Kieler Dämmerung

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2016, Titel: 'Kieler Dämmerung', Originalausgabe

Couch-Wertung:

80

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
2 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:84.5
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":1,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":1,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jörg Kijanski
Vielschichtiger Einblick in die Kaiserzeit

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2016

1911: Paul Fuß ist Oberbürgermeister von Kiel. Schon seit 1888 übt er dieses Amt aus, im nächsten Jahr wartet der verdiente Ruhestand. Doch dieses Jahr soll es noch einen Höhepunkt seiner Karriere zu feiern geben, die Einweihung des neuen Rathauses. Kaiser Wilhelm II. hat sein Erscheinen zugesagt. Im Vorfeld dieses Ereignisses mehren sich jedoch Hinweise auf ein mögliches Attentat und so sieht sich der Leiter der Kieler Kriminalpolizei Josef Rosenbaum gezwungen, mit der Preußischen geheimen politischen Polizei, kurz PP, zusammenzuarbeiten. Leiter der Geheimpolizei ist Kriminaldirektor Adolf Scheffler mit dem sich der Kieler Kriminalobersekretär von Beginn an nicht versteht, zumal sich dieser Einblick in Rosenbaums Personalakte verschafft hat.

Während die Polizei noch im Dunkeln tappt, bereiten sich an anderer Stelle verschiedene Menschen auf den Besuch des Kaisers vor. Kieler Sozialdemokraten wollen den Besuch nutzen, um ein Zeichen für ihre Sache zu setzen, denn obwohl die Stimmenanateile der SPD bei den Wahlen recht ordentlich sind, finden sich diese nicht entsprechend in Parlamentssitzen wieder. Auch Hans Mast, ein ehemaliger von der Weltrevolution träumender Anarchist, der sich längst zur Ruhe gesetzt hat, fühlt sich noch einmal herausgefordert. Wäre es nicht eine Chance, die deutschen Arbeiter vom Tyrann und Kriegstreiber Wilhelm II. zu befreien? Heiner Hansen, ein kleiner Mitarbeiter im Kieler Rathaus, hat ebenfalls Grund zu mörderischen Gedanken und so haben Rosenbaum und Scheffler gleich mehrere Rätsel zu knacken&

 

Diese persönliche und gedankliche Unabhängigkeit war aber auch der Grund, weshalb Bethmann Hollweg Seiner Majestät mit der Zeit unsagbar auf die Nerven ging. Er war für ihn nicht recht zu fassen. Hier erwägend und dort abwägend hatte Bethmann mit seiner kontemplativen Gelehrtennatur für alles Verständnis und konnte sich kaum einmal so richtig empören. Das war nicht die Welt des Kaisers. Der empörte sich ständig, und wenn heute nicht über dasselbe wie gestern, dann vielleicht über das Gegenteil.

 

In seinem zweiten Roman der Josef-Rosenbaum-Serie hat sich der Protagonist mit seiner neuen Rolle bereits weitgehend arrangiert. Haderte er noch im ersten Band mit seiner neuen beruflichen Heimatstadt als provinzielles Nest, so tritt er nun selbstbewusst als deren Kripochef auf. Dabei weiß er, dass er es nie zum Kommissar bringen kann, denn speziell für Mitarbeiter wie ihn, sprich einen Juden, wurde der inoffizielle Rang eines Kriminalobersekretärs eingeführt. Doch damit nicht genug. Rosenbaum ist homosexuell, zudem Sozialdemokrat und damit nicht zuletzt in den Augen des Kaisers schon quasi automatisch ein Landesverräter. Die Unruhen und die Unzufriedenheit bei den Arbeitern kann Rosenbaum bestens nachvollziehen, zumindest als Privatperson.

Kay Jacobs zeichnet ein vielschichtiges Bild des Jahres 1911. Hier die unzufriedenen Arbeiter, dort das angespannte Verhältnis zwischen Kaiser Wilhelm II. und seinem Bruder Prinz Heinrich, wobei vor allem dessen Frau, Prinzessin Irene, ihren Mann ständig anstachelt, auf den Kaiser mehr Druck auszuüben, schließlich sei er, Heinrich, beim Volk doch um so vieles beliebter. Wilhelm dagegen würde sein Volk nur in einen großen Krieg hineinstürzen. Das politische Hintergrundszenario bietet die Zweite Marokkokrise und die daraus resultierenden Anspannungen mit Frankreich. Auch das maritime Wettrüsten hat längst begonnen und so ist die Lage zumindest undurchsichtig. Dass es in diesem Szenario konkrete Anschlagspläne auf Seine Majestät geben soll, überrascht somit niemanden.

 

Das war Unsinn.

Das war kein Unsinn. Wir haben aus einschlägigen Merkmalen ein Profil zusammengestellt, das wir wie ein Raster über die Bevölkerung legten. Anschließend überprüften wir die Personen, bei denen die Merkmale zutrafen. Diese Methode haben wir erst ganz frisch in Berlin entwickelt, man könnte es Profilfahndung oder Rasterermittlung nennen.

