Goethes Leichen

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Emons, 2015, Titel: 'Goethes Leichen', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Teuflische Machenschaften in Weimar

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Okt 2015

Im Spätherbst 1783 reist Christian Kerstner, seines Zeichens Hofrat und Archivar des kurfürstlich-hannoverschen Hofarchivs nach Weimar, um eine wertvolle Handschrift abzuholen. Zugleich möchte Kerstner seinen alten Freund Goethe besuchen. Doch die Reise verläuft nicht wie geplant und statt die Handschrift in Empfang zu nehmen und schnellstmöglich die Rückreise anzutreten, sieht sich Kerstner in Weimer mit zwei Morden konfrontiert, versucht er die Hinrichtung einer Kindsmörderin zu verhindern, geschehen merkwürdige Dinge im Haus seines Freundes Goethe und auch Goethe selbst verhält sich mehr als seltsam. Und dann ist da noch dieser geheimnisvolle Mann im Fuchspelz, der Kerstner auf Schritt und Tritt folgt. Und so stolpert der beflissene Hofbeamte Kerstner durch ein Weimar, das er sich doch eigentlich ganz anders vorgestellt hatte.  

Historisches Vorbild für die Romanfigur Kerstner ist der Jurist und Archivar Johann Christian Kerstner, der als Ehemann von Charlotte Buff, eben jener Lotte aus Goethes Die Leiden des jungen Werther Berühmtheit erlangte. So liegt es natürlich auf der Hand, dass auch die Entstehungsgeschichte dieses Klassikers der Weltliteratur Einzug in die Romanhandlung gefunden hat. Die Romanfigur Kerstner und sein historisches Vorbild haben aber nur wenig Ähnlichkeit.   

Historischer Fantasy-Krimi

Was einen gelungenen historischen Kriminalroman auszeichnet, ist die richtige Balance zwischen spannendem Kriminalfall und historischer Rahmenhandlung, in die geschichtliche Fakten mit einfließen und die die Lebensumstände und Möglichkeiten der jeweiligen Epoche berücksichtigt. Diese Gratwanderung schaffen nur wenige Autoren und hier ist es definitiv nicht gelungen. Es fließen zwar einige historische Ereignisse jener Zeit in die Handlung mit ein, sie bleiben aber nur Marginalie. Auffallend sind dagegen die vielen zeitlichen und sprachlichen Anachronismen. Da ist von Betrieben, Firmen und Chefs die Rede, von Streiks und Demonstrationen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Kohl gerät hier, wie so viele seiner Autorenkollegen, in die Sprachfalle, denn er legt seinen Protagonisten Worte in den Mund, die heutigem Sprachgebrauch entsprechen, die einem Normalbürger Ende des 18. Jahrhunderts aber gänzlich unbekannt gewesen sein dürften. Kestner liest psychologische Gutachten von Mördern, obwohl die forensische Psychiatrie noch gar nicht geboren ist, er betitelt Goethes Werther als Bestseller, benutzt bei seinen Nachforschungen Fachtermina, die eher an heutige vorabendliche TV-Krimiserien erinnern als an einen historischen Krimi zur Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Und spätestens als Kerstner ein Hotelzimmer mit Porzellanwaschbecken und silberblinkendem Wasserhahn samt fließend warmen und kalten Wasser bezieht, das überdies noch über eine Dusche und eine Toilette verfügt - einzig die Zentralheizung fehlte noch - wird offensichtlich, dass historische Korrektheit nicht Intention des Autors ist.  

Nichts ist zu spüren vom goldenen Zeitalter der Weimarer Klassik, denn das Bild Weimars, das der Autor seinen Lesern hier präsentiert, ist das einer riesigen, sehr detailfreudig und mit einschlägigem Vokabular beschriebenen Kloake, die die Ekelgrenze des Lesers strapaziert. Dazu passend haust dann auch der eigentlich für seine Toleranz und Aufgeklärtheit bekannte Herzog Carl August in einer heruntergekommenen Schlossruine und mimt den pubertierenden Clown.

Kein Pageturner

Einen temporeichen Plot mit interessanten Wendungen sucht man vergeblich, der Spannungsbogen ist ziemlich flach und Kommissar Zufall ist mehr als einmal mit von der Partie. Detektivische Raffinesse ist eher nicht vorhanden, was zum Teil auch in der Charakterzeichnung Kerstners begründet liegt, der hier als überkorrekter Beamter agiert und dementsprechend naiv und dilettantisch ermittelt. Dabei stecken in der Handlung durchaus gute Ideen, verbirgt sich hier so mancher kluge Gedanke, der etwas mehr Augenmerk und Tiefe verdient hätte, jedoch relativ schnell wieder in der Versenkung verschwindet und in Vergessenheit gerät.

Ein Pageturner ist Goethes Leichen also definitiv nicht und wird es auch dann nicht, wenn die Handlung nach gut der Hälfte immer mehr ins Surreale mündet und zum Fantasy-Roman wird. Einzig der gelungene Showdown am Ende versöhnt ein stückweit mit der ansonsten über weite Strecken träge dahinplätschernden Handlung. Aus jedem Genre etwas und aus keinem etwas richtig, denn der Autor schafft es nicht, die verschiedenen Stilelemente so miteinander zu verweben, dass am Ende eine in sich stimmige Gesamtkomposition entsteht.

Farblos und wenig einprägsam sind auch die Charaktere, egal ob es sich hier um Haupt- oder Nebencharaktere handelt. Bei allen bleibt die Figurenzeichnung eher karikativ und ziemlich klischeebehaftet. Dabei hat gerade die Idee, den großen Dichterfürsten Goethe von seinem Sockel zu holen und ihm weniger heroische Charakterzüge zu verpassen, durchaus seinen Reiz. Denn ganz sicher wird auch der große Goethe die eine oder andere sinnbildliche Leiche im Keller versteckt gehabt haben. Nur gelungen ist dieses Experiment hier definitiv nicht.

Goethes Leichen ist ein Roman, der nicht so richtig weiß, was er eigentlich sein will, er ist weder ein gelungener Fantasy-Roman, noch ein spannender Krimi und schon gar kein historisch fundierter Roman. Letztendlich ist er ein solide gemachter, massentauglicher und sprachlich anspruchsloser Unterhaltungsroman mit einigen guten Ansätzen, aber leider auch einigen Längen, den man lesen kann, bei dem man aber auch nichts verpasst, wenn man ihn nicht gelesen hat.  

Goethes Leichen

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