Spielmanns Fluch

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • , 2015, Titel: 'Spielmanss Fluch', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Hamburg und Lüneburg kämpfen um die Elbe

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2015

Spielmanns Fluch spielt in den Jahren 1620 bis 1622. Lüneburg und Hamburg kämpfen verbissen um den Verlauf der Elbe. Der Tolle Christian, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, und dessen marodierende Banden gehen besonders brutal vor und überfallen immer wieder die Vierlande. Als sich einige schwerverletzte Menschen auf den Hadeler Hof des Vogts der Insel Billwerder retten, gelingt es dem jungen Jonas von Have, dem Bruder des Vogts, mit zwei glänzenden Ideen die anstehenden Übergriffe abzuwehren. Daraufhin bietet ihm der Festungsbaumeister der Stadt Hamburg, Johann van Valckenburgh, eine Arbeit als Späher an; wenig später wird Jonas dessen Adjutant. Doch erste Erfolge sorgen nur für eine kurze Verschnaufpause, denn schon droht neuer Ärger. Friedrich von Böhmen, der Winterkönig, und seine Frau Elisabeth Stuart wollen Hamburg besuchen. Als Anführer der Protestantischen Union ist Friedrich der natürliche Feind der Katholischen Liga und ihres berüchtigten Anführers Tilly. In Friedrichs Gefolge befindet sich der junge Spielmann Václav Jessenius, in den sich Jonas verliebt. Recht bald bringt ihn diese Liaison in Schwierigkeiten, denn Václav verfolgt seine eigenen Interessen, die denen des Festungsbaumeisters entgegenstehen&

Vielseitiges Geschichtspanorama

Autor Jörgen Bracker ist studierter Historiker, leitete rund 25 Jahre das Museum für Hamburgische Geschichte und gilt als ausgewiesener Experte für die Geschichte der Hansestadt sowie die Deutsche Seefahrtsgeschichte. Daher verwundert es nicht, dass in dessen neuem Roman Spielmanns Fluch viel zum geschichtlichen Hintergrund der damaligen Zeit vermittelt wird. Die Religionskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten, dazwischen die von den Lutheranern verhassten Calvinisten sowie die politischen Verstrickungen wie die neu entfachte Rivalität zwischen Spanien und den Niederlanden, werden beleuchtet. Weitere herausragende Persönlichkeiten der damaligen Zeit finden sich in dem Roman wieder, der sich dennoch eng an dem Werdegang des jungen Jonas orientiert. So können auch weniger geschichtskundige Leser dem Geschehen ohne größere Schwierigkeiten folgen.

 

"Streng beobachtet durch König Jakob von England und bedrängt durch Kaiser Ferdinand, werden wir nur mit ihrer Hilfe, Herr Oberst, einen diplomatischen Weg finden, unser Staatsschiff zwischen den uns bedrohenden Klippen hindurchzusteuern wie weiland Odysseus sein Boot und seine Gefährten durch Skylla und Charybdis."

 

Den Protagonisten Jonas umgibt ein Geheimnis hinsichtlich seiner Herkunft, welches er selber erst noch herausfinden muss. Zudem gerät er in amouröse Abenteuer, da er sich zunächst zu der attraktiven Rieke, der Freundin des Festungsbaumeisters van Valckenburgh hingezogen fühlt, was sich mit dem Auftreten des jungen Lauten- und Theorbespielers Václav schlagartig ändert. So ergeben sich nicht nur allerhand politisch-religiöse Schwierigkeiten, denn auch das Verhältnis zwischen Jonas und van Valckenburgh wird zunehmend auf eine harte Probe gestellt. Es gilt diverse Abenteuer zu überstehen und den Intrigen innerhalb der Stadt entgegenzuwirken. Denn viele Kaufleute denken vorrangig an sich selber und sind bereit mit dem Feind zusammenzuarbeiten. Schließlich gilt Hamburg als Hochburg des Waffenhandels.

 

"Aber Magnifizenz! Ich darf doch annehmen, dass Hamburg sich weigern würde, den neu entbrannten Glaubenskrieg mit der Lieferung todbringender Kriegsmaterialien anzuheizen!"

"Da sind Sie aber im Irrtum, verehrter Oberst! Wenn die Stadt, die weltweit den bedeutendsten Tummelplatz für Waffenhändler in ihren Mauern birgt, es wirklich wollte, könnte sie in der Tat den wieder aufflammenden Weltenbrand löschen, indem sie durch ein Verbot der Ausfuhr gegenüber allen miteinander Krieg führenden Parteien dem Feuer die Nahrung entzieht. Aber die Geldgier vernebelt den edlen Hanseaten den Verstand! Liebend gern werden sie sich auf der Grundlage des schimmeligen Handelsvertrages zu Waffenlieferungen an Spanien genötigt sehen."

 

Ein breitgefächertes Themenfeld wird kurzweilig und gleichermaßen informativ vermittelt. Wer es genauer wissen möchte, findet im Anhang ein ausführliches Verzeichnis zu weiterführender Fachliteratur. Allein ein fehlender historischer Kartenausschnitt mit Eintragung des Elbeverlaufs sowie der rivalisierenden Städte hätte das Buch zusätzlich abgerundet.

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Letzte Kommentare:
24.10.2015 16:13:53
Oliver Paeslack

Hallo zusammen, liebe Lesegemeinschaft.

vielleicht ein wenig hölzern mit dem was ich hier schreibe,
aber,
bin so langsam ein echter Bracker Fan geworden.

Es bringt wirklich viel Freude sich in die so beschriebenen Charaktere hinein zu versetzten und deren Geschichte zu erlesen. Habe jetzt mit dem Buch Spielmanns Fluch den dritten Titel vom Bracker in den Händen, den ich förmlich aufgesogen habe.

