Distel und Rose

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2016, Titel: 'Distel und Rose', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Eine andere Sicht auf die schottischen Highlands

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2016

Die Engländerin Magdalena wird mit dem schottischen Lord David MacBrannan verheiratet. Wie Ende des 18. Jahrhunderts üblich, hat die junge Lady dazu wenig zu sagen. Zusammen mit ihrer Dienerin Abigail zieht Magdalena in die unwirtlichen Highlands und versucht, sich in ihr Schicksal zu fügen, was ihr aber nicht ganz leicht fällt. Ihr unnahbarer Mann, die triste Umgebung und die ungewohnte Lebensweise machen ihr das Leben zunächst schwer. Doch anders als ihre Dienerin ist Magdalena bereit, sich auf ihre neue Umgebung einzulassen. Nach und nach entwickelt sie ein reges Interesse am Leben der Dorfbewohner, das in einem krassen Gegensatz zum Leben im Herrenhaus steht. Magdalena erwärmt sich zunehmend für die Schotten, die sich immer stärker gegen die Gutsherren auflehnen. Zudem lernt sie den Highlander Seoras kennen, was weitere Probleme aufwirft. Zu ihrer eigenen Sicherheit schränkt David das Umfeld seiner jungen Frau stark ein. Magdalena, vor ihrer Heirat eine begeisterte Romanleserin, sucht in der Bibliothek des Herrenhauses nach Zerstreuung, findet aber nur wenig Lesestoff. Bis ihr eine alte Schrift in die Hände fällt, die die Geschichte um den schottischen König Macbeth aus dem 11. Jahrhundert erzählt. Mittelpunkt ist dabei die junge Aelswith, eine abenteuerlustige Frau, die sich gegen die starren Regeln ihrer Zeit auflehnt und dadurch in manche verzwickte Lage gerät.

Zwei Zeitebenen

Julia Kröhn entführt Ihre Leserinnen und Leser gleich doppelt in die Vergangenheit. Als Ausgangspunkt hat sie die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gewählt und gibt dieser durch die etwas naive Magdalena ein Gesicht. Die junge Frau ist ein typisches Kind ihrer Zeit. Sehr schön hat die Autorin hier den langsamen Reifungsprozess der zuvor behüteten und vor der realen Welt abgeschirmten Tochter aus einem englischen Elternhaus aufgefangen. Mag man sich manchmal fragen, weshalb Magdalena zunächst nicht selbstbewusster auftritt, so sollte man sich die gesellschaftlichen Normen der Jahre um 1791 vor Augen führen. Die arrangierte Heirat ist jedoch nicht nur für die junge Frau belastend, die alles, was ihr vertraut war, zurücklassen musste. Sie ist auch für den Ehemann David schwierig, der in Magdalena nicht die Frau sieht, die ihn in seinen Unternehmungen und seinem Wunsch, das Gut erfolgreich zu führen, unterstützen kann. Nach und nach deckt Julia Kröhn die Hintergründe der Heirat aus gesellschaftlichen Überlegungen auf und zeigt eindrücklich, wie schwierig es für die Betroffenen war, aufeinander zuzugehen. Schon alleine Magdalenas Geschichte hätte als Story gereicht, doch ist das Spiel mit den zwei Zeitebenen überaus reizvoll und bereichernd.

Gegensätzliche Protagonistinnen

So unterschiedlich die zwei gewählten Zeitebenen sind, so unterschiedlich sind auch die beiden Protagonistinnen Magdalena und Aelswith. Sei es nun der Umstand, dass die beiden jungen Frauen in völlig unterschiedlichen Zeiten und damit gesellschaftlichen Gepflogenheiten lebten, oder auch der doch sehr verschiedene Charakter der beiden: Magdalena und Aelswith haben auf den ersten Blick nur sehr wenig gemeinsam. Dass sich Magdalena von der starken Frau aus dem 11. Jahrhundert angezogen fühlt, ist nur eine erste Verbindung. Julia Kröhn hat einen guten Weg gewählt, um die beiden zeitlichen Ebenen klar voneinander zu trennen und doch verbindende Elemente einzubauen. Sie bedient sich dabei des gängigen Musters, dass die Hauptperson aus dem späteren Jahrhundert auf Dokumente aus früheren Zeiten stößt. Doch spielt sie sehr geschickt mit den einzelnen Komponenten und lotst Grenzen aus. Damit schwingt sie sich weit aus der Masse ähnlich gelagerter Romane und präsentiert den Leserinnen und Lesern ein gleichermaßen feinfühliges wie auch aufschlussreiches Werk.

Gute Erzählerin

Dass sie eine ausgezeichnete Erzählerin ist, hat Julia Kröhn schon in anderen Romanen bewiesen. Hier doppelt sie nach, legt eine spannende und mit viel Gefühl aufgebaute Geschichte vor, ohne dass sie ins Kitschige verfällt und sich der Roman zu einem reinen Liebesroman entwickelt. Die gewählten Schauplätze sind überzeugend und einladend, die gewählten Epochen passen hervorragend in die Geschichte und der rote Faden reißt die ganze Zeit niemals ab. Einmal mehr kann Julia Kröhn also auf der ganzen Linie überzeugen.

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