Die Nacht schweigt

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2016, Titel: 'Die Nacht schweigt', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Schlimmer geht's immer

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Feb 2016

Ende März 1945 erschießen NS-Angehörige in einer Nacht- und Nebelaktion in Rechnitz im Burgenland 200 jüdische Zwangsarbeiter. Dieser Massenmord, der in die österreichische Geschichte als Massaker von Rechnitz eingeht, gibt nach wie vor Rätsel auf, denn dieses Verbrechen ist bis heute weder aufgeklärt, noch wurden die Leichen der ermordeten Juden jemals gefunden. Die Geschehnisse in Rechnitz sind der rote Faden in Sobo Swobodniks Kriminalgeschichte.   

Im Wien der Gegenwart ist die junge Studentin Linda mit Recherchen zur Rechnitzer Mordnacht beschäftigt, bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Außer ihrer Mutter glaubt keiner an ein Verbrechen und auch die Polizei geht davon aus, dass Linda schlicht und einfach die Zelte hinter sich abgebrochen und das Weite gesucht hat. Lindas Bruder Konstantin, der für eine rechtspopulistische Partei kandidiert, ist der Auffassung, dass seine Schwester mit ihrem Verschwinden seinen Wahlkampf sabotieren will. Auf Drängen der Mutter und mit Hilfe des Familienanwalts wird dann letztendlich der Vietnamese Hái als Detektiv engagiert. Die Geschehnisse der Vergangenheit werfen ihre Schatten bis in die heutige Zeit und Hái muss bald erkennen, dass es auch heute noch Menschen gibt, die keinen Wert darauf legen, dass die Umstände des Massakers von Rechnitz jemals aufgeklärt werden.

Interessantes Sujet, aber dürftige Umsetzung

Erzählt wird die Geschichte aus vier unterschiedlichen Perspektiven, die jeweils mit den Überschriften ES, ICH, DU und NO versehen wurden, so dass auch ungeübte Leser sich gut zurechtfinden und immer wissen, aus wessen Perspektive gerade erzählt wird. ES steht dabei für die Geschehnisse in Rechnitz Ende 1945 und hier wurde, im Gegensatz zu den anderen drei Handlungssträngen, in denen Ich-Erzählung bzw. Du-Form verwendet wurden, eine neutrale Erzählform gewählt. Swobodnik entwirft seine eigene Version der Geschehnisse rund um das Massaker in Rechnitz und die Lösung, die er anbietet, kann man durchaus so stehen lassen. Leider gibt er diesem Part aber nicht den Raum, den dieses Thema verdient hätte. Der Erzählstrang ES beschränkt sich auf einige wenige Absätze zu Beginn eines jeden Kapitels und die Geschehnisse in der Vergangenheit bleiben lediglich Marginalie, letztendlich dienen sie nur als Aufhänger für die den Großteil des Romans beanspruchende Handlung in der Gegenwart.   

Psychopaten und ein an Sexsucht leidender Ermittler

Die mit ICH überschriebenen Passagen werden aus Háis Perspektive erzählt, in den mit DU gekennzeichneten Passagen sitzt der Leser mit Linda im Verlies und unter NO kommt Lindas Schwester Nora zu Wort. Swobodniks Charaktere sind durch die Bank Psychopaten, an denen jeder Psychiater seine Freude gehabt hätte. Das muss ja nun nicht unbedingt ein Nachteil sein, denn auch Psychopaten können - wenn nicht gerade Sympathieträger - so doch durchaus interessante Charaktere sein, wenn ein Autor sie nicht in klischeehafter Eindimensionalität zeichnet und zu Karikaturen degradiert, wie hier geschehen. So leidet Hái neben einem Mutterkomplex auch an massiver Sexsucht. Seine Hände hat er ständig im Schritt und er legt alles flach, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Hái ist mehr mit dem Ausleben seiner erotischen Fantasien beschäftigt als mit der Suche nach Linda. Diese wiederum sitzt eingemauert in irgendeinem Verlies und statt im Angesicht des Todes in Panik auszubrechen, reflektiert sie mit einer bemerkenswerten Coolness ihr bisheriges Leben. Gut, es wird auch bei ihr recht schnell klar, dass sie psychische Probleme hat. Lindas drogensüchtige und mit schizophrenen Störungen kämpfende Schwester Nora schießt den Vogel der Lächerlichkeit ab, denn wenn sie sich nicht gerade vulgäre Wortgefechte mit den Stimmen in ihrem Kopf liefert, spreizt sie für jeden die Beine. Swobodniks Frauenfiguren entsprechen eher feuchten Männerträumen als der Realität.

Sex und Fäkalsprache als dominierende Stilmittel

Missbrauch, Inzest, Sexsucht, Homosexualität, Sexpartys etc. etc. - der Roman leidet nicht nur an einer Überdosis fantasielosem Sex, enervierend ist auch die im Überfluss verwendete Fäkalsprache, die dem Leser sämtliche Arten von Exkrementen um die Ohren wirft. Letztendlich dienen diese deutlich überstrapazierten Stilmittel hier aber nur dem einen Zweck, von einer mehr als dürftigen Story abzulenken. Diesem lieblos erzählten Roman mangelt es eindeutig an Substanz, Spannung kommt kaum auf und wenn doch, dann wird sie recht schnell zunichte gemacht, weil einem der Protagonisten wieder einmal der Verstand in den Schritt gerutscht ist.

Man mag sich fragen, welche Zielgruppe Verlag und Autor hier eigentlich im Auge haben. Wie schlicht muss der literarische Anspruch eines Lesers sein, um diesem Roman auch nur ansatzweise etwas abgewinnen zu können? Raffinierte Handlungsabläufe, komplexe Charaktere, Einfallsreichtum, Spannung, also alles, was einen guten Krimi ausmacht, wird man hier nicht finden. Die Erwartungshaltung, die der Klappentext weckt, wird nicht einmal ansatzweise erfüllt. Und wenn man bedenkt, dass Swobodnik bereits die eine oder andere Auszeichnung für seine Werke bekommen hat, kann man sich über diese abstruse Geschichte eigentlich nur noch wundern.   

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