Die Markgräfin

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • , 2004, Titel: 'Die Markgräfin', Originalausgabe

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Bettina Weiß
Rätselhafter Fund eines Kinderskeletts

Buch-Rezension von Bettina Weiß Jan 2007

Bei Renovierungsarbeiten auf der Kulmbacher Plassenburg entdecken Handwerker im Dezember 2001 in einer Mauerlücke ein kostbares Kästchen aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich die Knochen eines Säuglings befinden. Kastellan Haubold und ein Team aus Hobbyforschern versuchen die Geschichte des Kindes zu entschlüsseln und die merkwürdigen Umstände seiner Bestattung zu erforschen. Stück für Stück kommen sie dabei einem historischen Kriminalfall auf die Spur.

Hochzeit - kurze Ehezeit - und eine neue arrangierte Ehe

In diesem Roman wird die Lebensgeschichte der Markgräfin Barbara von Brandenburg- Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen, Königin von Böhmen, erzählt, die Sabine Weigand anhand von historischen Zeugnissen und Originalbriefen rekonstruiert hat.

Barbara wird mit 10 Jahren mit dem Herzog von Groß-Glogau und Crossen verheiratet. Anfangs fällt es ihr schwer, sich am herzoglichen Hof zurecht zu finden. Mit der Zeit nähern sich die Eheleute an und Barbara beginnt, ihren Ehemann lieb zu gewinnen. Kaum zwölf Jahre alt, stirbt ihr Ehemann und Barbara kehrt als Witwe auf die Plassenburg zurück. Kurze Zeit später wird Barbara als 15jährige mit König Wladislaw von Böhmen mittels eines böhmischen Gesandten verheiratet. Da die Ehe aus politischen Gründen für ihn uninteressant wird, holt der Ehemann Barbara nie zu sich nach Böhmen. Er zieht lediglich Nutzen aus ihrer reichen Mitgift und Witwengut. Barbara bleibt indes auf der Plassenburg und muss erleben, wie ihre Brüder aus der Situation Nutzen ziehen wollen und sie wie eine Marionette hin und her schieben. Als sie sich in einen unbedeutenden Ritter verliebt und nach Jahren beim Papst um die Annullierung der nie vollzogenen Ehe ersucht, wird sie von ihren Brüdern auf der Plassenburg nahezu als Gefangene gehalten. Aber Barbara findet einen Weg ihr Schicksal zu meistern...

Die Historikerin Sabine Weigand ist bei ihren Forschungen zur Plassenburg in Kulmbach auf das Schicksal der Markgräfin Barbara gestoßen und hat einen wunderbaren Roman um ihr Leben entworfen. Im Roman werden zwei Erzählstränge verfolgt: Zum Einen die Ermittlungen der Hobbyforscher um den Fund des Skeletts und die Lebensgeschichte der Markgräfin Barbara von Brandenburg-Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen, Königin von Böhmen . Beide Handlungen werden abwechselnd erzählt, so dass der Leser den Forschern immer ein bisschen voraus ist und so ihre Arbeit bewerten kann. Das Buch ist leicht und flüssig zu lesen, die Sprache im historischen Teil nicht zu modern, sondern sie versucht die Stimmung und den Flair der Zeit aufzunehmen, ohne zu altertümlich zu sein.

Spannendes und realistisches
Frauenschicksal des 16. Jahrhunderts

Die Autorin beschreibt sehr spannend, aber auch realistisch ein Frauenschicksal des 16. Jahrhunderts. Die Heldin ist sympathisch und patent, ohne jedoch zu modern zu sein und sich außerhalb ihrer Lebenszeit zu bewegen. Durch die eingeschobenen Bezüge zu den Arbeiten der Forscher in den Jahren 2001 und 2002 wird der Spannungsbogen sehr gut gehalten, da die Handlung auch durch die Forschungen vorangetrieben wird, wenn Entdeckungen gemacht werden, die sich durch die historische Handlung nicht erklären lassen und der Leser gespannt auf die Erklärung wartet.

Der Roman lebt zu einem großen Teil von der Schilderung der Haltung der Gesellschaft und der Familie gegenüber den Frauen, Töchtern und Schwestern. Diese sind nur dann für die Familie und Gesellschaft wichtig, wenn sie verheiratet werden können, Vermögen aus Mitgift oder Witwengut haben. Als Personen sind sie völlig uninteressant.

