Im Frühling sterben

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Suhrkamp, 2015, Titel: 'Im Frühling sterben', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Von den letzten Opfern eines verlorenen Krieges

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Nov 2015

Februar, 1945. Der Zweite Weltkrieg in Deutschland nähert sich seinem Ende - von Osten rückt die Rote Armee heran, im Westen nahen nach der Landung der Alliierten in der Normandie Amerikaner und Briten. Doch die Kriegsmaschinerie läuft nach wie vor, und so werden Walter und Friedrich, genannt Fiete, zwei junge Melker, noch kurz vor Ende des Krieges zwangsrekrutiert. Walter landet als Fahrer bei der Waffen-SS, Fiete muss an die Front. Entsetzt beobachtet Walter die letzten Kriegsmonate, wird Zeuge von Verbrechen an vermeintlichen Partisanen ebenso wie von verzweifelten Orgien - und steht letztens wieder seinem Freund Fiete gegenüber. Fiete ist desertiert - und darauf steht der Tod.

Ralf Rothmann erzählt auf gut 200 Seiten eine Geschichte, wie sie sich zum Ende des Krieges wohl unzählige Male in Deutschland abgespielt haben mag: junge Männer, bisher wegen ihrer Tätigkeit in kriegswichtiger Wirtschaft vom Frontdienst ausgenommen, werden in einem verzweifelten letzten Aufbäumen gegen die bevorstehende Niederlage in den Krieg gezwungen. Während die SS Männer eigens dafür abstellen muss, um Deserteure zu jagen, landen Walter und Fiete in Ungarn. Und während Walter versucht, irgendwie zu überleben, will und kann Fiete das Töten und Sterben nicht mehr ertragen.

Das letzte Wüten vor dem Ende

Im Februar 1945 ist der Krieg längst verloren. Spätestens nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 ist das Ergebnis des Krieges absehbar. Umso verbissener wehrt sich das Nazi-Regime gegen die Niederlage, wirft die letzten Reserven an die Front. Zwischen Juli 1944 und dem Kriegsende im Mai 1945 hat der Krieg mehr Menschenleben gekostet als in den fast 5 Jahren zuvor und mittendrin sind Walter und Fiete.

Die Rahmenhandlung in Rothmanns kurzem Roman - der Ich-Erzähler sitzt am Sterbebett seines Vaters, der sich an die Kriegszeit erinnert - lässt vermuten, dass der Roman teilweise autobiographischen Hintergrund hat. Nach dem Beginn auf einem Hof im Norden Deutschlands, auf dem die beiden Freunde ihres Ausbildung machen, wird der Leser schnell mitten in die Kriegsgeschehnisse geworfen. Nach einer kurzen Ausbildung landet Walter in Ungarn und muss mitansehen, wie die Offiziere ihre eigenen Soldaten immer wieder an die Front treiben müssen und die SS einfache Bauern verdächtigt, Partisanen zu sein. Während wir durch Walters Augen diese Episoden der letzten Kriegsmonate erleben, spürt man immer wieder Walters deutlichen Wunsch, einfach zu überleben. Der Krieg werde nicht mehr lange dauern. Das Elend wird für den Leser immer greifbarer, die Unerträglichkeit des Krieges steigert sich immer weiter, so dass sich der Leser immer stärker fragt, wie man das nur ausgehalten hat. Das Ende um die Freundschaft von Walter und Fiete, das hier nicht vorweggenommen werden soll, versetzt dem Leser zielgerichtet einen letzten Kinnhaken. Und wie auch die Figuren findet sich der Leser nach dem Krieg im Frieden nicht wirklich zurecht, fühlt sich verloren.

Ein reifer Roman, der lange nachklingt

Obwohl mit gut 200 Seiten sehr kurz, schafft es Rothmanns Roman, den Leser nachhaltig zu beeindrucken. Die Episoden aus dem Kriege sind in ihrer Schärfe so intensiv, dass sie mehr berühren als weit ausgeschriebene Schlachtenszenen. Und während die Verzweiflung von Walter über das sinnlose Schlachten immer weiter wächst, verzweifelt auch der Leser bis hin zum Höhepunkt der Geschichte, nach deren Lektüre man spontan innehalten muss.

Stilistisch überzeugt der Roman durch seine einfache, präzise Sprache, durch seine Anschaulichkeit. Das Gefühl, neben den Figuren zu stehen, begleitet den Leser während der gesamten Lektüre und verstärkt das Empfinden, das Leid der Charaktere zu teilen. Und wenn man sich nach dieser eigentlich kurzen Lektüre von Walter, Fiete und allen anderen verabschiedet, fällt es schwer, nach dem nächsten Buch zu greifen. Ein beeindruckender Anti-Kriegsroman, und doch noch viel mehr als das.

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