Roter Schmetterling

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'The Red Moth', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Die sprichwörtliche Jagd nach dem Bernsteinzimmer

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2015

Im Sommer 1941 wird über Russland ein deutsches Flugzeug abgeschossen. Darin befinden sich der Pilot und ein Mann mit einem Bild. Das Bild findet schnell seinen Weg zu Stalin in Moskau, der sich wundert, warum um ein Bild, auf dem "nur" ein roter Nachtfalter abgebildet ist, so ein Aufhebens gemacht wird. Somit ruft er seinen Spezialermittler Pekkala auf den Plan.

Pekkala und sein Assistent Kirov zermartern sich ihr Hirne und finden schließlich heraus, dass in den Linien des Falters ein Plan versteckt ist, der Grundriss der Zarenresidenz im ehemaligen St. Petersburg, und durch ein Auge des Falters markiert der Standort des legendären Bernsteinzimmers. Stalin schickt Pekkala auf die Reise, um zu verhindern, dass das Bernsteinzimmer in die Hände von Hitlers Armeen fallen egal ob er es versteckt oder es vernichtet.

Pekkala macht sich auf den Weg und versucht, auch mithilfe von Polina Tschurikowa, einer Kunstexpertin, sich nach Leningrad durchzuschlagen und eine Entscheidung zu treffen. Doch ist er nicht der einzige, auch die Deutschen sind derweil weit vorangeschritten. Ein Rennen mit der Zeit beginnt.

Überraschende Wendungen

Achtes Weltwunder, Mythos, grosses Geheimnis was wurde nicht alles schon geschrieben über und um das Bernsteinzimmer, eines der wohl bekanntesten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte, von Friedrich Wilhelm I. an den Zaren Peter den Großen gegen ein paar riesige Soldaten eingetauscht, geschrieben, gesponnen und verbreitet. 1945 zum letzten Mal gesehen, ist es bis heute verschollen. Ob es noch existiert oder ob es zerstört wurde, ist nicht bekannt, was den Mythos über das Zimmer weiterhin lebendig bleiben lässt. In seinem vierten Roman um das "Smaragdauge" Inspektor Pekkala lässt der Autor Sam Eastland diesen Mythos wieder auferstehen und begleitet seine Protagonisten dabei, es vor den Deutschen zu verstecken.

Eastland schafft es erneut gekonnt, seine Leser durch seine klare Sprache und seine überraschenden Wendungen in Atem zu halten und dabei trotzdem nah an den Fakten zu bleiben. Geschickt konstruiert Eastland seine Handlung, die auch ein paar Rückblenden enthält, und nähert sich so sowohl mythisch als auch physisch dem Bernsteinzimmer, das zu dieser Zeit noch im Katharinenpalast war und das auch Pekkala bereits zu Zeiten des Zaren bewundern durfte. Kleine Geschichten um das Zimmer und das Personal im Palast runden die Geschichte ab und versuchen, das Zimmer zumindest für die Bewohner zu etwas alltäglichem zu machen, konnte diese doch jederzeit dort hineingehen und mit jeder Minute des veränderten Lichteinfalls eine andere Maserung und eine andere Stimmung des Raumes erleben.

Interessantes Personal

Natürlich musste es Pekkala obliegen, das Geheimnis des Bildes zu entschlüsseln, aber auch wenn man bereits im Vorfeld des Romans darum weiss, ist es doch packend zu lesen. Ihm zur Seite steht erneut sein Assistent Kirov, der mit jedem Roman mehr an eigenem Profil gewinnt und auch in Stalins Ansicht aufsteigt, was nicht nur ein Vorteil sein kann. Überhaupt erweisen sich Pekkala und Kirov mehr und mehr als eingespieltes Team, das sich immer besser kennt und immer vertrauter miteinander agieren kann. Inwieweit man Stalin dabei vertrauen kann, bleibt abzuwarten.

Geheimnisvoll sind auch die Informanten, die Pekkala zurate zieht. Neben Kunstexpertin Tschurikowa ist dies der Kunstexperte Semykin, derzeit jedoch Gefängnisinsasse und nicht immer bereit, zu helfen. Doch Pekkala findet einen beeindruckenden Weg, und Semykin erzählt interessante Dinge und empfiehlt Tschurikowa, die Pekkala erst finden muss.

Mehr in Aussicht

Der Roman ist durchweg flüssig zu lesen, auch ohne Vorkenntnisse der Vorgänger geniessbar, spannend und bis zur letzten Seite muss man jederzeit mit Überraschungen rechnen. Pekkala erweist sich einmal mehr als Meister seines Fachs. Stalin bleibt bis zum Ende undurchschaubar und unberechenbar, während Kirov eine Art Privatleben bekommen darf. Interessant und ein bisschen skurril ist die Begegnung zwischen Kirov und seiner Verlobten und Pekkala, der sich nicht besonders geschickt anstellt in Gegenwart der Verlobten. Nun, wer weiß, wohin das in den weiteren Romanen noch führt. Roter Schmetterling ist der vierte Pekkala-Roman, zwei weitere sind bereits auf Englisch erschienen, ein siebter fertig gestellt und kein Ende in Sicht.

