Blut und Seide

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2015, Titel: 'Blut und Seide', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Gewalt, Grausamkeit und Blutvergießen

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Nov 2015

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wächst auf der Kauzenburg bei Kreuznach der Waisenknabe Simon von Montfort als Ziehsohn des Grafen Johann von Sponheim auf. Heinrich, der junge Bruder des Grafen, betrachtet Simon von Anfang an als Rivalen. Beide werden zu Rittern ausgebildet und über die Jahre werden sie zu erbitterten Feinden. Die Situation eskaliert, als sich Simon in Heinrichs Verlobte Christina verliebt, was auch erwidert wird. Doch Christina muss die arrangierte Ehe mit Heinrich eingehen und lernt als seine Ehefrau die Hölle auf Erden kennen.

Realität statt Mittelalterromantik

Klappentext und Cover suggerieren zwar eine genretypische Liebesgeschichte vor historischer Kulisse, doch dieser Roman entpuppt sich recht schnell als einer, der sich vom üblichen Mainstream abhebt. Das, was die Autorin ihren Lesern hier präsentiert, ist keine idealisierende Mittelalterstory, sondern ein opulentes Sittengemälde einer Zeit, die von Gewalt und Krieg, Unrecht und Intrigen geprägt war. Das Fehdewesen und regionale Kleinkriege spielen eine große Rolle, genauso wie die Auseinandersetzungen zwischen dem römisch-deutschen König Rudolf von Habsburg und dem böhmischen König Ottokar, die in blutige Schlachten münden, deren Gemetzel die Autorin genauso detailliert beschreibt wie das unsägliche Leid, das diese Kriege über das einfache Volk bringen. In diesen unruhigen Zeiten, in denen ein Menschenleben nicht viel galt, war das Leben ein täglicher Kampf und die Autorin räumt gründlich mit der romantischen Vorstellung des edlen und ehrenvollen Rittertums auf, das es so wohl nur in Mythen und Heldenepen gegeben haben wird.

Simon von Montfort, sein treuer Diener Michel und Christina sowie deren Gegenspieler Heinrich sind die handlungstragenden Figuren dieses Romans. Ihre Lebenswege sind der rote Faden, der sich durch die komplexe Handlung zieht. Die berührende Liebesgeschichte zwischen Simon und Christina ist dezent erzählt und dominiert die Handlung nicht, sondern tritt immer wieder in den Hintergrund, sie ist erfreulich kitschfrei und kommt völlig ohne überzuckerte Herz-Schmerz-Prosa aus.

Der einnehmende Erzählstil der Autorin nimmt den Leser vom ersten Augenblick an gefangen, und obwohl sie nah an der Realität scheibt, gelingt ihr dies auf spannende und unterhaltsame Art und sie stellt entgegen landläufiger Meinung unter Beweis, dass ein historischer Roman, der nah an den Fakten bleibt, den Leser bestens unterhalten kann. Geschickt verwebt Marita Spang Historie und Fiktion, mit Fingerspitzengefühl nimmt sie hier und da kleine Korrekturen zugunsten der Dramaturgie vor. Blut und Seide ist eine bis ins kleinste Detail durchdachte Geschichte, die nicht vorhersehbar ist und den Leser immer wieder mit interessanten Wendungen überrascht. Sie vermittelt ein facettenreiches Bild einer von Gewalt geprägten Zeit, gepaart mit Einblicken in Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche bis hin zu Kleidung und Speisen etc. 

Charakterzeichnung par excellence

Einen historischen Roman mit so ausgefeilten Figuren wie hier findet man selten und es spielt keine Rolle, ob es sich dabei um Hauptcharaktere oder Nebenfiguren handelt. Schwarz-Weiß-Malerei sucht man hier vergeblich. Gerade die Hauptfiguren Simon, Michel und Christina sind keine unfehlbaren Helden. Sie agieren zutiefst menschlich, haben charakterliche Stärken und Schwächen, sie treffen falsche Entscheidungen, dürfen Fehler machen und sich weiterentwickeln. Selbst der psychopatische Bösewicht Heinrich bekommt Konturen und wird in sämtliche Winkel seines sadistischen Wesens ausgeleuchtet. Dass die Autorin Psychologin ist, dürfte bei der Figurenzeichnung keine unwesentliche Rolle gespielt haben.

