Die Königin

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2015, Titel: 'The Price of Blood', Originalausgabe

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Annette Gloser
Schlechte Zeiten

Buch-Rezension von Annette Gloser Feb 2016

Das Jahr 1006 ist kein gutes für das englische Königreich. Und auch die folgenden Jahre werden nicht besser. König Aethelred ist gefangen in seinen Wahnvorstellungen. Zu schwach, um die Dänen abzuwehren, die immer wieder sein Königreich verwüsten. Misstrauisch gegenüber jedem, der ihm mit Rat zur Seite stehen will. Voller Tücke gegen jeden, in dem er einen Verräter vermutet. Besonders misstrauisch ist er gegen Königin Emma, deren Einmischung in die Politik er nicht will und die ihn eifersüchtig macht, hat sie doch die Zuneigung des Volkes und das Vertrauen der Kirchenmänner auf ihrer Seite.

Emma, die einst als Die Normannin in dieses Königreich kam, leidet unter ihrer Ehe. Tief in ihr verborgen hegt sie ihre Liebe zu Aethelstan, dem ältesten Sohn des Königs. Sie weiß, dass ihre Liebe erwidert wird, aber Aethelstan hat seinem Vater und König Treue geschworen bis in den Tod. Niemals wird er sein Wort brechen, obwohl ihm einst eine Wahrsagerin prophezeite, dass ein schwerer Weg vor Aethelreds Söhnen liege, vor allen, bis auf einen! Wird Aethelstan dieser eine sein? Oder Emmas Sohn Edward, den Aethelred aus der Obhut der Königin gerissen und dem hinterhältigen Eadric anvertraut hat?

Ein großes Epos

Die Königin ist der zweite Band einer Romanreihe um Königin Emma, deren wechselvolle Geschichte spannend und tragisch genug ist, um das Interesse vieler Leser zu wecken. Nicht zuletzt wird hier auch ein wichtiger Teil der englischen Geschichte einem breiten Lesepublikum nahe gebracht. Patricia Bracewell ist es gelungen, die bedrückende Atmosphäre, die in jenen Jahren in England und am Königshof geherrscht haben muss, in ihrem Roman einzufangen. Sie hält sich zwar nicht in jedem Fall an die zeitlichen Abläufe (z.B. heiratete Aelfa erst sehr viel später als im Roman), jedoch dienen solche eher nebensächlichen Änderungen eher der Komprimierung des Handlungsablaufs und treiben die Erzählung voran. Obwohl dies erst der zweite Band der Romanreihe ist, kann man doch absehen, dass hier ein großes Epos im Entstehen begriffen ist, dem intensive Recherchen zur englischen Geschichte voraus gingen und das ein großes Panorama jener Jahre zeigt, die der normannischen Eroberung voraus gingen. Der Autorin gelingt es dabei, die Konflikte innerhalb des englischen Adels sehr genau und für ihre Leser nachvollziehbar darzustellen. Dazu braucht sie keine Fußnoten oder lehrbuchhafte Textstücke. Alles ist aus dem Handeln der Protagonisten und ihren Dialogen herauslesbar.

Daraus entsteht eine spannungsgeladene Geschichte, bevölkert mit interessanten Protagonisten. Und allen CornwellFans sei verraten, dass auch hier ein Uthred auftaucht, Herr der Bamburg in Northumberland. Ein Kriegsfürst, der tatsächlich gelebt hat und der eine Tochter König Aethelreds heiratete.