Als Barbara sich hiergegen auflehnt und rebelliert, zum Beispiel durch ihr eigenes Tätigwerden bei der Annullierung ihrer Ehe mit dem König von Böhmen, wir sie sanktioniert und weggesperrt. Barbara auf ihrem Weg zu begleiten, die sich hiergegen zur Wehr zu setzen und ihren Weg zu finden versucht, bringt sehr viel Lesefreude und unterhaltsame Stunden.

Im Anhang des Buches findet sich ein Nachwort der Autorin zur historischen Barbar und eine Erläuterung der dichterischen Freiheit. Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet mit einem schönen Cover und einem Stich der Plassenburg um Anhang.

Die Markgräfin

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Letzte Kommentare:
23.01.2018 17:28:13
inch

Die Geschichte von Barbara von Brandenburg-Ansbach wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen verfolgt der Leser, wie sie im 16. Jahrhundert von ihrer Familie immer wieder in verschiedene Ehen verschachert wird, ohne auch nur gefragt zu werden, und wie sie trotzdem versucht, sich ein eigenes Leben aufzubauen. Parallel dazu findet 2001 der Kastellan der Plassenburg ein Kinderskelett und macht sich mit seinen Freunden und Kollegen auf die Suche nach der Geschichte dieser ungewöhnlichen Entdeckung.

Diese Erzählweise macht das Lesevergnügen sehr interessant und spannend, da mal der eine, mal der andere Strang neue Erkenntnisse bereit hält. Die Geschichte der Markgräfin Barbara macht wieder einmal deutlich, wie rechtlos Frauen damals waren und wie mutig sie sein mussten, um sich ein wenig Freiheit und Selbstbestimmung zu erkämpfen. Umso seltsamer fand ich es daher, dass es im neuzeitlichen Erzählstrang von traditionellen Geschlechterklischees nur so wimmelt. "[Er] ärgerte sich, dass er sich kein Vesperbrot mitgenommen hatte. Aber um so was kümmerte sich ja sonst auch seine Frau, und die war nicht da." ist nur eines von vielen ähnlichen Beispielen, die man sich in den 1970er Jahren noch vorstellen könnte, die zu Beginn des 21. Jh. aber fast schon anachronistisch wirken.
Wer darüber hinweg sehen kann, wird aber ein interessantes Frauenleben und eine spannende Detektivgeschichte erhalten.

11.07.2014 18:25:32
Jana68

Sabine Weigand baut das Wenige, das man von der Markgräfin Barbara belegt weiß, sehr gut in ihren Roman ein. Barbara ist ein Opfer ihrer Zeit und ein Spielball von Machtansprüchen und Politik. Und das nicht nur in Bezug auf ihren Bruder. Dieser allerdings scheint keinerlei Achtung, Respekt und Liebe irgend jemandem entgegen zu bringen und am wenigsten sein Schwester. Sie ist ihm vollends ausgeliefert und er nimmt ihr fast alles. Ihr Dasein ist eine einzige Tragödie, die von sehr wenigen glücklichen Momenten unterbrochen wird.
Das Buch hat mir gut gefallen, wenngleich die 2. Zeitebenen über das Forscherteam unserer Tage etwas gewöhnungsbedürftig ist.

27.01.2014 05:46:57
g.lossau

Spannend, einfach spannend sich in die mittelalterichen Braeuche und Zeit zu versetzen. Beim Lesen dieses Romanes gelingt dies der Autorin. Die kleinen Zusammenhaenge, die manchmal nicht ganz stimmig sein moegen, schmaelern nicht das Lesevergnuegen dieses gelungenen Werkes. Barbara wird als symphatische Frau dargestellt. Ich wuenschte mir staendig im Verlauf des Buches etwas Lebensglueck fuer die Markgraefin und erlebte mit ihr ihre kurzen Gluecksmomente. Dass die historischen Fakten nicht alle korrekt ins Bild gesetzt werden, kann ich hinnehmen. Ein Roman ist ein Roman. Dies ist ein gelungener Roman, der mir Freude bereitet hat. Fakten habe ich mir aus anderen Geschichtsquellen entnommen. Damit kann ich gut leben.

