Die Liebe meines Vaters

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2016, Titel: 'Die Liebe meines Vaters', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Guter Einstieg, starker Mittelteil, schwacher Abschluss

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Feb 2016

Die Journalistin Sabine Eichhorst, die bisher Sachbücher veröffentlich hat, legt mit Die Liebe meines Vaters ihren ersten Roman vor.

Der erste Teil führt den Leser in das Budapest der 1930er Jahre. Der angehende Lehrer Loris Schorb reist aus einer Laune heraus nach Budapest und ist sofort vom besonderen Flair dieser Stadt verzaubert. Wer schon einmal Budapest besucht hat, wird dies nachvollziehen können. Sabine Eichhorst beschreibt mit viel Empathie das pralle Leben in dieser weltoffenen, pulsierenden Stadt. Durch die Freundschaft zum ungarischen Journalisten Bela lernt Loris auch die geheimnisvolle Eva kennen, in die er sich verliebt. Loris will dazugehören und da er sehr sprachbegabt ist, lernt er schnell die ungarische Sprache. So oft es geht reist er nun nach Ungarn, um seine Freunde zu besuchen und Eva nahe zu sein. Doch der aufkommende Nationalsozialismus in Deutschland wirft seine Schatten auch nach Budapest und das ideologische Gedankengut der Nazis findet seinen Weg in den Kreis der Freunde. Und auch die Liebe zwischen Loris und Eva steht unter keinem guten Stern.

Die Kriegsjahre

Der zweite Teil des Buches beginnt mit einem harten Bruch, denn die Handlung springt in das Jahr 1939 mitten hinein in den Zweiten Weltkrieg und der Leser muss erst einmal umdenken. Loris, der mittlerweile mit Elsa verheiratet ist und eine kleine Tochter hat, ist als Soldat an der Front. In Rückblenden wird erzählt, wie sich Elsa und Loris kennengelernt haben und wie die erste Zeit ihrer Ehe aussah. Im weiteren Verlauf der Handlung wird der Leser Zeuge, wie der Krieg Loris charakterlich immer mehr verändert. Das Kriegsgeschehen selbst bleibt dabei eher abstrakt, was den zartbesaiteten Leserinnen entgegenkommen wird. Sehr eindringlich wird beschrieben, was der Krieg aus Menschen machen kann. Die Feldpostbriefe, die Loris seiner Frau schreibt, sind anfangs noch liebevoll und voller Zärtlichkeit, mit der Zeit wird der Ton aber zunehmend ungehaltener und beleidigender. Der sympathische Sonnyboy Loris, den der Leser im ersten Teil des Buches kennengelernt hat, stumpft immer mehr ab und resigniert, je länger der Krieg dauert. Nur die Liebe zu seiner Tochter hindert ihn daran, sich völlig aufzugeben. Während Loris nicht zuletzt auch dank der reichlichen Anzahl seiner Briefe für den Leser als komplexer Charakter greifbar wird, bleibt seine Frau Elsa dagegen ziemlich blass. Auch wenn die Geschichte teilweise aus ihrer Perspektive erzählt wird, wird man aus ihr nicht richtig schlau und es fällt mitunter schwer, Verständnis für ihre Handlungen und Denkweisen aufzubringen. Elsas Charakterzeichnung ist nicht so gut gelungen wie die von Loris. Vielleicht wäre es hier von Vorteil gewesen, wenn auch Elsas Briefe Einzug in die Romanhandlung gefunden hätten, so kann sich der Leser nur anhand von Loris' Reaktionen den Inhalt von Elsas Briefen zusammenreimen.  

Der zweite Teil, der die Jahre 1939 bis 1945 erfasst, ist definitiv der stärkste Part dieses Romans. Der eher nüchterne und zurückgenommene Erzählstil unterstreicht die Hoffnungslosigkeit jener Zeit und die Briefe sprechen für sich. Die Feldpostbriefe, die Loris seiner Frau Elsa schreibt und die hier in die Erzählung mit eingebaut wurden, entstammen übrigens nicht der Phantasie der Autorin, sondern es gibt diese Briefe tatsächlich. Während Orte und Namen zum Schutz der Beteiligten von der Autorin geändert wurden, entsprechen sie inhaltlich weitestgehend den Originalbriefen und verleihen diesem Roman ein hohes Maß an Authentizität.  

Spurensuche

Der dritte Teil beginnt mit einem weiteren Zeitsprung und der Leser findet sich im Jahr 1962 wieder. Jetzt lernt er Loris' mittlerweile erwachsene Tochter Maria kennen. Maria, die sich an ihren Vater, der seit 1945 als vermisst gilt, kaum noch erinnern kann, ist unterwegs nach Budapest. So mancher Leser wird sich schon gefragt haben, was eigentlich aus Eva, Bela und den anderen Budapester Freunden geworden ist, denn im zweiten Teil haben sie keine Rolle gespielt. Ihre Schicksale erfährt der Leser erst jetzt im letzten Drittel dieses Buches und damit schließt sich der Kreis.

Im Vergleich zu den ersten beiden Teilen ist der dritte Teil der schwächste. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass er gerade mal 80 Seiten umfasst, in die nicht nur Marias Geschichte gepackt wird, sondern auch, was sich in der Zwischenzeit bei Eva abgespielt hat. Über Bela erfährt der Leser dagegen so gut wie gar nichts mehr. In dieser wie im Zeitraffer am Leser vorbeirauschenden Handlung erscheint einiges arg konstruiert und es steckt auch zu viel Heile Welt in diesem Part.     

Gelungenes Debüt

 Die Liebe meines Vaters ist alles andere als eine kitschige Liebesgeschichte vor historischer Kulisse mit Herz-Schmerz-Dramatik, auch wenn Cover und Klappentext dies suggerieren. Sabine Eichhorst erzählt sprachlich ansprechend eine bewegende Geschichte voller Liebe und Tragik, die berührt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken und die dafür sorgt, dass jener unbekannte Briefeschreiber nicht in Vergessenheit gerät.   

Die Liebe meines Vaters

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