Jan Hus, der Feuervogel von Konstanz

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • , 2015, Titel: 'Jan Hus, der Feuervogel von Konstanz', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Farbenfrohes Gemälde eines bewegenden und bewegten Lebens!

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Jan 2016

Konstanz, im Frühsommer 1415. Schon seit langer Zeit tagt das Konzil von Konstanz, um das Schisma zu beenden. Drei Päpste zerstreiten die Christenwelt und auch sonst sieht sich die Katholische Kirche vielen Problemen gegenüber. Reformer fordern eine Rückkehr zu den christlichen Werten, ein Ablassen vom Ablasshandel und eine Ablehnung privaten Reichtums bei Geistlichen. Einer der lautesten und klügsten Prediger seiner Zeit war Jan Hus, geboren als Johannes von Husinetz, der zunächst in Prag, später in ganz Böhmen und darüber hinaus seine Auffassung von der Wahrheit des Christentums verbreitete. Doch nun wird Jan Hus als Ketzer verbrannt.

Die Freiheit stirbt nicht in den Flammen. (Jan Hus)

Jan Hus ist neben John Wycliff und Martin Luther wohl die bekannteste Figur unter den Reformatoren. Geboren im böhmischen Husinetz studierte er am Karlskolleg in Prag und erwarb schon früh den Ruf als brillanter Redner.

Tania Douglas zeichnet zum 600. Todestag des Jan Hus dessen Leben nach - nah an den überlieferten Fakten, doch mit der Freiheit der Romanautorin. Entstanden ist dabei ein lebendiger und leidenschaftlicher Roman, der ein Plädoyer für die Freiheit des Denkens ist. Es ist die Geschichte eines Menschen, der die Freiheit des Denkens verteidigte und seinen Büchern letzten Endes auf den Scheiterhaufen folgte.

Intensive Charakterzeichnung und spannende Geschichte(n)

Bei dem Versuch, diesen Roman um Jan Hus zu beschreiben, stellt man sich natürlich zuerst die Frage: ist die Figurenzeichnung gelungen? Kann ich glauben, dass Jan Hus so gehandelt, gedacht, gefühlt hat? Kann ich glauben, dass seine Feinde so gehandelt haben? Diese Fragen kann man nach der Lektüre des Buches getrost bejahen.

Tania Douglas hangelt sich am Lebenslauf von Jan Hus entlang und berichtet von bekannten Ereignissen rund um den Reformator. Die fiktiven Figuren, die ihn begleiten und sein Leben prägen, sind ebenso lebendig und fügen sich überzeugend in die Geschichte ein. Besonders beeindruckend gelingt der Autorin dabei das Verweben von Geschichte und Fiktion. Auch wenn in der Fiktion vielleicht ein Zufall zuviel stecken mag und die Figur der Aneschka ein wenig zu fortschrittlich wirken mag, so gefällt die Kombination doch sehr und trägt dazu bei, ein menschliches und lebendiges Gesicht von Jan Hus zu zeichnen: Ein von Zweifeln und Unsicherheit Getriebener, der aus tiefster Überzeugung handelt und dabei stets nach einem zutiefst humanistischen Weltbild vorgeht.

Nicht zuletzt die spannenden Nebengeschichten, auch um die fiktive Figur Aneschka, runden den Roman inhaltlich ab. Quasi als Erholung von theologischen Diskussionen und politischen Ränkeschmieden kann sich der Leser mit dem intensiven und dramatischen Schicksal dieser jungen Frau befassen, die dem Protagonisten auf ganz besondere Weise verbunden ist.

Jan Hus größter Gegenspieler erscheint zwar auf den ersten Blick wie ein Antagonist reinster Art; wer sich auf die Figuren einlässt stellt jedoch fest, dass bei Tania Douglas schwarz und weiß vergeblich zu suchen sind und auch die vermeintlich Bösen eine tragische Geschichte haben können. Die Möglichkeit der Identifikation ergibt sich auch daraus, dass die Autorin mehrfach die Perspektive wechselt und nicht nur die Helden, sondern auch ihre Gegner zu Wort kommen lässt. So bleiben dem Leser die Figuren bis zu den Nebencharakteren als wandelnde und lebendige Menschen im Gedächtnis.

