Zeichen der Zeit

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Hoffmann & Campe, 2016, Titel: 'Zeichen der Zeit', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Vom Heranwachsen in schwierigen Zeiten

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Jan 2016

Nimmt man diesen Roman zur Hand, fällt einem sofort die besonders schöne Aufmachung ins Auge. Der Schutzumschlag erinnert optisch und haptisch an feines Pergament, er ist mit Zitaten aus dem Roman verziert, der Buchtitel, der im engen Zusammenhang zum Inhalt steht, erscheint nur auf dem Einband und schimmert durch den Schutzumschlag. Das gestalterische Gesamtkonzept dieses Buches ist bis ins Detail durchdacht und man kann dem Verlag hierzu nur gratulieren. Die Frage ist nun: Kann der Inhalt mit der Aufmachung mithalten?   

Die Romanhandlung führt den Leser nach Sachsen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, eine Zeit voller Widersprüche und tiefgreifender Veränderungen. Die beginnende Industrialisierung bewirkt ein Aufbrechen festgefahrener gesellschaftlicher Strukturen, dem seinen absolutistischen Machtanspruch verteidigenden Adel steht das aufstrebende Bürgertum gegenüber. Die im Zuge der Industrialisierung einsetzende Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte führt zu sozialen Brennpunkten, in deren Schmelztiegel eine neue Bevölkerungsschicht entsteht, das Proletariat. 1830 kommt es zu Protestbewegungen in Dresden, die zu politischen Umwälzungen führen und den sächsischen König zu Zugeständnissen zwingen.  

In diesen bewegten Zeiten wachsen in Sachsen drei Jungen auf, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber eines gemeinsam haben: Sie verfügen über außergewöhnliche Fähigkeiten.

Drei junge Burschen mit besonderen Talenten

Jakob, der als Sohn einer Prostituierten in bitterster Armut im Erzgebirge aufwächst, trifft die Härte jener Zeit, in der ein Kind nicht viel zählt, am schlimmsten. Die brutale Gewalt, die Jakob durch seine eigene Mutter erfährt, der ständige Hunger und die bittere Kälte während der langen Winter im Gebirge haben aus Jakob einen abgestumpften und emotional verkrüppelten Jungen gemacht. Tief in seinem Inneren ist er jedoch ein Schöngeist und hochbegabter Künstler mit einem unglaublichen visuellen Gedächtnis.

Der Waisenjunge Adam wiederum saugt mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit Wissen auf wie ein Schwamm, kein Buch ist vor ihm sicher. Er wächst in einem Waisenhaus unter der Obhut eines pädagogisch fortschrittlich denkenden Direktors auf, der Adams Intelligenz erkennt und fördert. Als jedoch ein sadistischer religiöser Eiferer das Zepter im Waisenhaus übernimmt und unter dem Deckmäntelchen der Religion grausame Erziehungsmethoden praktiziert, flieht Adam. Über Umwege gerät er an aufgeklärte Menschen, die das Potential des Jungen erkennen und ihm eine Ausbildung an der neu gegründeten Technischen Bildungsanstalt in Dresden ermöglichen. Das Recht auf Bildung ist nicht länger ein Privileg des Adels.  

Der Dritte im Bunde ist Ferdinand und während Adam und Jakob fiktive Charaktere sind, handelt es sich bei Ferdinand um eine historische Figur. Der als Sohn eines Büchsenmachers geborene und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Ferdinand Lange hat - genau wie Adam - das Glück, an die richtigen Menschen zu gelangen. Der Hofuhrmacher Gutkaes erkennt sein außergewöhnliches Talent für die Uhrmacherkunst und wird sein Förderer und Lehrmeister. Ferdinand Lange wird später im Erzgebirge die weltberühmte Uhrenmanufaktur Lange gründen. Da dieser Roman von der heutigen Firma A. Lange & Söhne gesponsert wird, liegt es natürlich nahe, dass das Uhrmacherhandwerk hier besondere Aufmerksamkeit genießt. 

Christoph Scheuring verbindet die Lebenswege seiner drei Protagonisten eng mit den politischen Umwälzungen jener Zeit, er lässt historische Ereignisse in die Handlung einfließen und bekannte Persönlichkeiten haben ihren Auftritt. Scheuring zeichnet ein facettenreiches Bild Dresdens zu jener Zeit und trotzdem ist sein Roman weit davon entfernt, ein historischer Roman im herkömmlichen Sinn zu sein, denn hier gibt es weder eine durchgehende Handlung noch einen klaren Plot.

Jenseits des Mainstream

Gern schweift der Autor immer wieder vom eigentlichen Thema ab und begibt sich auf Nebenschauplätze, die in keinem direkten Zusammenhang stehen. Erzählung und Dialoge münden in philosophische Abhandlungen, die bei Liebhabern auf Begeisterung stoßen werden, die dem Histo-Durchschnittsleser trotz der gut lesbaren Sprache dagegen einiges an Geduld abverlangen dürften. Auch die Gespräche der Jungen untereinander oder mit Erwachsenen münden gern in philosophische Dispute und es fällt schwer zu glauben, dass diese in schwierigen sozialen Verhältnissen aufgewachsenen Teenager zu derart tiefgehenden Reflexionen fähig sind. Die besonderen Begabungen der Jungen bleiben dagegen bis zum Schluss ohne wirkliche Bedeutung.

Der Autor schneidet Themen an, um sie dann im Sande verlaufen zu lassen, er schlägt Richtungen ein, die zu keinem Ziel führen. Die Handlungsstränge werden kaum zusammengeführt und das völlig abstruse Ende des Romans ist selbst mit viel gutem Willen nicht mehr nachvollziehbar und der Leser bleibt mit vielen offenen Fragen zurück. 

Zeichen der Zeit ist eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen und locker zusammenhängenden Episoden, gepaart mit Perspektivwechseln und Zeitsprüngen. Der Autor will seine Leser nicht mit einer netten Geschichte berieseln, sondern fordert zum Mitdenken auf. Zeichen der Zeit ist kein Buch, das man mal so nebenbei liest. Es verlangt Aufmerksamkeit, lädt zum Verweilen und Nachdenken ein und wird damit eher die Leser ansprechen, deren literarische Messlatte in der Regel höher liegt.  

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