Die Markgräfin

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  • Erschienen: Januar 2004
  • 26
  • , 2004, Titel: 'Die Markgräfin', Originalausgabe
Die Markgräfin
Die Markgräfin
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Bettina Weiß
851001

Histo-Couch Rezension vonJan 2007

Rätselhafter Fund eines Kinderskeletts

Bei Renovierungsarbeiten auf der Kulmbacher Plassenburg entdecken Handwerker im Dezember 2001 in einer Mauerlücke ein kostbares Kästchen aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich die Knochen eines Säuglings befinden. Kastellan Haubold und ein Team aus Hobbyforschern versuchen die Geschichte des Kindes zu entschlüsseln und die merkwürdigen Umstände seiner Bestattung zu erforschen. Stück für Stück kommen sie dabei einem historischen Kriminalfall auf die Spur.

Hochzeit - kurze Ehezeit - und eine neue arrangierte Ehe

In diesem Roman wird die Lebensgeschichte der Markgräfin Barbara von Brandenburg- Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen, Königin von Böhmen, erzählt, die Sabine Weigand anhand von historischen Zeugnissen und Originalbriefen rekonstruiert hat.

Barbara wird mit 10 Jahren mit dem Herzog von Groß-Glogau und Crossen verheiratet. Anfangs fällt es ihr schwer, sich am herzoglichen Hof zurecht zu finden. Mit der Zeit nähern sich die Eheleute an und Barbara beginnt, ihren Ehemann lieb zu gewinnen. Kaum zwölf Jahre alt, stirbt ihr Ehemann und Barbara kehrt als Witwe auf die Plassenburg zurück. Kurze Zeit später wird Barbara als 15jährige mit König Wladislaw von Böhmen mittels eines böhmischen Gesandten verheiratet. Da die Ehe aus politischen Gründen für ihn uninteressant wird, holt der Ehemann Barbara nie zu sich nach Böhmen. Er zieht lediglich Nutzen aus ihrer reichen Mitgift und Witwengut. Barbara bleibt indes auf der Plassenburg und muss erleben, wie ihre Brüder aus der Situation Nutzen ziehen wollen und sie wie eine Marionette hin und her schieben. Als sie sich in einen unbedeutenden Ritter verliebt und nach Jahren beim Papst um die Annullierung der nie vollzogenen Ehe ersucht, wird sie von ihren Brüdern auf der Plassenburg nahezu als Gefangene gehalten. Aber Barbara findet einen Weg ihr Schicksal zu meistern...

Die Historikerin Sabine Weigand ist bei ihren Forschungen zur Plassenburg in Kulmbach auf das Schicksal der Markgräfin Barbara gestoßen und hat einen wunderbaren Roman um ihr Leben entworfen. Im Roman werden zwei Erzählstränge verfolgt: Zum Einen die Ermittlungen der Hobbyforscher um den Fund des Skeletts und die Lebensgeschichte der Markgräfin Barbara von Brandenburg-Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen, Königin von Böhmen . Beide Handlungen werden abwechselnd erzählt, so dass der Leser den Forschern immer ein bisschen voraus ist und so ihre Arbeit bewerten kann. Das Buch ist leicht und flüssig zu lesen, die Sprache im historischen Teil nicht zu modern, sondern sie versucht die Stimmung und den Flair der Zeit aufzunehmen, ohne zu altertümlich zu sein.

Spannendes und realistisches
Frauenschicksal des 16. Jahrhunderts

Die Autorin beschreibt sehr spannend, aber auch realistisch ein Frauenschicksal des 16. Jahrhunderts. Die Heldin ist sympathisch und patent, ohne jedoch zu modern zu sein und sich außerhalb ihrer Lebenszeit zu bewegen. Durch die eingeschobenen Bezüge zu den Arbeiten der Forscher in den Jahren 2001 und 2002 wird der Spannungsbogen sehr gut gehalten, da die Handlung auch durch die Forschungen vorangetrieben wird, wenn Entdeckungen gemacht werden, die sich durch die historische Handlung nicht erklären lassen und der Leser gespannt auf die Erklärung wartet.

Der Roman lebt zu einem großen Teil von der Schilderung der Haltung der Gesellschaft und der Familie gegenüber den Frauen, Töchtern und Schwestern. Diese sind nur dann für die Familie und Gesellschaft wichtig, wenn sie verheiratet werden können, Vermögen aus Mitgift oder Witwengut haben. Als Personen sind sie völlig uninteressant.

Als Barbara sich hiergegen auflehnt und rebelliert, zum Beispiel durch ihr eigenes Tätigwerden bei der Annullierung ihrer Ehe mit dem König von Böhmen, wir sie sanktioniert und weggesperrt. Barbara auf ihrem Weg zu begleiten, die sich hiergegen zur Wehr zu setzen und ihren Weg zu finden versucht, bringt sehr viel Lesefreude und unterhaltsame Stunden.

Im Anhang des Buches findet sich ein Nachwort der Autorin zur historischen Barbar und eine Erläuterung der dichterischen Freiheit. Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet mit einem schönen Cover und einem Stich der Plassenburg um Anhang.

Die Markgräfin

Sabine Weigand, -

Die Markgräfin

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