Gefangen

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Hinstorff , 2015, Titel: 'Im Eisland: Gefangen', Originalausgabe

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80

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Thies Albers
Dramatischer Mittelteil einer kurzweiligen und spannenden Expedition

Buch-Rezension von Thies Albers Okt 2015

Nachdem die beiden Forschungsschiffe HMS Erebus und HMS Terror im Jahr 1845 von England aus aufbrachen, um die legendäre Nordwestpassage zu entdecken, gerät die Expedition im ewigen Eis der Arktis schnell ins Stocken. Der erste Winter muss überstanden werden und am Ende gibt es den ersten Toten zu beklagen. Die anfängliche Euphorie und Abenteuerlust der Entdecker schwindet. Der tägliche Kampf gegen das Eis, bringt die Männer an ihre physischen und psychischen Grenzen.

Der vorliegende zweite Band der Graphic Novel Trilogie Im Eisland knüpft nahtlos an Band 1: Die Franklin Expedition an. Nachdem die Forschungsschiffe HMS Erebus und HMS Terror unter dem Kommando von Sir John Franklin in England losgesegelt waren, erlebten sie in der Bucht der Beechey-Insel ihren ersten Winter in der Arktis. Der erste Todesfall am Ende von Teil 1 erscheint als böses Omen für all den Schrecken, der noch folgen soll. Der Tod wird zum ständigen Begleiter, gleich zu Beginn des zweiten Teils sterben weitere Mitglieder der Schiffscrew. Die Stimmung wird schlechter, die Isolation auf dem Schiff nagt immer mehr an der geistigen Verfassung der Männer, dies gilt sowohl für die Crew, aber genauso für den Führungsstab. Insbesondere Kapitän Francis Crozier versucht seine depressive Stimmung mit immer mehr Laudanum (in Alkohol gelöstes Opium) zu betäuben.

Als endlich der Sommer kommt, das Eis aufbricht und die Schiffe wieder Fahrt aufnehmen können, kehrt auch der Forscherdrang wieder. Der Optimismus, die Nordwestpassage zu entdecken und somit dem britischen Empire zu Ruhm und Ehre zu verhelfen, ist bei Sir John Franklin ungebrochen und führt zu einer kapitalen Fehlentscheidung. Die Reise führt die Expedition immer tiefer in unbekannte, nicht kartographierte Gebiete, die voller Gefahren stecken. Der Sommer währt nur kurz und im September 1846 sitzen die Schiffe wieder im Eis fest. Es hilft keine moderne Technik mehr zur Weiterfahrt, die Naturgewalten und das Packeis sind stärker als Motoren, Sägen und Dynamit. Somit steht der Crew ein zweiter Winter im Eis bevor. War der erste Winter in der Arktis gut zu bewältigen, sieht die Situation ein Jahr später ganz anders aus. Die Männer sind ausgezehrt, Mangelerscheinungen machen sich breit, die ersten Fälle von Skorbut tauchen auf, Lebensmittel und Wasser müssen rationiert werden. Die psychische Verfassung der Männer nimmt immer weiter ab und nur der Silvesterabend mit Gesang und Tanz bietet etwas Aufmunterung, wird aber durch ein Eisbeben jäh beendet.

Am Ende des Bandes begeben sich zwei kleine Gruppen von Seeleuten auf Erkundungsreise rund um die Küste des King William Landes und sie kehren mit dem Beweis der Existenz der Nordwestpassage wieder. Dieser Triumph wird aber überschattet von einem Tod, der das endgültige Scheitern der Expedition einleitet.

