Das Seehaus

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2015, Titel: 'The Lake House', Originalausgabe

Couch-Wertung:

88

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Rita Dell'Agnese
Eine Mischung aus Spannung und Familiengeschichte

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2016

Kate Morton pflegt eine eigene Art, Geschichten zu erzählen. Sie mischt stets verschiedene Komponenten, setzt stark auf langsames Aufdecken uralter Familiengeheimnisse. Dieser Form von Erzählung bleibt sie auch in ihrem Roman Das Seehaus treu. Hier erzählt sie zum einen von der jungen Polizistin Sadie, die gerade Probleme in ihrem Job hat und von ihrem Vorgesetzten in Zwangsurlaub zu Verwandten nach Cornwall geschickt wird. Sadie langweilt sich, möchte so schnell wie möglich wieder in ihren Job zurückkehren. Um ihre innere Unruhe zu bewältigen joggt sie. Dabei stößt sie auf das alte Haus am See, das von einem geheimnisvollen Zauber umgeben scheint. Sadies Neugier siegt, sie späht durch die Fenster. Mit großem Staunen nimmt sie wahr, dass hier die Zeit stehen geblieben scheint. Was sie sieht, lässt darauf schließen, dass das Haus innerhalb weniger Momente verlassen wurde und niemals mehr jemand zurückgekehrt ist. Schnell findet Sadie heraus, dass mit dem Haus auch die Krimiautorin Alice Edevane verbunden ist.

Obwohl ihr Krimis sonst kaum zusagen, vertieft sich Sadie in die Bücher von Alice. Sie entdeckt eine interessante Frau, die sich von einer tragischen Vergangenheit gelöst hat. Denn 1933 verschwindet Alices kleiner Bruder. Alle Suchaktionen bleiben vergebens, das Kleinkind ist unauffindbar. 70 Jahre nach diesem tragischen Ereignis, das die ganze Familie Edevane überschattet, beginnt Sadie damit, den Fall neu aufzurollen. Je tiefer sie in den Familiengeheimnis der Edevanes gräbt, desto stärker ist Sadie von dieser Geschichte fasziniert.

Sprünge zwischen Zeitebenen

Wer diesen Roman zur Hand nimmt, muss mit den Sprüngen zwischen den beiden Zeitebenen umgehen können. Sie gehören zu Kate Mortons Stil, unterbrechen aber manchmal den Erzählfluss etwas abrupt. Während Kate Morton bei den Figuren der Gegenwart eher oberflächlich bleibt, geht sie im Erzählstrang rund um die Familie Edevane sehr nahe an die Figuren heran und gibt ihnen viel Tiefe. Besonders die mittlere der drei Töchter, Alice, kommt mit ihrem kantigen Charakter sehr gut zur Geltung. Die Leser erleben ein Familienleben, das von gesellschaftlichen Konventionen geprägt ist - und vom Nachzügler, dem später verschwundenen Kleinkind dominiert wird. Die Töchter sind stark auf den Vater fixiert, der seine Familie auf Händen trägt. Für die Mutter eine schwierige Situation, fühlt sie sich doch öfters als Außenseiterin, die der Erziehung ihrer drei Töchter nicht ernsthaft gewachsen scheint. Durch die empathische Erzählweise der Autorin wächst Alices unglückliche Mutter den Lesern irgendwie ans Herz, wenn sie auch in einigen Bereichen eher hilflos wirkt.

Faszinierender Aufbau

Einmal mehr gelingt es Kate Morton, ihre Leser ganz in die Vergangenheit mitzunehmen und für sie eine längst vergangene Welt sichtbar zu machen. Die Verknüpfung der beiden Zeitebenen ist dabei ein nettes Stilmittel, müsste aber nicht unbedingt sein. Der historische Teil des Romans hat genügend Aussagekraft und Tiefe, um ohne einen Gegenwarts-Teil auszukommen. Doch der flüssige Schreibstil der Autorin und ihre Gabe, die Erzählung mit der notwendigen Spannung auszustaffieren, lassen das vergessen. In den über 600 Seiten finden sich kaum Längen, es gibt - bis auf die manchmal etwas plötzlichen Zeitsprünge - kaum Situationen, in denen der Lesefluss unterbrochen wird.

