Das Feuer der Freiheit

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2015, Titel: 'The Fatal Flame', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

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Eva Schuster
Fesselnder Abschluss der Trilogie um Timothy Wilde

Buch-Rezension von Eva Schuster Feb 2016

New York 1848: Timothy Wilde, einer der ersten Polizisten der neu gegründeten Polizei, soll wieder einmal einen brisanten Fall klären. Der amtierende Stadtrat und ausbeuterische Unternehmer Robert Symmes erhält einen Brief, in dem ihm angedroht wird, seine Fabriken in Brand zu setzen. Bald darauf geht tatsächlich eines seiner Gebäude in Flammen auf.

Als Täter kommt eine der Näherinnen in Betracht, die sich gegen die unerträglichen Bedingungen in der Fabrik wehren will. Im Fokus steht auch Symmes' ehemalige Angestellte Sally Woods, die sich energisch für die Frauenrechte einsetzt. Aber auch politische Gegner kommen in Frage, da die Stadtratswahlen unmittelbar bevorstehen.

Tim bemüht sich, in dieser aufgeheizten Stimmung Ruhe zu bewahren und sucht nach dem Feuerteufel, dem bereits mehrere Menschen zum Opfer fielen. Erschwert werden seine Ermittlungen auch durch private Belange: Sein schillernder Bruder Val ist in politische Machtspiele verwickelt, die schöne wie skrupellose Bordellbesitzerin Silkie Marsh erscheint wieder auf der Bildfläche, und plötzlich steht auch noch Tims alte Liebe Mercy Underhill vor seiner Tür ...

Timothy Wilde jagt den Feuerteufel

Timothy Wilde, der Polizist wider Willen, der in New Yorks düsterste Abgründe eintaucht, bekommt es in seinem dritten und wohl - für den Leser - letzten Fall mit tödlichen Bränden, teuflischen Intrigen und großen Geheimnissen zu tun.

Wer Timothys frühere Fälle kennt, der weiß um die besondere Bedeutung, die Feuer für ihn hat. Als Kind verlor er seine Eltern bei einem häuslichen Brand, für den sich sein älterer Bruder Valentine bis heute die Schuld gibt; beim großen Feuer von New York 1845 wird Tim schwer verletzt und behält Narben im Gesicht zurück, die ihn von nun an verunsichern. Es ist dementsprechend eine böse Ironie des Schicksals, dass er nun ausgerechnet einen Feuerteufel aufspüren und dingfest machen soll und mit seinen Ängsten konfrontiert wird.

 

"Sind sie etwa ein Polizist?"

"Ja. Ma´am."

"Ja, schämen Sie sich nicht?"

"Manchmal schon", gestand ich.

 

Kennzeichnend für diesen Band, wie auch schon für die vorherigen, ist, dass die kriminalistische Handlung eng mit einem Sitten- und Gesellschaftsporträt New Yorks verbunden ist. Die ersten Vorstöße der Frauenbewegung bilden hier die Folie für die Thrillerthematik und werden angenehmerweise nicht in Schwarz-Weiß-Schemata behandelt. Stattdessen sind es vor allem die Grautöne der Charaktere, die im Vordergrund stehen. Der Leser erhält detaillierte Informationen über den politischen und gesellschaftlichen Alltag in New York Mitte des 19. Jahrhunderts, so gut es eben aus der heutigen Perspektive zu bestimmen ist. Neben den aufkeimenden Frauenrechten und den Forderungen der ersten "Radikalen" werden auch die Themen Armut und Polizeimethoden ausgiebig beleuchtet.

Wichtige Bezüge zu früheren Bänden

Theoretisch kann man Das Feuer der Freiheit lesen, ohne die ersten beiden Bände zu kennen. Die wichtigsten Ereignisse aus der Vergangenheit werden kurz resümiert, und man erfährt, was es mit Figuren aus den früheren Bänden auf sich hat. Es ist dennoch sehr zu empfehlen, die Bücher in chronologischer Reihenfolge zu lesen, weil Timothys Entwicklung eine wichtige Rolle spielt. Zudem werden entscheidende Auflösungen zu Täterschaften aus den ersten beiden Bänden verraten, sodass man nach der Lektüre dieses Bands kaum noch Anreiz für die ersten beiden Bände hätte. Umgekehrt bezieht das Werk einen Teil seines Reizes gerade aus der Wiederbegegnung mit altbekannten Charakteren. Die kleine Bird Daly, die im ersten Band eine entscheidende Rolle spielte, ist inzwischen dreizehn Jahre alt und eine selbstbewusste junge Dame geworden, um die sich Timothy allerdings nicht weniger sorgt, zumal sie allmählich in ein Alter kommt, in dem sie Flirtinteresse zeigt. Silkie Marsh, die schöne und zugleich verkommene Bordellbesitzerin, die immer wieder die Wege der beiden Brüder kreuzt, ist auch hier wieder mit von der Partie, und man darf gespannt sein, wie sie sich diesmal gegenüber Tim und Val verhält, denen sie sowohl Hass als auch Begehren entgegenbringt. Nicht vorherzusehen ist auch, wie sich das Verhältnis zwischen Timothy und Mercy Underhill entwickelt. Noch immer hadert Tim damit, dass er seiner Jugendliebe Mercy nie seine Gefühle deutlich genug zeigte, auch wenn sie seit geraumer Zeit in Europa lebt. Nun steht Mercy plötzlich vor seiner Tür, und Tim wird von seinen Gefühlen überrannt - zumal er eine freundschaftliche Affäre mit seiner Vermieterin Elena Boehm führt.