So ist auch Christina keine dieser unfehlbaren Jetztzeit-Barbies auf Mittelaltertrip, sondern die Autorin hat mit ihr eine starke weibliche Hauptfigur geschaffen, die sich in den Grenzen ihrer Zeit bewegt. In dieser Zeit, als Frauen zeitlebens unter der Vormundschaft männlicher Familienmitglieder standen, waren ihre rechtlichen Möglichkeiten stark eingeschränkt und das wird bei Christina besonders deutlich. Gewalt gegen Frauen war ständig präsent, brutale Vergewaltigungen und Schändungen waren an der Tagesordnung; hier nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund, sondern nennt die Dinge beim Namen. Und das sind beileibe keine zum Wohle der Dramaturgie getunten Szenen in bester Wanderhuren-Manier, sondern nüchtern erzählte Fakten, die für sich sprechen und beim Leser Betroffenheit und Wut auslösen. 

Sprachliche Qualität

Hervorzuheben ist der sprachlich ansprechende Erzählstil der Autorin. Sie begeht nicht wie viele ihrer Autorenkollegen den Fehler, ihren Protagonisten Begriffe und Redewendungen der Gegenwart in den Mund zu legen. Gerade die Dialoge sind in einem herrlich antiquierten Deutsch gehalten und es ist ein Genuss, diese zu lesen. Dass der Roman damit eine weitere Aufwertung erfährt, liegt auf der Hand.

Ausführlicher Anhang und liebloses Cover

Der Roman wurde vom Verlag mit einem umfangreichen Anhang ausgestattet, in dem sich neben zwei Landkarten, einem Personenverzeichnis und einem Glossar auch eine Auflistung weiterführender Literatur befindet sowie ein ausführliches Nachwort der Autorin, in dem sie auf die wesentlichen Unterschiede zwischen Wahrheit und Fiktion eingeht. Bedauerlich ist jedoch, dass dieser herausragende Roman mit einem jener genretypischen 08/15-Einheitscover bestraft wird, dessen Titelbild mit dem Ausschnitt des 1841 von Joseph Stieler gemalten Porträts der Griechin Katharina Botzaris unpassender nicht sein könnte. 

Blut und Seide

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Letzte Kommentare:
24.06.2016 15:40:38
PMelittaM

1259 – 1281: Simon von Montfort wird nach dem grausamen Mord an seinen Eltern von seinem Paten Johann von Sponheim aufgenommen. Dessen Bruder Heinrich fühlt sich zurückgesetzt und verfolgt Simon von Kindheit an mit seinem Hass. Simons Leben verläuft sehr wechselhaft und ist in die politische Lage des Reiches eingebunden.

Der Klappentext lässt ein bisschen befürchten, dass das Liebesdrama allzu sehr im Mittelpunkt stehen könnte, und zu Beginn schien die Geschichte auch ein bisschen klischeehaft werden zu wollen. Gut, dass dem nicht zu ist, am Ende hatte ich einen spannenden und oft nicht vorhersehbaren Leckerbissen unter den historischen Romanen verspeist.

Von Anfang an überzeugt mich, wie Marita Spang erzählt, die Sprache wirkt der Zeit sehr gut angepasst, erzählt wird sehr bildhaft, so dass man schnell das Gefühl hat, dabei zu sein. Letzteres wird auch dadurch vermittelt, dass man viel über das Leben der damaligen Zeit erfährt, z. B. darüber, wie die Burgherren mit den ihnen Unterstellten umgingen, über Rittertugenden oder welche Stellung Frauen hatten. Auch die negativen Seiten der damaligen Zeit kommen dabei nicht zu kurz und machen den Roman manchmal etwas düster, vor allem auch, wenn Gewalttaten allzu explizit erzählt werden, jedoch gehört auch das zum damaligen Leben. Die Geschichte ist, wie bereits erwähnt, spannend und hat mich immer wieder überrascht. Sehr schnell war ich gefesselt, emotional sehr gepackt und neugierig auf die historischen Hintergründe. Durch Perspektivewechsel wird die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und die Spannung erhöht.