10.07.2013 10:24:11
Nubberich

Ein tolles und kurzweiliges Buch, das gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit pendelt und immer spannend ist. Das die Autorin die Handlung um einige Jahre versetzt hat, tut dem keinen Abbruch. Dem ganzen Buch merkt man an, dass es - im Gegensatz zu vielen anderen - sorgfältig recherchiert ist und dass jemand am Computer sitzt, die Ahnung von Geschichte hat.
Absolut empfehlenswert

03.10.2012 01:37:48
ursula z.

habe das Buch nach langer Zeit nun zum zweiten mal gelesen und hab auf Grund aus Neugier noch einmal die Bewertungen angeschaut und muß vielen Mitlesern rechtgeben. Mehrere Zusammenhänge sind unstimmig. Wie kann es sein das Barbara sich in einer SItuation sprich : sich den Lindgrünen Umhang , fest um die Schultern zieht als seis nich t Juni. Aber im nächsten Moment zur Zofe sagt: schau es wird Frühling im Tal erblühen schon die Schneeglöckchen

08.05.2012 10:50:20
Die Cadolzburgerin

Ich habe das Buch gelesen und konnte es überhaupt nicht mehr aus den Händen legen. Meiner Mutter ergeht es derzeit genauso. Wir sind hoch begeistert von dem Roman. Ich verstehe nicht, warum die Autorin so kritisiert wird. Man soll sich doch bei Büchern in die Geschichte rein träumen können und nicht mit richtig oder versetzen Daten umherhantieren. Das hineinträumen in die Zeit, ist wunderbar gelungen! Besonders erfreut war ich, das die Geschichte der weißen Frau erwähnt wurde und auch die Cadolzburg.

06.03.2010 18:31:22
Cysiay

Ich fand den Roman, mehr mittelmäßig als spannend.
Auch in meinen Augen zieht sich die Zeitverschiebung, die Toma ja schon ausführend erleutert hat, wie ein roter Faden durch das ganze Buch.

Auch das ewige von 15hundertzwieback in 2002 gespinge hat mich während des lesens ziemlich gestört, aber das sieht ja jeder anders.

Barbara wurde für mich ansonsten als sympathische Frau geschildert mit der ich mitleiden konnte.
Auch die übrigen Personen aus dem Mittelalter fand ich sehr ansprechend.

25.01.2010 11:27:48
Schmidt

Ich fand den Roman schon spannend, aber auch schade, dass dabei historische Fakten so unkorrekt verarbeitet wurden. Und dass dies mit gegenwärtigen Forschungen in Verbindung gebracht wurde, stellt leider ein sehr schlechtes Zeugnis für Archivare aus, die so nicht stehen bleiben kann. Wohl aus diesem Grund ist auch der Name des Kulmbacher Archivars verändert worden. Er wird sich wie auch alle anderen Archivare darüber geärgert haben, dass Forschungsergebnisse frei interpretiert werden und auch noch in zwei verschiedene Zeitepochen eingefügt werden.
Schade.

02.01.2010 20:09:06
Reiner Hammeran

Eigentlich ist ja schon alles gesagt: Während es Lesern von historischen Romanen dieses Genres völlig schnuppe ist, ob da alles exakt recherchiert zusammenpasst oder nicht, weil Spannung und Lesevergnügen im Vordergrund stehen, halte ich es wie einige Kommentatoren mit dem Hinweis: Wenn ich spannende, abenteuerliche ´historische` Geschichten schreiben will, dann habe ich als Schriftsteller doch auch die unendliche Freiheit , mir mehr oder weniger jede handelnde Person und jedes Ereignis auszudenken. Dann gäbe es doch gar keine Kritik an irgendwelchen Ungereimtheiten oder historischen Fehlern...
So aber muss sich Frau Weigand wirklich die Frage stellen lassen, warum sie diese 50 Jahre Verschiebung einbaut. Ein Buch über die Barbara wäre allein schon spannend gewesen, und eines über den Konraditag in Kulmbach oder eines über den wilden Alkibiades ebenso.
Aber alles so zu vermischen ? Ich weiß nicht.
Vielleicht ist aber auch ein anderes Fazit zu entdecken: Es ist in unserer heutigen Zeit gar nicht so wichtig, wie etwas genau oder richtig ist. Hauptsache, da geht die Post ab, wie auch immer....

