Das Herz der Alraune

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2015, Titel: 'Das Herz der Alraune', Originalausgabe

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Karin Speck
Heilkunst, Liebe und Verfolgung

Buch-Rezension von Karin Speck Nov 2015

Montpellier im Jahr 1492. Hier studiert Luzia Gassner Medizin. Natürlich kann sie dies nicht einfach so, sie muss sich als Mann verkleiden. So gelingt es ihr dieses Studium abzuschließen, aber dann droht ihre Tarnung aufzufliegen und Luzia muss die Flucht antreten. Sie macht sich auf in ihre Heimat an den Bodensee nach Überlingen. Hier kann sie zunächst ihr erlerntes Wissen anwenden und darf gemeinsam mit ihrem früheren Geliebten, dem Medicus Johannes von der Wehr, praktizieren. Doch dieses Glück wehrt nicht lange, schon bald droht ihr neue Gefahr und sie muss erneut um ihr Leben fürchten.

Das Herz der Alraune ist der zweite Band um das Leben von Luzia Gassner, er setzt allerdings acht Jahre nach dem Ende von Seelenfeuer an. Somit kann er problemlos einzeln gelesen werden. Sehr kleine Rückblenden lassen erahnen, was Luzia in ihrem jungen Leben schon alles mitgemacht hat.

Zunächst schildert die Autorin die Ereignisse in Montpellier, erzählt von dem Leben dort und von dem Studium der Medizin. Luzia als Hebamme interessiert vor allem die Frauenheilkunde und so erfährt der Leser scheinbar nebenbei, was es zu dem Thema im 15. Jahrhundert wissenswertes gab. Dann überschlagen sich die Ereignisse und Luzia ist gezwungen, die Stadt zu verlassen. So wechselt der Schauplatz an den Bodensee. Hier begegnen ihr alte Bekannte wieder und zunächst scheint es auch so zu sein, als wäre alles gut, aber Neid und Missgunst sorgen dafür, dass auch hier keine Ruhe einkehrt und Luzia erneut um ihr Leben fürchten muss. Die Ereignisse überschlagen sich und dem Leser bleibt nicht viel Zeit, um zu Atem zu kommen. Allerdings ist die Handlung auch ein wenig vorhersehbar und es überrascht nicht wirklich, dass Luzia wieder in den Fokus der Hexenverfolgung gerät.

Bildhafter Erzählstil zieht den Leser förmlich an

Der Erzählstil der Autorin ist zwar leicht lesbar, aber trotzdem facettenreich und bildhaft. Mit eindrucksvollen Worten schafft sie es den Leser in den Bann dieser Geschichte zu ziehen und ihn Anteil daran haben zu lassen, wie Luzia es schafft, sich ihren Platz im Leben zurückzuerobern. Hier wird vor allem deutlich, dass eine Frau es eben nicht so einfach weggesteckt hat, wenn sie mal als Hexe angeklagt war und dementsprechend leiden musste. Immer wieder gibt Haller Einblicke in das Seelenleben ihrer Protagonistin. Dadurch kann man gar nicht anders als mit Luzia mit zu fiebern und zu leiden.

Schöne Mischung aus Liebesroman und historischem Wissen der Medizin

Neben der Schilderung der Medizin ist dies aber auch ein Liebesroman. Das Herz der Alraune erzählt von der Liebe zweier junger Leute, die das Schicksal getrennt hat. Die dann oder gerade deswegen über sich hinauswachsen, um wieder zusammenzufinden. Die Mischung aus Liebesroman und historischem Hintergrund ist der Autorin gut gelungen. Die Einblicke in die Welt der Frauenheilkunde dieser Zeit sind interessant. Sie sind elegant mit der Geschichte rund um Luzia verwoben und wirken authentisch und glaubwürdig.

Gelungene Fortsetzung

Das Buchcover zeigt eine junge Frau, die auf eine Stadt am Horizont schaut. Diese Frau könnte durchaus Luzia sein, die auf ein Leben in Frieden und Freiheit hofft. Es passt gut zu der Geschichte im Buch. Ein Nachwort zum Schluss klärt Fiktion und Wahrheit und eine Bibliografie verrät, wo der geschichtsinteressierte Leser noch mehr über den Hintergrund dieser Zeit erfahren kann.

Das Herz der Alraune ist eine gelungene Fortsetzung zu Seelenfeuer und erzählt, wie es im Leben dieser jungen Frau weitergeht, nicht ohne noch ein paar kleine lose Fäden da zu lassen, die von einer weiteren Geschichte erzählen könnten. 

