Die steinerne Schlange

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2015, Titel: 'Die steinerne Schlange', Originalausgabe

Couch-Wertung:

73
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Rita Dell'Agnese
Mutige Fürstentochter rettet Germanische Stämme

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2015

Iny Lorentz nimmt die Leserinnen dieses Mal mit ins 3. Jahrhundert, an den nördlichen Rand des römischen Imperiums. Dort träumt der ehrgeizige römische Statthalter Quintus davon, neues Gebiet zu erobern, es als neue Provinz unter die Herrschaft Roms zu zwingen und es künftig zu verwalten. An seiner Seite kämpft Hariwinius, eigentlich Germane, aber als Geisel unter Roms Herrschaft aufgewachsen. Durch und durch zu einem Römer geworden, verzichtet Hariwinius auf die Herrschaft über seinen Stamm, die ihm als ältester Fürstensohn zugestanden wäre. An seiner Stelle hat der jüngere Bruder Raganhar die Führung übernommen, ist jedoch damit überfordert. Als Hariwinius mit Quintus den Stamm, der sich zu den Verbündeten Roms zählt, ohne sich aber dem Imperium unterworfen zu haben, besucht, fällt ihm die junge Gerhild ins Auge. Gerhild ist die jüngere Schwester von Hariwinius und Raganhar und trägt in ihrem Blut den Kampfgeist ihres Vaters, der ein großer Stammesfürst war. Sie ist als Einzige in der Lage, Quintus Machenschaften zu durchschauen. Also widersetzt sie sich seinem Ansinnen, sie in sein Bett zu holen. Im Glauben, sich dadurch eine bessere Position zu verschaffen, wären beide Brüder bereit, Gerhild zu opfern und sie Quintus zu überlassen. Nur mit Mühe und durch die unerwartete Hilfe eines weiteren römischen Vasallen kann sich Gerhild Quintus zunächst immer wieder entziehen. Sie warnt die freien germanischen Stämme vor dem drohenden Überfall durch die Römer und wird so zu einer Rächerin, die manchen Plan des Statthalters vereitelt. Die Schönheit Gerhilds aber weckt nicht nur Quintus Interesse, sondern auch das des Kriegsfürsten Baldarich. Bald sieht sich Gerhild verschiedenen Gegnern gegenüber. Aber sie gibt nicht klein bei, sie nimmt den Kampf für ihre Freiheit und die der Germanen auf.

Heldin in Hosen

Das Autorenpaar Iny Lorentz kehrt mit diesem Roman zum bekannten Muster vieler anderer seiner Romane zurück: Die Heldin ist nicht nur schön, klug und talentiert, sie schlüpft auch in die Rolle eines Mannes, um ihre Leute zu retten und schafft, was mancher Krieger nicht schafft. Die junge Frau handelt stets überlegt und strategisch, erkennt sofort, wem sie trauen kann und wem nicht und ist todesmutig, wenn es darum geht, andere aus den Klauen der Römer oder anderer Kriegsfürsten zu retten. Diese Ansammlung von Superlativen lassen Gerhild als überzeichnete Heldin mit wenig Konturen erscheinen. Dadurch verliert die Geschichte merklich an Spannkraft. Es ist zwar ganz unterhaltsam, Gerhild auf ihrem Kampf gegen die Römer zu begleiten und es gibt auch immer wieder Spannungsmomente, richtig tiefgründig will die Geschichte der Heldin in Hosen aber nicht werden. Da hilft auch der Sympathieträger Julius nichts, der Gerhild unvermutet den Rücken stärkt.

Viele moderne Ausdrücke

Obwohl sich das Autorenpaar entschieden hat, weit in der Geschichte zurückzugehen, bleibt es bei der Sprache ungewohnt modern. So stark, dass es da und dort einen unguten Geschmack hinterlässt. Ohne davon auszugehen, dass eine ältliche Sprache gepflegt werden sollte, um die Historie eines Romans zu betonen, sind Redewendungen wie "ich leuchte Dir heim" in einer Geschichte, die im 3. Jahrhundert spielt, absolut fehl am Platz. Solche eher flapsige Ausdrücke finden sich immer wieder und lassen den Lesefluss etwas stocken. Es scheint, als hätte Iny Lorentz hier nicht dieselbe Umsicht walten lassen, wie in vielen vorangegangenen Romanen.

Ungewohntes Szenario

Auch wer hin und wieder mal literarisch in die Antike eintaucht, wird in diesem Roman aber interessante Details entdecken, die dank einer umfangreichen Recherche der Autoren das Leben der germanischen Völker und dasjenige der Römer gut wiedergeben. Eingestreut in den Ablauf finden sich viele Informationen, die den Leserinnen auf eine lebendige Art und Weise eine Welt näher bringen, die sonst meist als trockene Materie in Geschichtsbüchern dümpelt. Der Verzicht auf ausschweifende Erläuterungen und die bildliche Darstellungen der Verhältnisse lassen die Welt des 3. Jahrhunderts vor dem geistigen Auge der Leser Gestalt annehmen. Da zeigt sich die Stärke des Autorenpaars, das wunderbar erzählt und darin viel Information unterbringen kann, ohne dass es langatmig oder langweilig würde. Die kurzen Erläuterungen zum Schluss des Buches und das umfangreiche Personenregister sind absolute Pluspunkte.

Das Ende legt nahe, dass die Geschichte mit dem Band Die steinerne Schlange noch nicht fertig ist. Die Geschichte von Gerhild dürfte weitererzählt werden und auch von etlichen Leserinnen und Lesern mit Freude erwartet werden. Zu hoffen ist, dass Gerhild in einem möglichen Folgeband an Kontur gewinnen kann.

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