Der Teufel vom Hunsrück

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Ullstein, 2016, Titel: 'Der Teufel vom Hunsrück', Originalausgabe

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Eva Schuster
Unterhaltsame Serienmörder-Jagd im 16. Jahrhundert

Buch-Rezension von Eva Schuster Jan 2016

Frankfurt am Main im Jahr 1581: Seit ihre Mutter und ihre beiden Schwestern an der Pest starben, sind der jungen Patriziertochter Sibylle Molitor nur noch ihr Bruder Martin und ihr Vater geblieben. Vor allem zu ihrem Bruder pflegt sie ein sehr enges und vertrautes Verhältnis. Umso größer ist die Sorge, als der Gelehrte nicht von einer Reise nach Trier zurückkehrt.

Noch entsetzter ist Sibylle, als sich herausstellt, dass Martin nie in Trier angekommen ist. Sie will ihn unbedingt finden und drängt ihren Vater, ihn in Begleitung dreier Diener zu suchen. Sie hofft, dass er nur unterwegs erkrankt ist und sich nicht melden konnte, doch es fällt ihr schwer, dies zu glauben.

Unterwegs findet Sibylle zunächst mehrere Hinweise auf Martin. An der Mosel verliert sich jedoch seine Spur. Hier erfährt Sibylle, dass sich seit Jahren ein Serienmörder am Hunsrück herumtreiben soll, immer wieder verschwinden dort Wanderer. Bei ihrer Suche nach Martin trifft sie den Schriftenhändler Sebastian Wildgruber und verliebt sich in ihn. Gemeinsam mit Sebastian kommt sie dem "Teufel vom Hunsrück" immer näher ...

Einem wahren Serientäter auf der Spur

Es soll ihn wirklich gegeben haben, jenen unheimlichen Christmann Gniperdoliga, "Groperunge" genannt, der der Überlieferung nach innerhalb von rund dreizehn Jahren mehr als neunhundert Menschen ermordete. Viel ist nicht über ihn bekannt, die schriftlichen Zeugnisse sind rar. So bleibt denn viel Raum für Spekulation, den Ursula Neeb für ihren unterhaltsamen Historienroman genutzt hat 

Der Teufel vom Hunsrück spielt auf zwei Ebenen. Ein Handlungsstrang spielt im Jahr 1581 und verfolgt Sibylle Molitors verzweifelte Suche nach ihrem verschwundenen Bruder Martin. Der zweite Handlungsstrang erstreckt sich von 1566 bis ins Jahr 1581 und beleuchtet das Leben von Christman Gniperdoliga. Mit sechzehn Jahren schließt sich der aus Kerpen stammende Junge dem - gleichfalls historisch verbürgten - Mörder und Räuber Peter Nirsch an und lernt von diesem das blutige Handwerk. "Groperunge", wie er fortan von seinem Lehrmeister genannt wird, will dem Satan dienen und erweist sich rasch als kaltblütiger und fähiger Mörder. In den Jahren entwickelt er sein grausiges Können weiter und richtet sich schließlich im Hunsrück sein Versteck ein, wo sich seiner und Sibylles Handlungsstrang letztlich kreuzen.

Das Werk ist unterhaltsam, da man der sympathischen Sibylle wünscht, ihren Bruder Martin lebend zu finden. Immer wieder gibt es Szenen, in denen Groperunge ein neues Opfer auserkoren hat, die durchaus atmosphärisch und unheimlich geschildert werden. Spannung wie in einem Krimi oder Thriller darf man nicht erwarten, da das Ende zu erahnen ist, erst recht, wenn man die Überlieferung kennt. Gut eingefangen werden die historischen Gegebenheiten jener Zeit; ob Speisen, Kleidung, Berufe oder Alltagsszenen wie das Markttreiben, man erfährt viel über die damaligen Verhältnisse, ohne dass diese Informationen aufdringlich wirkten.

Solide Charaktere

Da über den realen Christmann Gniperdoliga kaum mehr als der Name bekannt ist, konnte Ursula Neeb hier ihre Phantasie reichlich walten lassen. Ihr Groperunge ist schon als Jugendlicher in Kerpen ein verschlossener Einzelgänger, der seinen Hang zu Blut auf der Jagd auslebt. Menschenleben sind ihm nichts wert, und er liebt es, seine Opfer zu quälen und ihre Pein mitzuerleben. Zudem ist er ein Meister der Täuschung, der sich gewitzt und charmant geben kann, wenn er neue Opfer zu sich lotsen möchte. Eine junge Frau, die er über Jahre bei sich behält und quält, vermag kurzzeitig so etwas wie Mitgefühl in ihm aufblitzen lassen, aber alles in allem ist es in erster Linie erstaunliche Gefühlskälte, die seinen Charakter ausmacht.