Dass Kate Morton noch eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Themen in ihren Roman einbaut, macht die Geschichte abwechslungsreich und regt da und dort zum Nachdenken an. Es lohnt sich, die Szenen auf sich wirken zu lassen und die Schilderungen von Cornwall tief in sich aufzunehmen. Dadurch wird nicht nur eine Geschichte lebendig, auch eine ganze Landschaft bekommt Konturen. So versteht es Kate Morton, ihre Leser auf der ganzen Ebene zu unterhalten, selbst wenn schon bald klar ist, welche Richtung der Roman einschlägt und wie die Geschichte sich entwickeln wird. 

Das Seehaus

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Letzte Kommentare:
20.07.2018 20:56:36
Rahel L.

Als lesesüchtiges Kind fragte ich einmal meine ebenso lesesüchtigen Eltern, was der Unterschied zwischen einem Kitschbuch und einem Werk der Weltliteratur sei. Sie antworteten mir, dass Kitschbücher fast immer gut ausgehen und Klassiker fast immer schlecht.
Darum werden Trivialromane in riesigen Auflagen verkauft, zumindest, wenn sie so spannend sind wie dieses Buch von Kate Morton. Und hier gibt es ein besonders schönes Happyend!
Da kann mir doch der alte Thomas Mann mit seinen trostlosen Geschichten gestohlen bleiben.

27.05.2017 21:11:49
PMelittaM

Cornwall 1933: Während einer Feier verschwindet der 11 Monate alte Theo Edevane spurlos. 70 Jahre später stolpert Sadie Sparrow zufällig über den alten, bisher ungelösten Fall und beginnt zu ermitteln.

Ich bin angenehm überrascht von dem Roman, die Autorin scheint ein Händchen dafür zu haben, komplexe Geschichten zu erzählen und dabei nicht den Faden zu verlieren. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die eine ganz neue Sicht auf das Geschehen eröffnen und dennoch nicht konstruiert wirken.

Erzählt wird sehr ausführlich und aus vielen verschiedenen Perspektiven, jeder wesentliche Charakter wird dabei berücksichtigt, neben den Perspektivewechseln gibt es fast ebenso viele Zeitenwechsel, so erlebt der Leser nicht nur das Geschehen der Jahre 1933 und 2003 mit, sondern erhält auch Einblick in Geschehnisse aus weiteren Jahren. Das könnte auf den Leser ziemlich verwirrend wirken, jedoch hatte ich jederzeit den Überblick darüber, wo, wann und bei wem ich mich gerade befand. Ein bisschen aufmerksam sollte der Leser dabei natürlich schon sein, auch, weil ihm sonst Nebensätze entgehen könnten, die seine eigenen Überlegungen weitertreiben könnten, denn natürlich macht es auch großen Spaß, mit zu rätseln und über Theos Schicksal nachzudenken.

Die Charaktere sind der Autorin durchgehend gut gelungen und lassen den Leser nicht kalt. Aber auch hier gibt es manche Überraschungen und die Charaktere stellen sich womöglich im Velauf der Geschichte ganz anders dar, als zunächst gedacht. Das liegt zum einen daran, dass sie Entwicklungen durchlaufen, die man auf Grund der Zeitsprünge nicht immer direkt erkennt, das liegt aber auch daran, dass man sich vorschnell eine Meinung gebildet hat, die man später revidieren muss. Das gibt der Geschichte zusätzliche Spannung und wirkt sich auf die Gefühle des Lesers aus.

Gut gefallen hat mir, dass auch Zeitgeschichtliches einfließt, sei es der Untergang der Titanic, sei es der erste Weltkrieg oder das Leben des Landadels, auch wenn manches nur gestreift wird, trägt es doch zur Atmosphäre bei.

Die Erklärung, was mit Theo geschehen ist, ist gut hergeleitet, dennoch bin ich mit dem Ende nicht ganz zufrieden, es geht über die genannte Erklärung hinaus und zwar in einer Form, die mir zu konstruiert erscheint – da wäre weniger in meinen Augen mehr gewesen. Immerhin hat die Autorin aber alle offenen Fragen beantwortet und alle losen Fäden verbunden, so dass ich unter dem Strich ganz zufrieden bin.

Abgerundet wird der Roman mit farbigen Fotos aus Cornwall auf den Buchdeckelinnenseiten, einem Bericht der Autorin über Cornwall und ein Interview mit der Autorin.

Der Roman hat mir spannende und unterhaltsame Lesestunden beschert und mich emotional mehr als einmal berührt. Ich vergebe daher 4,5 Sterne, die ich, wie gehabt, aufrunde. Ich empfehle den Roman auch gerne weiter, wer gerne kunstvoll verwobene Romane liest, die ein Familiengeheimnis thematisieren, ist hier genau richtig.

