Die lange Reise

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2014, Titel: 'The Journey', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Gejagt von Colonel Moran

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2015

Die lange Reise ist bereits der dritte Teil der Anna-Kronberg-Reihe und setzt die Erzählung nach den Vorgängern Teufelsgrinsen und Tiefer Fall hieran unmittelbar angrenzend fort. Man kann auch sagen, dass es sich um eine einzige Geschichte handelt, die in mehreren Folgen erzählt wird; ein klassischer Fortsetzungsroman. Dies sei einleitend vor allem deshalb erwähnt, da im Folgenden auf das bereits Geschehene eingegangen werden muss. Wer also die ersten Bände dieser Reihe noch nicht kennt, sollte an dieser Stelle nicht weiter lesen, sondern zunächst die bislang versäumte Lektüre nachholen.

1891. Anna Kronberg ist mit Sherlock Holmes auf der Flucht vor Colonel Moran und seinen Schergen. Zwar konnte Anna ihren Widersacher Professor Moriarty ins Jenseits befördern, doch dafür musste sie einen hohen Preis zahlen, denn sie wurde von ihm geschwängert. Anna und Holmes entwickeln auf ihrer Flucht einen Plan, um Moran eine Falle zu stellen. Eine vorgetäuschte Fehlgeburt soll Moran in Sicherheit auf Moriartys Erbe wiegen und ihn gleichzeitig unglaubwürdig machen. Da Moran maßgeblich vom Geld seines ehemaligen Förderers abhängig ist, soll zudem erreicht werden, dass Moriartys nicht unerhebliches Vermögen über einen Treuhandfonds in Annas Hände fällt. Moran sinnt derweil auf Rache und würde Anna am liebsten töten, doch Moriartys Familie will sein Kind und so sind ihm bis zu Annas Niederkunft die Hände gebunden.

 

"Nehmen Se's sich nicht zu Herzen, Liebes. Er is'n Dieb. Erhängt zu werden is für ihn 'n natürlicher Tod."

 

Nachdem Anna und Holmes erneut London erreichen, stößt Anna gleich auf ein weiteres Problem, denn ihr früherer Liebhaber Garret O'Hara sitzt wegen Einbruchs in Newgate, wo er auf seine baldige Hinrichtung wartet. Dann kommen Moran und seine Helfer Anna doch näher als erwünscht und so flieht Anna auf das Festland, wo sie ihre Reise durch mehrere europäische Städte führt. Gemeinsam mit Holmes will sie dabei herauszufinden, aus welchem Grund Moriarty versuchte, bakteriologische Waffen zu entwickeln?

 

"Wir sind alle fähig zu Mord. Es ist wichtig, das anzuerkennen. Wir tragen Moralvorstellungen vor uns her, um unsere gewalttätige Natur zu verschleiern. Gleichzeitig erlauben wir Männern, ihre Frauen zu schlagen, wir lassen zu, dass Kinder in Armenhäusern sterben oder in Irrenanstalten weggeschlossen werden. Und währenddessen kümmern wir uns nur darum, wie wir gekleidet sind und was die Nachbarn wohl denken mögen. Wir sind Raubtiere, die sich größte Mühe geben, nett auszusehen."

 

Wie schon erwähnt, knüpft die Geschichte unmittelbar am Ausgang des zweiten Bandes Tiefer Fall an. So gibt es in der Folge ein Widersehen mit zahlreichen bekannten Figuren wie O'Hara, Barry, Holmes bekannten Straßenjungen und nicht zuletzt mit Dr. Watson. Dies alles liest sich glatt weg, der Plot wird konsequent fortgeführt und hinterlässt - Achtung Mini-Spoiler - einmal mehr ein "offenes Ende". Dies erscheint wiederum logisch, denn der vierte Band Der irische Löwe soll bereits Anfang 2016 auf den Markt kommen.

Während andere Autorinnen und Autoren sich ganz bewusst dafür entscheiden, der Figur des Meisterdetektivs keine neuen Facetten zu gönnen, sondern um größtmögliche Originaltreue bemüht sind, wählt Anna Wendeberg einen anderen Ansatz. Nur selten erlebt man den großen Analytiker in seinem Fachgebiet der Deduktion. Stattdessen liefert er sich geistige Duelle mit Anna, die ihm ebenbürtig erscheint, wobei sie sich im vorliegenden Fall sehr ausführlich mit ihrer ungewollten Schwangerschaft auseinandersetzt. Sie will das Kind auf keinen Fall behalten, ja allein schon die Geburt erscheint ihr bisweilen eine Zumutung. So wird in dieser Beziehung viel hin und her philosophiert, was leider zu einigen Längen führt. Auch die Verfolgung durch Moran und dessen Helfer hat einige Längen, zumal Moran nur selten direkt ins Geschehen eingreift.

 

"Die Brüsseler Konventionen halten keine verbindlichen Gesetze fest. Es handelt sich um eine Vereinbarung, und sie ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht."

"Also ist die Konvention nichts als eine Farce? Regierungen klopfen sich gegenseitig auf die Schultern und beteuern, dass sie nichts Böses im Sinn haben. Bis sie Böses im Sinn haben."

"Exakt."

 

Einmal mehr gibt es wieder interessante Einblicke in die sozialen Verhältnisse, beispielsweise wenn eine Spur in die Unterwelt von Whitechapel führt, und in den Stand der damaligen Medizin. Gegen Ende des Romans, Anna reist unter anderem nach Brüssel und Berlin, bestimmen die politischen Verhältnisse das Geschehen, denn weiterhin ist unklar, warum Moriarty die Entwicklung von Biowaffen vorantrieb. Geht es um die unklaren Machtverhältnisse und möglichen Bündnisse zwischen England, Frankreich, Deutschland und Russland oder spielen die Kolonien in Afrika, China und Indien eine zentrale Rolle? Immerhin waren Opium und Baumwolle zwei Haupteinnahmequellen Moriartys.

