Die Schützen

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Querverlag, 2014, Titel: 'Die Schützen', Originalausgabe

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Annette Gloser
Stand by your man!

Buch-Rezension von Annette Gloser Jun 2015

Im Jahr 2002 lebt der Geschichtsstudent Timo sein Schwulsein offen aus. Schon seit längerer Zeit ist er mit dem Palästinenser Ammar liiert. Ammars Freunde aus der Heimat dürfen jedoch auf keinen Fall erfahren, dass der hübsche Student homosexuell ist. Timo hat die Heimlichtuerei satt. Als ihn jedoch Ammar bittet, ihn zu heiraten, schreckt Timo zurück. Er sieht seine Freiheit und Eigenständigkeit bedroht. Dass Ammars Aufenthaltserlaubnis abläuft und er wieder nach Jordanien zurückkehren muss, wenn er nicht in Deutschland heiratet, erkennt Timo zu spät. Dazu kommt, dass Timo sich endlich um sein Studium kümmern muss. Er hat ein Projekt gewählt, bei dem es um erzählte Geschichte geht. Timo will anhand alter Feldpostbriefe und Fotos aus seiner Familie ein Stück seiner Familiengeschichte  erforschen. Dazu muss er nach Rostock fahren und seine Großeltern kennenlernen, vor allem seinen Großvater Ernst. Bald schon erfährt Timo, dass Ernst an Demenz leidet. Immer mehr Erinnerungen verschwinden aus seinem Gedächtnis. Wenn Timo die Geschichte seines Großvaters aufzeichnen will, dann muss er es jetzt tun und darf nicht länger zögern.

Was Ernst jedoch zu berichten hat, das zwingt den leichtfüßigen Timo, sein eigenes Leben zu überdenken und auch das Verhältnis zu Ammar, den Timo wirklich liebt. Denn Ernst hat lange Jahre die Fassade einer bürgerlichen Ehe mit Elli aufrecht erhalten. Hinter dieser Fassade hat er sein großes Geheimnis versteckt: Die Liebe zu einem Mann. Timo erkennt, dass er die Chance hat, sein Leben selbst zu bestimmen. Eine Chance, die seinem Großvater verwehrt blieb.

Unsympath auf Ego-Trip

Thomas Mohr erzählt seinen Roman auf zwei Zeitebenen. Neben den Szenen aus dem Jahr 2002 stehen die Rückblenden in die Kriegszeit, beginnend mit dem Jahr 1941. Für den Leser ist es jedoch nicht schwierig, diese parallel laufenden Ebenen zu trennen, denn sie werden in abgeschlossenen Kapiteln erzählt. Dabei geraten die historischen Szenen oft sehr viel emotionaler, berührender, als die Berichte aus der modernen Welt. Das mag daran liegen, dass Timo anfänglich nicht unbedingt ein sympathischer Protagonist ist. Viel zu sehr zieht er seine Ego-Schiene durch, pflegt seinen Status als freies, nicht von Verantwortung geplagtes Individuum. Umso ehrlicher und überzeugender erscheint jedoch die Veränderung, die seine Persönlichkeit durchläuft. Der junge Mann bekommt in diesem Roman die Chance, sich zu wandeln, zu wachsen, und auch den Leser mitzunehmen auf diesem Weg der Veränderung.

Allerdings nimmt die moderne Erzählebene nur langsam Fahrt auf. Zumindest am Anfang ist hier auch die Sprache eher gewöhnungsbedürftig, gespickt mit Fremdworten, die eher an ein wissenschaftliches Referat erinnern und mit denen der Autor möglicherweise eine "studentische" Atmosphäre schaffen will. Das ist ist ihm gelungen. Geradezu literarische Kabinettstückchen deutsch-deutscher Nachwendebeziehungen sind allerdings jene Szenen, in denen Timo seinen Großeltern erstmals begegnet. Das ist köstlich zu lesen, wenn der gelernte Wessi auf die Eingeborenen des Wilden Ostens trifft.

Der Schwulenparagraph

Der moderne Timo verblasst allerdings immer wieder, wenn der Roman auf die historische Ebene zurück schwenkt. Thomas Mohr hat darauf verzichtet, aus seinen Protagonisten hehre Widerstandskämpfer zumachen. Elli und Ernst sind Kinder ihrer Zeit und willige Gefolgsleute der Nazis. Erst als Ernst spürt, dass er anders ist, dass er einen Mann liebt und damit immer wieder in Konflikt mit dem herrschenden Gesetz kommt, beginnen seine Zweifel. Aber auch nach dem Krieg ist es ihm unmöglich, die Fassade der bürgerlichen Ehe fallen zu lassen, denn auch die DDR stellt seinen Wunsch nach der Partnerschaft mit einem Mann unter Strafe.

Mohrs Protagonisten sind einfach junge Menschen auf der Suche nach Idealen und einem Selbstverständnis, das sicher viele Leser auch dann mit tragen können, wenn sie durch und durch hetero sind. Der Wunsch, sein Sexualleben selbst bestimmen zu können, sich aussuchen zu können, mit wem man sein Leben verbringen will, bleibt für Ernst eben ein Wunsch. Vor dem Hintergrund des §175 hat er keine Chance auf die Verwirklichung seines Glücks. Thomas Mohr hat hier sehr intensiv recherchiert, nicht nur in Bezug auf Gesetze und Regelungen, sondern auch im Hinblick auf psychosoziale Folgen einer solchen Lebenskonstellation. Als Leser wird man hier sehr deutlich damit konfrontiert, welche Auswirkungen der sogenannte Schwulenparagraph auf das Leben der Betroffenen hatte. Der Autor bleibt dabei eher nüchtern und lakonisch, löst damit aber beim Leser tiefe Betroffenheit aus.

Der weite Weg zum Glück

Die Schützen ist ein berührender Roman, dem man wünschen kann, dass er ein breites Lesepublikum findet, nicht nur in der Schwulenszene. Thomas Mohr hat damit ein beachtenswertes Romandebüt vorgelegt. Auch die Covergestaltung ist auf den Inhalt des Romans bezogen und weckt Neugier. Dieses Buch kann man allen empfehlen, die sich für ein Leben in sexueller Selbstbestimmung engagieren, die sich öffnen können für das Anderssein. Der Autor schildert anschaulich, wie weit der Weg zum Glück sein kann, wenn Mann (oder Frau) nicht in das Schema passt, welches von der Gesellschaft vorgegeben ist. Und es könnte sein, dass mancher Leser Antworten auf Fragen findet, die er sich schon lange stellt.

Die Schützen

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