Feine Leute

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2016, Titel: 'Feine Leute', Originalausgabe

Couch-Wertung:

70

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
1 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:60
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":1,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jörg Kijanski
Die Auflösung ist überraschend

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2016

1925, Berlin. Bernice Straumann ist in der Gesellschaft für ihr frivoles Leben mit wechselnden Liebhabern bekannt. Als ihr Ehemann Gottlieb erschossen aufgefunden wird, führen alle Spuren zu ihrem aktuellen Liebhaber Max Bayer. Die Beweise sind erdrückend bis hin zu dessen Fingerabdrücken an der Tatwaffe, doch warum sollte der schwerkranke Gottlieb überhaupt ermordet werden; er hatte nur noch kurze Zeit zu leben? Kriminalkommissar Paul Genzer hat daher seine Zweifel an der so naheliegenden Lösung des Falles, ist aber mit privatem Liebeskummer stark abgelenkt. Nach einem Zwischenfall mit dem bekannten UFA-Filmstar Carl von Bäumer gehen sich die beiden aus dem Weg, obwohl sie eigentlich nur das Ziel haben sich wieder zu vereinen. Um Paul von seiner Liebe zu überzeugen betätigt sich Carl als Ermittler und hofft, Paul bei seinem schweren Fall helfen zu können ...

Über allem schwebt der Unzuchtparagraph

Carl von Bäumer hat mit seinen 22 Jahren schon beachtliche Erfolge als Leinwanddetektiv der UFA nachzuweisen, die Frauen liegen ihm zu Füßen, derweil er ausschließlich homosexuelle Neigungen verspürt und das Objekt seiner Begierde der sechs Jahre ältere Kriminalkommissar Paul Genzer ist. Die vertrackte oder besser gesagt angespannte Liaison zwischen den beiden Hauptfiguren ist insofern beachtenswert, da sie einerseits erklärt, warum Carl sich als selbsternannter Hobbydetektiv überhaupt in den Fall einmischt - und selbstredend den finalen Hinweis entdeckt - und andererseits, da dieses "Liebesdrama" gefühlt die Hälfte des Buches in Anspruch nimmt.

Hierbei dürfen die Leser an den endlos erscheinenden Gedankengängen der Protagonisten teilhaben, die sich verstärkt darum drehen, wie man wieder zueinander findet, ohne nach einem vorausgegangenen Vorfall sein Gesicht zu verlieren. Dass es den Unzuchtparagraph gibt und Homosexuellen langjährige Haftstrafen drohen, macht die Sache nicht einfacher, denn gegenüber der Öffentlichkeit hat zumindest Paul eine Freundin.

 

"Also ich weiß nicht, Sie haben doch keinerlei Ermittlererfahrung, also mal abgesehen von Ihren Filmen..."

"Ich habe sämtliche Sherlock Holmes und Edgar Wallace gelesen. Und ich betreibe Method Acting."

 

Neben der Liebesbeziehung gibt es auch etliche Wiederholungen bei Feststellungen oder Gedankengängen, so wird beispielsweise locker zwanzigmal erwähnt, dass Carl "der schönste Mann der UFA" sei, nahezu in identischer Wortwahl. Spätestens beim zweiten Mal dürfte es aber jeder verstanden haben. Einige zudem eher einfältig wirkende Personen sorgen mir ihren ausschweifenden Antworten bei Befragungen und anderen Gelegenheiten ebenfalls dafür, dass der Roman auf über 300 Seiten kommt. Da hätte man sich durchaus an etlichen Stellen mehr Straffung gewünscht.