PS: Ich habe bei einem Besuch der Plassenburg mit dem Fremdenführer gesprochen, der im Weigandroman als Lehrer Götz auftaucht. Auch er kann den Schreibkniff von Frau Weigand nicht so ganz nachvollziehen.

15.09.2009 11:47:30
Lexa

Es wäre ein super Buch, wenn nicht diese Zeitverschiebung wäre. Ehrlicherweise hat die Autorin dies im Anhang begründet. Nur gefallen hat mir das nicht. In meinem Geist zieht sich durch das ganze Buch wie ein roter Faden diese zeitlichen Ungereimtheiten (Toma bringt es exakt auf den Punkt!). Ich frage mich, muß ich als Schriftsteller zu so etwas greifen? Ich recherchiere gut und dann stelle ich meine Recherche in Frage?
Freilich ein Roman ist ein Roman und die Freiheit des Schriftstellers ist unendlich. Aber eine historische Persönlichkeit in eine andere Zeit zu versetzen, muß nicht sein. Die Autorin hätte auch so genügend Potential für ein gutes Buch.
Lese ich diese Lektüre unbedarft, interessieren mich Geschichtsdaten nicht, will ich nur einen guten Roman, so gebe ich 95 Punkte. So reichts gerade zu 80.

25.07.2009 11:57:03
Anneli Beuing

Ich war begeistert von dem Buch! Wie beiläufig lernt man wie man in Mittelalter gelebt hat. Es drängen sich natürlich auch Vergleiche zur Jetztzeit auf, -z.B. wie sich das Leben für Frauen geändert hat. Der Schreibstil wiederum ist sehr flüssig, spannend, anmutig, deftig- und die Zeitsprünge reißen niemals aus dem Lesefluß heraus. Mühelos folgt man einer Situationskomik aus dem Leben der Archäologen zurück ins Mittelalter. Dort allerdings beschwört Sabine Weigand mit eindringlichen Bildern eine Zeit herauf, die wir uns gar nicht mehr vorstellen können... von der Kemenate über das Burgverlies zur Gerichtsstätte, weiter zum Geheimgang und Burggemäuer, Schlachtengetümmel und munterem Treiben in Stadt und Land, Kunst und Kultur. Von treuer Gefolgschaft und heimlicher Liebe bis zur Todfeindschaft ist alles vorhanden, was das Leben bunt und schön, aber auch tragisch und verletzlich macht. Sehr gelungen, besonders wenn man in der Gegend wohnt, wo sich alles abgespielt hat...!

06.06.2009 18:13:35
Leo Jogisches

Bin noch beim Lesen des Buches.
Die Zeitsprünge gefallen mir. Mich lässt dieses Buch eintauchen in eine längst vergangene Zeit. Und nicht nur das. Es macht mir einfach die zutiefst diskriminierenden Zustände der damaligen Zeit äußerst anschaulich, was mich jedoch nicht die Gegenwart unkritisch in rosigem Licht sehen läßt.
Nun gut, die Sprache zeugt bisweilen zu sehr von der eigenen Profession der Autorin als Hstorikerin. Will heißen: es ist wahrscheinlich kein unbedingt leichtes Unterfangen, die eigenen (erforschten) Kenntnisse in eine Geschichte zu verpacken, bei der von Anfang bis zum Schluss gewissermaßen glatt durchgelesen werden kann, ohne im Lesefluss hie und da einmal zu stolpern.
Al in all: das Buch ist als kurzweilige Lektüre zu empfehlen.

29.10.2008 18:08:50
jordis

Dieses Buch hat mich absolut begeistert!

"Die Markgräfin" verfolgt nicht nur die Geschichte einer adligen jungen Frau, die - wie viele weibliche Wesen ihrer Zeit - zum Spielball der Männer und dessen Interessen wird (als Frau darf sie natürlich keine eigenen Interessen haben, was die geneigte Leserin mal wieder mit einiger Wut und Ungläubigkeit zurück lässt).

