Das Geheimnis des Medicus

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • , 2015, Titel: 'Das Geheimnis des Medicus', Originalausgabe

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Birgit Borloni
Glaube und Medizin im 15. Jahrhundert

Buch-Rezension von Birgit Borloni Nov 2015

Überlingen Ende des 15. Jahrhunderts: Die junge Simarna flieht vor der Inquisition, die sie als Hexe und Ketzerin bezeichnet und erreicht nach einer abenteuerlichen Reise Pavia in Italien, wo sie sich einer Gruppe Glaubensgenossen, den Waldensern anschließt. Ebenfalls in Pavia wird der junge Medicus Matthias Reichlin, der ebenfalls aus Überlingen stammt und den eine heimliche Liebe mit Simarna verbindet, zum Rektor der dortigen Universität gewählt. Trotz ihrer Gefühle für einander verlaufen ihre Lebenswege getrennt, kreuzen sich jedoch im Zeitalter der beginnenden Aufklärung und der Hexen- bzw. Ketzerverfolgung immer wieder.

Kirche gegen Freidenker

Mit Das Geheimnis des Medicus legt Marion Harder-Merkelbach ihren dritten Roman rund um die Medicus-Familie Reichlin aus Überlingen vor. Man kann dieses Buch zwar auch alleine für sich lesen, es empfiehlt sich aber, die beiden Vorgänger zu kennen, die vorangegangenen Ereignisse werden nur kurz erwähnt. Es reicht zwar, um einen groben Überblick über die wichtigsten Verbindungen und Konstellationen zu erhalten, aber einiges bleibt auch im Dunkeln bzw. muss sich der Leser selbst zusammen reimen.

Im Mittelpunkt steht der Kampf der Kirche gegen alle von ihr als solche bezeichneten Irrlehren und den Anhängern eben dieser. Durch Simarna erfährt der Leser einiges über den Glauben der Waldenser, die sich vom Prunk und Protz der Kirche abgewandt haben und in Armut und Demut leben. Zudem nehmen sie sich das Recht heraus, die Bibel zu lesen, in die jeweiligen Landessprachen zu übersetzen und selber zu predigen. Alles Dinge, die die Kirche als Alleinstellungsmerkmal ihrer Priester ansieht. Demgegenüber stehen modernere Ideen und Gedanken, wie die Überlegungen über die Kräfte des Kosmos und der Planeten, die auf die Erde und die Menschen einwirken und die Matthias und sein Vater Andreas, der berühmte Stadtarzt von Konstanz, anstellen und in ihre Diagnostik, Behandlungen und Therapien mit einbeziehen.

Bereichert wird dieser Gegensatz durch das Auftreten Leonardo da Vincis im letzten Drittel des Buches. In den Diskussionen über seine "Felsengrottenmadonna" zeigt sich sein Freigeist, sein Denken über die enggestrickten seiner Zeit hinaus. Als besondere Zugabe findet sich im Anhang ein Abdruck des Gemäldes (wenn auch leider in Schwarz-Weiß), so dass man die Betrachtungen noch besser verfolgen kann.

Schwächen im Handlungsaufbau

Man merkt dem Buch an, dass die Autorin ihr Metier versteht und gut recherchiert hat. Die Diskussionen und Gedanken sind interessant und faszinierend, sie formen dem Leser ein einprägsames Bild dieser Zeit und vermitteln ein Gefühl der damaligen Stimmungen und Ansichten. Allerdings gibt es deutliche Abstriche beim Handlungsaufbau. Einige Male tritt die Geschichte auf der Stelle, es zeigen sich Längen. Zudem lassen die Figuren den Leser nicht wirklich an sich heran, ihre tiefergehende Gedanken- und Gefühlswelt bleibt verschlossen, was sicher auch der nicht ganz stringenten Erzählweise geschuldet ist. Es kommt immer wieder zu Zeitsprüngen und man fragt sich, was in der Zwischenzeit passiert ist. Besonders auffällig ist das in der Beziehung zwischen Simarna und Matthias: Die Treffen sind kurz, dazwischen liegen oft Jahre und als Leser fragt man sich immer wieder, was die beiden eigentlich über ihre letzte Begegnung denken, was sie füreinander empfinden. Die Verbindung der beiden schwingt immer mit, ohne wirklich greifbar zu sein. Außerdem kommt ihnen zweimal dermaßen der Zufall zur Hilfe, damit sie sich wieder treffen, dass es den Rahmen der Glaubwürdigkeit bei weitem sprengt. Das hinterlässt einen schalen Beigeschmack.

Das Geheimnis des Medicus ist ein ungewöhnliches Buch, das dem Leser viel Wissens- und vor allem Bedenkenswertes vermitteln kann, seine Gedanken anregt, dabei aber auch viel fordert, da immer wieder genauere Erklärungen fehlen. Das Lesen der Vorgängerromane könnte eventuell einige Zusammenhänge besser klären. Die Beschreibungen von Überlingen und Konstanz sorgen für eine Portion Lokalkolorit, das Kennern der Gegend gut gefallen dürfte.

Erwähnenswert ist noch die liebevolle Ausstattung: Ein schönes, passendes Cover, ein Nachwort der Autorin, eine Karte mit den Handlungsorten und Reiserouten sowie der bereits erwähnte Abdruck von Da Vincis "Felsengrottenmadonna".

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Letzte Kommentare:
18.02.2016 12:10:18
Marion Harder-Merkelbach

Brainstorming zur Rezension von Birgit Borloni aus der Sicht der Autorin:
Die Rezensentin trifft einen Kern der Botschaft von "Das Geheimnis des Medicus".
Vielen Dank für die Rezension, die Inhaltsangabe (bitte beachten - es ist die Zeit der beginnenden Neuzeit, nicht der Aufklärung) und die lobenden Worte. Zu den kritischen Worten: Eine wesentliche Hintergrundinformation (s. Nachwort des Romans) ist zu ergänzen: In dem Roman agieren außer Leonardo da Vinci auch weitere Personen, die historisch belegt sind. Sie geben den Rahmen des Inhalts vor. Dadurch entstehen die Zeitsprünge - wie oft in Romanen und Drehbüchern nach historisch belegten Vorbildern. Und genau das ist auch der Grund, warum diese Figuren den Leser nicht wirklich an sich heranlassen. Wie sollte das gehen? Emotionen werden ja durchaus gefühlt und auch Ursachen ergründet (z. B. Inquisitor Rudolf von Baden ...) insbesondere aber bei historisch nicht belegten Personen (Simarna ..., der Henker ..., Bruder Franziskus ...). Leonardo da Vinci wurde in dem Roman anhand seiner überlieferten Tagebücher und Aufzeichnungen versuchsweise belebt. Für die anderen historisch belegten Personen gibt es diese persönlichen Quellen leider nicht. Das freie Denken soll somit auch die Gedanken des Lesers in eine ungezähmte Freiheit entlassen. Genau darum geht es unter anderem im Geheimnis des Medicus.
Danke.
Marion Merkelbach
www.marion-merkelbach.de