Gleichwohl wird die Krimihandlung geschickt in das Gesamtkonstrukt eingebettet, die mit rund einem Dutzend Figuren auskommt. In diesem Mikrokosmos kreuzen sich die Lebenswege einzelner Personen und meist kurz angerissene Handlungsstränge immer wieder. Zudem bietet die finale Auflösung eine große Überraschung, bei der "Detektiv Carl" allerdings auf die Hilfe der Methoden des bereits erwähnten Sherlock Holmes angewiesen ist. Die "Ermittlungsarbeit" des hierfür eigentlich zuständigen Kommissars lässt dagegen zu wünschen übrig. Wie letztlich alles zusammenhängt ist großes Kino, wobei die Einblicke in die Kinowelt der 1920er Jahre, angesichts eines UFA-Stars in einer der beiden Hauptrollen, etwas mager ausfällt. Dafür gibt es eine gehörige Portion "Sex and Drugs" und Einblicke in das gesellschaftliche Leben und Denken in der Weimarer Republik.

Feine Leute

Feine Leute

Deine Meinung zu »Feine Leute«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
08.03.2019 18:44:32
tassieteufel

Als Gottlieb Straumann in Berlin erschossen aufgefunden wird, führt die Spur zu dem Liebhaber seiner Frau Bernice und für die vornehme Gesellschaft steht schnell fest, dass die Ehefrau ihren Liebhaber beauftragt hat, den Gatten beiseite zu schaffen. Da die Tatwaffe bei Max Bayer gefunden wird, noch dazu mit seinen Fingerabdrücken drauf, scheint die Sachelage klar zu sein. Doch Kommissar Paul Genzer hat da so seine Zweifel, denn Gottlieb Straumann war todkrank und hatte nur noch kurze Zeit zu leben. Genzer hat aber noch genug andere Fälle zu bearbeiten und außerdem ziemlichen Liebeskummer, so dass der Fall des ermordeten Gutsbesitzers nicht gerade oberste Priorität hat. Carl von Bäumer, Schauspieler und schönster Mann der UFA hat aber ganz eigene Interessen und beginnt ebenfalls in dem Fall zu ermitteln.

Ich lese sehr gerne historische Krimis und mag besonders die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende und der 20ger Jahre, von daher versprach der Klappentext ja ein spannendes Lesevergnügen. Zudem bot die Idee mit einem homosexuellen Kommissar in Anbetracht der Zeit doch einiges Potential. Leider wurde ich sehr enttäuscht, denn das Buch kann in keinster Weise halten, was der Klappentext verspricht. Statt Krimi bekommt der Leser hier viel eifersüchtiges Gezänk, seitenweise Selbstmitleidsbekundungen und die beiden Hauptfiguren benehmen sich eher wie 14 jährige Pennäler statt wie Erwachsene. Vor allem rückt der Krimifall vor all dem Drama um Paul und Carl völlig in den Hintergrund, es fehlt ein roter Faden, dem man beim Lesen folgen kann, statt dessen gibt es zwischen den epischen Eifersüchteleien zerfaserte Berichte aus diversen unterschiedlichen Blickwinkeln, die völlig zusammenhanglos erscheinen, zwar wird hier am Ende vieles zusammengeführt und insgesamt auch durchaus schlüssig aufgelöst, trotzdem sollte bei einem Buch, das als historischer Krimi ausgewiesen ist, auch der Fokus auf dem Krimi liegen. Wirklich überraschend war die Auflösung für mich allerdings nicht, denn ich habe eigentlich von Anfang an geahnt, wer der eigentliche Mörder ist, das mag daran liegen, dass ich viele Krimis lese und inzwischen ein Gespür dafür habe. Die eigentliche Ausführung der Tat war aber wirklich originell, das muß man zugestehen!
Ein wenig nervig ist auch, dass auf jeder gefühlt 3. Seite erwähnt wird, dass Carl der schönste Mann der Ufa sei und Paul Berlins mutigster Kommissar, nun ja, ich hatte es schon nach dem 1. Mal begriffen! Statt dem ewigen Drama zwischen dem Liebespaar hätte ich mir hier einfach mal ein wenig Tiefgang gewünscht, eine homosexuelle Liebesbeziehung, vor allem zwischen 2 so recht bekannten Personen, die teilweise auch zusammen leben, wäre sicher nicht ewig geheim geblieben und da solche Beziehungen nun mal unter den Unzuchtsparagraphen fielen und strafbar waren, hätte hier durchaus das Potenzial für einige Komplikationen und Schwierigkeiten gelegen, leider erfolgt in dieser Richtung gar nichts, außer der gelegentlichen Erwähnung des bewußten Paragraphen.
Gut ich will nicht nur nörgeln, die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, der zwar nicht immer ganz zur Zeit der 20ger paßt, sich aber sehr flüssig lesen läßt, auch die Figurenzeichnung ist ganz gut gelungen und die Autorin hat eindeutig ein Händchen für launige Szenen. Trotz des nervigen Liebesgeplänkels mußte ich öfter mal Schmunzeln, was die doch etwas fade Handlung auflockerte.

