Geheimprojekt Flugscheibe

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Gmeiner, 2015, Titel: 'Geheimprojekt Flugscheibe', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Dritter Teil der Nikolas-Brandenburg-Reihe

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2015

Februar 1945. Russen, Amerikaner und Briten rücken unaufhaltsam voran, doch noch ist kein Kriegsende in Sicht. Da entdeckt ein Mitglied des Widerstands am Himmel ein deutsches Jagdflugzeug, welches von einer Art Flugscheibe geradezu spielerisch überholt wird. Sollte es tatsächlich eine Wunderwaffe geben, die entscheidend den Krieg zu Gunsten Hitlers drehen kann? Der Widerstand ist alarmiert und so drängt Dr. Alan Bricks, einer der Anführer, zum entscheidenden Schlag. In der Wewelsburg, der Ordensburg der SS, will Bricks den Runenforscher Karl Maria Wiligut, einen engen Berater Himmlers, auffinden. Von ihm erhofft er sich sichere Hinweise auf die Existenz oder besser Nichtexistenz des angeblichen Wunderfliegers.

 

"Schneller als eine Messerschmitt? Das modernste Flugzeug der Luftwaffe?"

"Dieses Ding hat die ME 262 stehen lassen wie einen Heißluftballon."

"Und damit nicht genug. Nach unseren Informationen arbeiten Ingenieure der Gothaer Waggonfabrik und die Gebrüder Horten an einem Amerikabomber. Auf dem Radar nicht zu erkennen, mit unbegrenzter Reichweite und riesiger Bombenlast. Entwickelt im Sonderkommando IX, auf direkten Befehl von  Luftmarschall Göring."

 

Nikolas Brandenburg, Ex-Kriminaler aus Düsseldorf und inzwischen beim Widerstand untergetaucht, ist dies herzlich egal. Er hat seine Wunden zu lecken. Doch laut Bricks führt die alles entscheidende Spur zu Luger, Brandenburgs einstigem Vorgesetzten und inzwischen dessen größter Intimfeind. Wo Luger ist, ist auch Brandenburgs entführtes Patenkind Marie; sofern sie noch lebt&

Es empfiehlt sich, die vorhergehenden Romane zu kennen.

Bei einer Serie ist das so eine Sache. Einerseits schön, wenn man die handelnden Figuren bereits kennt, andererseits mitunter mit Schwierigkeiten für Neueinsteiger. Bei Geheimprojekt Flugscheibe ist es dringend zu empfehlend, vorab die Vorgänger Wunderwaffe (spielt im Frühjahr 1944) und Uranprojekt (spielt im Sommer 1944) zu lesen. Insbesondere für das Verständnis der persönlichen Verwicklungen und Beziehungen ist dies enorm hilfreich. So soll an dieser Stelle auch nicht zu sehr zurückgeblickt werden. Nur so viel: Luger war einst der Vorgesetzte von Brandenburg, als dieser noch Kommissar bei der Düsseldorfer Kripo war. Inzwischen ist er sein Erzfeind. Brandenburg jagte damals den Anführer der Resistance, Heinz Rohn, der inzwischen ein enger Freund geworden ist. Hinzu kommen Lisa, Elsa und  Claire, die für amouröse Irritationen und zusätzliche Verwicklungen sorgen. Dies alles würde hier jedoch zu weit führen, daher nochmals der Hinweis auf die eingangs erwähnte Empfehlung.

Sebastian Thiel setzt in seinem dritten Teil der Brandenburg-Reihe einen großen Schwerpunkt auf die Lebensverhältnisse kurz vor Kriegsende. Die Menschen streifen über gefrorenen Acker in der Hoffnung, noch die eine oder andere Steckrübe zu ergattern. Die Lebensmittelrationen reichen schon lange nicht mehr. Wer noch auf beiden Beinen stehen kann wird an die Front geschickt, wer zu alt oder noch zu jung ist landet beim Volkssturm. So elend das Leben der einfachen Leute, so dekadent lassen die Partei- und Wirtschaftsbonzen vor Kriegsende noch mal die Korken knallen. Wenn schon Untergang, dann erster Klasse.

Ein weiterer Themenschwerpunkt ist natürlich die Frage, ob es die Wunderwaffe, jene geheimnisvolle Flugscheibe, denn tatsächlich gibt? Ein Flugobjekt, das schneller ist als jede Messerschmitt und bis nach Amerika fliegen kann. Bricks stößt in der Wewelsburg tatsächlich auf Wiligut, einen exzentrischen und durchgeknallten Okkultisten, der in der Vergangenheit der Asen, dem nordischen Göttergeschlecht, seine Erfüllung findet. So forscht er über Vril, eine kosmische Urkraft, die angeblich für den Antrieb des Superfliegers verantwortlich ist. Brandenburg hält dies für Unfug, doch Bricks will um jeden Preis den Krieg zu einem vorzeitigen Ende führen. Dabei ist Bricks Motivation lange unklar, zudem spielt er mit gezinkten Karten. Spannend, atmosphärisch, informativ und actionreich kommt auch der dritte Teil der Reihe daher. Eine empfehlenswerte Reihe, die einem nicht zuletzt das Alltagsleben im Dritten Reich, dessen Schrecken und Absurdität näher bringt. 

Geheimprojekt Flugscheibe

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