Die Charaktere sind sehr gut gelungen und größtenteils ohne Schwarz-Weiß-Färbung. Marita Spang zeigt z. B. sehr gut auf, dass auch der beste Charakter sich verdüstern kann. Nur der Antagonist, Heinrich, ist mir insgesamt zu negativ gezeichnet, ein paar, wenn auch kleine, weiße Flecken, hätten ihm womöglich gut getan. Die Protagonisten Simon und Christina gefallen mir beide gut, der Autorin ist es gelungen, sie glaubhaft darzustellen. Die Perspektivewechsel tragen viel dazu bei, die einzelnen Charaktere tiefgehend zu zeichnen und ihre Beweggründe verständlich zu machen. Besonders gut hat mir der Waffenknecht Michel gefallen, dessen historische Person die Autorin überhaupt erst dazu inspiriert hat, den Roman zu schreiben.

Wie jeder gute historische Roman hat auch „Blut und Seide“ (der Titel wird übrigens im Roman angesprochen, das fand ich richtig gut!), einige Extras zu bieten, neben zwei Karten und einem Personenregister, in dem die historischen Persönlichkeiten (und das sind nicht wenige) kenntlich gemacht wurden, gibt es ein umfassendes Glossar, das die vielen „Fachbegriffe“ der mittelalterlichen Welt, die im Laufe des Romans benutzt werden und die zur Authentizität der Erzählung viel beitragen, erklärt, sowie ein Verzeichnis der wichtigsten Quellen. Sehr gut ist auch das Nachwort der Autorin, in dem sie auf Fakten und Fiktion eingeht.

Insgesamt ist Marita Spang ein wunderbarer, gut recherchierter und prall gefüllter historischer Roman gelungen, der mich einfach nur begeistert hat und den ich allen Genrefans ans Herz legen möchte.

09.02.2016 16:47:55
manu63

In ihrem historischen Roman Blut und Seide verquickt die Autorin Marita Spang belegte Geschichte zusammen mit gut recherchierter Fiktion. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Leben von Simon von Montfort, der seine Eltern früh durch einen Überfall verloren hat. Aufgewachsen bei einem Ziehvater reift er über verschiedene Stationen zu einem edlen und tapferen Ritter heran. Natürlich darf die Liebe in solch einem Roman nicht fehlen und so verliebt sich Simon in die Tochter seines Dienstherren. Diese Liebe bleibt aufgrund verschiedener Umstände erst einmal unerfüllt und Christina muss sich mit dem brutalen Heinrich vermählen. Das Leben von Simon wird begleitet von Michel einem Metzgerssohn aus Kreuznach dessen Geschichte belegt ist.

Marita Spang versteht es die damalige Zeit mit den politischen und gesellschaftlichen Details lebendig werden zu lassen und lässt auch die Grausamkeiten dieser Zeit nicht außen vor. Auch die Rechte und Pflichten der Frauen zu dieser Zeit werden gut beleuchtet und der Leser erhält einen guten Einblick in damalige Verhältnisse. Ein Glossar über Personen und damals gebräuchliche Worte und Gegenstände vervollständigen die Informationen die notwendig sind um die Geschichte gut zu verstehen.

Mit hat der Roman sehr gut gefallen und die Charaktere wurden gut gezeichnet, egal ob es um die Guten oder Bösen geht. Wobei sie meist geprägt sind durch die damaligen Verhältnisse. Insgesamt hat mir der Roman viele interessante und gute Lesestunden bereitet. Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar, die Spannungsbögen gut geschlagen und die Autorin verzichtet auch auf langatmige oder langweilige Zeilenfüller.

