Der Jahrhundertwinter

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • List, 2015, Titel: 'Der Jahrhundertwinter', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Déjà-vu oder Wie bringt man alte Geschichten an den Leser

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Dez 2015

Richard Dübells Weihnachtsroman Der Jahrhundertwinter bringt ein Wiedersehen mit Louise und Alvin von Briest sowie deren Freunde Paul Baermann und Otto von Bismarck, allesamt liebgewordene Protagonisten aus Dübells jüngstem Roman Der Jahrhundertsturm.  Am Heiligen Abend des Jahres 1845 freuen sich auf Gut Briest Alvin und seine Frau Louise auf den Besuch des gemeinsamen Freundes Paul Baermann. Doch der Zug, mit dem Paul anreisen sollte, entgleist im Schneesturm mitten auf der Strecke. Nach bangen Stunden des Wartens machen sich Alvin und der inzwischen auf Gut Briest eingetroffene Otto von Bismarck mit einer Schar von Knechten auf den Weg, um Paul zu suchen. Währenddessen erzählt Louise ihrem kleinen Sohn Moritz eine uralte Weihnachtsgeschichte, um ihn und sich von der Angst um die Männer draußen abzulenken. Diese mittelalterliche Weihnachtsgeschichte, die den Titel "Der Hirte" trägt, wird nun zwei Drittel dieses Romans einnehmen. Zwischendurch springt die Handlung immer wieder mal zu Alvin und Bismarck sowie zu Paul Baermann, der sich mit ein paar Männern zu Fuß durch den Schneesturm kämpft, um Hilfe für die in dem entgleisten Zug festsitzenden Menschen zu holen.

"Der Hirte" - eine mittelalterliche Weihnachtsgeschichte  

Der verbitterte Ritter Rainald von Mandach befindet sich am bitterkalten Weihnachtstag anno 1197 mit seinem Sohn Johannes und seiner kleinen Tochter Blanka auf der Flucht nach Trier. Unterwegs treffen sie auf die Nonne Venia, die sich ihnen anschließt und zur unschätzbaren Hilfe wird. Es sind nicht nur Schnee und Kälte, die der kleinen Gruppe zusetzen, sie werden außerdem von einem Rudel Wölfe verfolgt und gejagt, dessen Alphatier ein verwilderter Hund ist.

Der Hirte ist keine besinnliche oder gar romantische Weihnachtsgeschichte. Sie ist unglaublich düster, blutrünstig und lange Zeit ist Hass die dominierende Emotion. Es gibt mehrere detailliert beschriebene, blutige Kampfszenen zwischen Mensch und Tier und wieder einmal werden Wölfe zu menschenfressenden Bestien gemacht und jahrhundertealte Vorurteile bedient. Dabei weiß jeder, der sich nur ansatzweise mit diesen intelligenten Tieren befasst hat, dass sie sich nie so verhalten würden wie hier geschildert. Sie würden niemals eine Handvoll Menschen aus reiner Mordlust so erbarmungslos jagen. Denn Hunger kann es nicht sein, der sie antreibt, nachdem ihnen kurz zuvor das Pferd des Ritters zum Opfer gefallen war. Der Autor stellt dies in seinem Nachwort dann zwar richtig, der leicht fade Beigeschmack von Effekthascherei bleibt aber erhalten. Dass der Autor hier mit Metaphern arbeitet, wird dem Leser erst später klar, auch der tiefere Sinn, der in dieser Geschichte steckt, kristallisiert sich erst nach und nach heraus, dann ergibt sogar der wildgewordene Hund als Leittier eines Wolfsrudels Sinn. Der Hirte ist eine durchaus lesenswerte, tiefsinnige Erzählung. 

Ein Weihnachtsgeschenk für treue Fans?

Richard Dübell schreibt in seinem Nachwort, dass er mit diesem Weihnachtsbuch seinen Lesern ein besonderes Weihnachtsgeschenk machen wollte, um sich für deren Treue zu bedanken. Nett gemeint, aber der Großteil eben dieser treuen Fans wird schon lange festgestellt haben, dass es sich bei "Der Hirte" um jene Weihnachtserzählung handelt, die bereits 2011 als Fortsetzungsgeschichte im ebook-Format erschienen ist, hier jetzt lediglich in Papierform neu aufgelegt wurde und als weihnachtliches Spin-off von Dübells jüngstem Roman Der Jahrhundertsturm verkauft wird. Nirgends wird erwähnt, dass es sich bei der nahezu zwei Drittel dieses gerade mal 187 Seiten umfassenden Buches einnehmenden mittelalterlichen Weihnachtsgeschichte quasi um einen alten Hut handelt. Die Rahmenhandlung mit den Protagonisten aus Der Jahrhundertsturm ist nichts weiter als schmückendes Beiwerk und - man muss es leider so sagen - halbherzig erzählte, austauschbare Marginalie. Man muss den Jahrhundertsturm nicht gelesen haben, um den beiden Geschichten hier folgen zu können. Noch bis kurz vor Erscheinen trug die Weihnachtsausgabe in den Vorschauen nicht nur den Titel Drei Könige, sondern sie war ursprünglich auch mit einem völlig anderen Cover versehen. Nach dem Erfolg des Romans Der Jahrhundertsturm wurden augenscheinlich kurz vor Erscheinen dieser Weihnachtsausgabe Cover und Titel an den Jahrhundertsturm angepasst und der mittelalterliche Hirte an den preußischen Erfolgszug angedockt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Statt Freude über dieses Weihnachtsgeschenk zu empfinden, wird sich bei so manchem treuen Dübell-Fan eher Unmut über diese offensichtliche Mogelpackung breit machen und mancher wird sich die berechtigte Frage stellen, was sich Verlag und Autor hierbei eigentlich gedacht haben.    

