Verwegen wie Bochumer Bögen

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Brockmeyer, 2013, Titel: 'Verwegen wie Bochumer Bögen', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Einblick in das vorindustrielle Ruhrgebiet

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2016

Im Westfalen des Jahres 1388 herrscht Unruhe. Die freie Reichsstadt Dortmund und die umgebende Grafschaft Mark bekämpfen sich, es gibt immer wieder Kämpfe und Ausfälle aus der Stadt. Zu den Belagerern gehören auch die Junggesellen der Stadt Bochum. Als den Hirten von Harpen ihr Vieh gestohlen wird, machen sich die Bochumer Junggesellen auf, um das Vieh zurück zu holen. In Verdacht haben sie die Dortmunder.

Sie verfolgen die Diebe und können sie schließlich stellen und sie bekämpfen. Aus Dank bekommen Sie vom Markgrafen das Recht, jedes Jahr aus seinen Wäldern einen Maibaum zu schlagen.

Konkurrenz im Ruhrgebiet

Paul Tobias Dahlmann erzählt in seinem ersten Roman eine Geschichte aus dem heutigen Ruhrgebiet, als es noch keine Industrie hab und die uns heute bekannten Orte noch kleine Dörfer und Weiler waren. Ende des 14. Jahrhunderts gab es allerdings schon Konkurrenz wie heute, auch wenn sie heutzutage eher sportlich und nicht mehr lebensbedrohend ausfällt. Dahlmann, gebürtiger Bochumer, erzählt seine Geschichte folgerichtig aus Bochumer Sicht und zeigt dabei interessante Einblicke in die damalige Zeit.

Dabei baut er seinen Roman recht geschickt auf. Die Handlung wird nicht aus einer einzigen Perspektive erzählt, sondern in (fast) jedem Kapitel von einer neuen Person, die näher dran war am Geschehen als die Person davor. Daher gibt es verschiedene Blickwinkel, die die Handlung um das gestohlene Vieh beleuchten. Diese Art der Erzählung wird im letzten Kapitel aufgeschlüsselt, was einen interessanten, originellen Aspekt ergibt.

Katastrophales Lektorat

Allerdings wird jedem Leser sofort die Diskrepanz zwischen der Erzählung und den Dialogen auffallen. Versucht der Autor noch, in den Dialogen die alte Sprache wiederzugeben, gelingt dies leider nicht immer konsequent. Auffällig ist auch, dass jeder Erzähler, egal welchem Stand er entstammt, die gleiche Sprache spricht. Normalerweise würde sich ein Adeliger anders ausdrücken als ein Schmied oder Ritter. Schlimmer jedoch ist, dass der Autor diesen Unterschied auch im Erzähltext nicht macht und dort sogar Modernismen auftauchen, die eher in die heutige Sprechsprache als in die Schriftsprache gehören. Ein sorgfältiges Lektorat hätte hier einhaken müssen, allerdings schleicht sich schnell der Verdacht ein, dass es ein solches für das Buch überhaupt nicht gegeben hat. Immer wieder schleichen sich Tippfehler ein, die in ihrer Masse den Lesefluss stören, zudem gibt es grafische Mängel wie Absätze im laufenden Satz, die durch einfaches Durchlesen hätten vermieden werden können. Diese Ärgernisse sind nicht dem Autor anzukreiden, letztlich bleibt aber von Verlagsseite ein schlechter, unsorgfältiger und sogar unprofessioneller Eindruck.

Da der Autor den Weg gewählt hat, lieber die Geschichte von mehreren Personen erzählen zu lassen, als von einem oder zwei, gibt es auch keine Hauptperson, der man den Roman über folgen kann und somit fehlt eine Identifikationsfigur. Eine Charakterisierung der Figuren ist vielleicht möglich, eine Entwicklung der Personen aber aufgrund der erwähnten Struktur nicht zu verfolgen. Hier merkt man, dass der Autor zu sehr auf das Ziel seiner Erzählung hinsteuert und dieses im Auge hat, anstatt geradlinig darauf hinzuführen.

Die Geschichte steht im Vordergrund

Dabei weiss er durchaus interessante Dinge zu erzählen, die manchen Ruhrpott-Fan ansprechen können. Dass eine Kohleförderung gerade in den Kinderschuhen steckt, wird dabei nur am Rande angedeutet. Vieles muss man sich dazu denken, dabei ist der Roman nur 160 Seiten lang und Platz für tiefergehende Beschreibungen von Landschaften, Örtlichkeiten und Ereignissen wäre mehr als genug gewesen. Zudem fällt stilistisch auf, dass das Element Zufall hier auch arg strapaziert wird.

Ein kleiner historischer Abriss ergänzt den Roman, der auch gerne durch eine Karte des damaligen Ruhrgebiets hätte ergänzt werden dürfen, um Nicht-Ruhrpottler geografisch zu helfen. Bleibt zu hoffen, dass der Autor in seinem nächsten Roman einen einheitlicheren, historisch-sprachlich angemesseneren Stil findet und dazu einen fähigeren Lektoren (wenn denn diesen Roman überhaupt jemand lektoriert hat. Heutzutage sparen ja viele Verlage am falschen Ende.).

Unterm Strich ist der Roman inhaltlich interessant und streckenweise durchaus gelungen, der Autor bleibt sprachlich aber hinter seinen Möglichkeiten. Da ist noch Luft nach oben. Gerne aber wieder mit Geschichten auf dem Ruhrgebiet, das im Genre Historischer Roman sträflich unterrepräsentiert ist. Und warum der Roman seinen Titel bekommen hat, bleibt trotz Erklärung unverständlich.

Verwegen wie Bochumer Bögen

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