Geringe Schwächen

Bei aller hohen Qualität und Unterhaltungsgarantie kann Das Feuer der Freiheit nicht ganz die Klasse der beiden Vorgänger erreichen. Der Teufel von New York punktete mit schauerlicher und beklemmender Atmosphäre, Die Entführung der Delia Wright rührte etwas stärker an die Emotionen des Lesers. Das Stammpersonal mit Figuren wie Timothy, Valentine, Bird Daly und Silkie Marsh überzeugt und fasziniert wie gewohnt, die Nebenfiguren sind indessen nicht ganz so charismatisch wie in den anderen Büchern. Gewöhnungsbedürftig ist zudem der sehr ausgiebige Gebrauch der Gaunersprache "Flash", die den Lesefluss trotz des ansonsten sehr flüssigen Stils bisweilen zu hemmen droht.

Das Ende legt nah, dass die drei bisher erschienenen Werke die einzigen Fälle sein werden, von denen Timothy Wilde Zeugnis ablegt, sodass die Reihe als abgeschlossen betrachtet werden kann. Gewiss wären weitere Bände mit dieser interessanten Ermittlerfigur und seinem nicht weniger reizvollen Bruder wünschenswert, sind aber mit dem Abschluss nunmehr sehr unwahrscheinlich. Lyndsay Faye kann sich in jedem Fall sicher sein, dass sie auch mit dem Feuer der Freiheit einen großen Beitrag geleistet hat, das New York um 1850 besser zu verstehen. 

Das Feuer der Freiheit

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Letzte Kommentare:
12.05.2016 17:09:21
€nigma

Zum Inhalt
"Das Feuer der Freiheit" ist nach "Der Teufel von New York" und "Die Entführung der Delia Wright" der abschließende Band der Trilogie um den New Yorker Polizisten Tim Wilde. Im vorliegenden Band bekommt er es mit einem Feuerteufel zu tun, der gezielt Brandanschläge auf Gebäude, die dem amtierenden und zur Wiederwahl stehenden Stadtrat Robert Symmes gehören, verübt. Bei diesen Gebäuden handelt es sich um ein Bordell und Fabriken, in denen junge Näherinnen für einen Hungerlohn ausgebeutet werden. Tatverdächtig ist Sally Woods, eine ehemalige Arbeiterin in der Textilfabrik und außerdem Ex-Geliebte von Symmes, die nach einem von ihr initiierten Streik der Arbeiterinnen entlassen wurde. Wilde hat nicht nur beruflich Kontakt mit Symmes, sondern er begegnet ihm auch im Umfeld seines Bruders, Captain Valentine Wilde, der mit Symmes um das Amt des Stadtrats konkurriert. Dort wird mit harten Bandagen gekämpft und der Polizist erkennt schnell, dass es viele Menschen in New York gibt, die einen Grund haben, sich an Symmes zu rächen...

Beurteilung
Der dritte Band der Reihe beschäftigt sich zwar mit einem neuen Kriminalfall, setzt aber auch die Geschichte der privaten Verstrickungen des Protagonisten in umfänglicher Weise fort. Dabei wird vor allem auf Ereignisse des ersten Bandes Bezug genommen, sodass es unbedingt empfehlenswert ist, die drei Romane in der korrekten Reihenfolge zu lesen.
Auch dieser Roman widmet sich wieder einer sozialen Problematik, hier geht es um die katastrophale Situation weiblicher Immigranten, die entweder unter falschen Versprechungen (Wohnung, Arbeit) in die Prostitution gelockt werden oder als Heimarbeiterinnen oder Näherinnen in den Fabriken ausgebeutet werden. Sie hausen unter erbärmlichsten Umständen und verdienen an ihren endlosen Arbeitstagen gerade genug, um nicht zu verhungern. Diese Frauen werden nicht nur ausgebeutet, sondern auch noch von den männlichen Schneidern, die sich um ihre Arbeitsaufträge betrogen sehen, angefeindet. Erste Bestrebungen einzelner Frauen, für ihre Rechte einzutreten, bleiben vorläufig erfolglos, da die Nation (schon Jahre vor dem Sezessionskrieg) vorrangig mit der Frage nach der Befürwortung oder Ablehnung der Sklaverei befasst ist.
Der Roman vermittelt außerdem ein interessantes und schockierendes Bild der noch jungen Polizei. Nicht wenige Polizisten sind korrupt, treten gern als Schläger auf und greifen bei Verhören quasi unkontrolliert zu harten Methoden, wie z.B. dem "Duschbad" als frühe Form des Waterboarding.
Die Kapitel sind mit zeitgenössischen Zitaten aus Zeitungen/Zeitschriften zum Thema "Frauenrechte" im Allgemeinen und zu den Lebensverhältnissen der Fabrikarbeiterinnen im Besonderen überschrieben. Diese oft erschütternden Zitate verstärken den Eindruck von Authentizität.
Die Ausarbeitung der Charaktere der Romanfiguren ist sehr detailliert und glaubwürdig, allerdings verliert sich die Autorin hier - wie im ersten Band der Trilogie - gelegentlich in zu weitschweifigen Erzählungen, was dem Aufbau von Spannung nicht förderlich ist. Auch der häufige Gebrauch der Gaunersprache "Flash" bremst den Lesefluss.
Das historische Nachwort, welches über einige im Roman thematisierte Umstände weitere Informationen gibt, rundet den Roman geschickt ab.

Fazit
Ein inhaltlich hochinteressanter und anspruchsvoller historischer Kriminalroman, der von einer etwas geraffteren Erzählweise profitiert hätte.