Das Herz der Alraune

Das Herz der Alraune

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Letzte Kommentare:
13.01.2016 18:10:01
€nigma

Zum Inhalt
Der Roman knüpft an den ersten Band ("Seelenfeuer") lose an, Luzia Gassner hat nach den traumatischen Erlebnissen mit der Katholischen Kirche und ihren selbsternannten Hexenjägern Ravensburg verlassen und - als Jüngling verkleidet, denn Frauen ist das Medizinstudium nur an der Universität Salerno erlaubt - in Montpellier Medizin studiert. Sie erreicht ihr Ziel, Medica zu werden, muss aber aufgrund ihrer "Enttarnung" als Frau die Stadt verlassen. Sie flieht nach Überlingen am Bodensee, wo ihr ehemaliger Verlobter Johannes von der Wehr als Medicus im St.-Gallus-Hospital tätig ist. Durch Vermittlung ihres alten Mentors Pater Wendelin bekommt auch Luzia eine Anstellung an diesem Hospital. Das gemeinsame Wirken des jungen Ärztepaares ist segensreich, führt jedoch auch zu Konflikten mit kleingeistigen Menschen der Umgebung. Dem ebenfalls im Hospital tätigen Bader Achmüller, dessen medizinische Kenntnisse sich im Aderlass und der Applikation von Gänsemist auf offene Wunden erschöpfen, sind die neuen, an der arabischen Medizin orientierten Behandlungsmethoden ein Dorn im Auge. Auch im privaten Bereich sehen sich die beiden jungen Medici Problemen gegenüber, denn die heimtückische Ottilia Allgaier, Tochter des Hauptsponsors des Hospitals, die ein Auge auf Johannes geworfen hat, lässt keine Gelegenheit aus, ihrer verhassten Nebenbuhlerin zu schaden...

Beurteilung
"Das Herz der Alraune" setzt die Geschichte um Luzia und Johannes aus "Seelenfeuer" fort, kann aber auch unabhängig davon gelesen werden, da die Kenntnis der vorausgegangenen Ereignisse nicht unbedingt erforderlich ist.
In einem sehr flüssigen und anschaulichen Erzählstil erweckt die Autorin die Zeit am Übergang vom Mittelalter zur Renaissance zum Leben, als die Medizin noch vom Aberglauben geprägt ist und sowohl Ärzte als auch Patienten neuen Behandlungsansätzen aus der (damals überlegenen) arabischen Medizin misstrauisch gegenüberstehen. Die Protagonistin orientiert sich bei ihrer Behandlung von Frauenleiden an dem Werk "Passionibus mulierum curandorum" der Trot(ul)a von Salerno. Der Einblick in dieses Werk ist ebenso interessant wie der Eindruck von der zeitgenössischen abendländischen Medizin, deren Möglichkeiten nicht zuletzt durch das kirchliche strenge Verbot von Leichensektionen sehr limitiert sind. Die beiden Protagonisten nehmen bahnbrechende neuartige Eingriffe vor und sind dabei erfolgreicher, als es in einer Zeit, die noch keine Asepsis kennt, glaubwürdig scheint. Nichtsdestotrotz wird am Wirken der beiden jungen Ärzte deutlich, wie sich mit Beginn der Neuzeit Experimentierlust und wissenschaftliche Ansätze zu entfalten beginnen.
Die meisten Figuren sind in ihrer Charakterdarstellung gründlich und realistisch ausgearbeitet, die Gegenspieler der Protagonisten sind jedoch ein wenig zu eindimensional "böse" geraten. Die Schlechtigkeit und Skrupellosigkeit dieser Figuren sind jedoch dem Spannungsaufbau durchaus förderlich; ihre heimtückischen Umtriebe, bei denen sie nicht davor zurückschrecken, das Leben unbeteiligter Dritter zu opfern, bescheren dem Leser fesselnde Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite. Auch Freunde von Liebesgeschichten kommen auf ihre Kosten, wobei die Liebesgeschichte hier aber eher dezent präsentiert wird.
In einem Nachwort erläutert die Autorin Hintergründe zu medizin- und zeitgeschichtlichen Fakten der Epoche. Besonders positiv fällt eine Bibliografie mit vielen Titeln zu den Themen Medizingeschichte und Hexenverfolgung auf, die dem interessierten Leser eine reichhaltige Auswahl an Sekundärliteratur bietet.

Fazit
Spannende Unterhaltung mit medizingeschichtlichem Schwerpunkt!