Hexensarg

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2016, Titel: 'Hexensarg', Originalausgabe

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Annette Gloser
Mord auf der Insel der Todgeweihten

Buch-Rezension von Annette Gloser Feb 2016

Im Jahr 1556 tritt Lapidius seine neue Stellung als Schellenknecht der Gemeinde Zwaanshoven an. Einst war er ein geachteter Mann, ein Wissenschaftler, der nach Gold und dem Stein der Weisen suchte, ein Ehemann und Vater. Heute ist Lapidius ein Wrack, dem Alkohol verfallen. Weib und Kinder liegen schon lange unter der Erde. Als die Gemeinde ihm genug Schnaps verspricht, lässt sich Lapidius auf die Arbeit als Schellenknecht ein. Seine Aufgabe wird es, die Aussätzigen auf der Insel Zwaanwaard zu versorgen. Sie dürfen die Insel nicht verlassen. Alles, was sie brauchen, muss ihnen Lapidius bringen. Aber schon am ersten Tag macht er einen schrecklichen Fund: Eine Kinderleiche schwimmt unter dem Steg, an dem er sein Boot festzurrt. Bald gibt es neue Leichen und Lapidius wird klar, dass ein Mörder sein Unwesen auf der Insel der Todgeweihten treibt. Und noch eine schreckliche Entdeckung macht Lapidius: Viele Gräber auf der Insel sind leer! Wohin sind die Leichen verschwunden? Der neue Schellenknecht ist der einzige Mensch auf der Insel, der den Mörder aufhalten und das Geheimnis um die verschwundenen Toten aufklären kann.

Reale Tragödie am fiktiven Ort

Um es gleich vorweg zu sagen: Der Roman spielt an einem fiktiven Ort, den der Autor sich erdacht hat. Auch die zum Leprosorium ernannte Insel im Rheindelta hat es nie gegeben. Dennoch entsteht das Gefühl, in diesem Roman etwas sehr Reales zu lesen. Wolf Serno schildert das Leben in Zwaanshoven eher zurückhaltend, vielleicht wirkt seine Beschreibung deshalb so glaubhaft. Es gibt einige wenige, dafür umso drastischer charakterisierte Protagonisten, die in der Stadt leben und dem inneren Auge des Lesers ein deutliches Bild von Egoismus, Wichtigtuerei und Kleingeist ebenso malen wie von Freundlichkeit und wahrhaftiger Nächstenliebe. Schwieriger wird es auf der Lepra-Insel, wo viele sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen und miteinander agieren. Wolf Serno hat hier sehr verschiedene Gestalten mit viel Potential angesiedelt, einige von ihnen ziemlich schräg drauf, aber die meisten dieser Figuren bleiben eher blass. Selbst Irit, jene junge Frau, in die Lapidius sich verliebt, ist nur wenig greifbar. Letztendlich beschreibt der Roman genau zweiundzwanzig Tage und das ist wahrhaftig nicht genug Zeit, um jeden Bewohner der Insel genau kennenzulernen.

Sehr deutlich dagegen schildert der Autor die Nöte der Leprakranken, ihre eher bescheidenen Wünsche und den Kampf des Schellenknechtes für seine Schutzbefohlenen gegen die Gleichgültigkeit der Zwaanshovener Bürger. Hier wird dem Leser schnell klar: Wer einmal auf dieser Insel war, der war vergessen und verloren für die Welt. Je eher er starb desto besser, desto weniger Ärger hatte die Stadt.                                                                                                                                 

Interessant und spannend erzählt

Es gibt jedoch auch immer wieder Wendungen, die zumindest verwundern. Während alle Welt einen großen Bogen um die Aussätzigen macht, geht Lapidius sehr schnell auf sie zu, nutzt ihre Gebrauchsgegenstände und hat auch keine Angst vor körperlicher Berührung. Gedanken über Ansteckung macht er sich nicht großartig, ebenso wenig wie einige andere Protagonisten in diesem Roman. So scheint das Verhalten einzelner Figuren in herbem Widerspruch zu der allgemeinen Angst vor der Krankheit zu stehen. Sehr interessant dagegen ist die Schilderung einer Aussatzschau und auch das Beschreiben verschiedener Symptome durch die Kranken. Der Autor hat hier offenbar genau recherchiert, was zur authentischen Atmosphäre des Romans beiträgt.

Wolf Serno erzählt seine Geschichte voller Elan, manchmal fast ein wenig zu gerafft. Spannung ist schnell aufgebaut und bleibt auch über weite Strecken bestehen. Nur gelegentlich flacht der Bogen etwas ab. Dennoch bleibt man stets in Versuchung, die nächste Seite umzublättern um zu lesen, wie es weiter geht. Und immer wieder gibt es Passagen, da kann man auch als unbeteiligter Leser sein Mitgefühl nicht unterdrücken, obwohl die Schilderung eher nüchtern und sachlich daher kommt. Für die Lösung des Mordfalls allerdings braucht man doch ein gewisses Gespür. Deutlich spürt man, dass Lapidius kein gelernter Detektiv ist und eher tolpatschig in Ermittlungsfragen. So ist es vielleicht auch kein Wunder, wenn die Leser schneller sind als der Detektiv.

Ein wenig mehr als nur Unterhaltung

Hexensarg bietet spannende Unterhaltung, verbunden mit interessanten Fakten. Der Knaur Verlag hat das Buch mit zwei Karten ausgestattet, von Zwaanshoven und von Zwaanwaard. Besonders für die Orientierung auf der Insel ist dies hilfreich. Der Autor hat dem Roman noch ein Nachwort beigefügt, in welchem er ein paar interessante Dinge über die Entstehung des Romans und seine Recherchen schreibt. Und so hat der Roman ein wenig mehr als nur Unterhaltung zu bieten, denn obwohl der Ort fiktiv ist, so sind doch die Fakten zum Thema Lepra es nicht. Ein Krimi mit einem hochinfektiösen Hintergrund - das kann sogar Spaß machen!

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