Parallel dazu spielt auch ein Handlungsstrang in der Gegenwart, in der 4 Hobby-Historiker durch einen interessanten Fund auf einer Burg auf die Spur eben jener Markgräfin kommen. Wie ihnen das gelingt, gibt einen interessanten Einblick in die Arbeit von Historikern, die mühsam wenige Puzzle-Teile zu einem früheren Leben zusammen setzen.

Hier wird auch besonders deutlich, wie schwierig es ist, dass Leben von Frauen zu rekonstruieren, die kaum Spuren in den Quellen hinterlassen haben. Geschichte war eben vor allem Geschichte von Männern, wurde von ihnen gemacht - so wie es die Markgräfin auch zu spüren bekommt.

Dabei wird nicht nur ihr Leben "erzählt", als Leser bekommt man auch über zahlreiche Briefe, die die mittelalterlichen Personen geschrieben haben, an passender Stelle Einblick in die Geschehnisse - eine interessante Möglichkeit, einem diese Menschen näher zu bringen. Zwar gehen diese Briefe zum größten Teil auf die Phantasie der Autorin zurück (wie gesagt, Frauen haben kaum Spuren hinterlassen), die Markgräfin hat jedoch tatsächlich existiert. Das macht die Arbeit der 4 Hobby-Historiker umso interessanter.

Der mittelalterliche und der gegenwärtige Handlungsstrang werden geschickt verwoben: Mal ist der Leser, der die Markgräfin begleitet, den Hobby-Forschern voraus, mal entdecken diese etwas, was plötzlich auch im Leben der Markgräfin eine Rolle spielt.

Eine geniale Idee, großartig recherschiert (hier merkt man, dass eine "echte" Historikerin dahinter steckt), toll zu lesen.
Dabei begegnen einem fast nebenbei viele interessante Details: Lieder, von Walther von der Vogelweide werden gesungen, noch heute bekannte Redensarten nebenbei erläutert (etwa: "Auf den Hund kommen"), sowohl kírchliche als auch weltliche Verwicklungen werden klarer, Hexenprozesse und Kriege haben ebenso ihren Platz wie die Liebe und unglaublich grausame Riten.

Ich werde mich gleich auf das nächste Buch von Sabine Weigand stürzen!

27.10.2008 10:38:13
arno

Ich bin leider der erste, der dieses Buch nur angefangen hat. Mich hat bei diesem Buch die Zeitverschiebung nur wegen etwas mehr Spannung so gestört, das ich das Buch gleich am Anfang weglegte. Ich glaube nicht, das ich noch einmal zu diesem Buch greifen werde. Für die Arbeit des schreibens gibt es 35 punkte

02.06.2008 19:04:57
toma

Auf der Plassenburg bei Kulmbach entdeckt im Jahr 2001 der Kastellan eine Kinderleiche aus dem 16.Jhd..
Zusammen mit ein paar historisch interessierten Freunden macht er sich auf die Suche nach der Identität der unbekannten Mutter und stößt dabei auf die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach.

Barbara von Brandenburg-Ansbach gehörte dem Haus (Hohen)Zollern an. Geboren 1464 wurde sie als Achtjährige am 11. Oktober 1472 zum ersten Mal verheiratet und war 2 Jahre später schon Witwe. Bis zu ihrem Tod am 4.9.1515 war sie für die Hohenzollern nur ein Machtobjekt und wurde von ihrer Familie wie ein Spielball hin- und hergeschoben.

Aus diesen beiden Handlungssträngen macht Sabine Weigand ein spannendes, sehr gut zu lesendes Buch. Das Leben im Mittelalter und die rechtlose Stellung der Frau wird darin sehr anschaulich beschrieben.

TROTZDEM habe ich etwas GRAVIERENDES daran auszusetzen :
S.W. beginnt die Geschichte der achtjährigen Barbara mit ihrer Verlobung im Jahre 1525 ! und gebraucht im Verlauf des Buches sehr viele weitere Datierungen
Allerdings fielen mir gleich am Anfang einige "Ungereimheiten" bezüglich der angegebenen Jahreszahlen auf.
So ist z.B. die Rede davon, dass Barbaras Brüder LUTHERISCH sind, gleichzeitig bittet sie aber, beim PAPST um die Auflösung ihrer Ehe mit dem BÖHMISCHEN König Wladislav Jagiello.
Die JAGELLONEN waren aber nur bis 1526 Könige von Böhmen, dann fiel die Krone durch Heirat an das Haus HABSBURG
Auch schreibt ihr Bruder einen Brief an den König Matthias Corvinus von Ungarn, der von 1541 datiert ist... MC starb aber bereits 1490.
Kaiser Karl V. hat Barbara gar nicht mehr erlebt.....
Ich könnte noch viele andere Stellen anführen

