Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Krüger, 2015, Titel: 'Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche', Originalausgabe

Couch-Wertung:

95
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Christina Wohlgemuth
Ein mitreißender und farbenprächtiger Roman über eine faszinierende Frau

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Aug 2015

Kastilien im Jahre 1200. Die zukünftige Königin von Frankreich, Blanche von Kastilien, reist aus ihrer Heimat nach Frankreich, um am Hof von Paris ihren Gemahl kennenzulernen. Begleitet wird sie von ihrer Großmutter ebenfalls eine Königin, und das sogar in zwei Königreichen. Eleonore, in ihrer Muttersprache Aliénor, war Herzogin von Aquitanien, Königin von Frankreich und England und für ihre Zeitgenossen so faszinierend, schillernd und umstritten, dass sie in der heutigen Zeit sämtliche Boulevard-Magazine füllen könnte. Verschrien als Hure, vergöttert als Förderin der schönen Künste. Verhasst als Intrigantin, bewundert für ihre starke politische Rolle. All dies und noch viel mehr erzählt Aliénor selbst in dem großen Roman, der ihr Leben war.

Aliénor von Aquitanien, die mit rund 80 Jahren ein bemerkenswertes Alter erreichte, gilt zu Recht als eine der prägendsten Frauenfiguren des europäischen Mittelalters. Als Mitbegründerin des Hauses Plantagenet, dessen Spuren sich bis heute im englischen Königshaus wiederfinden, als Mutter von insgesamt 9 Kindern unter ihnen drei Könige hat sie, ungewöhnlich in ihrer Zeit, als Frau die Geschicke der Politik entscheidend mitbestimmt. Doch wer war diese Frau? Wie lebte sie? Und was empfand sie? All dem geht Sabine Weigand in ihrem Roman auf den Grund.

Eine in vieler Hinsicht untypische Frau

Das Frauenbild im 12. Jahrhundert ist klar geprägt: Mutter und Ehefrau oder Nonne. Wer diese fest vorgegebenen Pfade verlässt, läuft schnell Gefahr, sich den Unmut der Kirche und damit der herrschenden Autorität zuzuziehen. Eleonore von Aquitanien hat dies gleich in mehrfacher Hinsicht getan. Dabei konnte sie für den ersten Fehltritt relativ wenig: als Tochter aus dem Hause Aquitanien galt die Herzogstochter bereits als prädestiniert für ein Leben, das nicht den herrschenden Anstandsregeln entsprach. Und so setzte sich das Leben dieser vielschichtigen Persönlichkeit fort: als Königin von Frankreich brach sie mit den dort bestehenden Konventionen, begleitete ihren ersten Ehemann auf den Kreuzzug und ließ sich später von ihm scheiden. Die nicht bewiesenen Gerüchte über die Liason mit ihrem Onkel mögen dem noch die Krone aufgesetzt haben.

 

"Wir wussten gar nicht, wohin mit so viel Glück. Und dann, dann machte ich einen Fehler. [...] Ich wollte alles."

 

Ihre zweite Ehe mit Henry d'Anjou, der als Henry II. die Great Anarchy in England beendete, kann man durchaus als temperamentvoll und aufsehenerregend beschreiben. Tiefe Liebe und ebenso abgrundtiefer Hass prägen das Verhältnis zwischen den Eheleuten eine Spannung, die sich auch auf die Kinder überträgt, vor allem auf die Söhne Henry, Richard und John. Hier liefert die Geschichte einmal mehr den Beweis, dass sie spannender und aufregender sein kann, als die gewiefteste Phantasie eines Autors. Aus diesem Grund hat sich Sabine Weigand meistens an die bekannten Fakten und die wahrscheinlichsten Theorien gehalten und nur dort gedichtet, wo es dem Roman dient. Alle Details kann der Leser dem ausführlichen Nachwort entnehmen.

Ein Roman, der mitreißt, berührt und neugierig macht

Wer sich mit Eleonore, ihren Zeitgenossen und ihrer Epoche beschäftigt, weiß, dass ihn ein intensiver Roman erwartet, eine Geschichte, die aus hunderten von Geschichten besteht, die selbst Romane füllen könnten: das Verhältnis von König Henry zu Thomas Beckett; der Zwist zwischen den Königssöhnen Henry, Richard, Geoffrey und John. Die Rebellion der französischen Adligen gegen das Königshaus. Die Autorin lässt viele Geschichten zu Wort kommen, ermöglicht dem Leser viele faszinierende Einblicke und schafft so ein beeindruckendes Gesamtbild der Epoche, untermalt mit Originalzitaten aus den zeitgenössischen Chroniken und historisch überlieferten Briefen.

Nicht zuletzt beeindruckt der Roman durch seinen besonderen und ungewöhnlichen Stil, der den einen oder anderen Leser zunächst irritieren kann, jedoch wunderbar zur Geschichte passt und eine ganz besondere Beziehung des Lesers zum Roman und vor allem zu seiner Protagonistin aufbaut.

Sabine Weigand wird mittlerweile in einem Atemzug mit den großen Autorinnen historischer Romane in Deutschland genannt: dieser Roman beweist einmal mehr, dass sie zurecht gefeiert wird. Bleibt zu hoffen, dass Sabine Weigand uns Leser noch häufig in vergangene Zeiten entführt und uns Geschichte auch weiterhin so spannend erzählt.

Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

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