Der Jahrhundertwinter

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Letzte Kommentare:
11.12.2015 11:00:42
PMelittaM

Heiligabend 1845 auf Gut Briest, Louise und Alvin erwarten ihren Freund Paul, doch dann erfahren sie, dass sein Zug nicht angekommen ist. Während Alvin und sein Freund Otto von Bismarck einen Suchtrupp organisieren, erzählt Louise ihrem kleinen Sohn Moritz die Geschichte vom „Hirten“, eine jahrhundertealte Legende.

Im „Jahrhundertwinter“ trifft man die Protagonisten aus dem „Jahrhundertsturm“ wieder. Ich habe den Roman bisher noch nicht gelesen, man kann „Jahrhundertwinter“ problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, aber sicher ist es für Kenner des „Jahrhundertsturms“ schön, die Charaktere wieder zu treffen.

Die Geschichte splittet sich in zwei Teile. Die Rahmenhandlung um Louise, Alvin und Paul wird auch zwischendurch immer wieder aufgenommen, man erlebt nicht nur Louise beim Erzählen sondern erfährt auch, warum Pauls Zug nicht ankam und was mit den Menschen dort passierte. So wechseln immer wieder die Perspektiven, wodurch sich Spannung aufbauen kann.

Mir hat die Rahmenhandlung besser als die Legende gefallen, die Charaktere wirken authentisch und sympathisch und auch hier ergibt sich ein Abenteuer. Zudem habe ich nun große Lust, den „Jahrhundertsturm“ auch noch zu lesen.

In der Legendenerzählung ist der verbitterte Ritter Rainald mit seinen Kindern zu einem Verbündeten unterwegs, durch einen Wolfsangriff wird sein Pferd so verletzt, dass er es töten muss. Nun zu Fuß unterwegs, die Wölfe im Nacken, ist der vor ihm liegende Weg kaum zu schaffen. Die Familie trifft unterwegs die Klosterfrau Venia, die Rainald beschwört, in die nahe gelegene Stadt Trier zu gehen, doch dort will er nicht hin, warum, erschließt sich erst im Laufe der Handlung.

Die Legende muss man als solche auffassen, man darf nicht jedes Wort ernst nehmen. Im Laufe des Romans wird noch einmal ganz klar daraufhin gewiesen, dass es eine Erzählung ist, die sich durch die Jahrhunderte verändert hat und auch, dass sie metaphorisch zu begreifen ist. Dadurch relativiert sich in meinen Augen auch die Sache mit den Wölfen, die in vielen Rezensionen angesprochen wird. Wölfe jagen keine Menschen, jedenfalls nicht in der Form, wie es hier geschildert wird. Aber, dies ist gar nicht wörtlich gemeint, Louise erklärt das und Richard Dübell auch noch einmal in seinem Nachwort.

Viel schwerwiegender finde ich, dass es die Hirtengeschichte schon als Veröffentlichung gab (so mir bekannt ist, als Ebook-only), was mit keinem Wort, z. B. im Klappentext, erwähnt wird. Nimmt man diesen Part weg, bleibt nur wenig übrig, so dass man die Verkaufspolitik des Verlags und/oder des Autors an dieser Stelle schon kritisieren muss. Für mich, die beide Bücher bisher nicht kannte, nicht so schlimm, für andere sehr ärgerlich.

Dennoch möchte ich das Buch nicht danach beurteilen, sondern danach, wie es mir gefallen, mich unterhalten hat. Und das hat es, ich habe es gerne gelesen, war zwar zwischendurch schon etwas kritisch gestimmt, habe es am Ende aber zufrieden zugeschlagen. Dübell-Fans, die „Der Hirte“ noch nicht kennen, können bedenkenlos zuschlagen. Als Weihnachtsgeschichte ist das Buch nur bedingt zu empfehlen. Wer zu Weihnachten gerne besinnliche Geschichten liest oder einen Heile-Welt-Roman möchte, für den ist der Roman weniger geeignet. Die Handlung spielt in beiden Handlungssträngen zwar an Weihnachten, besinnlich sind die Geschichten, vor allem die Legendenhandlung, jedoch nicht. Allerdings gibt es natürlich schon eine „weihnachtliche“ Moral.

09.12.2015 20:12:29
Jana68

Besser als in der HC Rezension kann man es kaum auf den Punkt bringen - der "Jahrhundertwinter" ist eine Mogelpackung und ich bin offengestanden ziemlich angesäuert, denn ich gehöre zu denen, die die durchaus lesenswerte Hirtengeschichte bereits als E-Boo gelesen haben.
Das hier war völlig unnötig, gerade und vor allem, weil der "Jahrhundertsturm" ein so rundherum gelungenes Werk ist. Schade!