Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • , 2015, Titel: 'Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Zwei unterschiedliche Literaten und ihre Erfahrungen

Buch-Rezension von Daniela Loisl Sep 2015

USA 1882. Die beiden jungen Männer Oscar Wilde und Knut Hamsun sind auf dem Weg nach Amerika. Wilde, zu Vorträgen eingeladen wird überall erkannt und hofiert und wird durch seine Vorträge über Ästhetik berühmt. Hamsun hingegen, der damals noch Knut Pedersen hieß, war noch gänzlich unbekannt und musste schließlich auch arbeiten, um sich die Rückfahrt nach Norwegen leisten zu können. Beide Männer prägen die Literaturwelt nachhaltig, doch beide Schriftsteller machen jeder auf seine Weise Erfahrungen mit der dunklen Seite der Menschheit.

Zwei Männer, zwei Leben

Wie schon bei Mann im Schatten hat Matthias Engels auch dieses Buch im Bereich der Literatur angesiedelt. War es im erst erwähnten noch Thomas Mann, dem sein Interesse galt, so sind es hier keine Geringeren als Oscar Wilde und Knut Hamsun. Beide Männer begleitet man auf einem Schiff in die USA und so unterschiedlich die Charaktere der beiden sind, so unterschiedlich auch ihre Lebensweise.

Engels erzählt episodenhaft und kapitelweise, die meist relativ kurz gehalten im Wechsel zu den beiden Protagonisten stehen. Eingeleitet werden die Kapitel, angelehnt an Logbucheinträge der Schifffahrt, durch Datum, Ortsangabe und Koordinaten und einer Kurzbeschreibung zum aktuellen Wetter, welche den Leser ohne großer Beschreibungen ein Bild zum aktuellen Umfeldes des jeweiligen Akteurs wiederspiegelt.

Ungewohnt innovativer Aufbau der Erzählung 

Sorgen die schon bewusst kurz gehaltenen, aber zahlreichen Kapitel für Kurzweil, so wird dies noch unterstrichen durch Exkurse in das Zeitgeschehen des auslaufenden 19. Jahrhunderts. Verhandlungen zum Festlegen des Nullmeridians oder auch Einblicke in die Chirologie lockern die doch leicht bedrückende Atmosphäre auf. Bedrückend insofern, weil der informierte Leser natürlich um das Schicksal der beiden Protagonisten weiß und man in ständiger Erwartung harrt, wann es für die beiden erfolgreichen Literaten vorbei ist mit ihrer Karriere und der soziale Abstieg aus gänzlich unterschiedlichen Gründen beginnt.

Geht es in der Erzählung um beide Schriftsteller gleichermaßen, so kann man sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass Oscar Wilde etwas mehr im Fokus steht. Allerdings kann dieser Eindruck auch durch die so gänzlich unterschiedlichen Charaktere entstehen, ist Wilde doch eine schillernde, auffällige und gern gesehene Figur in der Gesellschaft, der dem Luxus frönt und keine körperliche Arbeit kennt, während sich Hamsun, aus ärmlichen Verhältnissen kommend, mit viel Mühe hocharbeiten muss, um seiner Passion, dem Schreiben, nachkommen zu können.

Heikle Passagen

Dass Engels ein Autor mit viel Empathie ist, hat er bereits in seinem Werk um Thomas Mann gezeigt. Er besitzt die Gabe, sich auf die jeweilige Figur einzulassen und mit geschickt gewählten Formulierungen die wesentlichen Charakterzüge des jeweiligen Literaten hervorhebt, ohne sich in ausschweifende Beschreibungen zu verzetteln.

Mag der Titel auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich sein, so darf man feststellen, dass Engels (oder der Verlag?) sich aber sehr wohl Gedanken dazu gemacht hat und die Quintessenz im Leben beider Schriftsteller ausgezeichnet auf den Punkt bringt. Die heiklen Passagen im Leben beider sind es, die sie letztendlich zu Fall bringen. Die Homosexualität ist es bei Wilde, die ihn ins Gefängnis und auch den gesellschaftlichen Absturz bringt, während es bei Hamsun seine politischen Ansichten zur Zeit der Nazis sind, die ihn in der Psychiatrie landen lassen.

Das so hautnahe Miterleben zweier außergewöhnlicher Männer der Feder empfindet man als schmerzlich, was für Matthias Engels spricht, der in ausdruckstarker und gereifter Sprache mit diesem Buch eine würdige Reminiszenz an Wilde und Hamsun geschaffen hat.

Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun

Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun

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Letzte Kommentare:
09.11.2016 14:17:24
Ina Degenaar

Die Einschätzung über dieses Buch deckt sich im Großen und Ganzen mit meiner. Leider haben es Bücher von Independent-Verlagen deutlich schwerer, wahrgenommen zu werden, weil das Marketing mit dem der großen Verlage nicht mithalten kann. Deshalb freut es mich umso mehr, dass "Indie Publishing", ein Ableger von Deutschlands größter Buchzeitschrift "buchreport" sich ihnen und den Self Publishern annimmt. Ab und zu steuere ich dort eine Rezension bei, die letzte handelte von diesem Buch (http://inasbuecherkiste.blogspot.com/2016/11/die-schriftsteller-hamsun-und-wilde.html).
Viele Grüße,
Ina Degenaar

30.09.2015 21:32:13
Nanni Nolting

Ein unbekanntes, geschlossenes Buch auf dem Tisch reizt mich immer. Das Cover Bild hier eines älteren, großen Passagierdampfers das weckt Assoziationen: Ozean-Atlantik-Amerika.
Ich lese lautlos-laut den seltsamen sperrigen Titel " Die heiklen ....."
" Wilde" spreche ich dabei mit deutscher Phonetik, korrigiere mich aber rückwärts, nachdem ich" .... Und Hamsun " lese. Hamsun als Literatur- Nobelpreisträger lässt kongenial nur den Dichter und Dandy Oscar Wilde zu. Also lese ich den Titel noch einmal, dieses Mal mit korrekter, englischer Phonetik. Ich krame in meinem Gedächtnis nach den Lebensdaten und Begegnungen der beiden Herren, werde aber nicht fündig. Beschämt werde ich später danach googeln. Zunächst aber lasse ich mich jetzt einfach überraschen.
In der Hand bereitet das Buch ein angenehm haptisches Gefühl, nicht kalter und glatter Umschlag, sondern ein seltsam warmes Tastempfinden. Mit der Qualität des Papiers und den lesbaren Buchstaben setzt sich dieser positive Empfang fort. Natürlich hat der Inhalt eines Buches die höhere Wichtigkeit, aber für mich muss das sensitive Erfahrung zum Lesen einstimmen.
Wie schon durch das Umschlagfoto angedeutet, lässt der Autor, Matthias Engels, die zunächst als Dokumentation empfundene, aber doch als Fiktion komponierte Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts spielen. Zwei Herren (oder doch mehr ein Herr und ein Mann) schiffen sich voneinander unabhängig nach Amerika ein. In fast allem unterschiedlich vereint sie nur eines: beide sind innerlich zum Schreiben gedrängt und berufen. Hier der weltbekannte und skandalträchtige Dandy, der in Amerika mit offenen Armen empfangen wird, wohlhabend und unabhängig, dort der verarmte, oft gedemütigte Gelegenheitsarbeiter, dem nur durch einen Gönner die Reise ermöglicht wurde. Er hofft, mit seiner Kunst eines Tages Erfolg zu haben. Entsprechend unterschiedlich sind ihre Eindrücke und Erfahrungen von der neuen Welt: Glitzer und Beifall einerseits, Armut und Erfolglosigkeit andererseits. Raffiniert lässt der Autor dabei zeitaktuelle, bahnbrechende technische Erfindungen in die Geschichte einfließen, so dass mittels logbuchartiger Aufzeichnung immer wieder Realität mit Fiktion verschmilzt.
In der Parallelität von Aufstieg und rasantem sozialen Abstieg beider Protagonisten liegt der Reiz dieses unterhaltsam und dramaturgisch geschickt angelegten Romans. Ebenso werden beider Liebesleben innerhalb von Moral und Sittenkodex der damaligen Zeit und in ihren unterschiedlichen Ausprägungen und Auswirkungen realitätsnah, authentisch und feinsinnig( Liebesbrief an Bosie) in das Geschehen eingewoben.
So begleitet der Roman beide bis in den Tod. Die Verdammnis durch die Gesellschaft, hier durch homosexuelle Neigung, dort durch politische Veränderungen bedingt, klingt bis zum Ende des Romans hindurch.
Sprachlich ist es ein Vergnügen, dem Auto zu folgen. Wortgewandt und geschliffen, doch fern jeder gekünstelten Sprachwelt gibt er dem Roman das zusätzliche Etwas das einen ausgezeichneten und lesenswerten Roman ausmacht