FaziT: wer wie ich gern atmosphärische historische Krimis mit Spannung und Lokalkolorit mag, der ist hier leider völlig falsch! Wer sich für seichtes Liebesgeplänkel erwärmen kann, der kann getrost zugreifen. Mir fehlte einfach die Krimikomponente und das ausufernde Drama um Carl und Paul war mir einfach zu belanglos, auch wenn es durchaus unterhaltsame Momente gibt.

30.07.2017 12:22:45
venatrix

Dies ist der erste Band rund um den „schönsten Mann der Ufa“, Schauspieler Carl von Bäumer und Kriminalkommissar Paul Genzer. Die beiden Männer haben ein Verhältnis, was im Berlin von 1925 nicht ganz ungefährlich ist, ist doch Homosexualität strafbar. Während sie mit ihrem Gefühlschaos beschäftigt sind, wird zunächst einmal der reiche Junker Gottlieb Straumann ermordet. Der Tat dringend verdächtig ist sein Verwalter Max Beyer, der gleichzeitig der Geliebte von Gottliebs Gemahlin Berenice ist. Die lustige Witwe stirbt wenig später in einem Berliner Hotel an einer Überdosis. Was anfänglich wie ein Selbstmord oder Unfall aussieht, entpuppt sich als perfider Mord.
Doch wer ist der Täter?

Paul und Carl beleuchten das Umfeld derer von Straumann und entdecken einige Geheimnisse, die niemals die Öffentlichkeit erreichen sollten. Die Lösung des Falles ist überraschend.

Meine Meinung:

Die Idee für Krimihandlung gefällt mir sehr gut. Bei der Umsetzung habe ich jedoch ein paar Mängel entdeckt. Da ist zum einen, die Beziehung Paul/Carl. Beide wirken auf mich wie „Drama-Queens“. Obwohl dies der erste Band ist, habe ich das Gefühl, einen wesentlichen Teil der Beziehung verpasst zu haben.
Weiters könnte die Handlung grundsätzlich zu jederzeit an jedem beliebigen Ort spielen. So richtig Lokalkolorit bzw. Zeitgeschichte habe ich nicht entdecken können. Ja, der dicke Gennat, Berlins Polizeipräsident, kommt schemenhaft vor, von der angespannten Situation in Berlin, weil die SA-Verbände gröhlend Jagd auf Sozialisten machen und/oder die verheerenden Lebensumstände der Bewohner, ist wenig zu merken. Ebenso wenig verspüre ich vom ausgelassenen Treiben der Reichen, dem Tanz auf dem Vulkan. So wirkt die Handlung auf mich irgendwie verloren, im luftleeren Raum hängend.
Die Ermittlungen kommen nicht so recht vom Fleck und bedürfen einiger Zufälle. Jede Menge Zuträger sowohl aus Pauls als auch Carls teilweise kriminellem Umfeld helfen Paul dann doch auf die Sprünge. Gut vernetzt zu sein, auch in der Ganovenszene schadet nie, aber ohne eigenes Zutun die Verbrechen aufzuklären?

Fazit:

Eine gute Krimi-Idee, die noch Luft nach oben hat. Bin schon neugierig, wie sich Carl und Paul im Band 2 „Noble Gesellschaft“ weiter entwickeln.