Nachdem ich mich in meinen einschlägigen Büchern und Stammbäumen über die richtigen Zahlen vergewissert hatte, habe ich dann im NACHWORT von Sabine Weigand gelesen:
ZITAT: "Allerdings habe ich mir die Freiheit genommen, Barbaras Lebensdaten um ca. 50 Jahre in der Zeit zu versetzen, um den Markgräflerkrieg und die Zerstörung der Plassenburg mit thematisieren zu können...."

Als "Hobbyhistorikerin" bin ich jetzt doch etwas im Zwiespalt:
Einerseits ist die "Rekonstruktion" von Barbaras Leben wirklich gut gelungen, andererseits stören mich die falschen Daten und Umstände doch sehr.
Wenn einem "Laien" auch nicht jeder Fehler auffallen mag, aber allein schon die Widersprüche im Bereich der Religion... (mal ist vom Papst und dem Abt als Beichtvater, dann wieder von Luther die Rede...die Kulmbacher wollen den Fürsten wieder "katholisch machen", werden aber später als treu LUTHERISCH geschildert) ... führen doch einigermassen zur Verwirrung.
Auch wenn es sich in erster Linie um einen Roman handelt, aber HIER wird die ganze europäische Geschichte, samt ihren Herrschern um 50 Jahre "versetzt" und damit VERFÄLSCHT, und zwar von einer HISTORIKERIN, bloss um die Zerstörung einer Burg zu schildern ....

DAS hätte man eigentlich im Sinne der "Wahrheit" auch weglassen können.
Die Geschichte um Barbaras Leben und die zweite, die in der Gegenwart spielt, wäre auch OHNE DAS spannend genug.

02.06.2008 15:32:54
Hanne54

Habe alle drei Bücher von Sabiene Weigand gelesen und konnte bei allen Dreien nicht aufhören zu lesen.Vor allem gefällt mir,daß immer ein Funken Wahrheit dabei ist und dadurch man ein wenig aus dem Mittelalter noch dazu lernen kann.Nach dem Buch "Die Markgräfin"
haben wir uns nochmals die Plasenburg in Kulmbach angeschaut,da konnte ich mich rückwirkend noch besser hineinversetzen.
Wenn auch in ihren Büchern nicht alles genau der Realität entspricht,so sind sie doch hochspannend.
Freu mich schon auf ihre nächsten Romane.

07.04.2008 18:04:05
Cait

Nach „Das Perlenmedaillon“ ist „Die Markgräfin“ das zweite Buch der Autorin, das ich gelesen habe und ich muss sagen, ersteres hat mir deutlich besser gefallen.

Stilistisch ist „Die Markgräfin“ äußerst interessant und fast perfekt. Sabine Weigand benutzt zum Spannungsaufbau zwei Zeitebenen: die Gegenwart, in der Hobbyhistoriker sich an die Aufklärung eines jahrhundertealten Mordes an einem Säugling machen, und die Vergangenheit, in der der Leser „hautnah“ die Ereignisse bis zur Ermordung eben jenes Kindes miterlebt. Um alles authentischer wirken zu lassen, lässt die Autorin zahlreiche Briefe und Dokumente, teilweise historisch verbürgt, in ihren Roman einfließen, die alle in der damaligen Schriftsprache verfasst sind. Das hat mir äußerst gut gefallen, auch wenn die Sprache ab und an gewöhnungsbedürftig ist. Und nicht nur in Schrift, sondern auch in Wort, versucht die Autorin, die damals geläufige Sprache konsequent zu benutzen. Einerseits finde ich das großartig, da es dem Roman ein gewisses Flair verschafft, andererseits bin ich doch des Öfteren über fremde Begriffe gestolpert. Ein Glossar hätte ich sehr nützlich gefunden, auch wenn sich mir die meisten Begriffe erschlossen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass der Roman bei Genre-Anfänger einige Fragen aufwerfen könnte.

