Sextus Valerius

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Ammianus , 2015, Titel: 'Varusgold', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Jörg Kijanski
Die Zeit nach der Varusschlacht eindringlich erzählt

Rezension von Jörg Kijanski Dez 2015

Der Zufall will es, dass der junge Sextus Valerius und sein neuer Freund Lucius Poblicius kurz nach ihrem Eintritt in die römischen Legionen an der legendären Varusschlacht teilnehmen. Doch ihr Kampfeinsatz währt nicht lange, denn schon bald wird der Tod des Anführers Varus verkündet. Heldenhaft sterben oder als vermeintliche Deserteure das eigene Leben retten? Gemeinsam mit dem Signifer Kaeso entscheiden sich die Freunde für die zweite Option und flüchten nach Aliso (dem heutigen Haltern).

 

"Ich war feige weggelaufen, als das Vaterland das höchste Opfer von mir forderte. Ich war ehrlos und durfte mich bei den Meinen nicht mehr blicken lassen. Und wenn mich dereinst der Fährmann über den Totenfluss ruderte, würden sich die Ahnen mit Scham von mir abwenden. Ich hatte die Schande gewählt und ritt einem ungewissen Schicksal entgegen."

 

Noch während des Rückzuges bemerkt Sextus, dass Lucius und Kaeso schwere Geldsäcke mit sich führen und sie offenbar das "Varusgold" den Gefallenen gestohlen haben. Es kommt zum Streit zwischen Sextus und Lucius, die fortan getrennte Wege gehen, wobei Sextus zunehmend verzweifelt nach einer Lösung sucht, den frevelhaften Geldraub anzuzeigen.

 

"Sextus Valerius. Optio der achtzehnten Legion."

"Die Achtzehnte gibt es nicht mehr, Optio. Sie ist untergegangen."

"Das weiß ich. Ich war dabei."

 

In der Folgezeit macht Lucius als Waffenschieber große Geschäfte und schlägt sich auf die Seite von Tiberius, der den im Sterben liegenden Augustus beerben soll. Er macht in der Legion seinen Weg, während Sextus sich den Gefolgsleuten von Germanicus anschließt, die von erneuten Einmärschen in Germanien träumen. Die politische Lage wird zunehmend undurchsichtiger, es kommt zu Unruhen und Aufständen in den römischen Legionen. So muss Sextus seine Pläne für ein Vorgehen gegen Lucius und dessen Handlanger immer wieder zurückstellen. Diese bekämpfen Sextus mit unlauteren Mitteln, der bei dem germanischen Stamm der Marser auf Hilfe hofft. Deren Schmied Gernot war einst römischer Gefangener bevor ihm Sextus zur Flucht verhalf. Seitdem besteht eine gewisse Freundschaft zwischen den beiden und nun soll Gernot ihm helfen, Beweise für den unerlaubten Waffenhandel zwischen Lucius und den Marsern zu liefern. Dies ist in dessen Dorf nicht unumstritten und birgt zudem unvorhersehbare Gefahren ...

Vielschichtige Zeitreise

Durch die beiden Trilogien Marcus und Marcellus ist der Gründer des Ammianus-Verlages, Michael Kuhn, bei zahlreichen Lesern historischer Romane kein Unbekannter mehr. Nun legt er mit Sextus Valerius - Varusgold den ersten von einer auf insgesamt zwei Bände ausgelegten Geschichte um die Abenteuer des im Titel genannten Protagonisten vor. Die Ereignisse drohen sich auf jeder Seite zu überschlagen, ständig gibt es neue Gefechte, Übergriffe und Scheinangriffe, ebenso wie zahlreiche Ränkespiele und Intrigen.

 

"Es gibt Männer in der Legion, die unserer Sache schaden. Sie haben geraubt und getötet."

"Tun wir das nicht alle, Centurio? Wir sind in der Legion und führen keine griechischen Tragödien auf."

 

Die diversen Legionen werden hin und her verschoben, die zahlreichen Figuren reiten und marschieren was das Zeug hält, so dass die eingangs dargestellte Inhaltsangabe nur einen sehr groben Einblick in das Geschehen gibt. Neben dem Versuch von Sextus, seinem ehemaligen Freund und dessen Kumpanen das Handwerk zu legen, gibt es interessante Einblicke in die politischen Machenschaften und Streitigkeiten zwischen Tiberius und Germanicus. Natürlich fehlen zahlreiche Tavernenbesuche ebenso wenig wie die eine oder andere Schönheit, die zusätzlich für Irritationen sorgen.

Nur kleine Kritikpunkte

Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Perspektiven erzählt. Da berichtet der Ich-Erzähler Sextus über seine Erlebnisse, während parallel über die weiteren Ereignisse in der dritten Person geschrieben wird. Dies ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Ansonsten ist die Geschichte weitgehend leicht und flüssig zu lesen, wobei die (grundsätzlich richtige) Verwendung der römischen Städtenamen das Verständnis mitunter erschwert. Zwar werden diese, wie viele andere lateinische Begriffe, in stolzen 129 (!) Fußnoten erläutert, aber natürlich nur bei ihrer ersten Nennung. Eine alphabetische Übersicht im Anhang wäre somit hilfreich gewesen; auch ein Namensregister (Dramatis personae) sucht man hier vergeblich. Wie vom Ammianus-Verlag gewohnt, ist dem Buch eine umfangreiche "Spurensuche" beigefügt. Dieser informative, rund fünfzig Seiten umfassende Anhang führt zu oberirdischen, noch heute erlebbaren Zeugnissen der damaligen Zeit.

Die vorstehenden Kritikpunkte dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sextus Valerius - Varusgold ein grundsolider römisch-antiker Roman ist, der ein facettenreiches Bild auf die damalige Zeit wirft. Wer sich für die Auswirkungen der Varusschlacht sowie das damalige römische und barbarische (sprich germanische) Alltagsleben interessiert, findet hier kurzweilige und spannende Unterhaltung. Da es sich wie erwähnt um den ersten von zwei Teilen handelt, bleiben naturgemäß noch einige Fragen (Rechnungen) offen. Auf erneute Intrigen und Gemetzel muss man sich einstellen.

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