28.05.2016 12:32:39
PMelittaM

Berlin 1925: Der Gutsbesitzer Gottlieb Straumann wird tot aufgefunden. Schnell scheint klar, dass sein Verwalter Max Bayer ihn getötet hat, angestiftet von Bernice Staumann, Ehefrau des Toten und Geliebte des Verwalters. Doch ist der Fall wirklich so einfach? Kriminalkommissar Paul Genzer ermittelt und wird tatkräftig unterstützt von Carl von Bäumer, dem UFA-Star, der mit Paul ein besonderes Verhältnis unterhält.

Kriminalromane im Berlin der 20er Jahre lese ich sehr gerne und so freute ich mich, einen weiteren entdeckt zu haben. Der Roman liest sich sehr gut und entwickelte sich für mich schnell zum Pageturner. Mir gefällt vor allem der Erzählstil, die Geschichte wird aus vielen verschiedenen Perspektiven durch die Gedankengänge der einzelnen Charaktere erzählt. Man bekommt so unverstellt die Gedanken von Menschen der damaligen Zeit mit, diese machen sich dabei auch Gedanken über handelnde Personen oder drücken politische Stimmungen aus. Der Roman transportiert so nicht nur die eigentliche Geschichte sondern auch viele Informationen zum tatsächlichen und fiktiven (z. B. bezogen auf den o. g. UFA-Star) Stimmungsbild der 20er Jahre. Da historische Persönlichkeiten (z. B. Erich Gennat, den man auch in anderen Kriminalromanen aus der damaligen Zeit trifft) und Örtlichkeiten Berlins auftauchen, regt der Roman auch zum Selbstrecherchieren an, etwas, das ich an historischen Romanen besonders mag.

Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf das Verhältnis zwischen Paul und Carl, das in damaligen Zeiten unter den sogenannten Unzuchtparagraphen (§ 175 StGB) fiel und strafbar war. Mir hat die Beziehung der beiden sehr viel Spaß gemacht, vor allem auch, weil sie so unterschiedlich sind, hier der nicht gerade gut aussehende, aus einfachen Verhältnissen stammende Kommissar und dort der adelige „schönste Mann der UFA“. Auch die Reaktionen und Gedanken anderer Leute auf bzw. über Carl sind sehr amüsant dargestellt, da er im Film einen Ermittler verkörpert, wird ihm z. B. bedenkenlos abgekauft, dass er im Todesfall Straumann ermitteln darf. Es gibt überhaupt Einiges zum Schmunzeln in diesem Roman ...

Doch auch der eigentliche Fall geht nicht unter, man erlebt Verhöre und Ermittlungen und am Ende gibt es eine zufriedenstellende Auflösung. Auch lässt es sich wunderbar miträtseln und es gibt mehr als eine überraschende Wendung.

Durch den besonderen Erzählstil verlangt der Roman schon ein aufmerksames Lesen, auch, weil es schade wäre, Dinge zu überlesen, die zusätzlich Vergnügen bereiten. So gibt es eine Szene, die aus der Perspektive eines Liftboys erzählt wird, von dem man nicht erwartet, ihn später wieder zu treffen, jedoch spielt er an einer anderen Stelle noch einmal eine wesentliche Rolle, dass er dort beteiligt ist, könnte man jedoch leicht überlesen. Überhaupt ist am Ende mehr miteinander verbunden, als man zunächst ahnen konnte. Insgesamt ist der Roman sehr kurzweilig und hat mich ausgesprochen gut unterhalten.

Joan Wengs Romandebüt ist ein richtig guter Kriminalroman, der durch seine besonderen Erzählstil, die außergewöhnlichen Ermittler und den interessanten Fall sehr gut unterhält. Von mir gibt es 5 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung, vor allem für Jene, die gerne historische Kriminalromane lesen. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Fall, der Anfang 2017 erscheinen soll.