Eine spannende Geschichte mit vielen bekannten Figuren aus der Welt von Arthur Conan Doyle, aber auch einem Sherlock Holmes, der nur bedingt mit dem Original vergleichbar ist. Einige offene Fragen sorgen dafür, dass man auf den nächsten Band mit Interesse wartet. 

Die lange Reise

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Letzte Kommentare:
12.06.2017 13:06:46
tassieteufel

Nach James Moriartys Tod ist die schwangere Anna mit Sherlock Holmes auf der Flucht vor Colonel Moran, der mit allen Mitteln das Kind in seine Gewalt bringen will, um so den Zugriff auf das Vermögen Moriartys sicher zustellen. Noch immer sind die eigentlichen Ziele Moriartys unklar und einige Mitglieder seiner Organisation nicht identifiziert. Für Holmes und Anna beginnt eine nervenaufreibende Zeit und sie ersinnen einige geschickte Täuschungsmanöver, um Moran aus der Reserve zu locken.

Wer schon die beiden Vorgänger gelesen hat, sollte auf den 3. Teil der Anna Kronberg Reihe nicht verzichten. Auch wenn mich dieser Teil nicht ganz so gefesselt hat wie die Vorgänger, so ist das Buch ein gelungener Abschluß für die Ereignisse, die in Teil 1 und 2 der Serie in Gang gesetzt wurden. Gerade am Anfang hat das Buch aber doch deutliche Längen, Annas Hadern mit ihrer ungewollten Schwangerschaft, ihre Angst das Kind nicht lieben zu können und ihre unerfüllbare Liebe zu Holmes dominieren die ersten 100 Seiten und lassen einen Spannungsbogen doch vermissen. Erst mit dem Auftauchen von Moran wird der Handlungsablauf spannender und interessanter. Im Schmieden von Plänen sind Holmes und Anna beide sehr gut, zudem sind Moriartys eigentliche Ziele immer noch unklar und so muß das ungleiche Duo zum einen den mit allen Wassern gewaschenen Verfolger Moran austricksen und gleichzeitig herausfinden, was James Moriarty mit seiner Organisation eigentlich erreichen wollte. Außerdem erwartet Anna in London eine weitere schlimme Nachricht, ihr ehemaliger Geliebter, der Dieb Garret O'Hare sitzt im Gefängnis und soll hingerichtet werden. Da man als Leser diesen Charakter im ersten Teil und im Prequel schätzen gelernt hat, ist es natürlich schön, dass die Ereignisse rund um diese Figur hier ebenfalls zu einem schlüssigen Abschluß gebracht werden.
Logischer Weise ist Anna wieder die zentrale Figur im Roman, sie muß mit den Konsequenzen dessen leben, was sie im 2. Band in Gang gesetzt hat und sich fragen, was die Zukunft für sie bereit hält. Aber auch Holmes hat in diesem 3. Teil deutlich mehr Anteil, sein Verhältnis zu Anna ist nicht einfach, da er weiß, was sie eigentlich von ihm möchte und er kann nur Freundschaft anbieten. Für mich war die Schilderung seines Charakters nicht immer ganz stimmig, teilweise wurde der sonst so analytische Mann doch etwas zu "softig", sein sonst üblicher Sarkasmus blieb auf der Strecke und zwischen Holmes und Anna stand eigentlich immer recht deutlich Annas unerfüllbarer Wunsch nach Nähe, das hat der Geschichte schon etwas von ihrer Dynamik genommen. Das nervenaufreibende Katz-und Mausspiel zwischen Anna und Moriarty im 2. Teil war extrem spannend und das hat mir hier doch gefehlt!
Der hochkomplexe Plan, den Anna und Holmes nun hier aushecken, offenbart seine ganze Raffinesse erst am Ende, das in Bezug auf Anna und ihr weiteres Schicksal doch viel offen läßt. Insgesamt wurden aber die zentralen Fragen ganz gut gelöst und zu einem schlüssigen Ende geführt.

FaziT: insgesamt ein gelungener Abschluß einer ungewöhnlichen Trilogie mit einer interessanten Hauptfigur. Man sollte aber zum besseren Verständnis unbedingt die beiden Vorgänger gelesen haben! Für mich war der dritte Teil nicht so spannend wie Teil 1 und 2, gerade am Anfang hat das Buch deutliche Längen und auch Holmes Charakter erschien mir im 3. Teil nicht immer ganz glaubhaft, trotzdem wird viel Lokalcolorit vermittelt, die Autorin überzeugt mit einer gut durchdachten, wendungsreichen Geschichte, die einige Überraschungen parat hat.

07.05.2017 15:58:22
Artemiso

Fast noch mehr als der Kriminalfall (Dauerthema Biowaffen) geht die dichte Atmosphäre des 19.Jahrhunderts unter die Haut. Vor allem für diejenigen, die "Blackout" kennen und erkennen, wie schnell unsre Zivilisation mit ihrer Hygiene, Komfort, Technik und vor allem unsrem medizinischen Errungenschaften zerbröseln kann bei einem mehrtägigen Stromausfall. Auch der innere Kampf einer Frau, die einfach nur lernbegierig und lernfähig ist, macht atemlos. Wie kurz erst scheint es her, dass Mann und Frau in unterschiedlichen Welten zu leben schienen. Annelie Wendeberg schafft es, jeden dieser Aspekte in Dauerspannung rüber zu bringen. Hoffentlich gibt es noch Fortsetzung, denn der Irische Löwe ist ja eigentlich ein Vor-Buch, keine Nachfolge-Buch. Bitte mehr!