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Rita Dell'Agnese
Die Rückkehr in die Heimat von Vater und Großeltern

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2015

Die Geschichte um die Familie Lessing geht weiter. Ulrike Renk setzt beim zweiten Teil der Familiensaga im Jahr 1891 ein. Wilhelmine Lessing, von allen nur Minnie genannt, stirbt bei der Geburt ihres fünften Kindes. Voller Trauer versucht Emilia, den Kindern ihrer Tochter die Mutter zu ersetzen. Doch Minnies Witwer Rudolph te Kloot entscheidet, dass seine älteste Tochter Carola nach Deutschland zu ihrer Tante Mathilde ziehen soll. Eine Erklärung für diesen Entscheid gibt er nicht. Unglücklich fügen sich sowohl die Großeltern als auch Carola in die Situation. Bereits bei der Reise nach Hamburg zeigt sich, dass Tutt, wie Carola von ihrer Familie genannt wird, stark unter Heimweh leidet. Das wird sich auch unter der Obhut von Mathilde nicht ändern, obwohl es dem Mädchen gelingt, sich nach und nach in Deutschland einzuleben. Carola bleibt in brieflichem Kontakt mit ihren Geschwistern. Dadurch wird auch immer deutlicher, dass sich die Welten der Kinder immer stärker voneinander entfernen. Während Carola in wohlhabenden Verhältnissen lebt, müssen ihre Geschwister mit wenig auskommen. Obwohl es ihr in Deutschland sehr gut geht, kann Carola ihre australische Heimat so wenig vergessen, wie ihre Familie. Während Carola in Deutschland von einer Rückkehr nach Australien träumt, kämpfen ihre Geschwister um ein Stückchen Glück. Vor allem Carolas Schwestern Mina und Elsa werden vom Leben immer wieder auf die Probe gestellt.

Gelungene Anknüpfung

Die Autorin Ulrike Renk schafft, was oft misslingt: Sie knüpft nahezu nahtlos an einen erfolgreiche Geschichte an - und ermöglicht es zugleich auch neu hinzu gekommenen Leserinnen und Lesern, in die Familiensaga einzusteigen. Den Reiz, der Romanen inne wohnt, die von Menschen handeln, welche in eine völlig neue Welt kommen und sich zurecht finden müssen, fängt Ulrike Renk geschickt auf, indem sie Carola die umkehrte Reise antreten lässt, wie ihre Vorfahren. Die junge Australierin erlebt Deutschland als fremdes Land und tut sich mit verschiedenen Gepflogenheiten zunächst schwer. Dass ihre Tante sich als wesentlich umgänglichere Person entpuppt als Carolas Vater, hilft dem Mädchen, sich zu entfalten und anzupassen. Die Autorin beweist viel Geschick darin, die Entwicklung der drei Protagonistinnen aufzuzeigen. Es ist schlüssig und wirkt zu keinem Zeitpunkt gekünstelt.

Neue Sichtweisen

Obwohl es inzwischen eine Vielzahl von Auswanderer-Romanen gibt, die sich dem Thema Australien zuwenden, vermag Ulrike Renk mit ihrer Geschichte einen neuen Weg zu gehen und damit den Lesegenuss hoch zu halten. Ihre Konstellation lässt einige überraschende Wendungen zu und verhindert das Gefühl, hier einen Roman in Händen zu halten, bei dem man den Verlauf schon voraus sagen könnte. Daran vermag auch die etwas gar softe Figurenzeichnung nichts zu ändern. Ulrike Renks Charaktere sind leicht in die beiden Lager "gut" und "böse" einzuordnen, bewegen sich nur selten am Rand und noch seltener in beiden Welten. Hier dürfte die Autorin ihren Figuren durchaus noch etwas mehr Kanten und Ecken verpassen, ohne dass sie dadurch den Verlauf des Romans in Frage stellen würde.

Spannende Unterhaltung

Auch wenn die Familiensaga um die Lessings nicht zur Spannungsliteratur gezählt werden kann, so schafft Ulrike Renk dennoch einen wunderbaren Spannungsbogen, den sie bis zuletzt aufrechterhalten kann. Der Epilog, mit dem sie den weiteren Verlauf der verschiedenen Schicksale skizziert, ist ein netter Abschluss, selbst wenn klar ist, dass auf diesen Teil noch ein weiterer Teil der Familiengeschichte folgen wird. Damit steht der Roman Die australischen Schwestern auch als eigenständiger Roman so gut da, wie er als Teil einer mehrteiligen Saga wirkt. Eine sehr schöne Ergänzung bietet der Stammbaum, der vorne im Buch abgedruckt ist und der einen guten Überblick über die familiären Zusammenhänge ermöglicht. So halten die Leserinnen und Leser eine unterhaltsame und gut abgerundete Geschichte in der Hand und dürfen sich auf den dritten Teil der Familiensaga freuen.