Aber fast das einzige Merkmal, das wir zugrunde gelegt haben, war Sozialdemokrat. Wir haben nur die uns bekannten Sozialdemokraten und Anarchisten und die üblichen Verdächtigen zur Blume geholt und gefragt, ob sie einen Anschlag auf den Kaiser planen.

Die Methode ist noch nicht ausgereift. Aber eines Tages werden wir damit große Erfolge erzielen.

 

Wie schon bei seinem Debüt gelingt es Kay Jacobs großartig, die unterschiedlichen Handlungsstränge zusammenzuführen. Eine Aneinanderreihung aus Zufällen und Missgeschicken droht zu einem Fiasko für die Beteiligten zu werden. Auch die intensiven Einblicke in die damalige Art der Polizeiarbeit sind hoch interessant. Dabei erzählt der Autor seine Geschichte durchaus mit leichtem Augenzwinkern und dem einen oder anderen Querverweis auf die Gegenwart (beispielsweise mit einer Anmerkung, dass es bei einer anderen Staatsform undenkbar wäre, dass der Bundespräsident unverheiratet sei).

Spannend, informativ und kurzweilig. So macht Geschichte Spaß. Hoffen wir auf ein baldiges Wiedersehen mit dem sympathischen Ermittler.

Kieler Dämmerung

Kieler Dämmerung

Deine Meinung zu »Kieler Dämmerung«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
19.04.2016 10:12:00
Peter Wenners

Kiel 1911 – das neue Kieler Rathaus soll eingeweiht werden. Die Stadtoberen kommen auf die Idee, den Kaiser zur Einweihung einzuladen. Durch einen Polizeispitzel erfahren Kriminalobersekretär Rosenbaum und seine Leute von einem vermeintlich geplanten Attentat auf den Kaiser. In Berlin wird aufgrund der Warnung der Kaiser bedrängt, sich während der Einweihungszeremonie durch einen Schauspieler ersetzen zu lassen.
Die Ermittlungen in Kiel werden von dem aus Berlin anreisenden Kriminaldirektor Scheffler und von seinem Kieler Kollegen Rosenbaum aufgenommen, führen aber kaum zu nennenswerten Erfolgen. Attentate werden von drei verschiedenen Parteien aus unterschiedlichen Motiven geplant, zwei gelten dem Monarchen, ein Attentat wird aus persönlichen Gründen gegen einen der Flügeladjutanten des Kaisers geplant. Da alle drei Attentate mehr als dilettantisch vorbereitet werden, kommt es nicht zur befürchteten Katastrophe.
Interessant ist Kay Jacobs Roman „Kieler Dämmerung“ vor allem für Kieler, die die genannten Orte identifizieren können und viel über die Kieler Geschichte jener Jahre erfahren. Hier ist gut recherchiert worden. Weniger gelungen ist die Charakterisierung der historischen Personen. Ob Wilhelm II, sein Bruder Prinz Heinrich und die weiteren Angehörigen der kaiserlichen Familie jemals so agieren und sprechen würden, bleibt fraglich. Hier wird eine leicht karikierende Perspektive vom Autor eingenommen, die aber ihre Wirkung weitgehend verfehlt. Auch die an einigen Stellen eingestreuten Anspielungen auf die Gegenwart sind eher albern:
„Sogar wenn wir in einer Republik lebten und unser Staatsoberhaupt würde beispielsweise Bundespräsident oder dergleichen genannt werden… Stellen Sie sich vor, da steht in einer Zeitung der Verdacht, der Präsident habe sich von einem Untertan zum Urlaub einladen lassen und die Staatsanwaltschaft würde aufgrund dieses Zeitungsberichts gegen ihn ermitteln... Aber stellen Sie sich vor, der Bundespräsident würde in wilder Ehe mit einer Frau zusammenleben. Völlig unvorstellbar.“
Sowohl die Attentate, deren Urheber von Anfang an vorgestellt werden und dem Leser also bekannt sind, als auch die Ermittlungen werden so unprofessionell ausgeführt, dass letztlich keine Spannung aufkommen kann. Auch die Motive der potentiellen Attentäter bleiben eher im Dunkeln bzw. sind eigentlich nicht wirklich nachvollziehbar.
Die Auseinandersetzung zwischen den konkurrierenden Ermittlern Scheffler und Rosenbaum ist durchaus pointiert und amüsant angelegt, viele Dialoge aber sind teilweise zu belanglos. Der Roman liest sich trotzdem flüssig, auch wenn man sich zum Teil an der Wortwahl stören könnte:
„ ‚Ich rauche nicht‘, kotzte es aus dem Mann heraus.“
Ärgerlicher sind schon einige Verstöße gegen Regeln der Rechtschreibung und der Grammatik, auch wenn es sich um Druckfehler handeln sollte. Hier müsste ein Verlag sorgfältiger arbeiten können.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren