Ein Elefant für Karl den Großen

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2015, Titel: 'Ein Elefant für Karl den Großen', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein Friedenszeichen mit langem Rüssel

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Sep 2015

Das Weltreich um das Jahr 800 kannte vor allem zwei wichtige, mächtige Herrscher. Während bei den Franken Karl der Grosse bereits zum Kaiser gekrönt wurde, regiert im Osten sein ärgster Feind, der Kalif von Bagdad. Doch da man in Byzanz einen dritten Feind ausgemacht hat, schickt man sich gegenseitig Friedensgeschenke. Nachdem Karl dem Kalifen seine Geschenke hat überbringen lassen, schickt der Kalif wiederum seine Geschenke darunter ein Elefant, als lebendiges Zeichen des Friedens.

Als Begleiter schickt der Kalif den Juden Isaak, der auf seiner Reise den sächsischen Sklaven Thankmar bei sich aufnimmt. Sodann reisen die beiden mit dem Elefanten über das Mittelmeer und an Land Richtung Pavia, wo man Karl treffen will und ihm der Elefant überreicht werden soll. Doch Karl ist wenige Tage zuvor abgereist, da Sarazenen durchs Frankenreich wüten und Dörfer und Klöster überfallen.

Eines dieser Klöster beherbergte die Nonnen Adelind und Imma, die als einzige durch Zufall einen Überfall überlebt haben und sich nun aufmachen, ihr Leben zu retten und womöglich Hilfe zu rufen. Da kommt ihnen Karls Armee gerade recht. Während beide vor ihren Verfolgern um ihr Leben laufen müssen, werden auch Isaak, Thankmar und der Elefant von Häschern verfolgt, die einen Friedensschluß zwischen Karl und dem Kalifen verhindern sollen&

Ein ungewöhnliches Sujet

Der Archäologe Dirk Husemann hat sich für seinen Debütroman ein ungewöhnliches Sujet herausgesucht. Ist die Epoche des Frühmittelalters im Genre des Historischen Romans generell unterrepräsentiert, so erzählt Husemann dem Leser eine Seitengeschichte der karolingischen Zeit. Der Kalif von Bagdad schickt Karl dem Grossen Friedensgeschenke, nachdem er zuvor selber welche erhalten hat. Der ungewöhnlichste Teil dieser Geschenke hat vier Beine, wiegt einige Tonnen und hat vorne einen Rüssel.

Als Begleiter wird ihm der alte Jude Isaak zur Seite gestellt, der es als seine Aufgabe ansieht, den Elefanten dem zu dieser Zeit in Pavia befindlichen Kaiser Karl zu überbringen und anschließend in Ruhe seinen Lebensabend zu geniessen. Er kann ein paar arabischen Schergen den sächischen Sklaven Thankmar abluchsen, der allerdings einen Klumpfuss hat und der damit gehbehindert ist. Sie machen sich auf den Weg, nicht wissend, dass es Kräfte gibt, die ihre Mission verhindern wollen.

Nach einer abenteuerlichen Überfahrt landen sie in Italien und machen sich auf nach Norden, wo sie schließlich Karl und seinen Tross nur um ein paar Tage verpassen. So reiten sie ihm hinterher Richtung Westen, wo Karl sich gegen sarazenische Eindringlinge zur Wehr setzen will.

Die Tücken eines Elefanten

Doch weder ist es leicht, Karl zu folgen, noch, dies möglichst unauffällig mit einem Elefanten zu tun. Dirk Husemann schildert ein ums andere Mal Begegnungen des Elefanten mit dem einfachen Volk, die so ein Tier noch nie gesehen haben, geschweige denn je von ihm gehört haben. Meist wird der Elefant, der den Namen Abul Abbas bekommen hat, im Wald versteckt, wo er in Ruhe fressen kann. Überhaupt hat ein Elefant ungewöhnliche Bedürfnisse wie Baden, was schwierig ist, wenn gerade kein Fluss in der Nähe ist, und lautlos geht dies ebenfalls nicht vonstatten.

Neben Isaak, Thankmar und Abul Abbas gibt es viele weitere Nebenfiguren, denen Husemann ein abwechslungsreiches Leben einhaucht. Ist Isaak ein alter Jude, der moderne Gedanken hat, steht ihm mit Thankmar ein junger gehbehinderter Sklave entgegen, der noch in alten Gedanken verhaftet ist, was eine interessante Konstellation ergibt. Nebenfiguren sind neben den sarazenischen Schergen vor allem die beiden Nonnen Adelind und Imma, deren Funktion in dem Roman lange nicht klar ist, die sich aber in Richtung Karl kämpfen, allerdings von der westlichen Seite her, um ihn vor den Sarazenen zu warnen, von denen ihr Kloster überfallen wurde. Beide gewinnen mit der Zeit an Konturen und wachsen über sich hinaus, hingegen Adelind hat noch einen weiteren Grund, der sie nach Osten führt: Eine frühere Liebe&

Bunte Charakterenschar

Eine weitere Figur ist die nicht unbedingt sprechfreudige Sklavin Gisla, die sich noch als wertvoll erweisen wird. Karls Tochter Berta hat ein Mädchen zur Welt gebracht, das sie aber töten lassen will. Gisla findet es und nimmt es an, womit Karl eine Enkelin hätte, wenn er sie denn akzeptieren würde. Leider wird im Roman nicht aufgelöst, was Berta gesagt hätte, wenn sie erfahren hätte, dass ihre Tochter noch lebt.

Was allerdings etwas seltsam anmutet, sind wenige kurze Passagen, in denen der Elefant der Erzähler ist. Hier bricht Husemann aus seinem zuvor flüssigen Erzählschema aus, und als Leser ist man unweigerlich irritiert, zumal der Anschluß an die weitere Handlung etwas holprig gerät. Glücklicherweise passiert dies nur an zwei Stellen im hinteren Teil des Romans, so dass die Spannung dennoch erhalten bleibt.

Eine reale Geschichte

Alles in allem gelingt es dem Autor, den Leser in die karolingische Zeit zu entführen und dem Leser eine Geschichte zu erzählen, die spannend, ungewöhnlich und bisweilen auch humorvoll ist. Husemann hat sich mit den Verhaltensmustern von Elefanten beschäftigt und füllt eine geschichtliche Lücke, die eine Erzählung wert ist. Zwar weiss man nicht, ob Karl den Elefanten tatsächlich jemals zu Gesicht bekommen hat, dass aber einer geschickt wurde, ist tatsächlich belegt. Derlei Romane sind die Würze im Genre, die fernab von Frauengeschichten von der Stange einen bunten Tupfer bedeuten.

Das Cover des Buches ist ansprechend mit einem Elefanten gestaltet und die Karte, die sich im Inneren befindet, wurde liebevoll gestaltet, woran auch der Autor seinen Anteil hatte. Ein Nachwort rundet den Roman ab, der sprachlich nicht schwer zu lesen ist und der dem Leser rund 470 Seiten Frühmittelalter beschert, zu einer Zeit, in der sich die Geschichte zu drehen beginnt. Einzig mit der Erwähnung, dass Dorsche in der Rhône gefangen werden, irrt der Autor. Hochseefische findet man selten in Flüssen. Von diesem kleinen Fehler, der zu vernachlässigen ist, abgesehen, ist der Roman durchweg zu empfehlen. Man wünschte sich mehr Romane über Kuriosa der Weltgeschichte.

Ein Elefant für Karl den Großen

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