Eine berührende und zugleich lehrreiche Geschichte, die auch stilistisch überzeugt

Das tragische Leben des Jan Hus ist bester Stoff für eine dramatische Geschichte. Dennoch gelingt es der Autorin, diese Geschichte weder zu überzeichnen, noch sie allzu schulmeisterlich abzuhandeln. Der Roman von Tania Douglas atmet, er lebt und pulsiert - ebenso wie seine Figuren. Auch stilistisch schafft die Autorin den Spagat zwischen der Vermittlung historischer Informationen und der Unterhaltung des Lesers. Langatmigkeit stellt sich auf den über 700 Seiten nur selten ein, und wenn der Leser nach diesem intensiven Leseerlebnis in schillernden Farben das Buch schließt, wird er in Gedanken sicherlich noch ein wenig bei Jan und seinen Wegbegleitern verweilen. Nicht zuletzt, weil die Ideen des Jan Hus sehr interessant dargestellt sind und mit Sicherheit jede Menge Stoff zum Diskutieren geben.

Und wenn man sich in Zeiten, in denen die Freiheit der Gedanken immer noch Einschränkungen erfährt und der falsche Glaube einem noch immer den Tod bringen kann, an einen Mann erinnert, der die Freiheit der eigenen Gedanken und die Freiheit, mit Gott zu sprechen, dann kann dies unabhängig davon, wie man zu Hus und seinen Ideen steht -  nur eine gute Sache sein.

Umso mehr, wenn sie so spannend und interessant erzählt wird.

Jan Hus, der Feuervogel von Konstanz

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Letzte Kommentare:
12.05.2016 17:10:38
€nigma

Zum Inhalt
Der Roman zeichnet in drei Hauptteilen das Leben des tschechischen Reformators Jan Hus von seiner Kindheit in Husinetz über seine Ausbildung an der Lateinschule in Prachatitz, sein Studium am Karlskolleg und sein anschließendes Wirken als Prediger in der Bethlehemskapelle in Prag bis zu seiner Inhaftierung und Verurteilung wegen Häresie in Konstanz nach. Wo die Quellenlage dünn ist (Jans Elternhaus und Kindheit), verwebt die Autorin Fiktion mit den Fakten. Auch Aneschka, eine angeheiratete Verwandte, mit der Jan in lebenslanger tiefer Freundschaft und (fast ausschließlich) platonischer Liebe verbunden ist, ist eine fiktive Figur. Fast alle anderen wichtigen Persönlichkeiten des Romans sind jedoch historisch.

Beurteilung
Im Fokus dieses Romans steht nicht nur die Persönlichkeit des Jan Hus, sondern auch die kirchenpolitische Situation am Übergang vom 14. zum 15. Jahrhundert, die vom Kirchenschisma (1378 -1417) geprägt ist.
Als Student wird Jan Hus mit den Schriften des englischen Reformators Wyclif(f) vertraut gemacht, die ihn begeistern. Jan nutzt seine Aufgabe als Prediger in der Bethlehemskapelle, um reformatorisches Gedankengut unter das Volk zu bringen, sind ihm die Missstände in der Katholischen Kirche doch schon lange ein Dorn im Auge. Die Darstellung der etablierten Kirche und der Versuche, Reformen einzuleiten, wird ausgezeichnet recherchiert präsentiert. Die Machthaber der Amtskirche werden in ihrer Macht- und Habgier, in ihrem von Völlerei, Unzucht und Verlogenheit geprägten Lebenswandel lebendig dargestellt. Jans Predigten gegen den Ablasshandel und den Verkauf von Reliquien stoßen bei diesen nur am eigenen Profit orientierten "Christen" auf erbitterten Widerstand, auch sein Vorgehen, den einfachen Leuten in der tschechischen Volkssprache zu predigen, stößt auf Unverständnis.
Die fiktive Figur der Aneschka, die Jan von der gemeinsamen Kindheit bis zu seinem Tod verbunden bleibt, erlaubt in ihrem Umfeld - sie ist als uneheliches Kind sozial sehr engagiert und betreibt eine Schule für die Kinder der gesellschaftlichen Außenseiter - dem Leser einen Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit. Außerdem gelingt es Tania Douglas, Jan Hus in seiner Beziehung zu Aneschka nicht nur als in geistlichen Sphären wandelnden Reformator, sondern auch als Menschen aus Fleisch und Blut darzustellen. Insgesamt besticht der Roman durch eine glaubwürdige Charakterisierung der Romanfiguren ohne unangemessene Schwarzweiß-Malerei.
Der Sprachstil ist flüssig, anschaulich und der geschilderten Epoche gut angepasst.
In ihrem Nachwort "Historische Bezüge" klärt die Autorin über den Anteil an Fiktion auf und informiert außerdem über das weitere Schicksal der wichtigsten historischen Persönlichkeiten.
Die bibliographischen Quellennachweise runden diesen sehr lesenswerten Roman ab und laden zur vertiefenden Lektüre ein.

Fazit
Ein komplexer, sehr informativer Roman, der den böhmischen Reformator Jan Hus zum 600. Jahrestag seiner Hinrichtung angemessen würdigt und dem historisch interessierten Leser fesselnde Lesestunden beschert. Ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte!