Italienische Nächte

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Diana, 2014, Titel: 'The Night Falling', Originalausgabe

Couch-Wertung:

89

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
1 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:67
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":1,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Rita Dell'Agnese
Intensiver Einblick in die Klassenunterschiede in Apulien

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2015

Clare sollte glücklich sein. Sie ist mit ihrem Stiefsohn Pip im Jahr 1921 nach Apulien gereist, wo ihr Mann Boyd Kingsley als Architekt für den wohlhabenden Leandro Cardetta tätig ist. Doch Clare kann sich nicht so recht mit der Situation anfreunden. Boyd scheint ihr oft auszuweichen und etwas vor ihr zu verbergen. Außerdem fühlt sie sich einsam, trotz der Aufmerksamkeit von Leandros amerikanischer Frau. Die verschlossenen Süditaliener sind der Engländerin Clare nicht ganz geheuer, Clare spürt eine intensive Abneigung. Die Situation ändert sich jedoch, als der schwer verletzte Ettore ins Haus seines Onkels gebracht wird, um ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren. Ettore ist darüber nicht glücklich, er wollte von seinem Onkel nichts wissen, obwohl er zusammen mit seinem kranken Vater und der Schwester mit ihrem Baby in äußerst ärmlichen Verhältnissen lebt. Gegen ihre Gefühle ankämpfend, kommen sich Ettore und Clare näher. Sie entdecken im jeweils anderen einen Seelenverwandten. Doch ihnen ist ebenso bewusst, dass sie nicht nur aus völlig unterschiedlichen Welten stammen, Clare ist jung verheiratet, eine Verbindung mit Ettore ist vor diesem Hintergrund völlig ausgeschlossen.

Bedrückend und düster

Katherine Webb ist bekannt für Romane, die die Leser in die Vergangenheit führen, jedoch über den Umweg der Gegenwart. Diesen Teil hat sie bei Italienische Nächte weggelassen und beginnt gleich mit der Geschichte von Clare, die in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt. Die etwas scheue Engländerin wird da mit einer Kultur konfrontiert, mit der sie nicht so recht umgehen kann: Die Menschen bringen ihr offen zur Schau gestellte Abneigung entgegen, wobei die Männer sich an ihrem blonden Haar kaum sattsehen können. Ein Klischee zwar, aber eines, das nicht aufgesetzt und überstrapaziert scheint. Clare fühlt sich unwohl in der Situation, in die sie ihr Ehemann Boyd gebracht hat und der Leser spürt dieses Unbehagen fast körperlich. Wie er auch mit der Atmosphäre des Buches ein sehr düsteres Umfeld aufnimmt. Auf eine höchst eindrückliche Weise schildert Katherine Webb, wie die arme Bevölkerung von den wenigen Wohlhabenden geknechtet und ausgenützt wird. Die Not der Bevölkerung ist greifbar und legt sich beim Lesen wie eine Würgeschlinge um den Hals. Kaum jemand dürfte sich hierzulande dessen bewusst sein, wie schlecht es den Menschen ging, die viel zu wenig hatten, um ein menschenwürdiges Leben zu haben.

Angepasste Charaktere

Die Figurenzeichnung gelingt Katherine Webb ausgezeichnet. Clare ist eine etwas eingeschüchterte junge Frau, die erst mit jemandem, der nichts außer sich selber vorzuweisen hat, aus sich heraus gehen kann. Ettore ist ein stolzer junger Mann, der in seinen edlen Gedanken verfangen ist und es kaum schafft, Hilfe von außen anzunehmen. Beide Protagonisten haben eine ganze Reihe von Ecken und Kanten und es wird kaum jemanden erstaunen, dass die beiden aufeinander zusteuern und voneinander angezogen sind. Die Liebesgeschichte ist intensiv und doch erstaunlich ruhig. Die Autorin hat hier ganze Arbeit geleistet und eine perfekte Bühne für die verschiedenen Gefühle aufgebaut.

Etwas viele Längen

Also müsste man davon ausgehen, dass dieser Webb-Roman ein breites Publikum restlos zufrieden stellt. Doch das wird nicht passieren. Denn dazu unterscheidet er sich einerseits zu klar von Mainstream-Romanen in diesem Genre und andererseits gibt es immer wieder Längen, die die Lektüre etwas erschweren. Es mag vor allem die Webb-Fans enttäuschen, dass nicht mit dem bisher fast üblichen Raster gearbeitet wurde, wonach eine zufällige Begebenheit jemanden aus der Gegenwart dazu bringt, ein Geheimnis der Vergangenheit aufzudecken. Was sich dafür zwischen den Zeilen findet, ist recht heftige Kost. Es ist jedoch das eigentlich faszinierende am Roman und die unterstreicht die Qualität der Autorin. Katherine Webb ist mit ihrem Roman Italienische Nächte reifer geworden, überzeugender, überlegter. Sie beweist damit, dass noch viel Potenzial in ihr steckt.

Italienische Nächte

Italienische Nächte

Deine Meinung zu »Italienische Nächte«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
11.11.2017 10:03:21
Milena Antcheva

Ich wollte eigentlich den Roman mit 100 Prozent oder Punkten bewerten, habe aber falsch mit 50 bewertet. Ich fand ihn super. Ich muss jetzt die Geschichte nicht noch einmal erzählen, weil die Leute, die Sie gelesen haben, sie nicht vergessen können. Ich habe beim Kauf des Buches auch wie viele was anderes erwartet, umso mehr war ich von der Geschichte fasziniert, weil ich in eine Welt eingetaucht bin, die ich bis jetzt nicht kannte. Ich konnte nicht aufhören zu lesen, für ein paar Tage habe ich das Buch durchgelesen, Vieles erfahren und gelernt, von dem ich bisher keine Ahnung hatte. Ich bewundere die junge Autorin für das, was sie aufs Papier gebracht hat und mir, eine Leserin, so viel damit gesagt hat. Nach dem Lesen des Buches hat sich meine Weltsicht geändert, ich habe angefangen die Menschen und ihre Handlungen anders zu betrachten und zu bewerten. Es war für mich eine große Bereicherung, sowohl geschichtlich gesehen, als auch psychologisch. Danke Katherine Webb!

09.12.2016 15:23:46
Rachel L.

Selten habe ich ein Buch gelesen, dessen Cover so wenig zum Inhalt passt. Die Autorin beschreibt in erster Linie die furchtbare Not der süditalienischen Bauern in der Zeit des beginnenden Faschismus. Man denkt an "Christus kam nur bis Eboli" von Carlo Levi, der auch zitiert wird.
Die Liebesgeschichte zwischen Clare und Ettore ist sekundär und geht auch noch schlecht aus, was doch sehr den Regeln des Trivialromans widerspricht. Wer sich ein Happyend wünscht, sollte die Finger von diesem Buch lassen!

