Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Krüger, 2015, Titel: 'Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche', Originalausgabe

Couch-Wertung:

95

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

3 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:96.5
V:3
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":1,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":1,"99":0,"100":2}
Christina Wohlgemuth
Ein mitreißender und farbenprächtiger Roman über eine faszinierende Frau

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Aug 2015

Kastilien im Jahre 1200. Die zukünftige Königin von Frankreich, Blanche von Kastilien, reist aus ihrer Heimat nach Frankreich, um am Hof von Paris ihren Gemahl kennenzulernen. Begleitet wird sie von ihrer Großmutter ebenfalls eine Königin, und das sogar in zwei Königreichen. Eleonore, in ihrer Muttersprache Aliénor, war Herzogin von Aquitanien, Königin von Frankreich und England und für ihre Zeitgenossen so faszinierend, schillernd und umstritten, dass sie in der heutigen Zeit sämtliche Boulevard-Magazine füllen könnte. Verschrien als Hure, vergöttert als Förderin der schönen Künste. Verhasst als Intrigantin, bewundert für ihre starke politische Rolle. All dies und noch viel mehr erzählt Aliénor selbst in dem großen Roman, der ihr Leben war.

Aliénor von Aquitanien, die mit rund 80 Jahren ein bemerkenswertes Alter erreichte, gilt zu Recht als eine der prägendsten Frauenfiguren des europäischen Mittelalters. Als Mitbegründerin des Hauses Plantagenet, dessen Spuren sich bis heute im englischen Königshaus wiederfinden, als Mutter von insgesamt 9 Kindern unter ihnen drei Könige hat sie, ungewöhnlich in ihrer Zeit, als Frau die Geschicke der Politik entscheidend mitbestimmt. Doch wer war diese Frau? Wie lebte sie? Und was empfand sie? All dem geht Sabine Weigand in ihrem Roman auf den Grund.

Eine in vieler Hinsicht untypische Frau

Das Frauenbild im 12. Jahrhundert ist klar geprägt: Mutter und Ehefrau oder Nonne. Wer diese fest vorgegebenen Pfade verlässt, läuft schnell Gefahr, sich den Unmut der Kirche und damit der herrschenden Autorität zuzuziehen. Eleonore von Aquitanien hat dies gleich in mehrfacher Hinsicht getan. Dabei konnte sie für den ersten Fehltritt relativ wenig: als Tochter aus dem Hause Aquitanien galt die Herzogstochter bereits als prädestiniert für ein Leben, das nicht den herrschenden Anstandsregeln entsprach. Und so setzte sich das Leben dieser vielschichtigen Persönlichkeit fort: als Königin von Frankreich brach sie mit den dort bestehenden Konventionen, begleitete ihren ersten Ehemann auf den Kreuzzug und ließ sich später von ihm scheiden. Die nicht bewiesenen Gerüchte über die Liason mit ihrem Onkel mögen dem noch die Krone aufgesetzt haben.

 

"Wir wussten gar nicht, wohin mit so viel Glück. Und dann, dann machte ich einen Fehler. [...] Ich wollte alles."

 

Ihre zweite Ehe mit Henry d'Anjou, der als Henry II. die Great Anarchy in England beendete, kann man durchaus als temperamentvoll und aufsehenerregend beschreiben. Tiefe Liebe und ebenso abgrundtiefer Hass prägen das Verhältnis zwischen den Eheleuten eine Spannung, die sich auch auf die Kinder überträgt, vor allem auf die Söhne Henry, Richard und John. Hier liefert die Geschichte einmal mehr den Beweis, dass sie spannender und aufregender sein kann, als die gewiefteste Phantasie eines Autors. Aus diesem Grund hat sich Sabine Weigand meistens an die bekannten Fakten und die wahrscheinlichsten Theorien gehalten und nur dort gedichtet, wo es dem Roman dient. Alle Details kann der Leser dem ausführlichen Nachwort entnehmen.

Ein Roman, der mitreißt, berührt und neugierig macht

Wer sich mit Eleonore, ihren Zeitgenossen und ihrer Epoche beschäftigt, weiß, dass ihn ein intensiver Roman erwartet, eine Geschichte, die aus hunderten von Geschichten besteht, die selbst Romane füllen könnten: das Verhältnis von König Henry zu Thomas Beckett; der Zwist zwischen den Königssöhnen Henry, Richard, Geoffrey und John. Die Rebellion der französischen Adligen gegen das Königshaus. Die Autorin lässt viele Geschichten zu Wort kommen, ermöglicht dem Leser viele faszinierende Einblicke und schafft so ein beeindruckendes Gesamtbild der Epoche, untermalt mit Originalzitaten aus den zeitgenössischen Chroniken und historisch überlieferten Briefen.

Nicht zuletzt beeindruckt der Roman durch seinen besonderen und ungewöhnlichen Stil, der den einen oder anderen Leser zunächst irritieren kann, jedoch wunderbar zur Geschichte passt und eine ganz besondere Beziehung des Lesers zum Roman und vor allem zu seiner Protagonistin aufbaut.

Sabine Weigand wird mittlerweile in einem Atemzug mit den großen Autorinnen historischer Romane in Deutschland genannt: dieser Roman beweist einmal mehr, dass sie zurecht gefeiert wird. Bleibt zu hoffen, dass Sabine Weigand uns Leser noch häufig in vergangene Zeiten entführt und uns Geschichte auch weiterhin so spannend erzählt.

Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

Deine Meinung zu »Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
10.02.2017 10:20:06
vun-de-palz

Falls Sie meine Meinung nicht bis zum Schluss lesen werden, das Fazit vorweg: Dies ist einer der besten historischen Romane die ich in den letzten 25 Jahren gelesen habe und das waren nicht wenige.
Im Jahr 1200 begibt sich Eleonore /Aliénor von Aquitanien, ehemalige Königin von Frankreich und England, im Alter von 76 Jahren auf die mühsame und gefahrvolle Reise nach Kastilien, um Ihre Enkelin Blanche abzuholen und zu deren Hochzeit mit dem französischen Thronfolger Ludwig zu geleiten. Blanche interessiert sich sehr für ihre legendenumwitterte Großmutter und lässt sich während der langen Reise nach Bordeaux von dieser aus deren langem Leben erzählen.
So gewinnt sie Einblicke in das wechselvolle Leben und die Psyche einer Frau, die Königin zweier Reiche, Mutter und Großmutter mehrerer Könige und Königinnen und eigenverantwortliche Regentin in ihrem Erbland Aquitanien war. Aliénor berichtet mit schonungsloser Ehrlichkeit von ihren beiden gescheiterten Ehen, dem komplizierten und von Rivalitäten bestimmten Familiengefüge, das im Aufstand ihrer Söhne gegen deren dominanten Vater Henry II gipfelte. sie erzählt vom Märtyrertod des Thomas Becketund erzählt auch vom Kreuzzug ins Heilige Land, der ihr den Ruf einer schamlosen Ehebrecherin einbrachte, nicht aus.
Die Charakterisierung der Romanfiguren ist sehr gelungen, besonders beeindruckend ist es, wie authentisch Aliénor dargestellt wird: Sie ist zwar eine ehrgeizige und willensstarke Frau, die sich nicht ins weibliche Rollenbild ihrer Zeit pressen lassen will, aber sie ist ausdrücklich keine "Heldin", sondern eine Persönlichkeit, die in ihrem Leben nicht Vollkommen war.
Sabine Weigand versteht es, in einem flüssigen, höchst unterhaltsamen Erzählstil komplexes historisches Wissen nahezu "nebenbei" zu vermitteln, sodass es eine umfassende Übersicht über das Geschehen in England und Frankreich des 12. Jahrhunderts vermittelt. Was will man mehr?
Diese positive Beurteilung kann ich nicht auf alle Romane der Autorin übertragen, aber dieser ist absolute Spitze.