Am Anfang hatte ich große Schwierigkeiten mich einzulesen. Es hat eine ganze Weile gedauert bis ich einigermaßen in die Geschichte eintauchen konnte. Die schnellen Perspektivenwechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit haben es mir da nicht gerade leichter gemacht. Vor allem, weil ich gerade zu Beginn die Gegenwartsabschnitte als störend empfunden habe. Im Laufe der Geschichte haben mir die Gegenwartsabschnitte dann doch noch besser gefallen als die Vergangenheitspassagen. Sie waren deutlich spannender und interessanter. Barbaras Geschichte mag zwar wirklich grausig und tragisch sein, allerdings hat sie es nicht geschafft, mich zu berühren und richtig zu packen. Ich war nur einmal tief bewegt und das ist mir bei einer derart dramatischen Geschichte zu wenig.

Keine der Figuren konnte mich in ihren Bann ziehen, am ehesten noch der Kastellan Haubold aus der Gegenwart. Ich vermute, das lag vor allem an den Perspektivenwechseln. Meistens habe ich dadurch Schwierigkeiten eine Beziehung zu den Figuren aufzubauen. Auch wirken sie auf mich zum Großteil leicht durchschaubar und recht eindimensional. Richtig überraschen konnte mich keine Figuren, aber sie haben zumindest glaubhaft im Rahmen ihrer charakterlichen Darstellung agiert und waren recht lebendig.

Der mit Abstand größte Kritikpunkt von allen ist für mich, dass Barbaras Leben aus dem eigentlichen historischen Kontext heraus gerissen und in eine andere Zeit, etwa 50 Jahre zeitversetzt, eingepflanzt wurde, um einen spannenderen historischen Hintergrund zu bekommen. So etwas mag ich generell nicht und es hat mich fürchterlich verwirrt, da ich nie genau wusste, welchen historisch belegten Personen Barbara nun wirklich begegnet ist und welchen nicht. Zwar geht die Autorin in ihrem Nachwort ein wenig darauf ein, aber meiner Meinung nach nicht ausreichend. Vieles habe ich mir selbst noch rausgesucht und überprüft, weil ich schon wissen wollte mit wem Barbara es nun damals zu tun hatte.

Insgesamt hat der Roman sowohl größere Schwächen, als auch große Stärken. Der Gegenwartsteil ist spannend und unterhaltsam erzählt und bringt einem die Recherchearbeit eines Historikers sehr nahe, was mich unglaublich begeistert hat. Auch wenn ich das Buch sicherlich nicht noch einmal lesen werde, hatte ich schöne Lesestunden.

06.02.2008 10:46:36
Kerstin Meingast

Kerstin: Auch mir hat das Buch gut gefallen, v.a. wegen den historischen Background-Infos.

Auch mir ist das Hin-und Herspringen zw. damals u. heute etwas schwer gefallen und diese Kuppelgeschichte zw. diesem Thomas und der Geli war ...naja! Hat das Buch nicht wirklich bereichert!

Was mir sehr gut gefallen hat, war die Figur von Haubold, am besten mit seinen "LILA Pausen" im verschütteten Gang.
Typisch Mann irgendwie!
i

31.12.2007 14:42:48
Regina Lochner

Sehr schönes Buch, und ich finde die Verquickung von Vergangenheit und Gegenwart sehr gut gelöst. Natürlich widersteht auch Frau Weigand der Versuchung nicht, das eine oder andere sprachliche Klischee zu bedienen (gerade im "modernen" Teil), aber sie hat ja schließlich kein historisches Fachbuch schreiben wollen, sondern einen Roman. Den kann man gut und flüssig lesen. Gezeigt wird aber, und das sollte man bedenken, lediglich ein Aspekt des Frauenlebens zur damaligen Zeit. Nichtadelige Frauen oder solche in anderen Gegenden haben andere Erfahrungen gemacht und waren oft nicht in dem geschilderten Maß fremdbestimmt. Trotzdem: ein gutes Buch, nett, daß auch mal was in Franken spielt, und man hofft auf mehr.