11.09.2015 20:07:02
Klusi

Apulien 1921: Clare Kingsley und ihr Stiefsohn haben eine lange Reise von England nach Süditalien hinter sich, weil Clares Mann Boyd seine Familie bei sich haben möchte. Er arbeitet als Architekt für den reichen Grundbesitzer Leandro Cardetta. Clare fühlt sich nicht wohl in der fremden Umgebung, auch hat sie den Eindruck, dass ihr Mann ihr etwas verheimlicht. Nach und nach erfährt sie, dass Boyd und Cardetta sich bereits von früher kennen, aber beide schweigen sich über die Vergangenheit aus.
Als Leandros Neffe Ettore eines Tages verletzt zum Gutshaus der Cardettas gebracht wird, tut sich für Clare eine neue, fremde Welt auf. Sie ist vom ersten Augenblick an fasziniert von dem ernsten Mann mit den tiefgründigen blauen Augen. Je mehr sie über ihn erfährt und je besser sie ihn kennenlernt, umso stärker fühlt sie sich zu ihm hingezogen.
Ettore verachtet die Lebensweise seines Onkels, denn er selbst führt ein ärmliches Dasein als Tagelöhner und kämpft ums tägliche Überleben, während Leandro, der ebenfalls in dieser kargen, elenden Umgebung aufgewachsen ist, sein Glück in Amerika gemacht hat und als reicher Grundbesitzer nach Italien zurückgekommen ist. Seitdem stehen Onkel und Neffe auf verschiedenen Seiten. Eine Annäherung scheint ausgeschlossen, denn in Apulien wütet ein erbitterter Krieg zwischen Arm und Reich. Die wohlhabenden Grundbesitzer bezahlen faschistische Schlägertrupps dafür, dass sie die einfache Bevölkerung in Schach halten, und die Rebellion der Tagelöhner, die Schwerstarbeit auf den Feldern der Reichen verrichten und kaum einen angemessenen Lohn dafür erhalten, sondern eher noch von den Aufsehern verspottet und erniedrigt werden, wird ein ums andere Mal zerschlagen.
Als Ettore beginnt, Clares Zuneigung zu erwidern, gerät die junge Frau in einen Zwiespalt. Von nun an steht sie zwischen den Fronten, denn einerseits genießt sie Leandro Cardettas Gastfreundschaft, aber sie liebt Ettore, und diese Liebe darf nicht sein. Es ist, als würden sie beide an einem gähnenden Abgrund stehen, der durch nichts zu überbrücken ist. Zu tief ist die Kluft zwischen Arm und Reich, und den Liebenden ist klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft haben kann, denn Clare ist verheiratet, und Ettore trägt tief in sich noch die Trauer um seine Verlobte, die durch ungeklärte Ereignisse ums Leben kam, und er will nicht eher ruhen, als bis er den Schuldigen gefunden hat.

Liest man den Titel und betrachtet das schöne Cover, könnte man meinen, dass es sich bei diesem Buch um einen romantischen Liebesroman in „Bella Italia“ handelt. Wer dies erwartet, wird enttäuscht sein, denn dem ist ganz und gar nicht so. Das Italien, das hier geschildert wird, ist alles andere als idyllisch oder malerisch.
Das Süditalien der Zwanziger Jahre, das Clare Kingsley erlebt, ist ein ödes Land, ohne Schönheit. Die schwere Arbeit auf den vertrockneten Feldern, die Schikanen der Aufseher und der karge Lohn haben die Menschen hart gemacht. Mit Unterstützung der reichen Grundbesitzer gewinnen die Faschisten immer mehr Macht im Land, und alle Verbesserungen, die in der Vergangenheit erreicht worden waren, sind hinfällig. Clare erlebt eine Welt, die ihr bisher völlig fremd war. Sie musste noch nie Hunger leiden oder Angst um ihr Leben haben. Was sie hier in Gioia del Colle erlebt, lässt sie aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen. Sie wird mit der brutalen Realität der hier herrschenden Lebensverhältnisse konfrontiert, aber sie lernt auch die Liebe kennen. Zwar ist sie seit Jahren mit Boyd verheiratet, aber die Gefühle in ihrer Ehe waren genauso gedämpft und verhalten wie ihr ganzes bisheriges Leben.
Mich hat dieser Roman von der ersten Seite an gepackt. Er ist im Präsens und abwechselnd aus Clares und Ettores Sicht geschildert. Der Autorin gelingt es hervorragend, Stimmungen und Emotionen in ausdrucksstarke Bilder umzusetzen und Situationen mit wenigen, treffenden Worten darzustellen. Die Protagonisten sind sehr intensiv charakterisiert, und viele längere Passagen des Romans befassen sich mit dem Fühlen und Denken der Hauptpersonen. Manch einer mag dies als langatmig empfinden. Meinen Nerv hat dieser Roman jedoch voll und ganz getroffen, denn er gewährt einen intensiven Blick hinter die Kulissen und die glänzenden Fassaden, weit entfernt von touristischen Pfaden, sondern mitten ins reale Leben der damaligen Zeit, mit all seinen Problemen und Gefahren. Der Roman war völlig anders als erwartet, was ich jedoch positiv sehe, denn
sowohl die Handlung als auch die Sprache haben weitaus mehr zu bieten als pure Unterhaltung, es ist eine eindringliche Geschichte, die lange nachhallt.