25.01.2016 21:08:29
Klusi

Deutsches Reich zur Mitte des 13. Jahrhunderts:
Schon als kleines Kind verliert Simon von Monfort seine Eltern bei einem brutalen Überfall. Wie durch ein Wunder überlebt er, und Johann von Sponheim, der beste Freund seines Vaters, nimmt ihn als Ziehsohn auf. Von klein auf ist Simon den Schikanen von Johanns jüngeren Bruder Heinrich ausgesetzt, der keine Gelegenheit auslässt, den Kleinen zu drangsalieren.
Jahre später verliebt sich Simon ausgerechnet in Christina von Katzenelnbogen, denn diese ist Heinrich schon seit ihrer Kindheit versprochen. Obwohl Christina sich ebenfalls zu Simon hingezogen fühlt und sich vor einer Ehe mit dem gewalttätigen, unsympathischen Heinrich fürchtet, ist ihr Vater, Eberhard von Katzenelnbogen, nicht gewillt, von dem damals geschlossenen Verlöbnis zurückzutreten. Der frustrierte Simon sucht sein Heil im Kampf und dient sich dazu unterschiedlichen Herren an. Dabei gerät er immer wieder zwischen die Fronten der Herrschenden. Es war eine unruhige Zeit der Kriege und Fehden, und man erlebt, durch Simons Augen, die kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Rudolf I. von Habsburg und dem böhmischen König Ottokar mit. Als Ritter von Ehre ist sich Simon nicht sicher, welcher Seite er dienen soll, denn beide Könige stellen sich als unberechenbar und korrupt heraus und handeln nicht immer politisch korrekt, sondern sind in erster Linie auf ihre eigenen Interessen bedacht. Auch die Suche nach dem Mörder seiner Eltern bringt den jungen Ritter in so manche bedrohliche Situation, wäre da nicht sein treuer Knecht und zugleich bester Freund Michel, der ihn in seinem Kummer tröstet und berät und so manches Eisen für Simon aus dem Feuer holt.
Und immer wieder kommt es zu schicksalhaften Begegnungen mit dem verhassten Heinrich.

Grundstock für Marita Spangs zweiten historischen Roman bilden die geschichtlich Gegebenheiten rund um Kreuznach im 13. Jahrhundert, welche ihren legendären Höhepunkt, im Jahr 1279, in der Schlacht bei Sprendlingen finden. Dabei fließen sehr viele reale Geschehnisse in die Handlung ein, und man begegnet auch zahlreichen historischen Persönlichkeiten von damals.
In Gegensatz zu den fiktiven Charakteren Christina und Simon hat es den Metzgersohn Michel wirklich gegeben, und er ist eigentlich die heimliche Hauptperson der Geschichte. Was es mit ihm auf sich hat und wie sich sein Schicksal erfüllt, erfährt man im letzten Teil des Buches.
Egal ob fiktiv oder real, die Charaktere dieses großartigen Romans sind allesamt sehr ausdrucksstark und vielschichtig gezeichnet. Auch die sympathischen Figuren, wie beispielsweise Christina oder Simon, sind nicht tadellos oder unfehlbar, sondern haben ihre Schwächen und treffen so manche falsche Entscheidung, aber genau darum wirken sie so realistisch, eben einfach menschlich. Man kann ihre Gedankengänge und Beweggründe manchmal nur schwer nachvollziehen, da sie sich oft grundlegend von unserer eigenen heutigen Einstellung unterscheiden. Immer wieder stellt man fest, wie wenig eine Frau damals galt und in der Gesellschaft zu sagen hatte, das wird gerade an Christinas Beispiel in erschütternder Weise deutlich.
Die Autorin schenkt ihren Protagonisten nichts; sie verlangt ihren Helden viel ab, und mit ihrer lebhaften, authentischen Erzählweise und der auf die Zeit angepassten Sprache schafft sie eine reale, bildhafte Atmosphäre.
Der Roman hat Suchtcharakter, und ich war so gefesselt, dass ich ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Hand genommen und die über 800 Seiten innerhalb weniger Tage fertig gelesen habe. Der realistische Blick auf ein Kapitel deutscher, mittelalterlicher Geschichte, ist einfach großartig, und die hier geschilderten Ereignisse und Schicksale werden mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

29.12.2015 20:48:43
mabuerele

„...Wir stellten uns Schlachten als Felder der Ehre vor. In Wahrheit war jede Schlacht, die ich mitgemacht habe, ein furchtbares Gemetzel...“