Die australischen Schwestern

Die australischen Schwestern

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Letzte Kommentare:
10.09.2015 21:03:51
mabuerele

"...Das Leben hört nicht auf, nur weil es gerade nicht so läuft, wie man es sich vorstellt oder wünscht...irgendwann, muss man die Ärmel hochkrempeln und sich wieder dem Leben stellen..."

Wir schreiben das Jahr 1891. Die 8jährige Carola te Kloot reist auf dem Schiff ihres Großvaters von Australien nach Deutschland. Nach dem Tode der Mutter hat ihr Vater verfügt, dass sie bei der Familie seiner Schwester Mathilde leben wird. Bis Hamburg begleiten sie Tante Lily und ihr Cousin Otto. Für das Kleinkind wurde Allunga mitgenommen. Sie ist Mischling. Ihre Mutter gehört zu einem Stamm der Aborigines.
Carola lässt in Sydney nicht nur ihre Großmutter Emilia, sondern auch ihre jüngeren Geschwister zurück. Sie werden bei der Großmutter leben.
Im Buch „Die Australierin“ erzählt die Autorin das Leben der Emilia Lessing. In „Die australischen Schwester“ stehen nun ihre Enkel im Mittelpunkt. Das Buch lässt sich zügig lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Dazu beigetragen hat die Tatsache, dass es sich nicht um eine fiktive Geschichte handelt, sondern viele Fakten historisch in der Familiengeschichte gesichert sind.
Die Handlung erstreckt sich bis ins Jahr 1909.
Ausführlich werden die Lebensverhältnisse in Deutschland und in Australien beschrieben. Während Carola in finanziell gesicherten Verhältnissen aufwächst und wie eine eigene Tochter gehalten wird, müssen die Großeltern mit jedem Pfennig rechnen. Trotzdem geben sie den Kindern Liebe und Geborgenheit.
Carola dagegen wird immer unter dem Heimweh und der Trennung von der Familie leiden. In Berlin lernt sie ihren Großonkel Carl Robert Lessing kennen. Dadurch taucht sie eine für sie völlig neue Welt ein. Das Leben gewinnt an Leichtigkeit.
Mina, die zweitälteste Schwester, möchte der Enge im Haushalt der Großeltern entfliehen und zieht zu Tante Till. Deren Mann ist Leiter eines Internats. Doch ein eigenes Zimmer und neue Garderobe können nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier das Leben nicht nur Sonnenseiten hat.
Einige Jahre später verbringt Elsa ihre Ferien auf einer Schaffarm bei Tante Lily. Dort wird sie ihren Cousin Otto wiedersehen, mit denen sie die ersten Kindheitsjahre verbracht hat.
Die Autorin versteht es, die Familiengeschichte mit interessanten Fakten und Informationen anzureichern. Dazu gehört insbesondere die Geschichte und die Legenden der Aborigines. Hier setzt sie sich mit Vorurteilen auseinander. Es wird deutlich, dass jede Lebensform ihre Berechtigung hat und ein Aufzwingen der eigenen Lebensweise zu Entwurzelung führt. Für das Leben der Aborigines und ihre Traumpfade findet die Autorin nicht nur passende Worte, sondern wunderschöne Sprachbilder.
Ein zweites großes Thema, das sich aus dem Handlungsablauf ergibt, ist die Schafzucht. Mit Elsa darf ich die Schwere der Arbeit und ihre Besonderheiten erleben. Dass nicht nur der Mensch, der von Europa nach Australien wechselt, neue Bedingungen vorfindet, sondern auch die Schafe, wurde auf spannende Weise dargelegt. Dabei geht es unter anderem um den versetzten Zyklus der Jahreszeiten.
Der Sprachstil des Buches ist ausgereift. Das zeigen nicht nur die verwendeten Metapher, die exakte Beschreibung von Land und Leuten und die treffsicheren Dialoge, sondern auch die berührende Wiedergabe von Gefühlen. Ich denke dabei unter anderen an Mathildes Trauer um ihren Mann, an Minas erste zarte Liebe, an Ottos Wut und an Carolas tiefe Verletztheit. Obiges Zitat stammt von Emilia, die nach vielen Schicksalsschlägen immer wieder aufgestanden ist und diese einstellung ihren Kindern und Enkelkindern mitgeben möchte. Ein besonderes Stilmittel sind dabei die eingefügten Briefe, die in kursiv abgedruckt wurden.
Zu Beginn des Buches befindet sich der Stammbaum. Er ermöglicht es, die Namen schön zuzuordnen und auseinanderzuhalten. Im Nachwort fasst die Autorin die Fakten nochmals zusammen.
Das Cover mit dem weiten Feld und der jungen Frau passt.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es hat mir nicht nur einen Einblick in die Vergangenheit gegeben, sondern mich an Schicksalen teilnehmen lassen, die Realität waren.