Tiefer Fall

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2013, Titel: 'The Fall', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
1 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:70
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":1,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jörg Kijanski
Moriarty und Biowaffen

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2015

Anna Kronberg, Londons führende Bakteriologin, musste die Stadt verlassen und lebt seitdem zurückgezogen auf dem Land, wo sie am 22. Oktober des Jahres 1890 erwacht, als ihr jemand einen Revolver an die Stirn presst. Anna wird entführt und muss feststellen, dass hinter der Tat ein gewisser Professor Moriarty steckt, Sherlock Holmes größter Rivale. Moriarty will mit Annas Hilfe biologische Waffen entwickeln, am liebsten unter Einsatz von Pestbakterien. Doch da Pestbakterien gänzlich unkontrollierbar sind, kann Anna ihn überzeugen, stattdessen andere Erreger zu entwickeln. Dabei sind die von ihr geplanten Malleus- und Milzbranderreger ebenfalls hochgefährlich.

 

"Die Praxis, Krankheiten als Waffen einzusetzen, reichte weit zurück in die Geschichte. Kaiser Barbarossa hatte in Italien Trinkwasserbrunnen mit Leichen kontaminiert. Die Spanier mischten Wein mit dem Blut von Leprapatienten und verkauften ihn an ihre französischen Gegner, die Polen schleuderten Speichel tollwütiger Hunde in die Gesichter ihrer Feinde, und die Briten verteilten Decken von Pockenpatienten unter den amerikanischen Ureinwohnern. Napoleon flutete die Ebenen um Mantua in Italien, um die Ausbreitung von Malaria zu fördern, und die Armee der Konföderierten verkaufte Kleidung von Gelbfiber- und Pockenpatienten an die Truppen der Nordstaaten. Die Liste war lang, und dem Einfallsreichtum schienen keine Grenzen gesetzt."

 

Anna versucht die Entwicklung der Bakterien zu verzögern und gleichzeitig ein Gegenmittel zu entwickeln. Doch in Moriartys Haus festgesetzt und im Labor unter ständiger Bewachung, sieht sie kaum Fluchtmöglichkeiten, zumal Annas Vater als Geisel gefangen gehalten wird. Wie kann Anna die Herstellung der todbringenden Waffen verhindern, wie ihren Vater retten und wie mit dem einzigen Mann, der ihr dabei helfen kann, Kontakt aufnehmen?

Der zweite Fall für Anna Kronberg setzt die Serie gekonnt fort

Tiefer Fall erzählt nach Teufelsgrinsen die Anna-Kronberg-Reihe gekonnt weiter, wobei sich die Protagonistin nicht weiter als Mann verkleiden muss. In Moriartys Haus sieht Anna zunächst keine Fluchtmöglichkeit, denn dieses wird unter anderem von abgerichteten Hunden bewacht. Genauso fällt es Anna schwer einen Weg zu finden, um mit Sherlock Holmes in Kontakt zu treten, der schon seit längerer Zeit versucht, Moriarty und seinen Mitstreitern wie Colonel Moran das Handwerk zu legen. Durchaus geschickt erzählt die Autorin Annelie Wendeberg, die Geschichte ihrer Heldin und fügt dabei gekonnt dem Original ganz neue Facetten zu. Dies vor allem dadurch, dass der Meisterdetektiv selbst erst spät in die Handlung einbezogen wird und der Schwerpunkt der Handlung auf der Beziehung zwischen Anna und Moriarty liegt. Vor allem der in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle meist im Dunkeln agierende Professor tritt hier erstaunlich offen ins Rampenlicht.

 

"Die Tatsache, dass Sie Schmerzen haben, sollte mich doch amüsieren, oder nicht?"

"Das könnte man annehmen. Doch ich glaube nicht, dass Sie Ihrer Leidenschaft je den Rücken kehren könnten. Selbst wenn es um einen Mann geht, der Sie entführt hat, Sie einsperrt und erpresst. Und diese Empathie, diese Lust an der Diagnose und der Stolz auf Ihr Können, vermute ich, ist Ihre größte Schwäche."

"Da liegen Sie falsch. Es ist meine größte Stärke. Vielleicht bin ich die einzige Person, die versucht, etwas Menschliches hinter Ihrer Fassade zu entdecken."

 

Moriarty und Anna bieten sich ein ehrwürdiges und verbissenes Duell in einem psychologischen Katz-und-Maus-Spiel, bei dem jeder versucht den anderen zu kontrollieren und zu manipulieren. Dazu garnieren ebenso bissige wie intellektuelle Dialoge das Geschehen. Darüber hinaus gibt die Autorin (erneut) detaillierte Einblicke in die Geschichte der Medizin gegen Ende des 19. Jahrhunderts, hier konkret der Entwicklung biologischer Massenvernichtungswaffen, an denen auch Robert Koch und Louis Pasteur in Deutschland beziehungsweise Frankreich arbeiten.