Im Anhang enthält der Roman einige Angaben über das Bernsteinzimmer, und wer möchte, kann sich selbst auf die Suche danach begeben, denn gefunden ist es noch immer nicht, aber es gibt auch keine Beweise für seine Zerstörung.

Mit seiner Reihe um Inspektor Pekkala hat Sam Eastland eine spannende Aufgabe mit einer interessanten Konstruktion an Protagonisten. Stalin als einer der Ur-Bösewichte des 20. Jahrhunderts als Chef und Serienboss des Helden Pekkala, einem Relikt aus der Zarenzeit und persönlicher Geheimspion Stalins, ist eine inspirierende Idee, der man gerne folgt. "James Bond in Diensten Stalins" urteilte "Die Literarische Welt", und so ähnlich ist es auch, leicht überzogen, nur ohne die Frauengeschichten. Aber wer weiß, das kann ja noch kommen. Spannend und unterhaltsam. Weiter so.

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Letzte Kommentare:
10.07.2015 17:34:56
tassieteufel

Im Sommer 1941 marschieren Hitlers Truppen auf Moskau zu. Als ein deutsches Aufklärungsflugzeug hinter den feindlichen Linien abgeschossen wird und sich die beiden Besatzungsmitglieder vor den Augen der Sowjettruppen selbst erschießen, erregt das Stalins Aufmerksamkeit. In der Aktentasche von einem der Toten wird ein Gemälde sichergestellt, das einen großen Nachtfalter darstellt, doch bei genauerer Untersuchung erkennt Inspektor Pekkala, Stalins Sonderermittler, dass es sich um einen versteckten Grundriss der ehemaligen Zarenresidenz in St. Petersburg handelt. Stalin argwöhnt, dass es die Deutschen auf das legendäre Bernsteinzimmer abgesehen haben und schickt Pekkala mit einem brisanten Auftrag in die besetzte Stadt.

Mit seinem 4. Roman über Stalins Sonderermittler Pekkala ist dem Autor wieder ein packender, spannender und sehr wendungsreicher historischer Krimi mit ungewöhnlichem Ende gelungen, der von der ersten Seite an fesselt! Vom ersten Band an gab es eine stetige Steigerung in den Büchern und der 4. Fall, in dem es um das legendäre Bernsteinzimmer geht, ist auch mein bisheriges Highlight der Reihe!
Wie auch schon im Fall um die Romanows verarbeitet der Autor hier geschickt historische Fakten rund um das Bernsteinzimmer mit gut abgewogenen Spekulationen, so dass daraus ein Szenario entsteht, das durchaus glaubwürdig sein könnte. Neben dem Mythos rund um das Bernsteinzimmer gelingt es dem Autor wieder wunderbar, die Atmosphäre im Russland der Stalin Ära einzufangen, dass sich im Sommer 1941 auf den Krieg mit Deutschland vorbereitet. Hier wird dem Leser ein stimmiges Bild dieser Zeit vermittelt, das beim lesen öfter mal Gänsehaut erzeugt.
Pekkala muß auch diesmal wieder alle Register ziehen um die von Stalin gesetzte Aufgabe zu erfüllen und wird erneut mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als ihn seine Ermittlungen in die berüchtigte Lubjanka, das Gefängnis für politische Gefangene führen.
An der Seite des Smaragdauges ist wieder der getreue Major Kirow, und das Duo bekommt diesmal Verstärkung von der ehemaligen Kunstexpertin Tschurikowa, die scheinbar unfreiwillig in die ganze Sache verwickelt wird. Der eigentliche Krimifall ist sehr wendungsreich und endet sehr überraschend mit einer Art Cliffhanger, hier darf man also sehr gespannt auf den nächsten Teil sein. Einmal angefangen, kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen und klebt förmlich an den Seiten fest.
Der Schreibstil des Autors ist flott, eingängig und entbehrt auch ab und an nicht eines gewissen Humors.
Im Anhang gibt es einige Daten über das Bernsteinzimmer, die den Roman gelungen abrunden.

FaziT: für mich der bisher beste Pekkala Band der Serie, der gespannt auf den nächsten Teil macht! Eine spannende und wendungsreiche Kombination aus bekannten historischen Fakten und gelungener Spekulation, soll soll ein historischer Krimi sein!

02.07.2015 22:01:53
Peter Hyra

Sam Eastland ist mit der Serie um den Ermittler Pekkala ein großer Wurf gelungen.
Es werden historische Ereignisse ohne das Aufkommen von Langeweile in eine Krimihandlung eingebunden. Auch manchmal vorkommende Rückblenden werden immer in richtigen Zusammenhang in die Handlung eingebaut. Jede einzelne Episode dieser Serie liest sich flüssig, da verwirrende Parallelhandlungen oder zu viel Aufmerksamkeit z.B. dem Gefühlsleben oder persönlichen Probleme der handelnden Personen gewidmet wird.
Ich habe alle Bände in einem Zug ausgelesen.