Die Nacht der Frauen

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2015, Titel: 'Die Nacht der Frauen', Originalausgabe

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Daniela Loisl
Solide, aber anspruchslose Unterhaltung

Buch-Rezension von Daniela Loisl Jul 2015

Delia Rheinberg, die von ihrem Vater schwer enttäuscht ist und sogar annimmt, dass er am Tode ihrer Mutter Schuld hat, kehrt nach langer Zeit wieder zurück nach Wien. Ihr Vater, inzwischen schwer krank und in einem Sanatorium, bittet sie, ihm Unterlagen aus der Familienvilla zu holen. Delia macht sich nun auf dem Weg ins Burgenland zum Neusiedlersee, an dem die Villa ihrer Familie steht und wo sie auch ihre Jugend verbrachte.

Mehr durch Zufall stößt sie auf Briefe und Fotos ihrer Mutter und plötzlich scheint alles, was sie bisher über ihre Eltern annahm, in einem gänzlich anderen Licht.

Nicht unbedingt neu

Zweifelsfrei wird man durch Katja Maybachs Buch Die Nacht der Frauen kurzweilig unterhalten und der Beginn ist vielversprechend. Schon seit einigen Jahren sind Bücher, die auf mehreren oder auch nur zwei Zeitebenen spielen, sehr beliebt. Von der Autorin ist dies nun das zweite Buch das aus zwei Handlungssträngen besteht und so durch den Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit den Leser in die Geschichte zieht. Maybach versteht es zu unterhalten, wenngleich sowohl Erzählstil als auch Sprache nicht gerade anspruchsvoll sind.

Ihre Protagonistin Delia stellt sie zu Beginn als eine leicht beeinflussbare und schnell aus dem Konzept zu bringende junge Frau dar, die ein Ausnahmetalent auf dem Klavier zu sein scheint. Mehrfach wird Delia ihr Talent bescheinigt, als sie aber einem berühmten Pianisten vorspielt und er ihr ganz direkt sagt, dass ihr Können doch nicht gut genug ist, wirft sie alles hin und heiratet ihn. Das alles hat einen leichten Beigeschmack von Unglaubwürdigkeit, aber man kann darüber hinwegsehen.

Delias Verhältnis zu ihrem Vater, den sie seit knapp 20 Jahren nicht mehr gesehen hat, stellt sich als äußerst schwierig dar, macht Delia ihn doch für den Tod ihrer Mutter verantwortlich.

Katja Maybach schickt Delia zurück in das Haus ihrer Kindheit, lässt sie nach wichtigen Unterlagen für ihren Vater suchen und durch Zufall über die vergangenen Geschehnisse zwischen ihren Eltern stolpern.

Atmosphärisch ziemlich blass

Eine Erzählung auf zwei Zeitebenen bringt es normalerweise mit sich, dass keine Längen aufkommen und die Neugierde des Lesers immer gehalten wird. Während die Figuren in der Zeit des Zweiten Weltkrieges durchwegs mit Ecken und Kanten gezeichnet sind und man sich mit dem einen oder anderen identifizieren kann, bleiben Delias Erlebnisse und Handlungen nicht ganz nachvollziehbar. Sie ist zwar einem Geheimnis auf der Spur, welches sich auch auf ganz interessante - aber nicht ganz unvorhersehbare - Weise löst, doch hätte man gerade dieses Warum und Wieso wesentlich packender darstellen können.

Die psychologischen Einblicke in die Denk- und Handlungsweise von Delias Eltern sind zweifelsohne die Stärke dieses Romans und zeigen, dass die Autorin es sehr wohl versteht, ihren Figuren Leben einzuhauchen und beim Leser Empathie zu wecken.

Im Grunde wird die Handlung solide erzählt und der Spannungsbogen wird soweit straff gehalten, dass der Leser das Buch nicht zur Seite legt, obwohl man ähnliche Geschichten von anderen Autoren wesentlich besser, interessanter und vor allem spannender erzählt lesen kann.

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