Der falsche Prophet

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2016, Titel: 'Der falsche Prophet', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Von der Sehnsucht nach Gleichheit und Gerechtigkeit

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Mär 2016

Taubertal, Deutschland, im 15. Jahrhundert. Das einfache Volk leidet - leidet unter den Abgaben, dem Zehnten, dem Frondienst, mit einem Wort: unter der weltlichen und geistlichen Obrigkeit. Bereits mehrfach war die soziale Ungleichheit nahrhafter Boden für Rebellionen. Doch die Geschichte vom Pfeifer von Niklashausen, der mit seiner Ausstrahlung und seinen Worten Abertausende jeden Standes in seinen Bann schlug, hebt sich aus den diversen Geschichten hervor. Doch was waren die menschlichen Hintergründe? Und wie gelang es einem Ziegenhirten, der nicht einmal des Lesens und Schreibens mächtig war, so viele Menschen zu überzeugen und die Mächtigen jener Zeit - vor allem die geistliche Obrigkeit - dermaßen ins Wanken zu bringen?

Wer sich mit Rebellion, Aufständen gegen die weltliche und kirchliche Ordnung rund um das 15. und 16. Jahrhundert befasst, stößt - notwendigerweise - auf große Namen. Luther, der dem Ablasshandel den Kampf ansagte, Jan Hus, der die kirchliche Welt so ins Wanken brachte, dass diese keinen anderen Weg sah, als ihn als Ketzer zu verbrennen. Doch Hans Behem, oder auch Hans Böhm, ist den wenigsten ein Begriff. Roman Rausch erzählt eine mögliche Geschichte darüber, wie aus Hans Behem der Pfeifer von Niklashausen wurde ...

Berührende Einzelschicksale, die eine Welle der Empörung auslösen

Obwohl auch heute die Fragen der sozialen Gerechtigkeit hohe Wellen schlagen, so scheinen uns doch die Zeiten, in denen Bauern nichts besaßen außer dem, was sie am Leibe trugen, während die Herrschaften in Saus und Braus schwelgten, weit entfernt. Inmitten dieser Zeit lebte Hans Behem - und verwandelte sich vom einfachen Viehhirten zum Prediger. Der Autor stellt die Frage nach dem Warum - und entwirft eine glaubwürdige Geschichte eines Mannes, dessen persönliches Bedürfnis nach Rache zu einer rauschenden Pilgerbewegung wird. Da die Hintergründe für diese erstaunliche Entwicklung unbekannt sind, macht sich der Autor diese Freiheiten zunutze und entwirft eine Geschichte, die nicht nur berührt und spannend ist, sondern auch den Eindruck erweckt, dass sie sich so abgespielt haben könnte.

Hervorzuheben ist dabei die Figurenzeichnung des Autors - schwarz und weiß sucht man bei diesem Autor vergebens, viel mehr bemüht er sich, alle Figuren mit Stärken und Schwächen auszustatten, was die Glaubwürdigkeit der Geschichte weiter erhöht. Der titelgebende falsche Prophet ist alles andere als ein Held, ein Mann, der der Unsicherheit ebenso ausgeliefert ist wie der Verführung, die von schnellem Erfolg ausgeht. Auch seine Vertrauten schwanken zwischen Verehrung, Neid untereinander und allen menschlichen Gefühlen, die ein Mann wie Hans Behem ausgelöst haben muss.

Eine nur langsam Fahrt aufnehmende Geschichte, die trotzdem überzeugt

Im ersten Drittel des Buches lässt sich der Autor viel Zeit mit der Vorbereitung der Geschichte: Figuren werden entwickelt und in Position gebracht, politische Zusammenhänge werden zurecht gerückt. Das ist wichtig für das Verständnis der Geschichte, geht aber auf den ersten gut 100 Seiten teilweise zu Lasten des Fortschritts der Geschichte, die ein wenig auf der Stelle trabt. Der angenehme Stil des Autors und die bereits beschriebenen interessanten und lebendigen Figuren erleichtern es jedoch, über diese minimalen Schwächen hinwegzusehen.

Wer sich für soziale und politische Entwicklungen jener Zeit interessiert und etwas über ein weitgehend unbekanntes Kapitel der deutschen Geschichte lesen will, kann hier bedenkenlos zugreifen. Roman Rausch überzeugt in der Gesamtbetrachtung mit einem glaubwürdigen historischen Roman mit schöner Figurenzeichnung und liefert ein empfehlenswertes Werk ab.

Der falsche Prophet

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Letzte Kommentare:
06.11.2018 17:17:22
Ute L.

Dies war der erste Roman, den ich von Roman Rausch gelesen habe und ich bin begeistert. Gleich mit dem allerersten Satz hat er einen Einstieg geschafft, der einen fesselt und neugierig von Seite zu Seite weiterlesen lässt. Sehr eindrucksvoll und anschaulich schildert er das Leben des einfachen Volkes in dieser Zeit. Von ihrer Not, ihrem Elend, ihrer Armut und auf der anderen Seite die Raffgier der "Pfaffen" die ohne mit der Wimper zu zucken den Leuten auch noch das Allerletzte wegnehmen.
Ich fand nicht, wie in der Rezension geschrieben, dass sich die ersten 100 Seiten langatmig dahinschleppten. Dieser Roman ist lesenswert von der ersten bis zur letzten Seiten.
Besonders gefallen hat mir am Ende des Buches die Erklärung über Hans Behem. Das findet man nicht in jedem historischen Roman.
Rundum sehr gelungen, ich kann es ohne Abstriche weiterempfehlen