Um alles in der Welt

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • Oktober, 2001, Titel: 'Um alles in der Welt', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Vom deutschen Mitwirken an der Oktoberrevolution

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Nov 2015

Europa im Ersten Weltkrieg. Während die deutsche Armee an zwei Fronten kämpft, reift im Münchner Stadtteil Schwabing ein unerhörter Plan heran: der russische Zar soll gestürzt und damit das Ende des Krieges an der Ostfront eingeleitet werden. Vorsichtig werden diplomatische Kontakte zu Exilanten in der Schweiz geknüpft, sorgsam werden die Vorbereitungen getroffen. Mittendrin: der Diplomat Kai Ritter und die Künstlerin und Sozialisten Jana Landgarten. Während die beiden ihre Vision von einer besseren und friedlicheren Welt suchen, verlieren sie sich immer wieder aus den Augen, verlieben sich immer neu ineinander - und stehen doch immer wieder an verschiedenen Fronten.

Die Finanzierung der Oktoberrevolution durch das Kaiserreich ist ein eher stiefmütterlich behandeltes Thema - nicht zuletzt, weil der Kalte Krieg die Bundesrepublik und das sowjetische Rußland in zwei Lager schob. Doch entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass sich Deutschland mit dieser Aktion einen gefährlichen Feind im Zweiten Weltkrieg heranzüchtete - denn ohne Bolschewismus keine Sowjetunion, ohne Lenin kein Stalin.

Diplomatisches Fingerspitzengefühl gegen revolutionäre Leidenschaft

Die Idee - so stellt es uns der Roman vor - wird im Münchner Vorort Schwabing geboren, dem studentischen und künstlerischen Zentrum der bayrischen Landeshauptstadt. Auch sozialistische und marxistische Strömungen finden sich dort. Hier knüpfen der angehende Diplomat Kai Ritter und die Künstlerin Jana Landgarten erste zarte Bande - und planen die sowjetische Revolution, die, so der Wunsch Janas, irgendwann die ganze Welt erfassen soll.

Doch Deutschland und das Zarenreich liegen im Krieg - offizielle Kontaktaufnahme ist unmöglich. Und so muss in Hinterzimmern, in engen Kneipen und mit Geflüster auf inoffiziellen Kanälen die Finanzierung der Oktoberrevolution in die Wege geleitet werden. Michael Molsner stellt die diplomatischen Verwicklungen ebenso gekonnt dar wie die Stimmung in Schwabing und in der sozialistischen Szene in Deutschland. Hier ist es jedoch hilfreich, wenn der Leser einige Vorkenntnisse besitzt, da der Autor zwischen vielen Orten und Begebenheiten springt und nicht alle handelnden Personen einzeln vorgestellt werden.

Unterhaltsam und spannend - und gleichzeitig enorm informativ

Die Darstellung diplomatischer Ränkeschmiede kann in der Feder eine mittelmäßigen Autors schnell langweilig werden - Michael Molsner jedoch gelingt es, den politischen Hintergrund ebenso wie die Machtspiele spannend und unterhaltsam darzustellen, auch für den Leser, der sich mit solcher Lektüre eher selten befasst. Die vermittelten Informationen erschlagen den Leser zunächst ein wenig, etwaige Verwirrungen lösen sich jedoch schnell auf.

Besonders positiv fällt die Charakterzeichnung auf. Mit viel Humor und Augenzwinkern stellt der Autor die historischen Persönlichkeiten vor und auch die fiktiven Charaktere, allen voran Kai Ritter und Jana Landgarten, wissen zu überzeugen und unterhalten den Leser. Ein empfehlenswertes Buch für jene, die sich für dieses historische Ereignis und diplomatische Verwicklung allgemein interessieren.

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