05.04.2016 20:57:20
Sagota

Vorausschicken möchte ich, dass ich ausser dem Début alle Romane der Autorin gelesen habe. Der 5. Roman der Beststeller-Autorin Kate Morton erschien (HC) 2016 im Diana-Verlag. Das Cover, ein 'eyecatcher' und bezaubernd anzusehen, wurde von 3 Designern übernommen, die die hier vorliegende wunderschöne Gestaltung übernahmen.

"Cornwall 1933: Die junge Alice Edevane fiebert dem prachtvollen Mittsommernachtsfest auf dem herrschaftlichen Landgut ihrer Familie entgegen. Noch ahnt niemand, dass die Ereignisse dieser Nacht die Familie auseinanderreißen werden.
Siebzig Jahre später stößt die Polizistin Sadie auf ein verfallenes Haus am See. Und sie erfährt, dass damals ein Kind verschwunden sein soll. Die Suche nach Antworten führt Sadie tief in die Vergangenheit der Familie Edevane, zu einer verbotenen Liebe und tiefer Schuld...."(Quelle: Buchrückentext)

Es handelt sich bei diesem äußerst unterhaltsamen und atmosphärisch dicht geschriebenen Roman um einen Genremix, der von der Autorin erfunden wurde; so gibt es inhaltliche Anteile von Frauenliteratur, Familiengeheimnissen, Historie und Elemente eines Kriminalromans. Diese Mischung beherrscht Kate Morton perfekt und verwebt "silberne Fäden (einer Handlung), die im Kopf entstehen, zu einem wunderschönen und zumeist spannend zu lesenden Romanteppich. Sie nutzt zuweilen gelungene Metaphern, die die jeweilige Aussagekraft bestärken (als Bsp.: ..."ein geflicktes Schiff einer Beziehung, in der sich E. selbst zurücknehmen musste, Opfer bringen musste, um dafür zu sorgen, dass dieses Schiff nicht im Sturm unterging" und stellt dieses Bild einer ganz anders gearteten Liebesbeziehung dieser Protagonistin gegenüber, in der die Liebe "ein kleines Ruderboot war, das sie sicher durch alle Stürme trug" (S. 496, Zitat).

Stilistisch ist dies ein Besispiel für das Können der Autorin, sprachlich bildhaft Gefühle wunderbar zu beschreiben und somit einen sprachlich blumig gewebten Teppich vor dem Leser auszubreiten. In diesem Roman hat Kate Morton sich allerdings zuweilen 'hart an der Grenze' eines "zuviel des Guten" bewegt, so dass ich einen Stern abziehe: So fand ich das erste und das letzte Drittel des Romans überzeugend, spannend und sehr unterhaltsam; das zweite Drittel jedoch im obigen Sinne fast überbordend und etwas überladen, was die Charaktere betrifft, was meinen Lesegenuss etwas schmälerte.

Sehr gut hingegen fand ich die bewährten Zeitsprünge, die die beiden Erzählstränge mit sich bringen (Alice und Eleanore Edevane in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, als der kleine Bruder von Alice, Theo, verschwindet und - Sadie zu Beginn des 21. Jhd. (2003), die suspendierte Polizistin der Met, die für ihr Leben gerne Rätsel löst und sich diesem nie aufgeklärten Fall des verschwundenen Kindes in der Familie Edevane widmet). Sowohl Alice's Persönlichkeit und Entwicklung zur bekannten Krimiautorin als auch Sadie, emotional und sehr pflichtbewusst in ihrem Beruf, den sie liebt, werden im Romanverlauf sehr gut ausgeleuchtet und emotional sowie nachvollziehbar beschrieben. Auch die Mutter von Alice, Eleanor Edevane, spielt im verwobenen Familiengeflecht eine der Hauptrollen; es ist dem Leser weitestgehend möglich, sich in die Figuren hineinversetzen zu können; auch die Nebenprotagonisten in dieser dramatischen Familiengeschichte sind sehr sympathisch und zutiefst menschlich beschrieben (Mr. Llewellyn und Ben z.B.).

Fazit:

Ein wundervoll geschriebener, gefühlvoller Roman von Kate Morton, der einen hohen Unterhaltungsfaktor besitzt, auf zwei Zeitebenen spielt und den ich gerne jenen LeserInnen weiterempfehle, die spannende Familiengeheimnisse, Cornwall und diesen unvergleichlichen Genremix der Autorin lieben. Allerdings: (Etwas) Weniger ist manchmal mehr. Ich vergebe 4 Sterne am Bücherfirmament und 87° auf der Histo-Couch.