Vielleicht liegt es aber auch an meiner Nähe zu Hamburg und den alten Zeiten die mich schon immer interessiert haben.
Hier in dem Roman vor historischem Hintergrund das Abenteuer vom Jonas zu lesen bringt viel Freude..

Ich bin immer wieder gefesselt und habe große Freude daran in diesem Buch zu lesen.

Eines hat dann aber doch einen kleinen Haken, die Bücher sind zu schnell ausgelesen. Ein paar Seiten mehr bitte.....Herr Bracker.

11.10.2015 21:03:18
mabuerele

„...Und zum Dritten geht es um die gewissenlosen Propagandisten im Stadtrat, weil sie sich für Geld die hehrsten Begründungen für Waffenlieferungen in Spannungsgebiete ausdenken...“

Wir schreiben das Jahr 1620. In Vierlanden melkt Jonas die Kühe seines Bruders, als es an das Tor hämmert. Es ist die Wirtin vom Zollenspieker mit ihren Leuten. Sie wurden überfallen und der Vater der Wirtin schwer verletzt. Jonas ahnt, das die Angreifer auch auf den Hof seines Bruders kommen werden und lässt sich eine geschickte Verteidigungsstrategie einfallen.
Als der Festungsbaumeister van Valckenburgh einen Boten sucht, fällt ihm der pfiffige Bauernjunge auf.
Der Autor hat einen spannenden historischen Roman mit sehr aktuellen Bezügen geschrieben. Das Buch lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen.
Die Protagonisten werden gut charakterisiert. Jonas hatte das Johanneum, die Lateinschule, besucht. Er wollte eigentlich in Prag Theologie studieren. Doch wegen seines dunklen Aussehens und seiner zweifelhaften Herkunft wurde er gemieden. Eine Verleumdung sorgte dafür, dass er die Schule verlassen musste. Nun arbeitet er auf dem Hof seines älteren Bruders. Gerade in den Zeiten der Gefahr zeigt sich, dass er ein kluges Köpfchen ist.
In Hamburg lernt Jonas den jungen Spielmann Vaclav kennen und lieben. Das stellt ihn bald vor schwierige Entscheidungen.
Der Festungsbaumeister van Valckenburgh ist eine historische Person. Er ist Calvinist und von Moritz von Oranien beauftragt, Hamburg durch eine Mauer vor Kriegseinwirkungen zu schützen.
Der Roman zeugt von umfangreicher und exakter Recherche des Autors. Das Geschehen vor 400 Jahren weist durchaus Parallelen zur Gegenwart auf. Und genau die wurden gekonnt herausgearbeitet und thematisiert. Während Valckenburgh der Stadt den Frieden erhalten will, paktiert ein Teil der politisch Verantwortlichen und wirtschaftlich Herrschenden mit den Spaniern. Sie sehen ihre Chance darin, durch Waffenlieferungen Hab und Gut zu mehren. Dabei ist man durchaus bereit, beide Kriegsparteien zu beliefern. Gier siegt über Menschlichkeit. Hinzu kommen die auftretenden Spannungen in der Stadt. Neben den Katholiken und den Lutheraner nimmt die Zahl der Calvinisten zu, die aus anderen Teilen des Reiches nach Hamburg geflohen sind. Die aber sind unerwünscht.
Der Schriftstil des Buches ist ausgefeilt. Gleich zu Beginn bedient sich der Autor einer kurzschrittigen und abgehackten Sprache, um Angst und Unruhe auch durch das Wort deutlich zu machen. Bei der Beschreibung der Landschaft, der Stadt Hamburg und der Schiffsreisen dagegen findet er treffende Metapher. Zu den Höhepunkten des Buches gehören für mich die Gespräche zwischen van Valckenburgh und Jonas. Wenn der Baumeister ihm erklärt, dass es manchmal besser ist, auf Rache zu verzichten, weil jeder Tote neuen Hass weckt, dann war das nicht nur für die ferne Vergangenheit eine weise Aussage. Die Entwicklung der Protagonisten wird sehr feinfühlig dargestellt. Während Vaclav über detaillierte Rachepläne nachdenkt, hat Jonas van Valckenburgh und Anna, die Gefährtin seiner Kindheit, an seiner Seite, die ihm nicht nur notfalls den Kopf zurecht rücken, sondern auch eine neue Chance geben. Die Emotionen werden einerseits durch passende Worte, andererseits durch Taten dargestellt. Wut und Enttäuschung, Zuneigung und Verrat, Freude und Gemeinschaftssinn durchziehen mehr oder weniger die Handlung. Dem Autor gelingen Sätze, über deren tiefgründigen Inhalt es sich lohnt, nachzudenken. Obiges Zitat stammt von Jonas, der im Auftrage von van Valckenburgh Wege gegen den Waffenschmuggel finden sollte.
Im Nachwort trennt der Autor Fiktion von Realität. Ich war positiv überrascht, wie viele Fakten der Geschichte belegbar sind.
Weiterführende Literaturhinweise und eine Übersicht über Personen und Ereignisse ergänzen das Buch.
Das Cover mit dem Lautenspieler vor dem in zarten Farben gehaltenen maritimen Hintergrund passt gut zur Handlung.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. In einer fesselnden und abwechslungsreichen Handlung hat der Autor nicht nur eine Episode aus dem Dreißigjährigen Krieg verarbeitet, sondern geschickt aufgezeigt, dass Geldgier eine der entscheidenden Kriegstreiber ist. Hat die Menschheit daraus gelernt??

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