28.09.2007 05:46:31
Corinna

Einfach nur toll - man merkt, dass die Autorin recherchetechnisch "an der Quelle" sitzt, und man beneidet sie geradezu um diesen Segen! Und dennoch wirkt es nie hoelzern, eine Aneinanderreihung von Fakten zu Lasten der Fiktion - Sabine Weigand ist nicht nur eine leidenschaftliche Historikerin sondern auch eine begnadete Erzaehlerin, und beides kombiniert macht Hoffnung auf noch viel mehr aus der Feder dieser Autorin!

21.09.2007 18:39:37
Tringin

Wunderbar, weil endlich mal jemand wirklich weiß, wovon sie schreibt! Absolut authentisch - sowohl der historische als auch der neuzeitliche Teil. Das Buch ist nicht nur für Leser perfekt, die gerne historische Romane lesen, sonder besonders für all die, die sich für die "Wissenschaft Geschichte" interessieren. So wie die Autorin das Puzzlespiel im neuzeitlichen Teil bescheibt, kann nämlich historisches Arbeiten aussehen. Alle Personen sind durch die Bank authentische beschrieben; kein Klischee bringt einen zum winden. Thumbs up und: 100 Punkte!

13.09.2007 19:46:30
olympia

Ich kann mich den vorangegangenen Rezensionen nur anschließen.
Man lebt mit Barbara förrmlich mit. Zwischen Hoffen und Bangen verbringt sie ihr Dasein und gibt auch nicht auf, als der Kampf aussichtslos scheint.
Ein Buch, dass man nur mehr schwer aus der Hand legt. Vor allem gewinnt dieses Buch durch die außerordentlich realistische Darstellung und Geschichte. Einmal etwas ganz anderes......Empfehlenswert!!

09.09.2007 19:27:00
yvonne schediwy

seit über zwei Jahren beschäftigt mich die Geschichte von Barbara der Markgräfin..nach etwa einem halben Jahr muss ich das Buch wieder lesen.Bin jetzt 40 Jahre alt und ich lese viiiel,aber so angetan und hingerissen war ich noch nie von einer Geschichte.Danke liebe Sabiene für diese wunderbare Arbeit.Yvonne

03.08.2007 17:43:06
Sylphide

Kann das Buch wärmstens empfehlen. Ich konnte es überhaupt nicht aus der Hand legen.

Der Wechsel zwischen Barbaras mittelalterlicher Welt und der zeitgenössischen Ebene der forschenden Vier ist wirklich sehr gelungen und spannend.

Volle Punktzahl für Sabine Weigands Roman.

12.05.2007 21:36:44
Carolin Fuchs

Das Buch ist einfach nur wahnsinnig gut. Besonders die Abwechslung der Erzählung der Geschichte von Barbara und dann wieder die Erzählung der "Forschenden Vier" erhöht die Spannung ungemein. Es reisst jeden, auch jeden, der sonst nicht viel mit Geschichte im Gemeinen hat, einfach nur mit. Das Buch aus der Hand zu legen ist nicht möglich, da man wissen will, wie es den Protagonisten ergeht. Die Emotionen werden ganz deutlich spürbar, man hat sogar das Gefühl, dass man sich teilen kann. Teilweise fühlt man, dass man ein Teil in Barbaras Gefühlswelt ist, teilweise fühlt man wie sehr die Forschenden sich in die Forschung hineinknien. Besonders die im Buch abgedruckten Briefe der mittelalterlichen Figuren lassen die Zeit noch näher an sich herankommen und doch hat man das Gefühl, Barbara könnte auch heutzutage leben.

Sabine Weigand hat ein hoch emotionales und beinahe kriminologisches Werk geschrieben, welches meiner Meinung nach verfilmt werden sollte. Dieser Film wird auf jeden Fall ganz großes Gefühlskino.

24.03.2007 11:16:59
Dagmar

Ein tolles Buch um eine nichtzubeneidende Akteurin! Einmal angefangen zu lesen, kann man sich nur widerwillig losreissen. Man erfährt u.a. viel über mittelalterliche Lebensformen und Lebensweise auf einer Burg. Arm-/Reichgefälle wird auch in anschaulichen Bildern skizziert. Und die Gegenwartssequenzen mit dem kauzigen Protagonisten, der den damaligen Ereignissen auf die Spur kommt, sind ein Zusatzbonus! Sehr empfehlenswert.....