Sibylle Molitor ist eine recht sympathische Protagonistin, wenngleich sie sich von vielen weiblichen Hauptfiguren historischer Romane kaum unterscheidet: Sie hat ein gutes Herz, ist gefühlvoll und liebenswert, aber auch dickköpfig und temperamentvoll. Sie nimmt den Leser durchaus für sich ein; vor allem rühren ihre Erinnerungen an ihren geliebten Bruder an, allerdings ist sie keine sonderlich charismatische Gestalt, sondern man erhält den Eindruck, ähnlichen Frauencharakteren schon öfter begegnet zu sein. Erwähnenswert bei den Nebenfiguren ist insbesondere der Hausknecht ihres Vaters, ein knurriger älterer Mann, der unter einer etwas brummigen Fassade einen weichen Kern trägt, und die ebenso kluge wie schöne Ordensschwester Canisia, die Sibylle zur Seite steht.

Das Ende nicht ist ganz zufriedenstellend; es verärgert etwas, wie klischeehaft leichtsinnig sich Sibylle verhält und somit in Gefahr begibt. Auf der anderen Seite verhält sich auch Groperunge zu leichtsinnig, weshalb das dramatische Finale insgesamt ein bisschen zu simpel eingefädelt erscheint.

Unterm Strich liegt ein kurzweiliger, angenehm geschriebener Historienroman mit leichtem Gruselfaktor vor, der trotz kleiner Schwächen gut unterhält, wenn man in erster Linie solide Lesekost erwartet. 

Der Teufel vom Hunsrück

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Letzte Kommentare:
18.01.2020 09:43:32
Frank

Ich habe das Buch gerade gelesen. Sehr kurzweilig, spannend, manchmal grausam, aber auch schöne Landschaftsbeschreibungen. Da ich selbst seit 51 Jahren im Hunsrück lebe, kenne ich die einzelnen beschriebenen Ortschaften ganz gut. Koblenz, Zell Monzelfeld, Bernkastel Kues. Vielleicht gehe ich mal auf Spurensuche. Der Hunsrück kommt mir in dem Buch allerdings zu schlecht weg. So kalt , elend und schroff ist er nun auch wieder nicht. Aber im Mittelalter war die Bevölkerung im Hunsrück sehr arm.Fehlerntern konnten leicht zu Hungersnot führen und die Säuglingssterberate war sehr hoch.Das es keine eindeutigen Beweise für das Dasein dieses Massenmörders gibt, macht für mich das Buch noch spannender.

22.04.2019 13:44:38
Reinhold 22.04.2019

Sehr gelungenes Buch, spannend und mit historischem Hintergrund. Ich mochte es nicht mehr aus der Hand legen. Interessant die Beschreibung von Städten und handelnden Personen..

28.01.2016 15:16:21
Schnagg

Ein Roman über den vielleicht ersten deutschen Serienmörder Gniperdoliga aus dem 16. Jh.… so könnte es gewesen sein … welch überraschende Lektüre. Nach dem lesen des ersten Kapitels war ich etwas skeptisch, las es sich doch sehr seltsam. Fehlkauf dacht ich mir … Mitnichten !!! Beim weiteren Lesen wurde es immer interessanter, immer spannender. Zudem wird nicht nur aus der Sichtweise des Mordbuben erzählt. Alleine dessen Erzählungen lesen sich oft grauselig & bösartig. Die Erzählungen aus Sicht eines der Opfer hingegen lesen sich schmerzhaft & traurig u. man kann regelrecht mitfühlen. Dann wiederum überrascht die Autorin mit der amüsanten Erzählung aus Sicht von der suchenden Sibylle. Sibylle ist aber auch eine Patriziertochter die mit dem Kopf durch die Wand will. Doch auch sie wird während ihrer Suche nach ihrem vermissten Bruder immer wieder überrascht. Meint sie doch ihn zu kennen so wird sie schnell eines anderen belehrt. Für mich als Leser wurde die Spurensuche immer spannender u. ich mochte das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Ein sehr schön zu lesender Roman !

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