Wir schreiben das Jahr 1259. Graf Johann von Sponheim steht vor der Leichen seines Freundes Graf Raimund von Montfort, seiner Frau und aller Begleiter. Meuchelmörder haben die Familie fast ausgelöscht. Überlebt hat nur Simon, der kleine Sohn des Paares, den seine Mutter in einer Kiste in der Kutsche versteckt hat. Graf Johann nimmt den Jungen mit auf seine Burg. Der Graf hofft, dass ihn die Kette mit dem heidnischen Anhänger, die er am Tatort fand, zu den Mördern führt.
Die Autorin hat einen fesselnden und abwechslungsreichen historischen Roman geschrieben. Das Buch lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen.
Ein Grund dafür sind die ausgezeichnet charakterisierten Protagonisten. Graf Johann von Sponheim ist ein gerechter Herrscher, der auch neue Wege geht. Das sorgt für blühende Dörfer und Städte in seinem Wirkungsbereich. Liebevoll kümmert er sich um Simon. Er vermittelt ihm die Tugenden des Rittertums. Das ganze Gegenteil ist Heinrich, sein jüngere Bruder. Weil er ein Nachzügler ist, sieht seine Mutter über seine Fehler hinweg. Aber Heinrich lässt schon als Kind erkennen, dass er psychopathische Züge hat. Sein bevorzugtes Opfer ist Simon, den er für einen Weichling hält. Strafen und Ermahnungen führen nicht zur Einsicht, nur zu neuen Hassgefühlen.
Christina, die weibliche Protagonistin, ist das einzige Kind von Graf Eberhard von Katzenelnbogen. Deshalb legt ihr Vater Wert auf einen Schwiegersohn, der Land und Gut zusammenhalten kann und eine große Hausmacht hinter sich weiß. Als Kinder werden Heinrich und Christina einander versprochen. Die junge Frau aber kann mit den typisch weiblichen Beschäftigungen nichts anfangen. Als Simon zur Ausbildung auf die Burg von Graf Eberhard kommt, bittet Christina ihn, sie im Waffenhandwerk auszubilden.
Der Schriftstil des Buches ist angenehm lesbar. Immer wieder ist spürbar, dass hinter der Geschichte eine ausführliche und exakte Recherche steckt. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Simon und Christina. Heinrichs Intrigen und Gewalttätigkeiten sorgen für stets neue Spannungen und unerwartete Entwicklungen. Das aber ist gekonnt in den historischen Kontext eingebettet. Die Kriege Rudolphs I. von Habsburg und die Fehde der Rheingrafen mit dem Erzbischof von Mainz spielen dabei eine entscheidende Rolle. Simon glaubt an die Tugenden eines Ritters. Schön wird herausgearbeitet, wie das Leben ihn lehrt, dass die nur ein Traum sind. Das edle Rittertum gab es nie. Es geht allein um Macht und Besitz. Das Verhalten des Königs gegenüber seinem Gegner lässt Simon aufwachen. Die Autorin versteht es, durch ihren Erzählstil dafür zu sorgen, dass ich mit den Protagonisten hoffe und leide und das Auf und Ab ihres Lebensweges mit Spannung verfolge. Der Engel an Simons Seite, selbst in seinen bittersten Stunden ist der Metzgersohn Michel, der ihm dient. Auch wenn er äußerlich alles andere als ein Engel ist, versteht er es, Simon wieder auf den rechten Weg zu bringen. Höhepunkte in der sprachlichen Gestaltung sind einige der Dialoge. Obiges Zitat sagt Simon zu Christina vor der Schlacht. Die Regeln des höfischen Lebens sowie Kleidung und Essen werden so genau beschrieben, dass ich sofort ein Bild im Kopf hatte. Positiv fand ich, dass über die Grausamkeiten der Schlachten eher verhalten berichtet wurde und blutige Details nur selten eine Rolle spielten. Es gibt viele Dinge, die noch erwähnenswert wären, doch alles anzuführen, würde diese Rezension sprengen.
Eine Karte und ein ausführliches Personenregister zu Beginn, ein Verzeichnis der Quellen, ein Glossar am Ende und ein Nachwort, das Fiktion und Wahrheit trennt, ergänzen das Buch.
Das Cover in Dunkelblau mit der Silhouette der Stadt und der jungen Frau passt zum Geschehen.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Spannende Handlung, sympathische Protagonisten mit Ecken und Kanten, historische Detailtreue machten das Lesen zum Vergnügen. Die Autorin hat gründlich mit der edlen Ritterehre aufgeräumt und gezeigt, dass immer der kleine Mann das Opfer von Machtkampf und Intrige war.