Dramatische Fortsetzung

Nachdem der erste Band der Trilogie basierend auf einer guten Quellenlage dem Leser viel Hintergrundwissen über die damalige Zeit, den Stand der Technik und das Leben an Bord vermittelte, muss Kristina Gehrmann im zweiten Band nun neue Wege einschlagen und sich auf ihr erzählerisches Können verlassen, da fast keine Belege mehr für die weiteren Geschehnisse der Expedition nach dem Winter 1845/46 vorhanden sind. Dies tut der Lektüre aber keinen Abbruch, wie Band 1 ist auch dieser Teil kurzweilig und interessant zu lesen. Die Autorin überspielt die mangelnde Quellenlage problemlos. Dies gelingt ihr zum einen durch die hervorragende Charakterisierung der einzelnen Figuren, zum anderen durch die lebhafte und realistische Darstellung des Alltags an Bord der beiden Schiffe. Die sehr schön eingeflochtenen Details aus den Bereichen Medizin und Technik tragen zum Eintauchen in die damalige Zeit bei. So wird das Problem der Schneeblindheit thematisiert, als auch der Einsatz der riesigen Eissägen näher erläutert, mit denen per Hand (!) die Fahrrinne der Schiffe frei gelegt wurde.

Weiterhin hohes Niveau

Erzählerisch wie zeichnerisch wird das hohe Niveau des ersten Bandes gehalten. Der Wechsel von klaren, flächigen Formen und oft detailverliebten Darstellungen von Gegenständen zeigt Gehrmanns stilistische Nähe zu Mangas. Die triste, karge Landschaft des Eises wird somit ebenso gut dargestellt, wie die Schiffe, an denen die Takelage aufs Genauste zu erkennen ist und somit sehr authentisch wirken. Die Hauptcharaktere sind gut gezeichnet, viele Nebencharaktere lassen aber an Details vermissen, was ihre Unterscheidung für den Leser manchmal schwierig werden lässt. Da in diesem Band  die Schattenseiten dieser Expedition immer stärker in den Vordergrund treten, hätte man sich einen etwas düsteren Zeichenstil gewünscht. Ausgeglichen wird dies durch gutes Seitenlayout mit einer vielfältigen Anordnung der Panels. Clever ist, dass Kristina Gehrmann ihre Protagonisten im Verlauf der Geschichte immer wieder auf die Seekarten schauen lässt und somit der Leser genau weiß, wo genau die Handlung an dieser Stelle stattfindet.

Der Fokus von Kristina Gehrmann liegt im Erzählerischen. Ihr Anliegen ist es nicht nur, irgendeine historische Forschungsreise zu erzählen, sondern auch den Alltag der Menschen an Bord zu zeigen, egal welchen Dienstgrad sie bekleiden. Ob Kapitän, Arzt, Heizer oder Schiffsjunge, jeder bekommt seinen Auftritt in der Geschichte. Zudem wird nicht nur der Berufsalltag gezeigt, sondern auch viel vom privaten Treiben in der Freizeit. Somit entsteht ein erstklassiges Bild der zwischenmenschlichen Beziehungen an Bord eines Schiffes bei einer solch langen Reise weit weg von Heimat und Familie. Der Autorin liegen die Einzelschicksale am Herzen, die Graphic Novel soll kein trockenes Geschichtsbuch sein, sondern Geschichte emotional erzählen, ein lebendiges Abenteuer entstehen.

Gelungene Gratwanderung zwischen Fiktion und Historie

Im Eisland, Band 2: Gefangen ist eine interessante Geschichte, die eine gelungene Gratwanderung zwischen Fiktion und historischen Fakten darstellt. Ein spannender Expeditionsbericht verpackt im Gewand einer Graphic Novel, eine Mischung, die man sich häufiger im Comicbereich wünscht!

Der Mittelteil der Eisland-Trilogie zeigt, wie die anfänglich gute Aufbruchsstimmung einer düsteren Melancholie weicht und hart erkämpfte Triumphe teuer bezahlt werden. Mensch und Technik beginnen vor den Naturgewalten zu kapitulieren. Als Leser ertappt man sich ständig, wie man hofft, dass die Rettung doch noch gelingen möge, aber leider wird das Eis für alle Mitglieder der Franklin-Expedition zur tödlichen Falle, die im (bereits erschienen) dritten Band endgültig und gnadenlos zuschnappen wird.

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