Ein schwarzer und ein weißer Schwan

Dabei ist Emma als Hauptprotagonistin eine sympathische junge Frau, die schwer an ihrer Bürde als Königin und ungeliebte Ehefrau trägt. Oft fragt man sich, wie es ihr gelang, die vielen Tiefschläge und Demütigungen zu verarbeiten und dabei ihre Haltung zu bewahren. Die Autorin lässt allerdings zwei Damen als Antagonistinnen agieren. So ist es auf der einen Seite Königin Emma, auf der anderen Seite die zwar schöne, aber machthungrige und skrupellose Elgiva, die den Kampf um das Königreich austragen. Patricia Bracewell bleibt dabei sehr dicht bei ihren Protagonistinnen, gibt ihnen auch Raum für Gefühle und Gedanken. Und auch wenn Elgiva hier der schwarze Schwan ist, so kann man doch ihre Wünsche und Gefühle nachvollziehen und sieht sie nicht einfach nur als böse an. Denn vieles von dem, was Elgiva anstrebt, hat seine Berechtigung, selbst wenn am Ende Gier und Machthunger ihre Haupttriebfedern sind und sie zu grausamen Taten verleiten. Es ist der Autorin zu verdanken, dass sie hier nicht in die einfache Schwarz-Weiß-Malerei verfiel sondern - nicht nur bei den Damen - vielschichtige Charaktere schuf, für die man nicht einfach nur Sympathie oder Abneigung empfindet, sondern die eine große Palette an Gefühlen bei den Lesern hervorrufen können. Sie alle geraten in einen Strudel aus Gewalt, Angst und Intrigen, und es scheint keinen Ausweg zu geben.

Die einzelnen Kapitel werden entweder mit Blick auf Emma oder mit Blick auf Elgive erzählt. Abschnitte aus der Angelsächsischen Chronik und anderen historischen Chroniken leiten die Kapitel ein.

Macht, Intrigen und Gewalt

Mit Die Königin hat man einen spannenden, tragischen und unbedingt lesenswerten Roman in der Hand. Für Fans englischer Geschichte besteht hier Suchtgefahr, denn ein Folgeband ist im Nachwort der Autorin bereits angekündigt. Der Rowohlt Taschenbuch Verlag hat das Buch liebevoll ausgestattet, mit Karten von England und London, mit einer Personenliste und einem Glossar. Das Nachwort der Autorin geht noch einmal auf einige interessante historische Fakten und auf verschiedene Thesen zu Königin Emma ein.

Alles in allem ein Roman, den man gerne weiter empfiehlt und von dem man sicher sein kann, dass er begeisterte Leser findet.

Die Königin

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Letzte Kommentare:
21.01.2018 14:42:48
rolandreis

"Die Königin" ist der zweite Teil der Trilogie um die Königin Emma von Patricia Bracewell. Der Band umfasst dabei die Jahre 1006 - 1012 am englischen Königshof. Emmas Leben gestaltet sich weiterhin sehr schwierig an der Seite ihres Gatten Æethelred, der in ständiger Angst um seine Krone lebt. In allem und jeden sieht er Thronräuber und so umgibt er sich mit schlechten Beratern. Auch Emma soll ihm nur dazu dienen Söhne zu zeugen, aber sein Vertrauen schenkt er ihr nicht. Im Gegenteil, er nimmt ihr sogar ihre Kinder um diese ihrem mütterlichen Einfluss zu entziehen. Gleichzeitig sind dies sehr schwere Jahre für England, denn die Wikinger fallen über die Insel her. Mordend und brandschatzend ziehen sie durch das Land, ohne das König Æethelred groß etwas entgegen zu setzen hat. Seine Position wird immer schwächer und er kann sich wieder nur durch die Zahlung von hohen Geldsummen an die Dänen von weiteren Plünderungen freikaufen. Aber im Norden braut sich neues Ungemach zusammen. Denn Elgiva, die frühere Konkubine des Königs, ist mittlerweile die Frau von Kurt, dem dänischen Königssohn. Und sie versucht ihre neue Stellung ausgiebig zu nutzen, um den englischen König zu stürzen. Auch in diesem zweiten Band gelingt der Autorin eine geschickte Verknüpfung von Tatsachen und niedergeschriebenen Worten in der "Angelsächsischen Chronik" vermischt mit reiner Fiktion. In diesen schweren Jahren für England ist nur wenig bekannt über die Königin Emma, aber der Roman schafft für den Leser ein stimmiges Bild wie es gewesen sein könnte. Die vielen Intrigen, jedes falsche Wort, das einen den Kopf kosten könnte, Bündnisse, sowie Leid der Menschen. Bracewell konzentriert sich dabei auf die Geschehnisse am Hof und im Land in diesen Jahren, ohne dabei die Grausamkeiten der Plünderungen blutig ins Detail zu beschreiben. Das ist auch nicht nötig, man kann sich diese auch so wahrlich vorstellen. Für mich eine gelungene Romanfortsetzung in der Geschichte um das Leben der Königin Emma und ich bin gespannt wie die Autorin dies im letzten Band der Trilogie weiter umsetzt.