09.10.2015 17:32:50
€nigma

Zum Inhalt
Im Jahr 1200 begibt sich Eleonore /Aliénor von Aquitanien, ehemalige Königin von Frankreich und England, im Alter von 76 Jahren auf die mühsame und gefahrvolle Reise nach Kastilien, um eine ihrer Enkelinnen abzuholen und zu deren Hochzeit mit dem französischen Thronfolger Ludwig zu geleiten. Sie entscheidet sich für Blanca/Blanche, die ihrer Meinung nach der künftigen Aufgabe als Königin Frankreichs am besten gewachsen sein wird. Blanche interessiert sich sehr für ihre legendenumwitterte Großmutter und lässt sich während der langen Reise nach Bordeaux von dieser aus deren langem Leben erzählen.
So gewinnt Blanche Einblicke in das wechselvolle Leben und die Psyche einer Frau, die Königin zweier Reiche, Mutter und Großmutter mehrerer Könige und Königinnen und eigenverantwortliche Regentin in ihrem Erbland Aquitanien war. Aliénor berichtet mit schonungsloser Ehrlichkeit von ihren beiden gescheiterten Ehen, dem komplizierten und von Rivalitäten bestimmten Familiengefüge, das im Aufstand ihrer Söhne gegen deren dominanten Vater Henry II gipfelte, sie erzählt vom Märtyrertod des Thomas Becket und sie lässt auch den Kreuzzug ins Heilige Land, der ihr den Ruf einer schamlosen Ehebrecherin einbrachte, nicht aus...

Beurteilung
Der Roman ist in drei "Bücher" gegliedert, die sich mit der Zeit bis zum Ende der Ehe mit Ludwig VII von Frankreich (1152), bis zum Scheitern der Ehe mit Henry II von England (ca 1173) und mit der Zeit von Aliénors Gefangenschaft bis zum Tod ihre Sohnes Richard I (Löwenherz) (1199) befassen. Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 1200, die Kapitel sind mit den jeweiligen Reisestationen der beiden Frauen betitelt. Teilweise erzählt Aliénor ihrer Enkelin direkt aus ihrem Leben (Ich-Erzählung), es gibt jedoch auch sehr viele Abschnitte, in denen in Rückblenden das Geschehen der thematisierten Ereignisse als Erzählung in der dritten Person präsentiert wird. Dazwischen gibt es Kapitel, die aus der Sicht weiterer Personen (Aliénors Ehemänner und Kinder) geschildert werden oder aus zeitgenössischen Quellen zitiert sind. Diese unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Abschnitte fordert dem Leser einiges an Konzentration ab, hat aber auch den großen Vorteil, durch den Wechsel der Perspektiven ein vieldimensionales Bild der Romanfiguren zu zeichnen, das es erlaubt, sich eine eigene - nicht rein subjektive - Meinung zu bilden.
Die Romanfiguren sind fast alle historische Persönlichkeiten, deren Leben die Autorin äußerst gründlich recherchiert hat. Im Nachwort gibt sie bibliographische Informationen zu den wichtigsten Biographien und zeitgenössischen Quellen (lateinische Chroniken), die sie zu Rate gezogen hat.
Die Charakterisierung der Romanfiguren ist sehr gelungen, besonders beeindruckend ist es, wie authentisch Aliénor dargestellt wird: Sie ist zwar eine ehrgeizige und willensstarke Frau, die sich nicht ins weibliche Rollenbild ihrer Zeit pressen lassen will, aber sie ist ausdrücklich keine "Heldin des 21.Jahrhunderts vor historischer Kulisse", sondern bleibt in vielerlei Hinsicht eine der mittelalterlichen Denkweise und Weltsicht verhaftete Persönlichkeit.
Der Erzählstil ist anschaulich, manchmal etwas derb und verleitet gerade durch Letzteres oft zum Schmunzeln. Wie schon in ihren Romanen über die Heilige Elisabeth von Thüringen und Konstanze von Sizilien versteht es Sabine Weigand erneut, in einem flüssigen, höchst unterhaltsamen Erzählstil komplexes historisches Wissen nahezu "nebenbei" zu vermitteln. Auch der Leser, der sich mit der Geschichte Englands und Frankreichs, bzw. der Persönlichkeit Aliénors bisher nicht beschäftigt hat, dürfte aufgrund des Zusatzmaterials keine Verständnisprobleme haben. Es wäre allerdings vorteilhaft gewesen, das umfangreiche Personenverzeichnis voranzustellen, statt es im Anhang unterzubringen.

Fazit
Ein (weiteres) großartiges Werk einer Autorin, deren Bücher nicht nur Liebhaber anspruchsvoller historischer Romane begeistern können, sondern auch auf der Lektüreliste von Geschichtsstudenten stehen sollten!