Der Fall Schinagl

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Haymon, 2016, Titel: 'Der Fall Schinagl', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Atmosphärischer Debütroman

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2016

April 1935. In einer abgelegenen Ecke der Linzer Dollfußschule entdeckt der Hausmeister eine Leiche. Bezirksinspektor Josef Steininger und seine Leute übernehmen die Ermittlungen, die sich überraschend schwierig gestalten. Die Probleme fangen schon bei der Identifizierung des Mannes, der offenbar aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss starb, an. Einiges, zum Beispiel die Fingerabdrücke, deutet auf Karl Schinagl hin, ein Führungsmitglied des Republikanischen Schutzbundes. Doch eben dieser Schinagl sitzt seit dem Februaraufstand vor einem Jahr eine lebenslange Haftstrafe ab. Steininger tritt mit seinen Ermittlungen auf der Stelle, die zunehmend eine politische Dimension erfahren. Der Druck von oben wächst, spürbare Erfolge bleiben aus...

Einblicke in die politische Landschaft Österreichs Mitte der 1930er Jahre

Der Debütroman von Thomas Buchner bietet neben einer eindringlichen Atmosphäre rund um den korpulenten Protagonisten Josef "Pepi" Steininger vor allem interessante Einblicke in die poltische Landschaft, die sich von der des Deutschen Reiches zu jener Zeit noch spürbar unterscheidet. Fangen wir aber zunächst mit Steininger an, der hier erstmals die Bühne als Ermittler betritt. Leicht aufbrausend, ein Grantler, stark dem Alkohol, seinen Zigaretten und vor allem Fleischgerichten aller Art zugeneigt, ist er gleichzeitig eine bedauernswerte Gestalt. Im Krieg war er bei den Zweierschützen, wie er nicht müde wird zu erwähnen "an vorderster Front im Stahlbad", dabei war er lediglich in der Zahlmeisterei tätig, fernab des Geschehens. Um einen herkömmlichen Orden musste er förmlich betteln.

 

"Insofern hätte Herr Steininger das Ansinnen des Sohnes möglicherweise ernsthafter ins Auge gefasst, wenn dieser eine vernünftige Berufswahl präsentiert hätte, wozu der Vater primär das Bundesheer zählte. Da er selbst nur gute Erinnerungen an seine Militärzeit bewahrt hatte und dort selbst für geistig weniger begabte Naturen, wie dies sein Sohn zu sein schien, eine ruhige und gesicherte Existenz möglich war, lag diese Empfehlung nahe."

 

Auch heute, im April 1935, ist er weithin ein "kleines Licht", wenngleich verzweifelt bemüht, sich selber als der Größte darzustellen. Mit dem Mord schon überfordert, stellt ihn dessen mögliche politische Dimension gar vor unvorstellbare Probleme. Wie gut, dass er bei zahlreichen Gelegenheiten Bier und Schnaps in rauen Mengen trinken und unvorstellbare Fleischmassen vertilgen kann. Zwei Umstände, die allerdings ein wenig zu oft betont werden.

 

"Es ist heutzutage nicht mehr so klar, wer für und wer gegen den Staat ist. Früher war das einfach. Da die Sozialdemokraten, da die Kommunisten und dort die Nazis, aber jetzt? Jeder in Österreich, ob staatstreu oder nicht, würde sich die Finger abschlecken, wenn hier ein Hitler auch so viel Arbeit schaffen würde wie draußen in Deutschland. Und überhaupt, wo hören die Nazis auf und wo fängt die Heimwehr an? Es gibt mittlerweile Fälle, wo die Nazis den Sozialdemokraten helfen, wenn es gegen den Staat geht! Wer hätte sich früher so etwas gedacht."

 

Politisch ist die Lage unübersichtlich. Im Februar 1934, dessen Ereignisse den Hintergrund des Romangeschehens bilden, fand der große Schutzbundaufstand statt. In den auch als Österreichischer Bürgerkrieg bekannten Kämpfen gab es zwischen dem 12. und 15. Februar hunderte Tote. Sozialdemokraten standen der Staatsmacht in Form von Bundesheer, Polizei und Heimwehr gegenüber. Die Anführer des Schutzbundes wurden verhaftet, doch nachdem bereits der Linzer Schutzbundführer Richard Bernaschek (eine reale Person im Gegensatz zur fiktiven Figur Karl Schinagl) aus dem Gefängnis fliehen konnte, wäre Schinagl bereits der zweite wichtige Mann der Organisation. Ein peinliches Versagen der Polizei, die womöglich deswegen behauptet, besagter Schinagl säße nach wie vor im Gefängnis. Besuche desselben seien allerdings nicht gestattet.

 

"Du, Heinrich? Könnte es sein, dass da höhere Kreise mitspielen?"

"Die Heimwehr vielleicht? Oder sogar jemand von uns?"

"Du meinst, von der Polizei? So etwas darfst du nicht einmal denken, Pepi."

 

Der Fall Schinagl setzt zum besseren Verständnis zumindest grobe Kenntnisse der damaligen Lage in Österreich voraus. Der österreichische Spracheinschlag des Autors gibt der Handlung noch zusätzlich Flair, wobei, wie bereits erwähnt, insbesondere die "kulinarischen" Vorlieben des Protagonisten ein wenig zu häufig Erwähnung finden. Insgesamt aber ist der Debütroman von Thomas Buchner eine Empfehlung wert, vor allem wenn man sich für die Zeit zwischen den Weltkriegen interessiert. Hier gibt es, gerade für Leser aus Deutschland, die mit der Geschichte Österreichs nur wenig vertraut sind, einige Erkenntnisse zu gewinnen.

Der Fall Schinagl

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