 

"Sie haben vermutlich von der Brüsseler Deklaration über die Gesetze und Gebräuche des Krieges von 1874 gehört, die den Einsatz von Giftpatronen verbietet. Und hier wird es wirklich amüsant. Frankreich, Deutschland und Großbritannien sind aktiv an der Entwicklung von Xylylbromid-Granaten beteiligt."

Er bemerkte meinen ratlosen Blick.

"Tränengas."

 

Das Ende des Romans könnte einigen Lesern nicht ganz gefallen, da einige Fragen offen bleiben. Dies mag aber auch beabsichtigt sein, denn die Fortsetzung der Serie ist bereits angekündigt. Im Oktober 2015 folgt Die lange Reise und bereits für Januar 2016 ist der vierte Fall Der irische Löwe angekündigt. 

Tiefer Fall

Tiefer Fall

Deine Meinung zu »Tiefer Fall«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
31.03.2018 20:09:30
-Ginger-

Der Vorgänger "Teufelsgrinsen" hatte mich leider nicht überzeugt, doch da ich beide Bücher zusammen gekauft hatte, wollte ich dem Ganzen noch eine Chance geben. Zunächst war ich leicht positiv gestimmt, weil ich das Gefühl hatte, "Tiefer Fall" hätte mehr zu bieten und würde mir besser gefallen. Doch leider war das nicht der Fall.

Wieder fehlte es mir an Spannung, das Verhalten der Personen schien in meinen Augen teilweise unglaubwürdig und mir missfiel einfach die Tatsache, dass Anna Kronberg "mal eben" solch starke Charaktere wie Sherlock Holmes oder seinen Gegenspieler Moriarty um den Finger wickeln kann; das ist für mich einfach unpassend. Was die Spannung angeht: die fehlte mir leider wirklich, auch wenn die Geschichte am Ende noch mal etwas Fahrt aufnimmt, doch zwischendurch hatte ich teilweise gar keine Lust, weiterzulesen.

Ich möchte die Bücher nicht schlecht machen, denn das sind sie nicht. Sie entsprechend einfach nur nicht meinem persönlichen Geschmack, so dass ich mir die weiteren der Reihe sparen werde.

04.05.2017 10:15:23
tassieteufel

Nach ihrer dramatischen Flucht aus London lebt Anna Kronberg zurückgezogen auf dem Land und verhält sich unauffällig. Doch eines Abends wird sie in ihrem Häuschen von 2 Männern aufgesucht, die sie mit einer Pistole bedrohen und sie zur Mithilfe an ihrem geheimen Projekt zwingen. Anna hat keine Wahl, denn man ihren Vater gefangen gesetzt und würde ihn töten, sollte Anna ihre Mithilfe verweigern. Natürlich ist es niemand anders als Moriarty, der Anna erpreßt und von ihre die Entwicklung einer biologischen Waffe fordert. Doch so leicht gibt sich Anna nicht geschlagen und so entwickelt sich schon bald ein gefährliches Katz und Mausspiel mit ihrem teuflischen Entführer.

Der zweite Teil um Anna Kronberg setzt inhaltlich recht nahtlos an den Vorgänger an, auch diesmal steht hauptsächlich Anna Kronberg im Mittelpunkt, die sich in der Gewalt von Professor Moriarty befindet, Holmes größtem Rivalen und Feind. Mir persönlich hat diese Konstellation sehr gut gefallen, denn das teuflische Katz und Mausspiel, dass sich zwischen Anna und dem gefährlichen Professor entwickelt, ist ungemein spannend und dieses Kräftemessen bietet auch viel mehr Potenzial, als der Konflikt zwischen Holmes und Anna im ersten Teil, da Moriarty ein sehr lasterhafter Mann ist, der seinen Gelüsten haltlos frönt und Anna schon bald mehr Einsatz zeigen muß als ihr lieb ist, um den Professor zu beeinflussen und ihr eigentliches Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Gerade das erste Drittel des Buches, in dem Anna erst einmal versucht herauszufinden, wie ihre Lage ist und was sie für Möglichkeiten hat, ist sehr intensiv und spannend, eine düstere Atmosphäre durchzieht das Buch zwar die ganze Zeit, ist aber hauptsächlich am Anfang sehr präsent. Auch im späteren Verlauf bleibt Annas Lage brisant, ständig bewacht und kontrolliert hat sie kaum Möglichkeiten, sich Hilfe zu verschaffen und so dauert es natürlich, bis sie einen Kontakt zu Holmes herstellen kann, der in diesem Buch dann auch noch weniger präsent ist, als im ersten Teil. Das psychologische Duell zwischen Anna und Moriarty hat die Autorin wunderbar eingefangen, alles dreht sich um Kontrolle, Macht und Manipulation, dabei gelingt es ihr wunderbar, ihre Charaktere darzustellen und individuell zu zeichnen und das Ränkespiel der Beiden hochintelligenten Figuren, in dem jeder die Oberhand gewinnen will. Vor allem Anna lernt der Leser sehr intensiv kennen, die intellektuell sowohl Holmes als auch Moriarty ebenbürtig ist, die aber dann auch erkennen muß, dass der skrupellose Moriarty doch eine Nasenlänge voraus ist.
Ganz nebenbei bekommt man auch wieder einen gelungenen Einblick in die medizinische Entwicklung Ende des 19. Jahrhunderts sowie die Entwicklung von Biowaffen, ebenso in das gesellschaftliche Leben und die Stellung der Frauen. Hier kann die Autorin ebenfalls mit einem dichten historischen Hintergrund punkten, der einen perfekten Rahmen für den Krimifall bietet, in dem es diesmal weniger um eine Mördersuche geht, als darum zukünftige Verbrechen an der Menschheit zu verhindern.
Am Ende bleibt einiges offen, was dann vermutlich im 3. Teil der Reihe weitergeführt wird und so natürlich die Neugier auf die kommenden Ereignisse weckt.

