Blaues Gold

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Sutton, 2015, Titel: 'Blaues Gold', Originalausgabe

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Yvonne Schulze
Blau, blau, blau sind alle meine Kleider ...

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Aug 2015

Vielleicht hätte die schöne Italienerin Caterina dieses Kinderlied angestimmt, wenn sie es damals schon gekannt hätte, als sie im väterlichen Geschäft in Genua dem jungen deutschen Waidjunker Florian Seber begegnet ist, ihr Herz an ihn verlor und ihm als Ehefrau in das zu dieser Zeit blühende Erfurt folgte. Die thüringische Stadt verdankte ihren Wohlstand der Herstellung und dem Handel mit dem berühmten Erfurter Färberwaid, das einen besonders schönen blauen Farbton erzeugte. Das Erfurter Färberwaid war so kostbar, das es mit Gold aufgewogen wurde und den Waidjunkern und damit der ganzen Stadt viele Jahre Reichtum und Wohlstand sicherte. Doch im Jahr 1630, in dem unsere Geschichte beginnt, ist dieser Wohlstand in Gefahr. Der Dreißigjährige Krieg tobt in Europa, der Fernhandel ist eingebrochen, marodierende Truppen zerstören die Waidfelder und die aus dem fernen Indien kommende Indigopflanze verdrängt nach und nach das heimische Färberwaid, da sich die Indigopflanze billiger, einfacher und vor allem ergiebiger verarbeiten lässt. Diese Auswirkungen bekommt auch die Waidjunkerfamilie Seber zu spüren.

Florian Seber und seine schöne und kluge Ehefrau Catarina gehören zu den geschäftstüchtigsten und erfolgreichsten Waidjunkern Erfurts, zu deren Kunden auch einige hochrangige Personen gehören. Doch wie immer ruft Erfolg auch Neid und Missgunst hervor und als Florian während einer Geschäftsreise nach Italien ums Leben kommt, muss Catarina gegen den Widerstand der Zunftoberen um den Fortbestand ihres Geschäfts kämpfen. Ein schwieriges Unterfangen, denn Catarina ist nicht nur eine Frau, sondern obendrein auch eine Ausländerin und katholisch, was im überwiegend protestantischen Erfurt vielen ein Dorn im Auge ist. Mit Hinterlist und immer wieder neuen Repressalien versuchen die weniger erfolgreichen Waidjunker, das florierende Geschäft der Sebers zu ruinieren. Doch Catarina ist keine Frau, die sich so leicht ausmanövrieren lässt. Mit Kampfgeist und Einfallsreichtum pariert sie jeden Knüppel, den man ihr zwischen die Füße wirft. Doch verleumderische Zungen und hinterhältige Neider lassen nicht locker und so wird Catarina letztendlich als Hexe gebrandmarkt und ihr der Prozess gemacht.  

Wissenswertes zum Waidhandel

Die Erfurterin Alice Frontzek führt seit mehreren Jahren wissbegierige Besucher durch ihre geschichtsträchtige Heimatstadt. Sie hat auch bereits einige Stadtführer verfasst und legt nun mit Blaues Gold ihren zweiten Roman vor. Waidhandel, Zunftwesen, Hexenverfolgung, konfessionelle Konflikte, Fremdenfeindlichkeit, Aberglaube - es sind eine Menge Themen, die die Autorin in ihrem gerade einmal 192 Seiten umfassenden Roman unterbringt. Sie verwebt diese sehr komplexen Themen jedoch so geschickt miteinander, dass am Ende eine rundum stimmige Geschichte entsteht, die temporeich und spannend erzählt ist und dem Leser ein farbenfrohes Gemälde jener Zeit präsentiert. Da verzeiht man ihr auch gerne die viel zu moderne Sprache. Alice Frontzek packt in ihren nicht mal 200 Seiten umfassenden Roman mehr historische Fakten als so mancher andere Autor auf doppelt oder dreifach so vielen Seiten. Sehr detailfreudig baut sie immer wieder Wissenswertes rund um den Waidhandel in ihre Geschichte ein, angefangen vom Anbau der Waidpflanze, ihrer Verarbeitung und dem Handel mit dem kostbaren Waidpulver, dabei ist die Dosierung jedoch so gewählt, dass der Roman zu keiner Zeit zu einem Lehrbuch mutiert, sondern spannend bleibt und in erster Linie unterhält.

Catarina ist als tragende Figur mit viel Empathie gezeichnet. Sie ist eine starke Persönlichkeit und für ihre Zeit sehr modern denkend, jedoch begeht die Autorin nicht den Fehler, aus Catarina eine Emanze mit dem Denken und Handeln des 21. Jahrhunderts zu machen. Catarina ist zwar eine starke Persönlichkeit, aber sie agiert den Möglichkeiten ihrer Zeit entsprechend und darf Fehler machen. Sie ist eine glaubwürdige Figur, die von einer Reihe interessanter Nebencharaktere begleitet wird, auch wenn deren Charakterzeichnung teilweise etwas einseitig geraten ist, was aber der Kürze des Romans geschuldet ist.   

Man spürt die Liebe der Autorin zu ihrer Stadt und deren reicher Geschichte, wandelt mit ihr durch die alten Gassen und Plätze Erfurts und sieht im Geiste das pralle Leben und bunte Treiben. Von der ersten Seite an wird man in die Geschichte hineingezogen und verlässt sie nicht eher, bis man die letzte Seite gelesen hat. Der Roman überzeugt mit einer durchdachten Handlung, der richtigen Mischung aus Fiktion und Historie, einem durchgehenden Spannungsbogen, glaubwürdigen Charakteren und einer angemessenen Dosis Dramatik. Blaues Gold ist ein historischer Schmöker im besten Sinne, den ein passendes Cover und ein etwas aus der Rolle fallendes Nachwort sowie ein kleines Glossar und ein Personenverzeichnis über die im Roman auftauchenden historischen Personen komplettieren einen gelungenen Roman.   

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