Sherlock Holmes und der Golem von Prag

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • kbv, 2016, Titel: 'Sherlock Holmes und der Golem von Prag', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Bereicherung der Sherlock-Holmes-Reihe im KBV-Verlag

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2016

1911. Sherlock Holmes hat sich in den Ruhestand zurückgezogen, widmet sich der Bienenzucht in Sussex und kommt nur gelegentlich zurück in die Baker Street, um sich alten Erinnerungen hinzugeben. Als ihn Dr. Watson dort besucht, erreicht ihn ein Brief des Versicherungs-Concipisten Franz Kafka aus Prag. Dieser will bei einer nächtlichen Heimkehr dem Golem begegnet sein, einem Geschöpf von Wunderrabbi Judah Loew. Da zudem ein Landwehrtrupp im Böhmerwald angeblich von einem seltsamen Wesen angegriffen wurde, welches unter den Soldaten ein wahres Massaker anrichtete, ist Holmes Neugierde geweckt.

 

"Sie meinen den Yeti oder Schneemenschen? In diesem Fall sollten wir Professor Challenger fragen. Es ist schließlich Kryptozoologe und auf Forschungen über Saurier und Seeschlangen spezialisiert. Es erscheint mir aber unwahrscheinlich, dass jemand unbemerkt einen Yeti fängt und ausgerechnet nach Böhmen verbringt, um dort Doktor Kafka zu erschrecken und einen Trupp Soldaten zu massakrieren."

 

Doch eigentlich reist er auf Bitten seines Bruders Mycroft nach Prag. Militärgeheimnisse, die aufgrund des Bündnisses der k.u.k-Monarchie bekannt waren, tauchten in Russland auf. Den oder die Verräter vermutet man in Prag. Holmes und Watson erleben in Prag ein gewaltiges Abenteuer, bei dem sie nicht nur Franz Kafka, sondern auch auf den zwielichtigen Oberst Redl und weitere illustre Personen treffen. Und, natürlich, lernen sie auch den Golem kennen und vor allem fürchten. Zu ihrem Entsetzen müssen sie feststellen, dass es davon gleich mehrere gibt ...

Kafka, Russische Revolution, Mensch-Maschine

Bislang waren im KBV-Verlag Franziska Franke und Wolfgang Schüler für neue Abenteuer des Meisterdetektivs verantwortlich, wobei sie sich seiner Figur auf unterschiedliche Weise näherten. So ist ein besonderer Verdienst von Klaus-Peter Walter, der (nicht nur) für Holmesianer kein Unbekannter ist, darin zu sehen, dass er der Kultfigur weitere Facetten abgewinnen und damit das Genre bereichern konnte. Es ist ein gewaltiger Bogen, den der Autor hier gespannt hat.

Kafka, der als Sachbearbeiter einer Versicherungs-Anstalt seinen Lebensunterhalt verdient und sich nachts ersten Schreibversuchen widmet, wird umfangreich beschrieben. So beginnt der Roman denn auch mit einem (verschollenen) Manuskript des großen Schriftstellers, der sich fortwährend in einem Gefängnis wähnt, daher zu Drogen greift und besonders menschenscheu ist.

 

"Er quält sich, weil er nicht weiß, ob er sich an Fräulein Bauer binden darf oder nicht?"

"Sich binden darf? Wer oder was würde einer Bindung im Wege stehen?"

"Er selbst, denn er ist bereits gebunden. Im übertragenen Sinne. An die Literatur."

 

Oberst Redl, ebenfalls chemischen Substanzen nicht abgeneigt, ebenso wie dem eigenen Geschlecht, spielt eine undurchsichtige Rolle. Ist er die Quelle, die den Russen Informationen zukommen lässt? Oder ist dies die junge Marietta, die von einer Revolution in Russland träumt, welche der arbeitenden Bevölkerung zur Freiheit verhelfen soll? Mehr als einmal tauchen die Namen von Uljanov und seines Gefolgsmannes Bronstein auf (Lenin und Trotzki).

Sherlock Holmes, anfangs noch mit Rauschebart und Lesebrille, läuft wieder zu alten Hochtouren auf, wobei er seine Beobachtungsgabe über Dritte nur noch selten anwendet. Dafür brilliert er mit anderen Tricks (einem Gehstock, mit dem man fotografieren kann) und Fähigkeiten (so kann er mit dem Schnalzen seiner Zunge die Größe völlig verdunkelter Räume bestimmen).

 

"Und ich habe ihm auch von unserem Abenteuer beim Palais Vitala erzählt. Stellen Sie sich vor: Er wusste bereits davon, dass man sich dem Palais nicht nähern kann. In seinem Skizzenbuch, erklärte er, habe er schon vor einiger Zeit die Idee zu einem Roman festgehalten, der von einem unerreichbaren Schloss handeln soll."

[...]

"Aber so ein unerreichbares Schloss darin steckt durchaus ein brauchbares literarisches Motiv. Conan Doyle würde daraus sicherlich eine schöne Gruselgeschichte machen. Ganz abgesehen von Bram Stoker."

 

Der Golem, aber das müssen Sie selber herausfinden, wenngleich hier durchaus ein bisschen Fantasie und guter Wille gefordert ist (Mary Shelley lässt jedenfalls grüßen). Zu guter Letzt wäre da noch der historische Hintergrund, nicht nur die politische Situation anlässlich eines drohenden großen Krieges. Zahlreiche Erfindungen verändern das Leben der Menschen, nicht nur in Kakanien (Österreich).

 

"Bei der Volkszählung im Jahr 1900 nannten über einhunderttausend der fast zwei Millionen Wiener Böhmisch als ihre Umgangssprache. Die Nationalitätenfrage wird eines Tages noch der Untergang Österreich-Ungarns sei. Überall machen sich Panslawisten und Irredentisten breit."

 

Nah am Original hat Klaus-Peter Walter eine tolle Geschichte erzählt, die sich zahlreicher "Anleihen" bedient. Diese werden im Anhang aufgeführt. Zudem wird an etlichen Stellen mit großem Augenzwinkern ein Ausblick in die Zukunft gegeben, sprich Dinge im Jahr 1911 für gänzlich unmöglich erachtet, die sich später (wie wir heute wissen) dann doch ereignet haben. Bei dem breit gespannten Erzählbogen gelingt es sogar James Bond erwähnt zu werden. Chapeau!

Sherlock Holmes und der Golem von Prag

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