Die australischen Schwestern

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2015, Titel: 'Die australischen Schwestern', Originalausgabe

Couch-Wertung:

85
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Rita Dell'Agnese
Die Rückkehr in die Heimat von Vater und Großeltern

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2015

Die Geschichte um die Familie Lessing geht weiter. Ulrike Renk setzt beim zweiten Teil der Familiensaga im Jahr 1891 ein. Wilhelmine Lessing, von allen nur Minnie genannt, stirbt bei der Geburt ihres fünften Kindes. Voller Trauer versucht Emilia, den Kindern ihrer Tochter die Mutter zu ersetzen. Doch Minnies Witwer Rudolph te Kloot entscheidet, dass seine älteste Tochter Carola nach Deutschland zu ihrer Tante Mathilde ziehen soll. Eine Erklärung für diesen Entscheid gibt er nicht. Unglücklich fügen sich sowohl die Großeltern als auch Carola in die Situation. Bereits bei der Reise nach Hamburg zeigt sich, dass Tutt, wie Carola von ihrer Familie genannt wird, stark unter Heimweh leidet. Das wird sich auch unter der Obhut von Mathilde nicht ändern, obwohl es dem Mädchen gelingt, sich nach und nach in Deutschland einzuleben. Carola bleibt in brieflichem Kontakt mit ihren Geschwistern. Dadurch wird auch immer deutlicher, dass sich die Welten der Kinder immer stärker voneinander entfernen. Während Carola in wohlhabenden Verhältnissen lebt, müssen ihre Geschwister mit wenig auskommen. Obwohl es ihr in Deutschland sehr gut geht, kann Carola ihre australische Heimat so wenig vergessen, wie ihre Familie. Während Carola in Deutschland von einer Rückkehr nach Australien träumt, kämpfen ihre Geschwister um ein Stückchen Glück. Vor allem Carolas Schwestern Mina und Elsa werden vom Leben immer wieder auf die Probe gestellt.

Gelungene Anknüpfung

Die Autorin Ulrike Renk schafft, was oft misslingt: Sie knüpft nahezu nahtlos an einen erfolgreiche Geschichte an - und ermöglicht es zugleich auch neu hinzu gekommenen Leserinnen und Lesern, in die Familiensaga einzusteigen. Den Reiz, der Romanen inne wohnt, die von Menschen handeln, welche in eine völlig neue Welt kommen und sich zurecht finden müssen, fängt Ulrike Renk geschickt auf, indem sie Carola die umkehrte Reise antreten lässt, wie ihre Vorfahren. Die junge Australierin erlebt Deutschland als fremdes Land und tut sich mit verschiedenen Gepflogenheiten zunächst schwer. Dass ihre Tante sich als wesentlich umgänglichere Person entpuppt als Carolas Vater, hilft dem Mädchen, sich zu entfalten und anzupassen. Die Autorin beweist viel Geschick darin, die Entwicklung der drei Protagonistinnen aufzuzeigen. Es ist schlüssig und wirkt zu keinem Zeitpunkt gekünstelt.

Neue Sichtweisen

Obwohl es inzwischen eine Vielzahl von Auswanderer-Romanen gibt, die sich dem Thema Australien zuwenden, vermag Ulrike Renk mit ihrer Geschichte einen neuen Weg zu gehen und damit den Lesegenuss hoch zu halten. Ihre Konstellation lässt einige überraschende Wendungen zu und verhindert das Gefühl, hier einen Roman in Händen zu halten, bei dem man den Verlauf schon voraus sagen könnte. Daran vermag auch die etwas gar softe Figurenzeichnung nichts zu ändern. Ulrike Renks Charaktere sind leicht in die beiden Lager "gut" und "böse" einzuordnen, bewegen sich nur selten am Rand und noch seltener in beiden Welten. Hier dürfte die Autorin ihren Figuren durchaus noch etwas mehr Kanten und Ecken verpassen, ohne dass sie dadurch den Verlauf des Romans in Frage stellen würde.

Spannende Unterhaltung

Auch wenn die Familiensaga um die Lessings nicht zur Spannungsliteratur gezählt werden kann, so schafft Ulrike Renk dennoch einen wunderbaren Spannungsbogen, den sie bis zuletzt aufrechterhalten kann. Der Epilog, mit dem sie den weiteren Verlauf der verschiedenen Schicksale skizziert, ist ein netter Abschluss, selbst wenn klar ist, dass auf diesen Teil noch ein weiterer Teil der Familiengeschichte folgen wird. Damit steht der Roman Die australischen Schwestern auch als eigenständiger Roman so gut da, wie er als Teil einer mehrteiligen Saga wirkt. Eine sehr schöne Ergänzung bietet der Stammbaum, der vorne im Buch abgedruckt ist und der einen guten Überblick über die familiären Zusammenhänge ermöglicht. So halten die Leserinnen und Leser eine unterhaltsame und gut abgerundete Geschichte in der Hand und dürfen sich auf den dritten Teil der Familiensaga freuen.

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