Rosenstengel

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Matthes & Seitz, 2015, Titel: 'Rosenstengel. Ein Manuskript aus dem Umfeld Ludwigs II.', Originalausgabe

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96

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Birgit Borloni
Catharina und Ludwig - die Geschichte zweier scheiternder Persönlichkeiten

Buch-Rezension von Birgit Borloni Aug 2015

Anfang des 18. Jahrhunderts: Eine junge Frau namens Catharina Margaretha Linck sorgt für Aufregung in den deutschen Landen, denn sie wagt etwas Unerhörtes und verkleidet sich als Mann. Nicht nur das, sie lebt auch dieses Leben, täuscht ihre Mitmenschen und heiratet sogar eine Frau.

Ende des 19. Jahrhunderts: Ludwig II. von Bayern gerät immer mehr in Bedrängnis, da er sich von der Welt zurückgezogen hat und sich ein Reich der Kunst und der Träume erschafft. Die dazu nötigen, teils wahnwitzigen Bauprojekte verschlingen jedoch Unmengen Geld - Geld, das er nicht hat. Der immense Schuldenberg bedroht auch den Rest der königlichen Familie, so dass daher Bestrebungen auftauchen, ihn für regierungsunfähig zu erklären und abzusetzen.

Angela Steidele widmet sich in ihrem Roman Rosenstengel zwei Persönlichkeiten, die auf den ersten Blick nicht viel gemein haben, weder zeitlich noch geographisch. Während der Lektüre erkennt man nach und nach, dass beide nicht für die Welt bestimmt waren, in die sie hineingeboren wurden und somit versuchen, sich eine eigene Realität zu erschaffen. Als Erzählform hat die Autorin den Briefroman gewählt - eher ungewöhnlich für das Genre des historischen Romans. Doch es funktioniert hervorragend!

Die zwei Zeitebenen werden getrennt voneinander erzählt, in unterschiedlichen Schriftfarben, so dass der Leser sofort weiß, in welcher Zeit er sich befindet, sie sind aber dennoch miteinander verwoben. Bindeglied zwischen den zwei Ebenen ist Franz Carl Müller, ein junger Assistenzarzt von Prof. Gudden, der als "Leibarzt" König Ludwigs II. bekannt wurde (obwohl er das nie war). Dieser Müller unterhält einen regen Briefwechsel mit dem König und findet zeitgleich Dokumente über Catharina Linck, deren Schicksal er nachspürt und das er veröffentlichen möchte.

Wahrheit oder Fiktion?

Catharina Linck selber kommt nicht direkt zu Wort, ihre Geschichte wird indirekt dargestellt, Ludwig II. hingegen ist direkt an den Briefwechseln beteiligt neben einer Vielzahl anderer Personen, so dass sich ein tiefgehendes und komplexes Geschehen entwickelt. Da einige Schreiber öfter zu Wort kommen als andere, ist das Verzeichnis mit Kurzbiographien am Ende des Buchs ein Segen, in dem man schnell noch einmal nachschlagen kann, wer denn nun wer ist. Diese Kurzbiographien geben auch einigen Aufschluss darüber, was in dem Roman Fakt und was Fiktion ist - die Autorin verzichtet nämlich bewusst auf eine Klarstellung, zum Beispiel in einem Nachwort. Auch eher unüblich in einem Genre, in dem viele Leser extremen Wert auf die Authentizität und Richtigkeit sämtlicher Details legen. Da es jedoch ein Roman und kein Sachbuch ist, nutzt die Autorin ihre dramaturgische Freiheit gekonnt aus und präsentiert eine faszinierende und unterhaltsame Geschichte, bei der der Leser schließlich im Endeffekt selber entscheiden muss, was er nun als Fakt und was als Fiktion ansieht - wenn er das denn möchte.

Steidele zeigt viele mögliche Wahrheiten auf, ausgedrückt durch unterschiedliche Ansichten zum Thema Religion, Wahnvorstellungen und geistige Krankheiten, über die in den Briefen konträr diskutiert wird. Die absolute Wahrheit gibt es nicht, je nach Sichtweise unterscheidet sich das, was real oder richtig ist, eklatant von der Positionen anderer - und dieser Verzicht auf ein Beharren, was denn nun wahr oder falsch ist, macht den Reiz dieses Buchs aus. Besonders deutlich wird dies am Ende der Erzählung, in der die Autorin gleich vier mögliche Varianten zum Tod Ludwigs II. anbietet - die sehr unterschiedlich sind, aber alle so hätten passiert sein können.

Sprachlicher Genuss

Auch sprachlich weiß Rosenstengel zu überzeugen. Anfangs ist es zwar nicht ganz einfach, sich darauf einzulassen, da die Sprache der Zeit Rechnung trägt, in der die Geschichte gerade spielt. Somit wirken vor allem die Briefe aus dem 18. Jahrhundert zunächst sehr ungewohnt und sperrig auf einen, denn Ausdruck und Rechtschreibung unterscheiden sich deutlich von unserer heutigen Schreibweise, es erzeugt aber auch einen ganz eigenen Sog und trägt viel zur Glaubhaftigkeit dieser Geschichte bei.

Lobend erwähnen muss man auch die liebevolle Ausstattung: Das Cover ist in einem kräftigen Pink gehalten, die Schrift und die Figuren bestehen aus Goldprägung. Auf den Umschlaginnenseiten finden sich Karten von Bayern und Norddeutschland mit den Orten, die im Buch relevant sind. Im Anhang befinden sich neben den erwähnten Kurzbiographien noch ein Literatur- sowie ein Briefverzeichnis, welches als Inhaltsverzeichnis fungiert, und ein Personenregister. Ein Lesebändchen rundet diesen positiven Eindruck, für den man dem Verlag wirklich ein Kompliment machen muss, ab.

Rosenstengel ist kein Buch zum eben mal nebenbei lesen, nein, man muss sich auf die Geschichte und die Sprache einlassen können und das Experiment dieser ungewöhnlichen Erzählform wagen. Dann wird man mit einem besonderen und tiefgehenden Roman belohnt, der Lust macht, ihn öfter zu lesen, um auch alle Schichten dieser komplexen Erzählung zu entdecken. Wahrlich eine Perle in diesem Genre! 

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