Es geschah in Schöneberg

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2016, Titel: 'Es geschah in Schöneberg', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Wenn politisches Unheil seinen Schatten auf eine glitzernde Metropole wirft

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Jan 2016

Berlin, 1927. Leo Wechsler, soeben zum Oberkommissar befördert worden, genießt sein Leben. Er ist glücklich verheiratet, seine Schwester hat ihr eigenes Leben aufgebaut und auch die Wirtschaftskrise scheint endgültig besiegelt zu sein. Berlin ist schön, tolerant und reich - und die Modewelt ist es ganz besonders. Doch dann wird ein berühmtes Modeshaus Opfer eines Mordanschlages: zwei Vorführdamen werden mit Kontaktgift in den Kleidern verletzt. Kommt der Angriff von der Konkurrenz? Oder steckt etwas Persönliches dahinter? Während Leo Wechsler außerdem noch den Mord an einem Mann aufklären muss, der sich für die Abschaffung des Paragraphen 175 einsetzt, zeigen sich am Himmel die dunklen Wolken des aufkeimenden Nationalsozialismus. Und auch Leos Freunde und Familie fallen unter den Schatten dieses aufziehenden Unheils ...

Das Berlin der Weimarer Republik ist eine Weltstadt: Künstler aus aller Welt lassen sich in der Hauptstadt Deutschlands nieder, die Modebranche boomt und die Toleranz im Umgang mit sexuellen Neigungen zeichnen das weltoffene Berlin aus. Leo Wechslers neuer Fall führt ihn in die Welt der Mode und bringt ihn in Kontakt mit der Homosexuellenszene Berlins. Ein Giftanschlag und ein Mord - hängen die beiden Taten zusammen? Während Leo auch beruflich Widerstand gegen die Toleranz spürt, gerät auch sein Sohn in Kontakt mit der nationalsozialistischen Bewegung.

Ein spannender und faszinierender Einblick in eine weltoffene Stadt

Susanne Goga nimmt den Leser in ihrem fünften Krimi um den sympathischen Leo Wechsler mit auf eine Reise in einen Teil Berlins, der schillert und glitzert: die Modebranche rund um den heutigen Kurfürstendamm. Die Mode ist modern, entfernt sich immer weiter von der steifen wilhelminischen Mode des Kaiserreichs. Auch das Modehaus Morgenstern und Fink profitiert davon und scheint der neue Stern am Himmel des modischen Berlins zu sein.

Gleichzeitig werfen Autorin und Leser einen Blick in die Homosexuellenszene Berlins. Obwohl Homosexualität nach dem berüchtigten Paragraphen 175 nach wie vor unter Strafe stand, war es in Berlin möglich, seine Liebe zu leben. Im Graubereich zwischen Legalität und Isolation macht sich Leo Wechsler auf die Suche nach einem Mörder. Und zwischendrin kreuzen immer wieder die Schlägertrupps der SA seinen Weg.

Perfekte Mischung aus spannendem Kriminalfall und faszinierender Historie

Susanne Goga ist eine der wenigen Autorinnen, denen es gelingt, Historie und Kriminalfall zu verbinden. Häufig stehen die beiden Aspekte in einem historischen Kriminalromans isoliert nebeneinander, mindestens ebenso häufig wird ein Aspekt stark vernachlässigt. In diesem Krimi löst der Leser jedoch seinen Krimi während seiner Zeitreise. Eindrücke aus dem Berlin des Jahres 1927 wechseln sich mit den Ermittlungen ab, ohne dass beim Leser Langeweile aufkommt.

Besonders beeindruckt die Autorin, wenn sie - dezent - die ersten Schatten des Nationalsozialismus in ihren Roman zeichnet. Es bedarf keiner plakativen Szenen, um die kippende politische Stimmung darzustellen. Und gleich dem Protagonisten steht der Leser fassungslos vor der Menschenverachtung und dem Hass der braunen Bewegung - und wie bei Leo Wechsler bleibt auch beim Leser ein unbehagliches Gefühl zurück. Und der Leser, der all die Figuren aus dem Wechsler-Universum mittlerweile ins Herz geschlossen hat, wird sich immer stärker um seine Helden sorgen, denn die Machtergreifung ist nur noch wenige Jahre entfernt.

Auch Es geschah in Schöneberg ist eine absolute Leseempfehlung für all jene, die sich für diese Zeit interessieren und die einen spannenden Krimi lesen möchte. Und wer sich in der Weimarer Republik vielleicht noch nicht auskennt, kann gemeinsam mit Leo Wechsler eine neue und faszinierende Welt entdecken.

Es geschah in Schöneberg

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Letzte Kommentare:
29.02.2016 18:49:19
Marion

Ich habe das Buch in zwei Tagen gelesen. Ich bin Berlin Fan und gerade das Berlin wie es beschrieben wird ist wunderbar. Das Verbrechen läßt sich nicht einfach lösen. Die Hinweise die gegeben werden führen oft in die Irre. Auch ist es gut beschrieben wo die Lokale der Homosexuellen waren. Vor gut 40 Jahren waren sie wieder in dieser Gegend. Wer Berlin kennt, findet sich, wenn Leo unterwegs ist immer zurecht.
Diesmal geschieht ein Mord in der Nollendorfstraße. Dort findet man eine Reklame des Modehauses Morgenstern und Fink. Was ist die Verbindung. Das junge Modehaus ist nicht wie die anderen im dem alten Modezentrum sondern am Kurfürstendamm. Der entwickelt sich in den zwanziger Jahren. Susanne Goga schreibt so authentisch, als wäre man bei den Ermittlungen dabei. Damals begannen die ersten Aufmärsche der Nazis, auch diese werden erwähnt. Auch Leo erlebt einen mit. Er ist entsetzt. Damals wusste man noch nicht was daraus werden sollte.
Wieder immer sind es die Kleinigkeiten der polizeilichen Arbeit die einem erstaunen lassen. Die damaligen Möglichkeiten auf Spurensuche zu gehen sind für unsere Zeit kaum noch vorstellbar. Ich freue mich auf den nächsten Band und bin gespannt ob der noch das Ende der Zwanziger oder schon Anfang der Dreißiger spielt.