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Rita Dell'Agnese
Von einem, den das Schicksal liebt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2015

Kim ist ein menschliches Chamäleon. Der Junge mit irischer Abstammung lebt schon seit Jahren auf der Straße in Lahore dank seiner Wandlungsfähigkeit tut er das nicht schlecht. Er ist ein liebenswürdiges Schlitzohr und leistet manchem gute Dienste, die ihm die eine oder andere Freizügigkeit eintragen. Als ein Lama aus dem fernen Tibet nach Lahore kommt, schließt der neugierige Junge Bekanntschaft mit dem alten Lehrer. Schon nach wenigen Stunden weiß Kim, dass er den Lama auf seiner Suche nach einem besonderen Fluss begleiten will. Dieser ist gleichermaßen skeptisch wie beglückt. Kim entspricht zwar nicht dem, was der Lama bisher von seinen Schülern erlebt hat, aber er schließt den Jungen sofort in sein Herz. Der kleine Freund aller Welt leistet dem alten Mann gute Dienste. Nicht nur, dass er dank seiner Gerissenheit und seiner Gönner in Lahore für einen guten Reisestart sorgt, er bewahrt nebenher auch seinen besten Freund Mahbub Ali vor Ungemach und dient ihm als Bote einer brisanten Nachricht.

Je länger Kim mit dem Lama unterwegs ist, desto enger wird das Verhältnis der beiden. Der Lama erkennt jedoch, dass er seinen jungen Freund nicht für immer in Anspruch nehmen kann. Kim hätte das Zeug dazu, eine höhere Bildung zu genießen. Für den unbeschwerten Kim jedoch ist es undenkbar, den Lama zu verlassen. Da stoßen die beiden auf einen englischen Trupp, der eine spezielle Flagge mit sich trägt: Ein roter Stier auf grünem Grund. Dieses Symbol werde sein Leben bestimmen, weiß Kim aus einer Prophezeiung. Zunächst aber heißt das Symbol, dass er von den englischen Truppen festgehalten wird. Als er sich ausweist und fest steht, dass er der Sohn eines verstorbenen ehemaligen Kameraden ist, beschließen die Befehlshaber, Kim in eine Kadettenschule zu stecken und ihn in die Armee aufzunehmen. Der Lama aber hat andere Pläne. Er sorgt dafür, dass Kim die Ausbildung bekommt, die ihm für den Jungen angemessen erscheint. Für den heranwachsenden Kim ist es ein Schock, plötzlich in einen Schulalltag eingebunden zu sein. Er kehrt immer wieder auf die Straße zurück und schwört sich, seinen Lama bis zu dessen Fluss zu begleiten.

Bezaubernde Geschichte

Bei diesem Roman handelt es sich um eine Neuübersetzung des von Rudyard Kipling verfassten Klassikers Kim. Übersetzer Andreas Nohl ist mit großem Feingefühl ans Werk gegangen und hat dem Klassiker eine Farbigkeit verliehen, die in manch älterer Fassung nicht zutage tritt. Tatsächlich schafft es Nohl, diese besondere Atmosphäre der Karawansereien und des gesellschaftlichen Lebens im alten Indien aufzuarbeiten und den Lesern als farbenprächtige Bilder zu präsentieren. Die Dialoge hat er in eine auch für eine heutige, jüngere Leserschaft verständliche Sprache gesetzt, die aber nicht zu modern ist, und keinen Widerspruch zum Inhalt des Buches darstellt. Andreas Nohl lässt damit den kecken Jungen Kim, der langsam zum Mann und zu einem gewandten Spion heranreift, zu neuem Leben erwachen. In den vergangenen Jahren waren es vor allem Kiplings Dschungelbücher, die sich über Generationen hinweg halten konnten. Der Autor vermag es, die ganzen Gegensätze auf der Grand Trunk Road einzufangen, die eine Verschmelzung von Ost und West beinhaltet und auf der sich soziale oder religiöse Gegensätze deutlicher als sonst wo zeigen.

Jugendbuch und Spionagethriller

Kipling hat Kim quasi zwischen die Genres hinein gesetzt. Der Roman könnte als Jugendbuch gedacht sein, weist dann aber einige Passagen auf, die diesen Rahmen sprengen. Der Roman hat auch Elemente von Spionagethriller oder von einem Buch über buddhistische Weisheiten. Diese Mischung macht Kim zu etwas Außergewöhnlichem, auf das man sich allerdings einlassen muss, will man den ganzen Zauber, der in diesem Buch steckt, genießen können. Oft bleibt die Handlung ruhig und verhalten, beschränkt sich eher auf philosophische und beschreibende Momente, dann wiederum überschlagen sich die Ereignisse. Wer die Geduld hat, sich auf das Eine einzulassen, wird das andere bald mit Wonne genießen. Der Wechsel der jeweiligen Szenerie vermittelt einen guten Eindruck von den gesellschaftlichen wie auch von den politischen Ereignissen im auslaufenden 19. Jahrhundert. Mehr als auch manchem Geschichtsbuch wird hier beschrieben, wie sich Indien langsam gegen die Kolonialmacht Großbritannien aufzulehnen versucht, um wieder selbst über sich bestimmen zu können. Diese politische Brisanz ist sehr gut in den Roman verpackt, trägt nicht auf und führt auch nicht dazu, dass die Leser sich da und dort langweilen könnten.

Hörbuch im Angebot

Kim gibt es nicht nur als Hardcover in Buchform, der Verlag DAV hat den Roman auch in ein Hörbuch umgesetzt. Dabei bewies der Verlag bei der Wahl des Sprechers eine gute Hand: Die Verpflichtung von Frank Arnold bewährt sich. Er versteht es meisterhaft, den tiefsinnigen Humor und die liebenswerte Weisheit, die in der geschriebenen Fassung zutage tritt, auch ins Hörbuch einzubinden. Bedauerlich ist einzig, dass der Verlag eine gekürzte Fassung anbietet, gegenüber dem geschriebenen Buch fehlen da und dort einige Passagen, die den Verlauf der Dinge in einem nochmals etwas anderen Licht hätten darstellen lassen. Grundsätzlich aber lohnt es sich für jene, die gerade keine Zeit und Muße zum Lesen finden, nach dem Hörbuch zu greifen. 

Kim

Kim

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Letzte Kommentare:
17.11.2018 14:55:37
seoirse_siuineir

Habe mich am Ende bis zum Schluß durchgequält.
Ich kannte vorher nur den Film aus dem Jahr 1950, der mir als Jugendlicher gut gefallen hatte. Beim Lesen des Roman habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, "wann es denn nun endlich los geht" - aber es ging nicht los.
Die Übersetzung von Andreas Nohl beinhaltet unzählige Anmerkungen, was zwar einerseits gut für das Verständnis sein kann, anderseits aber die Lesbarkeit negativ beeinträchtigt. Einige der Anmerkungen sind wenig hilfreich: was ein "Sergeant" ist, habe ich auch ohne Anmerkungg gewußt; daß "Bikaner" eine "Stadt in der Wüste von Rajasthan" ist, mag interessant sein, aber ist weiß jetzt trotzdem nicht, wo sie ist.