Mein Vorschlag für amazon (kannst ja jederzeit noch ändern)

Ausgezeichnet und lesenswert (wenn dir ne bessere Überschrift einfällt, gerne!)
Ein unbekanntes, geschlossenes Buch auf dem Tisch reizt mich immer. Das Cover Bild hier eines älteren, großen Passagierdampfers das weckt Assoziationen: Ozean-Atlantik-Amerika.
Wie schon durch das Umschlagfoto angedeutet, lässt der Autor, Matthias Engels, die zunächst als Dokumentation empfundene, aber doch als Fiktion komponierte Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts spielen. Zwei Herren (oder doch mehr ein Herr und ein Mann) schiffen sich voneinander unabhängig nach Amerika ein. In fast allem unterschiedlich vereint sie nur eines: beide sind innerlich zum Schreiben gedrängt und berufen. Hier der weltbekannte und skandalträchtige Dandy, der in Amerika mit offenen Armen empfangen wird, wohlhabend und unabhängig, dort der verarmte, oft gedemütigte Gelegenheitsarbeiter, dem nur durch einen Gönner die Reise ermöglicht wurde. Er hofft, mit seiner Kunst eines Tages Erfolg zu haben. Entsprechend unterschiedlich sind ihre Eindrücke und Erfahrungen von der neuen Welt: Glitzer und Beifall einerseits, Armut und Erfolglosigkeit andererseits. Raffiniert lässt der Autor dabei zeitaktuelle, bahnbrechende technische Erfindungen in die Geschichte einfließen, so dass mittels logbuchartiger Aufzeichnung immer wieder Realität mit Fiktion verschmilzt.
In der Parallelität von Aufstieg und rasantem sozialen Abstieg beider Protagonisten liegt der Reiz dieses unterhaltsam und dramaturgisch geschickt angelegten Romans. Ebenso werden beider Liebesleben innerhalb von Moral und Sittenkodex der damaligen Zeit und in ihren unterschiedlicher Ausprägungen und Auswirkungen realitätsnah, authentisch und feinsinnig( Liebesbrief an Bosie) in das Geschehen eingewoben.
So begleitet der Roman beide bis in den Tod. Die Verdammnis durch die Gesellschaft, hier durch homosexuelle Neigung, dort durch politische Veränderungen bedingt, klingt bis zum Ende des Romans hindurch.
Sprachlich ist es ein Vergnügen, dem Auto zu folgen. Wortgewandt und geschliffen, doch fern jeder gekünstelten Sprachwelt gibt er dem Roman das zusätzliche Etwas das einen ausgezeichneten und lesenswerten Roman ausmacht

25.09.2015 13:01:20
Thorsten Trelenberg

Es gibt sie also noch. Neuerscheinungen, die wie funkelnde Sterne den Bücherhimmel erleuchten. Eine Bereicherung für jeden Bücherschrank ist der Roman "Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun" des Autors Mathias Engels.

In der um die Jahre 1880er Jahre beginnenden und als Logbuch angelegten Geschichte begleiten wir Leser und Leserinnen zwei Autoren, die unterschiedlicher nicht sein könnten, auf eine Reise durch ihre Zeit. Im Sinne einer unterhaltsamen und kurzweiligen Fiktion, die mit vielen zeitaufwendig recherchierten Details aufwartet, zieht Matthias Engels seine Leser in den Bann.

Mit seinem Roman ist Mathias Engels ein großer Wurf gelungen, der Lust auf mehr macht. Mehr Wilde, mehr Hamsun, aber vor allem mehr Engels!