Pfaueninsel

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Kiepenheuer & Witsch, 2014, Titel: 'Pfaueninsel', Originalausgabe

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Carsten Jaehner
Ein grosser Roman über eine Zwergin

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Apr 2015

In der Havel liegt bei Potsdam die Pfaueninsel, benannt nach den zahlreichen Pfauen, die darauf leben. Doch leben nicht nur Pfauen auf der Insel, und das hat mit der schillernden Geschichte der Insel und ihrer Bewohner zu tun.

Einer dieser Bewohner ist der kleinwüchsige Zwerg Christian Friedrich Strakon, dessen vier Jahre jüngere Schwester 1810 auf die Insel kommt und von der Königin Luise in einer ersten Schockbegegnung als "Monster" bezeichnet wird. Derart vor den Kopf gestossen, bleibt auch die sechsjährige Marie auf der Insel und lebt fortan in einem der von Schinkel entworfenen Gebäude. Neben dem Gärtnerhaus mit Hofgärtner Fintelmann gibt es noch eine Meierei, das Schloß, ein Kastellanshaus und ein Gutshaus. Zahlreiche Bäume und Felder mit Vieh, ein Karpfenteich und unzählige Wege sind nun Maries neue Heimat.

Von nun an leben die Geschwister mit den drei Kindern der Schwägerin von Gärtner Fintelmann zusammen, vor allem Gustav ist es, der es Christian und vor allem Marie angetan hat. Zu Beginn der jungen Kindheit noch ungefähr gleich groß, wächst Gustav als "normales" Kind und überragt die beiden bald, spielt aber trotzdem noch weiter mit ihnen. Und mit der Zeit kommen noch mehr Bewohner auf die Insel, die sich im steten Wandel befindet. Sämtliche Kuriositäten an Tieren und Pflanzen, die der König geschenkt bekommt, werden auf der Pfaueninsel angesiedelt. Käfige und Gehege müssen gebaut werden, Pfleger angestellt werden und gelegentlich kommt sogar jemand vom Hof vorbei, um die Schönheiten zu inspizieren. Eine Insel voller Kostbarkeiten und Kuriositäten. Was zählt es, dass zwei Zwerge mit dabei sind? Und hat die aufkeimende Liebe zwischen Marie und Gustav eine Chance?

Bewohner der Insel

Thomas Hettche hat mit Pfaueninsel einen historischen Roman vorgelegt, der anhand der Figur der kleinwüchsigen Marie Aufstieg und Blütezeit der Pfaueninsel in der Havel erzählt, die man heute noch besichtigen kann. Sein Sprachstil ist klar und blumenreich, es ist ein Freude, ihm und den Bewohnern der Insel zu folgen und ihr Leben und ihre Heimat kennen zu lernen. Marie wird zum Schloßfräulein und kennt sich bald auf der Insel aus wie kein zweiter. Jeder Baum, jedes Tier, jede Ecke ist ihr vertraut, und auch neue Bewohner werden schnell akzeptiert.

Und es kommen viele neue Bewohner. Kängurus, Löwen, Affen, Hirsche, alle in Listen festgehalten und dokumentiert, alle Bäume festgehalten und dokumentiert. Neue Bäume bedeuten neue Gebäude, in denen sie gerade für die Überwinterung gelagert werden müssen, und so befindet sich die Insel stets im Wandel. Es kommen auch neue Bewohner wie ein Riese, ein Inder und ein Tiefschwarzer hinzu, die sich alle zum morgendlichen Frühstück treffen und dann ihrer Arbeit nachgehen - ein Kuriositätenkabinett an Menschen, die nicht weg können von ihrer Insel und die so ganz besondere "Ausstellungsstücke" sind - auf einer Stufe mit Tieren und Pflanzen, nur nützlicher.

Als Christian ans Festland geht, um dort eine Schneiderlehre zu machen, bleibt Marie zurück und hat zunächst Probleme, allein die Zeit auf der Insel herumzubringen. So mehr und mehr auf sich allein gestellt, lebt der Leser ihr Leben mit und bekommt dabei vom Autor wundervolle Beschreibungen der Veränderungen und neuen Bewohner der Insel und den Reaktionen darauf. Beinah fühlt man sich selbst als Inventar.

Kuriositätenkabinett

Auch Marie fühlt sich mehr und mehr nur als Inventar, denn sie hat eigentlich überhaupt keine Funktion, ausser einfach da zu sein und, falls mal Besuch kommt, da zu sein und ein Kuriosum zu sein, mit dem man sich allerdings unterhalten kann. Hettche beschreibt ihr Gefühlsleben sehr eindrücklich und entdeckt dabei viele Parallelen zwischen ihr und der Inselwelt.

Der Autor versteht es, den Leser vor allem sprachlich in die Zeit zu versetzen. Er lässt sich Zeit mit seinen Beschreibungen und schafft so die Insel als eigene Welt, die sie ja wohl auch ist, in all ihrer Pracht, Schönheit und letztlich aber auch Einsamkeit. Eine schlafende Riesin, die zwar ein Eigenleben hat, aber nur gelegentlich für Königsbesuche oder Besuche aus der Familie zum aussergewöhnlichen Leben erwacht. Mit der Zeit werden die Besucher der Königsfamilie weniger und es werden Tagesbesucher herübergefahren, die ein bisschen Geld in die Kasse spülen zum Unterhalt der Insel.

Geschenksammlung

Hettche beschreibt einen Zeitraum von 1810 bis 1880, wo das prächtige Palmenhaus abbrannte, wo Marie auf der Insel lebt und sie nur einmal kurz verlässt, was sie aber nicht glücklich macht. Die siebzigjährige Entwicklung wird in allen Facetten festgehalten und ist sprachlich für jeden Leser ein Fest, der auf niveauvolle historische Unterhaltung Wert legt. Sicher, eine knackige Handlung in dem Sinne gibt es nicht, aber Maries Biografie ist der rote Faden durch die Geschichte, mit Aufs und Abs, die hier nicht weiter verraten werden sollen. Der Autor fängt die Zeit wundervoll ein und schafft eine bunte Figurenschar, die, teils historisch belegt, teils nicht, dem Leser vor Augen kommen und die das beste aus ihrer Situation machen. Ein lebendiges Kuriositätenkabinett.

Der Roman ist meisterhaft erzählt und der Autor wird zurecht hoch gelobt für seine sprachlichen Visionen, die er dem Leser herüberbringt. Es wurde exakt und ausführlich recherchiert und der Detailreichtum spricht für sich. Hettche ist ein Erzähler, dem man gerne zuhört und dem man auch noch länger zuhören könnte. Man bekommt Lust, selber einmal die Pfaueninsel zu besuchen, das kleine Hardcover aus dem Hause Kiepenheuer & Witsch in der Tasche, und nachzuschauen, was aus einzelnen Elementen aus dem Buch geworden ist.

In den Innenseiten des Buchcovers befindet sich eine Landkarte mit der Havelregion, in der die Pfaueninsel bei Potsdam zu finden ist, leider fehlt eine grössre Karte, die die Insel etwas detaillierter gezeigt hätte. Auch sonst hat der Roman keine Extrabeigaben wie eine Zeitleite oder einem Kommentar, wer in dem Roman fiktiv ist und wer nicht. Das ist schade, stört aber den Zauber der Erzählung nicht. Pfaueninsel ist ein schöner, träumerischer, verspielter Roman, der noch lange im Gedächtnis haften bleibt, und das zurecht. Hier kann man zugreifen und die Seele baumeln lassen, und das auf sprachlich hohem Niveau. Was will man mehr?

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