FaziT: eine gelungene Fortsetzung, die mir sogar besser als der erste Teil gefallen hat. Da hier inhaltlich die Story fortgeführt wird, kann ich nur empfehlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, zwar wird hier auch einiges zum Vorgänger erklärt, aber zum besseren Verständnis ist es sicher empfehlenswert, chronologisch zu lesen. Insgesamt eine intelligente und spannende Lektüre, die von Anfang an fesselt.

01.07.2015 11:28:39
Bluesprite

Dies ist der 2. Teil der Anna Kronberg-Reihe. Es ist jedoch eine eigenständige Geschichte, die keine Vorkenntnisse aus dem 1. Teil benötigt. Ich kann den ersten Teil jedoch wärmstens empfehlen *g*

Im ersten Teil steht eher Sherlock Holmes im Vordergrund. In diesem Teil ist es der berüchtigte Gegenspieler Sherlock's - Moriarty!
Es ist mutig von der Autorin, sich dieser berühmten Protagonisten zu bedienen, aber sie schafft es diese gekonnt und authentisch im viktorianischen London wiederzuerwecken.
Die faszinierenden Gedankengänge und Schlußfolgerungen, für die Sherlock Holmes so berühmt ist, sowie die kalte und morbide Gedankenwelt von Moriarty, werden so wiedergegeben wie viele Sherlock-Fans es von damals kennen. Die Autorin knüpft an den damaligen Geschichten an, nur das die beiden hochintelligenten Gegenspieler Zuwachs einer ebenso intelligenten Frau bekommen haben.
Anna Kronberg ist eine starke, mutige und eigensinnige Frau, die diesen beiden Herren in nichts nachsteht und eine hervorragende Beobachtungsgabe like Sherlock Holmes an den Tag legt.
Zur damaligen Zeit waren diese Eigenschaften an einer Frau nicht gerne gesehen, doch Anna hat ihre eigenen Methoden ihren Kopf und ihr Wissen durchzusetzen. Das viktorianische London wird von Annelie Wendeberg gut in Szene gesetzt, eben auch die Probleme einer Frau in dieser Zeit. Man taucht regelrecht in diese Zeit ein und begibt sich auf Zeitreise.

In diesem Krimi geh es um die Entwicklung biologischer Waffen für die Kriegsführung, wobei sich Moriarty Anna Kronberg bedient, die ein berühmter Arzt der Mikrobiologie ist. Man merkt, dass die Autorin vom Fach ist, ist sie doch selbst Mikrobiologin. Dies macht die Handlungen und überhaupt den gesamten Krimi authentisch. Man merkt, dass diese Art der Kriegsführung gar nicht so modern ist, wie man vielleicht denken mag, sondern diese Idee immer schon in den Köpfen manch kranker Gehirne herumspukte. Beängstigend!
Dieser Krimi verläuft zwar eher ruhig, aber nichtsdestotrotz ist er spannend und rasant von Anfang bis Ende mit paar actionreichen Szenen.

Fazit:
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen - es klebte regelrecht in meinen Händen.
Im ersten Teil störte mich die leicht kitschige Romantik zwischen Anna und Sherlock etwas. War ich dies von Sherlock doch nicht gewohnt *g*. In diesem Teil geht es zwar auch um zwischenmenschliche Gefühle, jedoch kommen diese ohne Tamtam und übertriebenen Kitsch aus.
Mir persönlich hat dieser 2. Teil viel besser gefallen als der Erste, da spannender und rasanter.
Ich kann es nicht erwarten bis der 3. Teil dieser Reihe erscheint und stehe schon mit scharrenden Füßen in den Startlöchern *g*