Gefühle Platz verschaffen, denen man früher nie Raum geben wollte. Man wird Mitbewohner auf dem Hof, nimmt den Geruch von Land und Tier in sich auf, spürt den Schmerz der knochenharten Arbeit und betet zu Gott, dass keine Fliegerbomben die Heimat zerstören.
Dieses Buch hat mich tief berührt und nachhaltig beeindruckt und ich wünsche mir von Herzen, dass viele Menschen es lesen, denn es könnte in unseren Tagen kaum aktueller sein.