17.11.2015 16:00:39
Mohnblume

Schon mit großer Begeisterung habe ich ihren 1. Roman Debüt "Hexenliebe " gelesen. Mit ihrem 2. Roman " Blut und Seide erging es mir nicht anders.

Meine Zusammenfassung und Reszission zum Roman:

Im Mittelpunkt ihrer Handlung stehen der junge Waise Ritter Simon von Montfort, der seine Eltern als kleines Kind bei einem heimtückischen Überfall auf die Elterliche Burg verlor. Sein Ziehvater Johann von Spohnheim hatte sich seiner angenommen und zog ihn auf. Alles hätte so schön verlaufen können wäre da nicht der jüngere Bruder von Johann, dieser Heinrich, der ihm von klein auf piesackte und das Leben schwermachte. Heinrich ist ein Hinterhältiger und brutaler Kerl. Unglücklicher Weise verliebt sich Simon ausgerechnet in Christina von Katzenellenbogen, eine Liebe die nicht sein darf und etwas an Romeo und Julia mich erinnert. Den Christina ist von Klein an Heinrich versprochen worden. Der armen Christina bleibt nicht anders übrig als sich zu Fügen , die Ehe mit Heinrich ist das reinste Martyrium, er misshandelt sie wo er nur kann , ein Schrecken ohne Ende. Heinrich ist von Rachsucht , Gier und Neid getrieben auf seinen Bruder Johann , wie auf seinen Nebenbuhler Simon und dessen Freund Michel. Simon ist ein sehr treuer und ergebener Vasal , er kämpft gegen den König von Böhmen an der Seite von König Rudolf und ist Johann Treu ergeben als es um Johann und Spohnheim geht. Er , Michel und Christina kämpfen für ihr Land, ihre Liebe und ziehen gegen Heinrich in die Schlacht. Ein Ende mit viel Leid und bitteren Verlusten. Wer am Ende die Schlacht gewinnt ,wer unterliegt und ob Simon und Christina ihr Glück finden , steht in den Sternen. Eine Geschichte mit vielen unvorhergesehenen Wendungen.

Zur Autorin:

Marita Spang ist eine herausragende Historische Schriftstellerin. Ihr neuer Roman hat Tiefgang und ist sehr gut recherchiert. Er übertraf all meine Erwartungen. Sie hat sehr geschickt Fiktives mit wahrem Historischen Hintergrund mit einander verwebt. Sie hat einen großen Facettenreichen Spannungsbogen geschaffen. Ihre Einzelnen Protagonisten kommen sehr real, lebendig und glaubhaft herüber. Die einzelnen Charaktere ob gut oder böse sind hervorragend herausgearbeitet. Man kann sich während des Lesens in die Gefühle , Emotionen und ihre Ängste hinein versetzen, wird eins mit den Personen. Auch das Geschichtliche kommt nicht zu kurz, und ist sehr gut wieder gegeben. Ob es um König Rudolf , den Böhmischen König Ottokar, den Erzbischof von Mainz oder die vielen anderen Adeligen geht. Es geht um eins um Macht, Intrigen, Ränkespiele, Verrat, das Sinnlose Morden und die blutigen Schlachten und Kriege. Hier kommt sehr viel fundiertes Wissen über die Geschichte der Spohnheimer herüber . Ein Roman in dem man Versinken kann.



" Ein großer mitreißender m Facettenreicher Historischer Roman "

Den man unbedingt lesen muss !