12.05.2016 17:07:48
€nigma

Zum Inhalt
Der zweite Band der Trilogie um Emma von der Normandie berichtet von den Ereignissen der Jahre 1006 bis 1012. Die Überfälle durch die Dänen werden immer verheerender, König Æthelred bringt weder die Energie noch die Mittel auf, um gegen die Invasoren vorzugehen. Gelähmt durch sein Misstrauen gegen seine erwachsenen Söhne und seine "Visionen" seines ermordeten Halbbruders Edward, von dem er sich verfolgt fühlt, bleibt er handlungsunfähig und lässt sich von den Dänen zu Schutzgeldzahlungen erpressen. Starrköpfig lehnt er es ab, seine Macht zu teilen. Durch eine weitere seiner unüberlegten Entscheidungen hat er auch seine ehemalige Geliebte Elgiva von Northampton gegen sich aufgebracht, sie taucht unter und schmiedet inmitten der gefährlichsten Feinde des Königs finstere Rachepläne gegen Æthelred.
Emma fühlt sich zwischen der Loyalität zu ihrem ungeliebten Gemahl, der Liebe zu seinem ältesten Sohn Athelstan und vor allem dem Wunsch, ihre Kinder zu schützen, aufgerieben.

Beurteilung
Die Autorin orientiert sich erneut an den Inhalten der Angelsächsischen Chronik (Anglo-Saxon Chronicle), die sie zu einem Roman verarbeitet, in dem die bekannten historischen Fakten durch fiktive Elemente ausgestaltet werden. Im Nachwort äußert sie sich zu den fiktiven Teilen, mit denen sie die lückenhafte Chronik ergänzt hat. Trotz des informativen Nachworts ist es im Sinne besseren Verständnisses sinnvoll, zunächst den ersten Band, "Die Normannin", zu lesen.
Der Schwerpunkt der Handlung liegt auf dem höchst angespannten Verhältnis zwischen den Engländern und den Dänen sowie Emmas diplomatischem Geschick bei der Akquisition von Verbündeten und der Navigation zwischen den verschiedenen Konfliktbereichen. Ihre Gegenspielerin aus dem ersten Band, Elgiva, begegnet ihr in diesem Roman nicht, aber auch sie versucht auf der Seite von Æthelreds Gegnern, durch die Manipulation mächtiger Männer Einfluss zu nehmen. Emma ist die positiv gezeichnete Protagonistin, aber auch ihre Gegenspielerin, die eher negativ dargestellte Elgiva, ist in ihren Handlungen in einer Epoche, in der Frauen wenig Einflussnahme zugestanden wird, nachvollziehbar.
Der Erzählstil ist flüssig und anschaulich, im Glossar werden heute nicht mehr gebräuchliche Wörter aus der angelsächsischen Zeit erläutert.

Fazit
Eine gelungene Fortsetzung der Trilogie um Æthelreds Königin Emma! Uneingeschränkt empfehlenswert für alle Leser/innen, die sich für die englische Geschichte vor 1066 und für das Thema "Wikinger" interessieren.